Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Schlagwort: Israel Seite 2 von 3

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„Gaza sieht immer mehr wie ein KZ aus“ – Obskurer Islamforscher zu Gast bei der Uni Osnabrück

Von Clemens Heni und Michael Kreutz

Dieser Text erschien zuerst auf Ruhrbarone

Im Jahr 2015 gab es alleine in Frankreich zwei islamistisch motivierte Massaker mit fast 150 Toten, am 7. bzw. 9. Januar in der Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris bzw. einem jüdischen Supermarkt und am 13. November im Club Bataclan, mehreren Cafés sowie am Stade de France, wo gerade ein Fußballfreundschaftsspiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand. Daraufhin wurde wenige Tage später erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik aus Terrorangst ein Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft in Hannover abgesagt.

Doch all diese spezifisch mit dem Islamismus und Jihadismus zusammenhängenden Ereignisse führen eben in der Wissenschaft, der Islamforschung wie der Islamischen Theologie, offenbar weiterhin kaum dazu, Kritik am Islamismus und Antisemitismus zu üben. So wird der Präsident der Uni Osnabrück, Prof. Wolfgang Lücke, am 14. Januar 2016 die Konferenz „Antimuslimischer Rassismus und Islamfeindlichkeit in Deutschland und Europa“ begrüßen. Es ist eine dreitägige, große Konferenz mit über vierzig Referentinnen und Referenten, organisiert vom Institut für Islamische Theologie der Uni Osnabrück und finanziert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem Graduiertenkolleg Islamische Theologie sowie der Bundesregierung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Hier kommt eine Opferhaltung zum Ausdruck, die den Islamisten letztlich nur in die Hände spielt. Kein einziger Vortrag ist der jihadistischen und islamistischen Gewalt und Ideologie gewidmet. Sicher, angesichts eines unübersehbaren rassistischen Klimas in Deutschland, von Pegida über die AfD bis hin zu Neonazis, die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verüben, ist eine Kritik am Rassismus notwendig. Doch was soll „antimuslimischer Rassismus“ sein? Rechtspopulisten mögen ein besonderes Problem mit dem Islam haben, allgemein hetzen sie aber gegen die Zuwanderung insgesamt. Sie wollen ein völkisch homogenes Deutschland.

Der eigentliche Skandal der Konferenz ist der Hauptredner, der amerikanische Islam- und Nahostforscher John L. Esposito, Jg. 1940. Er hat einen von Saudi-Arabien (mit)finanzierten Lehrstuhl und ist einer der umstrittensten Nahostforscher in Amerika. Acht Jahre ist es her, seitdem der amerikanische Nahostkenner Martin Kramer darauf hingewiesen hat, dass mit den Berechnungen bezüglich der Zahl von radikalisierten Muslimen von John Esposito etwas faul ist.

Demnach hatte Esposito eigene Umfragen unter Muslimen dahingehend interpretiert, dass nur 7% der Befragten als radikalisiert bezeichnet werden können. So gering nämlich sei der Anteil derer, die der Aussage zustimmen, dass die Anschläge vom 11. September 2001 „völlig gerechtfertigt“ seien. Dabei fiel aber unter den Tisch, dass anderthalb Jahre zuvor Esposito und seine Co-Autorin auch solche Befragten zu den Radikalisierten zählten, die der Aussage zustimmten, dass die Anschläge „weitgehend gerechtfertigt“ seien. Viele von denen, die vorher noch als radikal gegolten hatten, wurden plötzlich zu Moderaten verklärt.

Selbst Islamisten, die in der Forschung für ihre gefährliche Ideologie seit Jahren analysiert und kritisiert werden, wie die Gülen-Bewegung, Tariq Ramadan aus der Schweiz, Yusuf al-Qaradawi aus Katar oder Mustafa Ceric aus Bosnien werden von Esposito als wunderbare Beispiele für einen „moderaten“ Islamismus betrachtet. Doch es gibt keinen „moderaten“ Islamismus, wie schon der Politik- und Islamwissenschaftler Bassam Tibi in einer Kritik an Esposito vor Jahren betonte. Ein Yusuf al-Qaradawi, der Selbstmordattentate gegen Israelis für religiös rechtmäßig erklärt, wird nicht dadurch moderat, dass er ihre Durchführung auch Frauen ohne Erlaubnis ihrer Väter oder Ehemänner zubilligt!

In seinen Büchern und Texten zeigt sich die ganze Ideologie von John Esposito. Für ihn ist der islamische „Fundamentalismus“ im Iran, dem zigtausende Menschen zum Opfer gefallen sind, das gleiche wie ein christlicher in den USA, der reaktionär sein mag, aber nicht mörderisch ist. Ebenso verglich er George W. Bush mit dem Dschihadisten, Massenmörder und Mastermind des 11. September 2001, Osama bin Laden. Solche Vergleiche mögen im Westen in manchen Kreisen populär sein, sie sind aber grundfalsch, weil beide Personen für entgegengesetzte Werte stehen.

In seinem Buch „The Future of Islam“ (Die Zukunft des Islam) von 2010 vergleicht Esposito die Situation im Gazastreifen mit KZs und somit Israel mit Nazis – eine klare antisemitische Diffamierung, nach Definition des amerikanischen Außenministeriums und der internationalen Antisemitismusforschung.

Mehr noch: im August 2014 beschuldigte Esposito auf Twitter den Holocaustüberlebenden Elie Wiesel, dieser spiele angesichts der Ereignisse in Gaza eine „Holocausts-Trumpfkarte“ aus. Wiesel hatte zu Recht betont, dass die islamistische Terrororganisation Hamas endlich aufhören solle, Kinder als Schutzschilde zu missbrauchen. Er wies darauf hin, dass Juden schon vor über 3500 Jahren dem Menschenopfer eine Absage erteilt hatten und solche Praktiken für einen zivilisatorischen Rückfall hielten. Für Esposito aber war das kein Grund nachzuhaken, sondern Anlass zur Diffamierung. So reden in Deutschland üblicherweise nur Neonazis und extreme Rechte.

Schließlich hat Esposito in seinem Buch „Die Zukunft des Islam“ auch dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Peter Frisch, ohne jeden Beleg (!) die Aussage unterstellt, „Muslime wollen die Welt beherrschen“. Solche Aussagen wie auch andere Verdrehungen in seiner Darstellung disqualifizieren Esposito als Redner. Frisch hat das Behauptete aber nicht nur nicht gesagt, sondern sich dezidiert dagegen gewandt, Muslime zu diffamieren. Davor warnt er nachdrücklich. Esposito dagegen versucht eine deutsche Bundesbehörde, die den Islamismus beobachtet und vor ihm warnt, zu diskreditieren.

Wollen der Präsident der Uni Osnabrück, die über vierzig Referentinnen und Referenten wie auch die involvierten Landes- wie Bundesministerien einer solchen Rabulistik, diesem Antisemitismus und dieser Verharmlosung des Islamismus wirklich Vorschub leisten?

 

Clemens Heni Nassau Inn Princeton 05252009

Dr. phil. Clemens Heni

Dr. phil. Clemens Heni ist Politikwissenschaftler und Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

 

 

 

 

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Dr. phil. Michael Kreutz

Dr. phil. Michael Kreutz ist Arabist und Islamwissenschaftler in Münster

Does Germany need just another Islamist, anti-Israel and antisemitic infusion by John L. Esposito?

By Clemens Heni

75 year old John L. Esposito, Georgetown University’s Director of the Prince Alwaleed Center for Muslim-Christian Understanding and professor of International Affairs at Georgetown University in Washington, D.C., will be the keynote speaker of a big conference in Germany, Jan 14–16, 2016, about „anti-Muslim racism and hostility towards Islam in Germany and Europe.“

The conference will take place at the University of Osnabrück in the North-West of Germany, over forty speakers are invited to speak. The event is organized by the “Center for Islamic Theology,” and supported by the German Federal Government and its Ministry of Education and Research, Lower Saxony’s Ministry for Research and Culture, and the Post Graduate Program Islamic Theology.

This Center for Islamic Theology is headed by Bülent Ucar, who is the main organizer of the event alongside with his co-worker, Nina Mühe, an anthropologist and Islamic studies scholar known for her attack on Berlin’s Anti-Hijab Law in classroom. Mühe is a former fellow at a German branch of George Soros’ Open Society Institute.

Obviously, attacks like the Charlie Hebdo and Kosher supermarket massacre in Paris in January 2015 are a “reason” for many academics in the humanities and social sciences to focus on an alleged “anti-Muslim racism‟ and not on Jihad, Islamism, Muslim anti-Semitism and Muslim terrorists. This is mainstream in Europe and the Western world ever since 9/11. We are facing in part a racist and nationalist climate in Germany, indeed. But this has nothing to do with the rejection of most academics in the field of Islamic Studies to deal, let alone fight Islamism in all its forms. The true antifascism of the 21st century deals with both the neo-Nazi and Islamist threats.

In his book “Who Speaks for Islam?” (2007, together with Dalia Mogahed), Esposito used the equivalence of anti-Semitism and “Islamophobia.” In his distorted view, Jews aren’t but a “religion” and just one of two “religions with Semitic origins.” In fact, hatred of Jews is a worldwide ideology, while “Islamophobia” is rather an invention by some specific circles, namely Iran and Islamist organizations and their followers.

More recently, Esposito also started to defame Egypts’s anti-Muslim-Brotherhood stance and started his “Brigde Initiative,” dedicated to the analysis of “Islamophobia” and the defamation of all critics of jihad and Islamism.

Esposito is fascinated by the “Iranian Revolution” from 1979, as can be seen in his edited volume “The Iranian Revolution. Its Global Impact” (1990) and his chapter “The Iranian Revolution. A Ten-Year Perspective,” where he also emphasized the outreach of Iranian style Islamism to Muslims outside Iran. In 2010, he co-edited the volume “Islam and Peacebuilding. Gülen Movements Initiates,” where he promotes the Islamist approach of Fethullah Gülen and frames him as a kind of Islamic version of German philosopher Jürgen Habermas. Both share a “similar belief in mutual understanding, dialogue and optimism,” murmurs Esposito.

This “optimism” (a nice word for the spread of Islamism, no?) can also be seen in the work of leading Sunni cleric Yusuf al-Qaradawi, another protagonist of Esposito. In his book “The Future of Islam” (2010), the Saudi (Prince Alwaleed) funded scholar says, al-Qaradawi “claims that everything is acceptable (halal) unless proven forbidden (haram).” This makes him a moderate according to Esposito and his German colleagues Gudrun Krämer and Bettina Gräf. Gräf co-edited a book, “The Global Mufti,” with pieces by another Georgetown academic, Barbara Freyer-Stowasser (1935–2012), about “gender equality” in a fatwa about female suiciding bombing against Israel by al-Qaradawi.

In “The Future of Islam,” Esposito also invokes an equivalence between Islamic and Western “fundamentalism,” taking Ronald Reagan and the Iranian Revolution as examples, he also compares George W. Bush to Osama Bin Laden. This cultural relativist approach is well known. But jihad and the rule of religion (Islamism) is not the same as whatever democratic government in the US, Britain or Germany and France etc. does. Mustafa Ceric, former Grand Mufti of Sarajevo, is another Islamist portrayed as kosher, by Esposito. Ceric once went to the Auschwitz Memorial site, not to remember the Shoah but rather to invoke the Muslims-are-the-new-Jews-analogy. Ceric has also been criticized for his ties to the Islamist Muslim Brotherhood, among other Islamist aspects of his approach.

Finally, Esposito refers to German security expert and former head (1996–2000) of the “Federal Agency for the Protection of the Constitution,” Peter Frisch. In his 2010 book (finished in 2009), Esposito writes about Frisch as if he was head of that important institution in 2009, which is a minor problem compared to the lie, the Georgetown scholar spreads about Frisch. Esposito writes: “In Germany, Peter Frisch, head of the Bundesamt für Verfassungsschutz (Federal Office for the Protection of the Constitution), has repeatedly asserted, ‘Muslims want to rule the world.’” He does not quote form a single article by Frisch. In 2001, after 9/11, Frisch argued against the defamation of all Muslims. In 1997, Frisch argued against the rise of Islamism and the reluctance in Germany to even deal with that problem. To my knowledge, he never said that all Muslims want to rule the world. This reproach is rather a lie, invented by Esposito – who runs short to substantiate his claim. But Esposito is obviously not interested in research and quotes.

August 5, 2014, during the latest Gaza War, John L. Esposito tweeted the following: “Elie Wiesel plays the Holocaust trump card in Gaza” and links to an antisemitic homepage – “Mondoweiss.” Wiesel had said, that Jews stopped using children as sacrifices some 3500 years ago, Hamas should stop it now, too. Truly a correct statement, taken the fact that Hamas is verifiably known for abusing children and others as human shields. For Esposito this was just another reason to defame Israel and make fun of the Shoah and a Holocaust survivor.

Esposito compares Israel to Nazis, uses even more antisemitic language, promotes Islamists as possible allies and defames German officials, who headed federal offices in the fight against Jihad and Islamism.

Are these enough reasons for the Jewish Museum Berlin’s Yasemin Shooman, the mainstream weekly “Die Zeit” and its author Yassin Musharbash, the left-green-wing daily “taz” and its Daniel Bax, scholars like Andreas Zick from Bielefeld University, who even sits on Board of the US based “Journal for the Study of Antisemitism” (JSA), or historian Wolfgang Benz, former head of the “Center for Research on Antisemitism” at Technical University Berlin, dozens of other scholars, activists and authors, the Government of Lower Saxony and the German Federal Government to support and join such an event?

 

 

Gute Deutsche versus antideutsche jüdische Taxifahrer in New York. Bizarres von der „Pro-Israelszene“

Alle müssen dieses Jahr so tun, als ob sie Juden irgendwie doch mögen. Klar, die toten Juden mochten die Deutschen schon immer, vor und fast noch mehr nach 1945 (allerdings verschärft erst wieder seit den 1980er Jahren). 2015 muss mann und frau jedoch auch mal so tun, als ob die heute lebenden Juden zumindest erwähnt werden sollten, denn es sind ja die staatlich finanzierten Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Beginns der (west-)deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen. Es ist deshalb schon bemerkenswert, dass es diese Beziehungen gibt, weil es ja für die Welt besser gewesen wäre, hätte es nach 1945 gar kein Deutschland mehr gegeben. Das sah auch der Soziologe Helmuth Plessner so, by the way, der nach dem Nationalsozialismus, 1946/1948, gerade keinen deutschen Nationalstaat mehr wollte, vielmehr föderale Strukturen, die an die Nachbarländer angekoppelt sein sollten. Dafür wurde er noch 1981 vom Soziologen Helmut Schelsky als „Deutschenhasser“ geziehen (siehe dazu Carola Dietze, Nachgeholtes Leben. Helmuth Plessner 1892–1985). Bekanntlich jedoch gab es nach 1945 gleich zwei deutsche Staaten und seit 1990 wieder einen, der fast so groß ist wie das Deutschland von 1933 und Europa ökonomisch und politisch beherrscht wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

 

Um nun zu zeigen, wie sehr die Deutschen die Juden doch mögen, gibt es Ausstellungen im Deutschen Bundestag mit Grußworten in Broschüren von Bundesaußenminister Steinmeier, der gleichzeitig dem auf die Vernichtung der Juden und ihres Staates ausgerichteten Regime in Teheran die Hand schüttelt. Es gibt auch „Heimat“-Abende mit Steinmeier und Edgar Reitz, dem Vordenker der nationalistischen Heimatideologie der BRD der frühen 1980er Jahre, als „nationale Identität“ – ein Wort des Vordenkers der Neuen Rechten, Henning Eichberg – in aller Munde und Thema unzähliger Konferenzen nicht nur evangelischer oder christlich-sozialer Akademien war. Edgar Reitz hatte nämlich – und hier haben wir schon mal die bösen Amerikaner, die nachher noch eine prominente Rolle spielen werden – einmal gesagt, was ihn motiviert hatte, jene TV-Serie „Heimat“ zu drehen:

„Der tiefste Enteignungsvorgang, der passiert, ist die Enteignung des Menschen von seiner eigenen Geschichte. Die Amerikaner haben mit Holocaust [der TV-Serie, d.V.] uns Geschichte weggenommen.“

Das prädestinierte ihn offenbar, mit Steinmeier im Jahr 2015 die Feierlichkeiten zu dem runden Geburtstag der deutsch-israelischen Beziehungen einzuläuten. Alle erwähnen die „deutsche Verantwortung“, die gerade darin besteht, den Juden zu sagen, wo es langgeht. Was man sich „unter Freunden“ eben so sagt. Und das ist ja auch ein Geschäft, nicht nur im Ausstellungs- und Devotionaliengewerbe.

Der Publizist Eike Geisel hat bezüglich der deutschen Erinnerungsleistungen schon 1992 in seinem Buch „Die Banalität der Guten“ geschrieben:

„Ein halbes Jahrhundert nach der wirtschaftlichen Ausplünderung der Juden, die 1938 einen Höhepunkt erreicht hatte, sind die Vertriebenen und Ermordeten zum Material einer gemeinnützigen Wachstumsindustrie geworden: There is no business like Shoahbusiness.“

Als wollten sie seine Kritik nachträglich bestätigen, basteln heute ganz normale Deutsche aus Fotografien von Stolpersteinen ganze Wandtapeten, und der Arbeiter, der die Steine verlegt, meint, er sei geradezu „süchtig“ danach. Deutsche Obsessionen kennen keine Grenzen, wenn es um Juden geht.

Und dann gibt es auch Buffets der Luxusklasse wie im Alten Rathaus Hannover zu Ehren der diesjährigen Preisträgerin des Theodor Lessing-Preises. Geladen waren Bundestagsabgeordnete, Landtagsabgeordnete, der Bürgermeister von Hannover, Lokalgrößen und –patrioten, Unbekannte und weniger Bekannte, die Presse, das Fernsehen (NDR, ARD). Eine gehobene Stimmung war allseits erkennbar.

Es war eine ganz typische, aber doch so ehrliche Positionierung in der „Pro-Israel-Szene“, der nicht-jüdischen, wie es sie eher selten gibt, an diesem denkwürdigen Abend in der Altstadt Hannovers. Wir hatten es ja mit Freunden Israels zu tun. Doch wie wird man zu einem Freund Israels?

Es wurde von der Preisträgerin, die als Letzte an diesem Abend sprach, gar nicht erst um den heißen Brei geredet oder so getan, als ob frau sich für den Zionismus interessiere oder anerkenne, ganz grundsätzlich, dass Juden ein Recht auf die Errichtung oder auch Wiedererrichtung staatlicher Souveränität nach 2000 Jahren hätten oder wenigstens einen Schutzraum brauchen vor Antisemitismus. Vielmehr ging es ums Eingemachte, um den Holocaust und das Deutsch-Sein. Die Preisträgerin sprach nämlich ganz offenherzig und völlig schamlos von ihrer persönlichen Motivation, sich für Israel einzusetzen, und zwar nicht als Person, sondern als Deutsche.

Und das ging so: eines Tages, wohl so um 1970 herum, sie war noch jung, war sie in einem Taxi in New York unterwegs. Als der Taxifahrer hörte, dass sie Deutsch sprach oder bemerkte, wie sie sich als Deutsche zeigte, warf er sie aus dem Taxi. Wer sich je mit amerikanischen Freundinnen, Freunden oder Bekannten über die Post-Holocaust-Zeit unterhalten hat, weiß wie verbreitet z.B. der Boykott deutscher Produkte bei Juden in den USA damals war. Das verwundert ja überhaupt nicht.

Die Preisträgerin jedoch stand also alleine und verlassen auf einem Highway kurz vor Manhattan, so erzählte sie es. Der Taxifahrer hieß „Menachem“, das hat sie sich bis heute gut gemerkt. Und sie fühlte auf diesem Highway, wie es wohl für die Juden gewesen sein musste, als sie auf dem Weg ins KZ waren. Das hat die Preisträgerin so gesagt. Genau so.

Mehr noch: sie betonte, dass diese Begebenheit sie dazu animierte, Deutschland wieder einen guten und schönen Namen zu geben (damit nie mehr eine deutsche Frau von einem jüdischen Taxifahrer in New York aus dem Auto geschmissen wird, das war der Subtext hierbei). Sie tue alles, damit in Israel Deutschland ein schöner Name sei. Und sie ist überglücklich, wenn jüdische Kinder sie umarmen und küssen, wenn sie Süßigkeiten oder einen neuen Spielplatz bekommen. Schließlich sind ja so viele Kinder im Holocaust umgekommen. Auch das sagte sie. Und das mag auch für nicht wenige in deutsch-israelischen Gesellschaften der Grund sein, stolzdeutsch eine deutsche Fahne am Revers zu tragen, die zwar von einer israelischen flankiert wird, aber doch den deutschen Namen reinwaschen möchte. Es geht um ein Reinigungsritual. Sicher, das ist um Welten besser als der Antizionismus weiter Teile der deutschen Bevölkerung, zumal der Eliten in Politik, Wissenschaft und Kultur.

Auch viele Verfechter der Stolpersteine wollen sich offenbar gerne freikaufen (120€ kostet das) und vor allem der Welt zeigen: Deutschland erinnert und ist ein ganz schönes Land! Merkt euch das! Wir wissen, wie man mit den Millionen ermordeten Juden umgeht! (Schließlich haben wir sie auch ermordet. Oder vielmehr unsere Väter, Großväter und Onkel und deren Frauen, die auf die eine andere Weise dabei geholfen haben). Dass die Steine von Gruppen und Leuten, die bekannt sind als Israelhasser (wie in Kassel oder anderswo), verlegt werden (lassen), das stört uns gar nicht. Diese unwürdige Form des „Gedenkens“ kann einem in den Sinn kommen ob dieser Feierstunde im Alten Rathaus Hannover. So wie die Stolpersteinfetischisten der ganzen Welt in Weltmeistermanier zeigen wollen, wie massenhaft die Deutschen solche Steine verlegen und also so tun, als ob sie – und nur sie – wissen, wie man gedenkt, so wollte die Preisträgerin womöglich unbewusst zeigen, was für nicht wenige die Motivation sein könnte, sich für Israel einzusetzen: nicht wegen den Juden oder den Israeli, nein, wegen sich, wegen „uns“, wegen „Deutschland“ und seines Rufs.

Anders ausgedrückt: wenn das der nicht-antisemitische Teil des deutschen kulturellen Establishments war oder sein sollte, der sich dort traf, hat man eine Ahnung, wie es um den anderen bestellt sein muss.

Davor und danach gab es noch etwas teils unpassende, schunkelhafte Musik (es war eine Preisverleihung zu Ehren eines von Nazis 1933 ermordeten Juden) aus einem E-Piano und von einer Violine, Blumen. Und alle waren glücklich.

 

Eine, die es “geschafft” hat – Die pro-iranische Soziologin Naika Foroutan und die „jüdische Lobby“ in Amerika

 

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Albert Einstein

 

 

Von Dr. phil. Clemens Heni, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

 

Für die Soziologin Naika Foroutan war der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon ein „Staatsterrorist“, der frühere iranische Präsident Khatami, der von Israel als einem „krebshaften Tumor“ spricht, ein wundervolles Zeichen für einen „Kulturdialog“ des Islams mit dem Westen. Der 11. September wird von Foroutan rationalisiert, da die „Erniedrigung der Palästinenser“ Movens gewesen sei. So steht es in ihrer Dissertation von 2004. 2010 pushte Maybrit Illner die Agitatorin, Anfang Januar 2015 kam die „Expertin“ Foroutan zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Zick in der Hauptausgabe der Tagesschau zu Wort, da sie sich gegen den Rassismus und Nationalismus von PEGIDA wende. Doch Andreas Zick von der Amadeu Antonio Stiftung scheint gar nicht zu wissen, mit wem er es bei Foroutan zu tun hat. Auf der Homepage zum 50jährigen Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen wird Foroutan auch publiziert. Foroutans Doktorvater an der Universität Göttingen, der bekannte Politologe Bassam Tibi, scheint ihre Arbeit womöglich nicht en detail gelesen zu haben. Oder teilt er ihre Ideologie?

Das Beispiel der Soziologin Naika Foroutan, stellvertretende Leiterin des angesagten Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung an der Humboldt Universität (HU) Berlin, kann exemplarisch zeigen, dass gerade auch Migranten, die es „schaffen“, die sehr gut gebildet sind und einen tollen Job im Mainstream der Gesellschaft haben, politisch zu kritisieren sind wie alle anderen, die es „schaffen“.

Damit soll der Fokus verschoben werden: es geht nicht immer nur um jene, die als „Versager“ oder Vertreter eines „Terrors der Verlierer“ (Der Spiegel) dastehen, wie Kämpfer des Islamischen Staates (IS) oder die Jihadisten von Paris. Denn als „Versager“ werden jene von den großen Medien und im Diskurs gesehen. Es gilt aber ebenso einen Blick auf die Sieger zu wagen. Technische Teile für Atombomben in Iran werden von jenen Ingenieuren entwickelt, die es „geschafft“ haben und nicht von „Versagern“ oder „Verlierern“, wobei zivilisationskritisch „Versager“ ein ganz problematischer Begriff ist. Eher ginge es um jene, die nicht ganz mitgekommen sind mit dem Fortschritt oder dem Leben, aus welchen Gründen auch immer. Doch das wäre ein eigenes großes Sujet, das hier nicht vertieft werden kann. Jihadisten haben die Wahl zwischen Töten und Nicht-Töten und es ist eine bewusste Entscheidung für das Töten der „Ungläubigen“ oder vom Glauben „Abgefallenen“ etc.

Grob gesagt geht es um Folgendes, der Journalist Michael Miersch hat das am 20. Januar 2015 in seinem Abschiedsschreiben an die Leserinnen und Leser und vor allem seine beiden Ex-Kollegen des Autorenblogs Achgut (Henryk M. Broder und Dirk Maxeiner), den er selbst mit gegründet hat vor fast 11 Jahren, so in Worte gefasst:

„Das politische Spektrum in Deutschland verengt sich auf zwei Pole: Die, die ein Problem mit dem Islam abstreiten und am ‚Elefanten im Zimmer‘ vorbei gucken. Und die, deren Antwort auf die islamische Herausforderung lautet: Scharen wir uns um Kreuz und Fahne und verteidigen wir unsere deutsche Identität.“

Erste Position trifft auf Naika Foroutan zu und viele andere, letztere auf Mierschs Kollegen Henryk M. Broder und dessen Umfeld.

Mehr noch: Naika Foroutan ist eine Kritikerin von Thilo Sarrazin und das könnte sie ja zu einer sympathischen Zeitgenossin machen. Sie tut jedoch so, als ob „der Islam“ oder „die Muslime“ das Hauptthema von Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ seien. Wer das Buch gelesen hat, weiß jedoch, dass es nur am Rande um Muslime geht. Doch nicht nur ihre „Zahlenspiele“ zeigen ihre Konfusion an, vielmehr merkt sie gar nicht, dass es bei Sarrazin um Stolz auf Deutschland geht, um die Ex-Nazi-Bürokraten, die in den 1950er Jahren das Land wieder „aufbauten“. Sarrazin hasst Menschen, die HartzIV beziehen und diffamiert nicht-promovierte wie promovierte Sozialhilfebezieher, wenn diese sich beschweren über zu wenig Heizgeld, möge doch ein zweiter Pulli reichen. Um den Islam geht es im Millionenbestseller des Möchtegern SPD-Stars „Deutschland schafft sich ab“ nur am Rande. Dafür hantiert Sarrazin mit dem philosemitischen Antisemitismus und findet Juden ganz besonders super schlau. Und Intelligenz sei vererbbar etc. Das ganze gegenaufklärerische Programm wird ausgebreitet, auf sprachlich ziemlich desolatem Niveau.

Foroutan wiederum ist stolz auf viele Türken mit Abitur. Bildung ist auch wichtig, ja. Ein unterbelichteter Aspekt ist jedoch: sind nicht gerade die gebildeten Leute, ob nun „biodeutsch“ oder nicht, das Problem, wenn es um Antisemitismus, Antiamerikanismus und die Verharmlosung des Islamismus geht?

Sind nicht viele mit Abitur wie Hochschuldozenten im Bereich Islamwissenschaft gerade Teil des Problems? 2010 rezensierte ich Sarrazins Buch für die Zeitschrift „Tribüne“ und schrieb:

„Es geht Sarrazin um Deutschland, nicht um Islamismus. Ginge es ihm um letzteren, dann würde er die herrschende Elite an Unis, Think Tanks, in der Politik, den Medien etc. angreifen müssen. Es geht dem Sozialdemokraten um die bessere Verwertung der Menschen im System. Nur wer arbeitet, soll auch essen, ein Spruch, den wir aus der deutschen Geschichte allzu gut kennen. Was letztlich in den Fabriken, den Call-Centern, den Bürovielzweckgebäuden und easy-listening-Großraumbüros so produziert wird, die Ware, ist völlig egal. Kritik ist notwendig, nicht Lob fürs deutsche Gymnasium, dem diejenigen die für die nationale wie Weltlage mit verantwortlich sind, jene die mit Iran Geschäfte machen, den Jihad gewähren lassen und Antisemitismus auf unterschiedlichster Stufe und in vielfältigster Form produzieren oder verharmlosen, entspringen. (…) Das Buch von Sarrazin hat gar nicht die Intention Jihadismus und Islamismus zu kritisieren, das ist nur ein kleines Nebenprodukt in einem seiner Kapitel. Dies haben offenbar weder Verteidiger noch Gegner verstanden. Es geht ums Kinderkriegen, um die deutsche Volksgemeinschaft der Intelligenten. Es geht um störungsfreien Betrieb im sozialdemokratischen Musterland. Es geht um Hierarchie, stolze Traditionen, um Ethno-Nationalismus und um ‚Wanderers Nachtlied‘, nicht um Reflexion und Kritik an Islamophilie, Antisemitismus und deutschen Traditionen, die zur deutsch-islamischen Liebe von Hitler und dem Mufti führten.“

Das wäre also eine Kritik an Sarrazin, die sich nicht auf Zahlenspiele oder Statistiken kapriziert, wie Foroutan es tut. Sie und ihre sechs Kolleginnen und Kollegen, die im Dezember 2010 eine Broschüre über Sarrazin publizierten, gehen mit keinem Wort auf den Antisemitismus und verwandte Ideologeme bei Sarrazin ein. Sie haben nicht bemerkt, dass Sarrazin in der Einleitung seines Buches den Islam nicht einmal touchiert, da er für seine Agitationsschrift nicht zentral ist. Unterm Strich sind beide stolz auf Deutschland, Sarrazin in der völkischen Variante, Foroutan in der den Jihad trivialisierenden Variante. Foroutan schreibt 2011 in einer Projektbeschreibung für ihr „Heymat“-Projekt an der Humboldt-Universität Berlin:

„Während internationale Konfliktereignisse wie der 11. September, der Afghanistan-Konflikt, der Irak- oder der Libanon-Krieg, samt der täglichen Berichterstattung über Terroranschläge islamistischer Fanatiker, die außenpolitische Ebene dominieren, findet auf der nationalen Ebene eine schleichende gesellschaftliche Vergiftung statt. Begriffe wie Parallelgesellschaft, Home-Grown-Terrorism, Hassprediger, Zwangsehe und Ehrenmord überlagern die Wahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft zum Thema Islam und führen zu ansteigender Islamophobie und anti-muslimischem Rassismus.“

Sorge vor jihadistischer Gewalt hört sich irgendwie anders an.

In einer 2011 erschienenen Festschrift für Bassam Tibi schreibt die Autorin:

„Zu der Angst vor einem ‚Zivilisationsfeind‘ Islam gesellt sich die These der Bedrohung durch ‚Schurkenstaaten‘ wie z.B. Iran als Legitimation erneuter weltweiter Verteidigungs- und Aufrüstungsbereitschaft.“

Naika Foroutan Dissertation 2004

Foroutans Dissertation aus dem Jahr 2004 – Kulturdialoge zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Eine Strategie zur Regulierung von Zivilisationskonflikten – deutet bereits an, in was für eine problematische Richtung ihre Forschung geht. Foroutan geht von der zentralen Bedeutung von „Kultur“ für die ganze Welt aus und schreibt angesichts des War on Terror, den sie ablehnt:

„Kulturdialog wird der regulative Grundsatz der post-bipolaren Weltordnung sein, trotz anachronistischer Überlebenskämpfe der neokonservativen Politik oder gerade deswegen.“

So beendet Foroutan ihre Arbeit und plädiert für den „Kulturdialog“, so als ob al-Qaida, die führende jihadistische Kraft im Jahr 2004, als die Studie beendet bzw. publiziert wurde, an einem solchen Dialog Interesse hätte. Und was für einen essentialistischen oder kulturrelativistischen Kulturbegriff hat die Autorin? Sie benutzt den schwammigen Begriff „Dialog“ nur dafür, auf alle Fälle eine militärische Antwort auf jihadistischen Massenmord zu verhindern. Für die Autorin sind Muslime und der Islam im Fokus des Westens und sie möchte keinen Krieg gegen den Jihad, sondern interzivilisatorischen Dialog, einen Dialog zwischen den Zivilisationen, vor allem der muslimischen mit dem Rest der Welt – als ob der Jihad oder Islamismus eine Kultur unter anderen sei und nicht der Feind jedes Dialogs, was vor allem für die Islamische Republik Iran gilt, die Foroutan wiederum besonders am Herzen liegt.

 

Tibis Schülerin verharmlost und rationalisiert die Terrorangriffe auf Amerika vom 11. September 2001 in vielerlei Hinsicht und sucht permanent Gründe für den “islamischen Fundamentalismus”. Dabei verwechselt sie auch Hass auf den Westen mit aufklärerischer Kritik aus dem Westen am Westen und schreibt:

„So argumentierten fundamentalistische Denker des Islam wie Seyyed Qutb oder Hassan al Turabi, sie wollten von der liberalen Regierungsform, wie sie der Westen propagiert abweichen. Sie sahen die liberale Regierungsform des Westens als gescheitert an, da sich nach Ihrer Ansicht die moderne westliche Gesellschaft offensichtlich in einer Krise befindet. Hier finden sich Parallelen zu Ideen der französischen Existentialisten, ebenso wie zu Vorstellungen deutscher Philosophen, wie Horkheimer oder Heidegger.“

Die Nachwuchsforscherin setzt islamistische, antisemitische Vordenker des weltweiten Jihad wie Sayyid Qutb und Nazis wie Martin Heidegger mit einem Dialektiker und kritischen Theoretiker wie Max Horkheimer gleich. Das ist an Perfidie schwer zu überbieten: Nur zufällig – weil er rechtzeitig fliehen konnte – überlebte der Jude Horkheimer den Holocaust. Man merkt auch wie wenig wissenschaftliche Ahnung sie von der Kritischen Theorie hat, die den Westen und die Aufklärung in der Kritik verteidigte, während Heidegger oder Qutb antiwestliche Hetzer waren.

 

Es kommt noch heftiger. Foroutan rechtfertigt den Antizionismus der arabischen Welt und fantasiert in ihrer Dissertation von einer „jüdischen Lobby“, die die USA dazu gebracht habe, im September 2001, vor 9/11, die so genannte UN-Antirassismuskonferenz im südafrikanischen Durban zu boykottieren. Foroutan schreibt in ihrer Doktorarbeit:

„Hier drängt sich für die islamische Welt, die in der Palästinafrage sehr sensibilisiert ist, die Frage auf, welche Macht die jüdische Lobby in den USA tatsächlich hat, wenn sie die Supermacht dazu bringen kann, eine Teilnahme an einer UN-Konferenz abzusagen, weil Israel dort kritisiert werden sollte.“

Wer von der „jüdischen Lobby“ und der imaginierten Macht der Juden daher redet, bedient eine typisch antisemitische Denkfigur. „Der“ Jude stecke hinter Amerika, wie es schon die Nazi-Propaganda sah, man denke nur an Johann von Leers Hetzschrift „Kräfte hinter Roosevelt“ von 1940. Für Naika Foroutan scheint es denkunmöglich, dass sich Politiker aus eigenen Stücken gegen antirassistisch verkleideten Antisemitismus wie auf der Durban-Konferenz wenden. Es muss schon die „jüdische Lobby“ dahinter stehen. Foroutan versteckt sich dabei hinter dem Ausdruck „islamische Welt“, womit sie wiederum essentialistisch die gesamte islamische Welt als pro-palästinensisch, antiamerikanisch und antiisraelisch präsentiert. „Die“ islamische Welt würde von der „jüdischen Lobby“ schwadronieren. Damit homogenisiert sie gerade „die“ islamische Welt, eine Homogenisierung, die sie sonst liebend gern den Islamismuskritikern unterstellt.

Johann von Leers gegen die “jüdische Lobby”, 1940

 

Kein Wunder, dass Foroutan den Massenmord von 9/11 rationalisiert – wohlgemerkt, so steht es nicht etwa auf einem Blog, sondern in der von Bassam Tibi angenommenen und mit einem überschwänglichen Vorwort gewürdigten Dissertation von Foroutan:

„Noch schmerzlicher mussten die USA diese Erfahrung jedoch am 11. September 2001 machen, als die Terrorakte der islamischen Fundamentalisten das Land heimsuchten. Nicht nur in der islamischen Welt wurde dabei eine direkte Verbindung zu der Erniedrigung der Palästinenser durch den Staatsterror Scharons in Israel hergestellt, auch in Europa und den USA wurde ein solcher Zusammenhang erkannt.“

Sie bezieht sich in ihrer Studie mehrfach auf Muhammad Khatami, den zum Zeitpunkt ihrer Dissertation amtierenden iranischen Präsidenten:

„Auch Kofi Annan und der iranische Staatspräsident Mohammad Chatami gelten auf internationaler Ebene als Wortführer des Dialogs zwischen den Zivilisationen. Der Begriff Kulturdialog bleibt in diesen Werken immer ein moralischer, normativer Begriff, was mit dem folgenden Zitat Chatamis verdeutlich wird.“

Diese Lobhudelei eines Islamisten wie Khatami gereicht zum Doktortitel einer deutschen Universität. Sie erwähnt den Antisemitismus Khatamis nicht. Unter seiner Präsidentschaft gewährte Teheran „nicht nur [Jürgen, d.V.] Graf Asyl, sondern auch Wolfgang Frölick [Fröhlich, d.V.], einem österreichischen Ingenieur, der vor Gericht unter Eid aussagte, dass Zyklon-B nicht zum Töten von Menschen benutzt werden konnte“, wie der Islamforscher George Michael in der Fachzeitschrift Middle East Quarterly 2007 schrieb.

 

Für Naika Foroutan ein gutes Beispiel für den “Kulturdialog” von Islam und dem Westen? Antizionistischer Antisemitismus bei Khatami im Jahr 2000

Im Dezember 2000 nannte Khatami Israel einen zu beseitigenden „krebshaften Tumor“, und am 24. Oktober 2000 hatte Khatami im iranischen Staatsfernsehen erklärt, die islamische Welt solle sich auf eine harte Konfrontation mit dem „zionistischen Regime“ einstellen. 2011 spricht Foroutan nicht etwa vom Jihad und der Gefahr des Islamismus für Juden oder den Westen, nein, die Muslime seien die armen Opfer einer „zivilisatorischen Abgrenzungsrhetorik“.

 

Foroutans Doktorarbeit wurde prämiert, was als Resultat einer politischen Kultur des Antiamerikanismus und Antizionismus sowie einer Abwehr von Kritik am Islamismus nach 9/11 nicht verwundert:

„02/2006 Preisträgerin des Friedrich-Christoph-Dahlmann-Preises 2006, verliehen von der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität-Göttingen für die beste Dissertation 2005. 11/2005 Preisträgerin des Forschungspreises 2005 für Auswärtige Kulturpolitik der Alexander Rave Stiftung, verliehen vom Institut für Auslandbeziehungen ifa.“

 

Sie derealisiert jeglichen Aufruf zum Mord an den ‚Ungläubigen‘ von Seiten des Iran, der Islamisten und Jihadisten, wenn sie 2011 schreibt:

„Im Westen gilt die viel verbreitete Meinung, dass der Krieg der Islamisten gegen die Werte der westlichen Welt gerichtet sei, sprich gegen Pluralismus, Demokratie, Freiheit und offene Gesellschaften. In der islamischen Welt ist man vielfach der Überzeugung, der Terror richte sich gegen Fremdherrschaft, Korruption, versteckte Kriegstreiberei, Unterstützung diktatorischer Regime, Ausbeutung der islamischen Länder aus machtpolitischen und energiepolitischen Motiven und zer­fallende moralische Strukturen – daher distanzieren sich viele Muslime auch nicht so eindeutig von den Terroranschlägen.“

Damit rechtfertigt die Forscherin die klammheimliche und auch offene Schadenfreude zahlreicher Muslime über 9/11. Die Liebe zum Islam und zum Tod, die Mohammed Atta und seine jihadistischen Freunde motivierte, schockiert Foroutan anscheinend nicht. Sie rationalisiert den Islamismus und den Jihadismus, das heißt: Sie sucht rationale Gründe für das irrationale Morden. Sie möchte verstehen, wo nichts zu verstehen ist. Gegen welche „Fremdherrschaft“ richteten sich die Jihadisten in Paris im Januar 2015, die die Redaktion von Charlie Hebdo massakrierten und Juden in einem jüdischen Supermarkt ermordeten?

Hauptsache schwarzrotgold

Die deutsch-israelische Homepage aus Anlass von 50 Jahren deutsch-israelische diplomatische Beziehungen. Der Kern scheint zu sein, möglichst viele deutsche Fahnen unterzubringen und den deutschen Nationalismus als “koscher” zu präsentieren.

 

Für ihre den Jihad trivialisierenden, entwirklichenden, als Phänomen sui generis leugnenden und den antizionistischen Antisemitismus fördernden Einsatz wird Foroutan nun (im September 2014) auf der Homepage der Israelischen Botschaft in der Bundesrepublik, dem israelischen Außenministerium, der Deutschen Botschaft Tel Aviv, dem Auswärtigen Amt und dem Goethe Institut anlässlich des 50. Jahrestages des Beginns der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen publiziert. Dort ist sie ganz euphorisch ob des (anscheinend) extrem hohen Anteils der Kleinkinder unter sechs Jahren in Frankfurt am Main mit einem migrantischen Familienhintergrund. Sie fordert einen neuen deutschen Nationalismus („Der lange Weg zum neuen deutschen Wir“), der gerade auf den migrantischen Anteil setzt. Sie ist auf ihr Herkunftsland Iran so stolz wie auf Deutschland; Amerika und Israel mag sie dagegen gar nicht, zumindest nicht, solange sie den Jihad bekämpfen (George W. Bush, Ariel Scharon).

 

Mit ihrem Hype um Fußball und das WM-Jahr 2006 macht sich Naika Foroutan gerade gemein mit dem deutschen rassistischen Mainstream, somit hat sie geholfen PEGIDA Mainstream werden zu lassen mit ihren schwarzrotgoldenen Fahnenmeeren, die direkt vom Sommer 2006, den Foroutan so liebt, herrühren. Nicht der Hauch einer Analyse oder Kritik am sekundären Antisemitismus, der mit deutschem Nationalismus immer einhergeht. Foroutan bejaht das nationale Apriori des Sommers 2006, ganz ähnlich wie Matthias Matussek, der Schriftsteller Georg Klein oder fast alle andere Deutschen.

 

Hauptsache nationalistisch und schwarz-rot-gold

Der Kern von Naika Foroutans Ideologie jedoch ist die Abwehr der Islam- und Islamismuskritik, ihr Verhöhnen der Opfer des 11. September 2001 und ihr Ressentiment gegen Ariel Scharon und die israelische Abwehr des Judenhasses. Auch hier, beim Antiamerikanismus und Israelhass, hat Naika Foroutan bei PEGIDA viele Gesinnungsgenossen. Foroutans Rede von der „jüdischen Lobby“ schließlich zeigt, wie verbreitet Antisemitismus im deutschen Mainstream an den Universitäten ist. Er wird einfach goutiert.

 

Das sind wahrlich gute Gründe für die Israelische Botschaft in Deutschland sowie das Auswärtige Amt Naika Foroutan als gelungenes Beispiel für Integration zu nehmen und ihr im 50. Jahr der deutsch-israelischen Beziehungen eine Plattform zu bieten.

 

 

 

Der Verfasser promovierte 2006 an der Universität Innsbruck mit einer Arbeit unter dem Titel „Ein völkischer Beobachter in der BRD. Die Salonfähigkeit neu-rechter Ideologeme am Beispiel Henning Eichberg.“ (Gutachter: Prof. Dr. Anton Pelinka, Prof. Dr. Andrei S. Markovits.)

PEGIDA und die politische Kultur

Eine Selbstkritik der »Israelsolidarität«, DDR-»Wirtschaftsflüchtlinge« 1989, die Verteidigung des »Abendlandes» und das deutsche Weihnachtsfest 1939: »Ein Fest des Herzens, des inneren Reichtums«

 

Bundesjustizminister Heiko Maas hat völlig Recht: »PEGIDA ist eine Schande«. Die Zeitung für Deutschland hingegen, die FAZ, sieht in PEGIDA den Ausdruck einer Sehnsucht nach »Heimat«, die armen Dresdner seien »heimatlos«, wie es am 17.12.2014 auf Seite eins der FAZ heißt: »Pegida ist ein anderes Wort für die Sehnsucht nach politischer Führung. Wer nimmt sie wahr?« Der »Führer« vielleicht? Auch viele andere Medien nehmen PEGIDA mittlerweile in Schutz, von der ZEIT, die meint »echte Gefühle« bei den Aufmärschen zu erkennen, bis hin zu CICERO, das Kritiker wie Wolfgang Bosbach (CDU) oder Ralf Jäger (SPD) abmahnt und ernsthaft meint, man könnte und sollte mit PEGIDA reden bzw. müsse deren »Argumente« wahr- und ernstnehmen.

 

Angesichts von ca. 300.000 Toten in Syrien, Unruhen, Verfolgung, Mord und Krieg in weiten Teilen des Nahen Ostens, vor allem in Libyen, Syrien, Irak oder Yemen, sowie desolater ökonomischer Verhältnisse zumal in Afrika oder Osteuropa, hetzen Deutsche gegen Flüchtlinge. Ganze Familien von »Wirtschaftsflüchtlingen« aus Chemnitz, Dresden und Hoyerswerda verbrachten 1989 Weihnachten in Stuttgart, München oder Frankfurt bei gastgebenden »Wessis«. Diese Ex-Flüchtlinge aus der DDR agitieren jetzt gegen eine verglichen damit minimale Anzahl von Flüchtlingen, die aus viel katastrophaleren und lebensbedrohlicheren Zuständen fliehen. Dabei kommt nur ein Bruchteil der Flüchtlinge lebend in EUropa an, die EU-Außengrenze degradiert die Mauer in Berlin zu einem geradezu läppischen Bauwerk.

Es gibt heute Unterstützung oder zumindest mal symbolisch Geschenke für Flüchtlinge, das ist ein großer Unterschied zum Beginn der 1990er Jahre, als sich nur kleine Gruppen von ANTIFAs und antirassistischen, autonomen Gruppen um den Schutz von und die Unterstützung für Flüchtlinge kümmerten.

Doch es geht auch um Selbstkritik: haben Autoren, wie der Verfasser, in den letzten Jahren immer deutlich genug gemacht, dass es nicht gegen »den« Islam geht bei der Kritik am Islamismus? Wurde die Kritik an Thilo Sarrazin ignoriert oder nicht bemerkt, dass andere sie ignorierten? Haben »wir« immer und jederzeit betont, dass es zwischen Islam als Glauben und Islamismus als Ideologie eine Differenz gibt? Damit wird man nicht zu einem Apologeten von Religion. Wo bleibt der Aufschrei, wenn ein sehr bekanntes Blog der »Szene« einen Autor zu Wort kommen lässt, der von einer »zweiten Shoah« daher redet und den Holocaust auf groteske Weise trivialisiert und Morde an Juden von Islamisten oder Muslimen nur dazu benutzt, um gegen »den« Islam aufzuwiegeln und die Deutschen zu entschulden, wenn in dem Text einzelne Morde und Pogrome von Muslimen an Juden von 1929 oder 1840 als »zweite Shoah« rubriziert werden? »Zweite Shoah« 1929? Oder heute? Wo bleibt da der Aufschrei? Wo bleibt da die Selbstkritik, mal einen Fehler gemacht zu haben?

Haben viele Kritiker der Israelfeindschaft einfach nur weggesehen, als die übelsten rechten Sprüche von Leuten kamen, die aus welchen Gründen auch immer für Israel sind? Wurden nicht auch höchst problematische, evangelikale oder sonstige fanatische Gruppen auf Israelkongresse eingeladen oder auf Konferenzen und Veranstaltungen toleriert und nicht konfrontiert? Haben viele gar nicht gemerkt, dass ein regelrechter Hass auf alles »Liberale« und »Linke« besteht, der durch eine Kritik am Antizionismus einiger Teile der Linken (damit ist nicht nur die Partei gemeint) rationalisiert werden konnte? Wie oft haben Leute zum Beispiel misogyne Sprüche und Tendenzen goutiert, weil die Autoren oder Redner sonst »ganz ok« drauf seien?

Sodann: haben Kritiker des Antisemitismus deutlich genug gemacht, dass es um Kritik geht und nicht um die Exkulpation des deutschen Normalzustandes, wenn der Antisemitismus primär als Phänomen von Muslimen und Arabern betrachtet wird? Haben viele nicht Kompromisse, faule oder klammheimliche, mit Christen, Konservativen und Rechten gemacht, nur weil es »um Israel« geht? Wurde nicht von vielen übersehen, dass es wie ein Schlag ins Gesicht eines Kritikers der eingebildeten »deutsch-jüdischen Symbiose« wie Gershom Scholem ist, wenn all die letzten Jahren von einem angeblich »christlich-jüdischen Abendland«, zumal in Deutschland, geredet wird?

Wer nimmt schon Kritik am existierenden Rassismus in Israel zur Kenntnis, ohne damit zu einem Israelgegner zu werden? Sicher ist es einfacher, immer nur Kritik am Antisemitismus, den es ja in unglaublichem Ausmaß gibt, weltweit, zu üben, als sich auch mal realitätsgetreu mit den Zuständen in Israel zu befassen. Warum wird fast immer, wenn wieder ein Skandal aus der Palästinensischen Autonomiebehörde zu vernehmen ist, Mahmud Abbas‘ Holocaust leugnende Dissertation von Anfang der 1980er Jahre aus Moskau zitiert, ohne auch nur wahrzunehmen, dass Politikerinnen und Politiker in Israel wie die linken Zionist_innen Tzipi Livni oder Isaac Herzog in persönlichen Gesprächen in Abbas in den letzten Jahren evtl. eine moderatere und reflektiertere Stimme zu hören in der Lage sind? Sind dadurch Livni und Herzog »Verräter« und unglaubwürdig? Wissen deutsche Blogger, Schweizer oder österreichische Referenten grundsätzlich besser Bescheid als israelische, zionistische Politiker_innen wie Livni oder Herzog?

Fast alle in der Israelszene aktiven Gruppen schweigen brüllend zu PEGIDA, finden den nationalen Taumel gar prickelnd oder wiegeln ab. Wer aber gegen die iranische Gefahr, für Israel, gegen alle möglichen Formen von Antisemitismus sich engagiert aber zu rechtsextremen, volksgemeinschaftlichen Aufmärschen, die gegen Muslime hetzen, schweigt, verrät jede Idee von Aufklärung, Emanzipation, und, ja, Zionismus. Der Zionismus David Ben-Gurions, Ze’ev Jabotinsky oder Kurt Blumenfelds basierte darauf, dass Juden zwar eine Mehrheit in Israel, aber die arabischen und muslimischen bzw. christlichen und sonstigen Minderheiten »gleiche Rechte« gewährt bekommen sollten im jüdischen Staat. Israel ist eine multikulturelle Gesellschaft mit einem Anteil von über 20% Arabern/Muslimen. In der Bundesrepublik leben ca. 5% Muslime.

Auf die Bedeutung Jabotinskys Verständnis von Zionismus, das keineswegs einen homogenen, rein jüdischen Staat avisierte, sondern einen dezidiert jüdischen (und keinen binationalen!) Staat mit einer mit gleichen Rechten ausgestatteten arabischen Minderheit, wies kürzlich der britische Politikwissenschaftler und pro-israelische, aber linke Autor Alan Johnson, Herausgeber der Zeitschrift Fathom, hin. Und in Israel ist das alles auch bekannt, aber hierzulande wird in gewissen Kreisen jede Kritik an »Bibi« oder dem rechten Rand des politischen Spektrums in Israel als antizionistisch verfemt. Es geht derzeit in Israel um Zionismus versus die extreme Rechte, die natürlich auch Teil Israels ist, aber eben nicht unwidersprochen. All das wird hierzulande kaum zur Kenntnis genommen, und diese Ignoranz wird sich rächen.

Schließlich bekommt die »Israelszene« jetzt die Rechnung aus Dresden. Entweder die pro-israelischen und anti-islamistischen Aktivistinnen und Aktivisten bzw. Blogger_innen und Forscher/innen kriegen die Kurve und kehren zu einer seriösen Beschäftigung mit Antisemitismus, Islamismus und Nationalismus zurück oder PEGIDA wird dafür sorgen, dass die »Israelsolidarität« und »Islamkritik« in PEGIDA auf- und untergeht. Entweder Islamismuskritik, Israelsolidarität und Kritik am Antisemitismus und ein Lob der Vielfalt oder PEGIDA.

2006, zur Zeit des »Sommermärchens« und acht Jahre vor dem noch größeren WM-Wahnsinn, kam das nationale Apriori ins Gerede, aber nur von einer marginalen Gruppe von Autorinnen und Autoren. Man hätte die Warnzeichen sehen können. Doch dann ging es wieder um die Kritik am ubiquitären Antizionismus, eine in der Tat wichtige Kritik, bis heute und in Zukunft.

Das alles darf nicht blind machen für die Gefahr, für die PEGIDA steht. Und vieler meiner Bekannten, nicht nur auf Facebook oder auf Blogs, sehen die Zeichen der Zeit nicht und sind unfähig, Selbstkritik auch nur zu versuchen, wie es scheint.

PEGIDA, die Dresdner Volksbewegung gegen alle Nicht-Deutschen und für ein homogenes Sachsen bzw. Deutschland, möchte am 22. Dezember 2014 bei ihrem nächsten Aufmarsch Weihnachtslieder singen, wie am 15.12 angekündigt wurde. Das mag der heidnischen Tradition weiter Teile des Rechtsextremismus und der a-christlichen Vieler in der Ex-DDR entgegenstehen, aber natürlich wissen auch Neue Rechte, Heidnische und Völkische dass man in der Not Kompromisse machen muss. Schließlich gab es Millionen NSDAP-Mitglieder, ganz normale Deutsche, die Christen waren und Teil der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Zudem gab es bekanntlich den heidnischen Zug des SS-Staates wie die »Deutsche Glaubensbewegung« um Jakob Wilhelm Hauer, wie der israelische Religionswissenschaftler Schaul Baumann in seiner Dissertation herausgearbeitet hat.

Der katholische Bund Neudeutschland war ob des Nationalsozialismus begeistert. Der Jurist und spätere Ministerpräsident von Baden-Württemberg Han(n)s Filbinger steht dafür ebenso wie der Heidegger-Schüler und Philosoph Max Müller, der nach 1945 in München und Freiburg Karriere machte. Angesichts der völkischen Bewegung »Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes« sei zum Anlass des bevorstehenden Weihnachtsfestes auf die nationalsozialistisch-deutsch-abendländische Tradition eingegangen.

Ideologisch für ›Volk‹ und ›Vaterland‹ gerüstet, ging es am 1. September 1939 in den Zweiten Weltkrieg. Ein Neudeutscher, ein Mitglied des Bundes Neudeutschland, Heinrich Jansen Cron, Herausgeber des Leuchtturm, schreibt in einem kleinen Buch, in welchem er Lieder, Gedichte, Gebete und Geschichten u.a. von Gertrud Bäumer, Ernst Moritz Arndt, Adalbert Stifter oder auch Walter Flex zusammenbringt, zu Weihnachten 1939:

Es ist ein Fest des Herzens, des inneren Reichtums. Nicht das Äußere entscheidet. Gott wird – Mensch. Der Gottesmensch ist ein – Kind. Das Kind liegt in einem – Stall. Und ist doch der Herr der Welt! Mehr sein, als scheinen, den inneren Reichtum über den äußeren stellen, das ist weihnachtliche Haltung. Das ist es, was uns auch in Not, in der Fremde, im Felde sicher macht, froh und stark. Was will aber dieses Heft? Es will das Gute, das Edle, das Heilige, das in Gott und Heimat Tiefverwurzelte wecken und heben; eine Hilfe sein, Weihnachten draußen christlich und deutsch zu erleben, jegliche Ferne zu überwinden.[i]

Wenig später, zu Ostern 1940, publiziert Cron noch so ein kleines Erweckungsbüchlein:

Die großen Aufgaben, die uns in dieser Zeit Heimat und Familie, Volk und Vaterland stellen, verlangen einen kräftigen Willen. (…) ›Jesus ist wahrhaft auferstanden!‹ Also werden auch wir auferstehen. Also hat unser Erdenleben auf alle Fälle einen Sinn; also gibt es eine ewige Gerechtigkeit; also nehmen wir das Leben und auch sein Kreuz tathart und gelassen auf uns. Denn nur so erringen wir das ewige Leben; nur wenn wir nach Kräften Christi Tapferkeit erstreben, werden wir auch mit ihm auferstehen! Mit diesem Leben ist nicht alles aus. Der Tod verliert seinen Stachel, die Gefahr die Lähmung, die Zukunft wird licht. Wir erheben die Herzen, tragen hoch das Haupt; denn uns erfüllt eine gewaltige Hoffnung. Gott wird unsere Treue krönen, unsere Familie schützen, unser Volk erretten; wir wissen ja: Christ ist erstanden![ii]

Am Beginn des Holocaust und des (Vernichtungs-)Krieges in Polen sowie im Westen Europas segnen deutsche Christen den Weltkrieg und feiern ein fröhliches Osterfest. Das Motto könnte nicht heideggerscher oder djihadistischer lauten: »Der Tod verliert seinen Stachel«. Salafisten, Islamisten und Jihadisten aller Länder könnten sich an diesen Deutschen ein Vorbild nehmen.

Der Publizist Henryk M. Broder mag symptomatisch für das Nicht-Erkennen der Gefahr, für die PEGIDA steht, zitiert werden. Er hat die Sache komplett auf den Kopf gestellt – angesichts von Nazis, Populisten und einem rassistischen Mob in Dresden schreibt er: »Das, was früher der Nationalsozialismus war, das ist heute der Islamismus«. Dabei gibt es genügend Beispiele, wo Islamisten wie Yusuf al-Qaradawi, einer der alten aber führenden Sunni-Islamisten, Hitler öffentlich lobten. Aber darum geht es PEGIDA gar nicht. Sie wollen ein »reines« Deutschland. 1978 hätte Broder das noch erkannt, als er ein Buch herausgab mit dem Titel »Deutschland erwache. Die neuen Nazis. Aktionen und Provokationen.«

Nein: das, was früher der Nationalsozialismus war, ist heute in Deutschland eher schon PEGIDA, jedenfalls laufen da auch Leute mit, die den SS-Staat gut finden.

Die wollen ein »arisches« Dresden, selbst 2,5% Nicht-Deutsche sind denen zu viel. Und sie wollen die wundervollen deutschen Traditionen bewahren, man denke nur an Höhepunkte des »christlichen Abendlandes« wie Weihnachten 1939 im »Deutschen Reich«.

Einer der PEGIDA-Mitmacher ist der Bundesvorsitzende der Partei Die Freiheit, Michael Stürzenberger, der auch für das extrem rechte Internetportal »Politically Incorrect« (PI) schreibt, das ganz begeistert ist ob PEGIDA und live davon berichtet. Stürzenberger sprach am 15.11.2014 auf der Hooligan-Kundgebung in Hannover und peitschte die Hooligans und Neonazis ein: »Wo sind die Freunde unseres deutschen Vaterlandes?«, woraufhin der Mob unter anderem mit unschwer als Hitlergrüßen zu erkennenden Bewegungen antwortete.

Stürzenberger agitiert gegen die jüdische Beschneidung, so wie er denken viele bezüglich der Beschneidung, das ist mehrheitsfähig in einem Land wie Deutschland, von der FAZ zur jungle world und der Giordano Bruno Stiftung.

Wie Anhänger von Verschwörungsmythen glauben die PEGIDA-Rechten dem »System« nicht, sie reden von »der« »Lügenpresse« und glauben einer Presse, die in der Tat an Propaganda schwer zu überbieten ist: Russia today.

Gegen die freie Presse, gegen die jüdische und muslimische Beschneidung und gegen Einwanderung – PEGIDA steht für »Ausländer raus«. Doch selbst Antisemitismus und Antiintellektualismus aus den Reihen der PEGIDA-Protagonisten und Aktivisten, darunter zählen auch Autorinnen für das verschwörungsmythische Magazin Compact, halten offenbar viele in der Pro-Israel-Szene nicht davon ab, den Rassismus von PEGIDA zu unterstützen. Eine Compact-Autorin und »Kameradin« von Jürgen Elsässer ist Melanie Dittmer, die früher bei der Jugendorganisation der NPD, den »Jungen Nationaldemokraten« (JN) aktiv war und heute im Umfeld der rechtsextremen »Identitären Bewegung«. Sie sprach z.B. bei einem DÜGIDA (Düsseldorf gegen…) Aufmarsch am 8.12.2104 und ist die Anmelderin der BOGIDA (Bonn gegen …).

Broder kritisierte 2012 die Agitation gegen die jüdische und muslimische Beschneidung. Doch er sieht offenbar nicht, dass der deutsche Mainstream gegen das Judentum und die Beschneidung ist. Viele bei PEGIDA sind Leser von Seiten wie PI im Internet, die wie dokumentiert gegen die Beschneidung und somit gegen jüdisches und muslimisches Leben hetzt.

Doch wen verteidigt Broder, wenn er Kritik an PEGIDA abwehrt und PEGIDA kleinredet, affirmiert und sich über Kritikerinnen des Rassismus wie Gesine Schwan lustig macht? Ich hatte schon 2007 rechte Tendenzen bei Broder und ACHGUT analysiert und resümierte:

Der Kampf gegen den Djihad jedoch lediglich als Vorwand, gerade für die BILD-Zeitung, den Spiegel, die WELT, sich noch gemütlicher einzurichten, gerade in Deutschland, dem Land der unbegrenzten Schuldabwehrmöglichkeiten?

Wer vom verbrecherischen Alltag des Nationalsozialismus nicht mehr reden möchte, sollte vom politischen Islam schweigen.

Die Juden sind die Juden von heute und nicht die Muslime, wie Jascha Nemtsov zu Recht gegen Armin Langer einwendet. Es geht jetzt aber nicht um die falsche Analogie von Antisemitismus und Islamkritik. PEGIDA ist ein Ausdruck von Rassismus, von Nationalismus, Islamhass und von Antisemitismus gleichermaßen, das Beispiel Stürzenberger und PI zeigen das anschaulich. Das Problem ist PEGIDA und nicht die Antifa und auch nicht Gesine Schwan.

Der Islamfaschismus wie in Iran ist schlimm genug, und die Hitler-Fans unter nicht wenigen Islamisten und Muslimen in Deutschland sind auch übel genug. Aber angesichts von Deutschlandfahne und »Wir sind das Volk« Gebrülle so die Realität zu derealisieren, wie Broder und sein Fanclub es tun, das ist bezeichnend.

Als Forscher/in sollte man sich einfach mal anschauen, wie die »abendländische Tradition« in Deutschland aussah. Dass Deutschland gar nicht abendländisch war, sondern antiwestlich, völkisch und nationalsozialistisch, wie der Historiker Peter Viereck bereits 1941 in seiner Dissertation »Metapolitics« auf beeindruckende Weise analysiert hat und von niemand anderem als Thomas Mann dafür in einem Brief vom 7. September 1941 gelobt wurde, spielt hier gar keine Rolle. PEGIDA sieht sich ja als deutsch und abendländisch.

Weihnachten 1939, Ostern 1940 und die diesbezüglichen Texte eines »Neudeutschen« oder Vertreter des »christlichen Abendlandes« wie Heinrich Jansen Cron sind nur Beispiele für das, was PEGIDA in Dresden, der Stadt, die nicht gerade für Toleranz und Vielfalt steht, hingegen für Antisemitismus 1848, für Richard Wagner und Michail Bakunin, verteidigen möchte: das christliche Abendland oder das, was Deutsche darunter verstehen.

Wie die Politikerin und Publizistin Jutta Ditfurth am 16.12.2014 auf 3Sat im Fernsehen sagte, erleben wir derzeit die wohl »schlimmsten rechtspopulistischen, antisemitischen, rassistischen Aufmärsche seit 1945«; hinzufügen würde ich: die schlimmsten Aufmärsche in Ergänzung zu den antisemitischen Aufmärschen im Sommer 2014, als vor allem Islamisten und Muslime, eskortiert von Neonazis und Linken, Pro-Hitler und »Juden-ins-Gas«-Parolen brüllten, im ganzen Land. Doch das war eben nicht »der« Islam und es waren nicht »die« Muslime und schon gar nicht »die Flüchtlinge«, die zu großen Teilen aus islamistischen Ländern geflohen sind. Jihadisten gehen ja vielmehr von Düsseldorf, Berlin oder Neu-Ulm in den »Heiligen Krieg« in den Nahen Osten und nicht andersherum.

PEGIDA indiziert, zu was das WM-Wahn-Land Deutschland im Jahr 2014 fähig ist und in den kommenden Jahren fähig sein wird. Für was stehen PEGIDA, DÜGIDA, BOGIDA und alle anderen rechten Aufmärsche? Wer sich die Aufmärsche anschaut, erkennt neben vorbestraften Kriminellen und Neonazis vor allem ganz normale deutsche Spießbürger auf der Straße. Schwarzrotgold ist ihre Fahne und Strategie, »wir sind das Volk« und »IHR nicht« ihre Parole und »Deutschland den Deutschen, Ausländer raus« der Sinngehalt, Agitation gegen »das System« aus Medien und Politik die Taktik, das als Fackel umfunktionierte Mobiltelefon ihr Symbol, die Gleichsetzung von Täter (SS-Staat) und Befreier (UdSSR) ihre mainstreammäßige Ideologie, dazu als altdeutsches Pendant »Familie, Heimat und Patriotismus« statt »Gender-Mainstreaming und Diversität«, Nationalismus, völkische Homogenität und Hass auf Andere ihr Motiv und Weihnachtslieder ihre Melodie.

Angesichts von Millionen Flüchtlingen weltweit ist die Anti-Flüchtlingsbewegung PEGIDA eine Schande für die Menschheit. PEGIDA ist ein Indikator für die politische Kultur in der Bundesrepublik. Sie zeigt die »Salonfähigkeit der Neuen Rechten« an.

 

[i] Heinrich Jansen Cron (1939): Weihnachten fern der Heimat. Ein Heft der einsamen oder gemeinsamen Weihnachtsfeier draußen, Köln: J.P. Bachem, S. 3.

[ii] Heinrich Jansen Cron (1940): Neues Leben. Ein Ostergruss seelischer Erstarkung, Köln: J. P.. Bachem, S. 3, Herv. d.V.

 

Dr. phil. Clemens Heni ist Politikwissenschaftler und Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA). Er ist Autor von fünf Büchern, zuletzt erschien “Kritische Theorie und Israel” (Berlin 2014).

Kritik oder Lifestyle?

Es ist eine anstrengende, große und wichtige Aufgabe, einen bundesweiten Israelkongress zu organisieren. Es ist vor allem eine sehr gute Idee, so etwas zu tun, solange die Welt so antisemitisch und antiisraelisch ist, wie wir es seit Jahren erleben. War der Israelkongress am 10. November 2013 für eine solche pro-israelische Positionierung der richtige Rahmen?

Zuerst einmal ist für einen Intellektuellen die Aufteilung der Welt in „Laboratorien“ oder auch in „Labs“, wo dann schön getrennt Kapitalismus („Ökonomie“ oder neudeutsch „Business“), Religion, Kultur, Politik und „Lifestyle“ behandelt werden, so etwas wie eine Ohrfeige, eine Absage an Gesellschaftskritik, die ihren Untersuchungsgegenstand in seiner Totalität analysiert. Dafür gab es „Datteln für alle“, wie einer der ganz wenigen kritischen Kommentare zum Israelkongress in der „Hauptstadt“ bemerkte.

Es war der dritte Israelkongress, der diesmal nicht in Frankfurt am Main, vielmehr in Berlin stattfand. Es wurde gar nicht erwähnt, warum Frankfurt rechts oder links liegen gelassen wurde, dabei lag das u.a. an der Verleihung des Adorno-Preises an die anti-israelische Agitatorin Judith Butler im Jahr 2012 durch die Stadt Frankfurt. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der die Entscheidung nicht selbst zu verantworten hatte, blieb gleichwohl – offiziell aus Termingründen, aber offenbar eher aus Protest – der Preisverleihung fern. Das ärgerte die auf die Israelhasserin stolzen Frankfurter aller Richtungen extrem und Feldmann geriet unter Druck. Und so sagte er jüngst sinngemäß, dass er sein Fernbleiben bei der Preisverleihung rückblickend anders sehe…

Wenn also ein Politiker einmal etwas Courage gegen Antisemitismus oder die Diffamierung Israels als Apartheidstaat zeigt, wird er prompt von allen Seiten zurück gepfiffen. Ähnlich verhielt es sich bei einem der ganz wenigen interessanten Momente im öffentlichen Leben der Kanzlerin, als diese sich am 2. Mai 2011 sichtlich erfreut über die Tötung Osama Bin Ladens zeigte, aber von ihrem Parteikollegen und Israelkongressteilnehmer Philipp Mißfelder und einer ganzen Phalanx der deutschen politischen, medialen und kulturellen Elite zurückgepfiffen wurde.

Mehrere auf dem Kongress vertretenen großen Parteienstiftungen (Adenauer, Ebert, Seidel und Böll) unterstützen auf die eine oder andere Weise auch anti-israelische oder antisemitisch agierende bzw. agitierende NGOs. Das wurde durch einen Bericht der bekannten Gruppe NGO Monitor aus Jerusalem unter der Leitung des Politologen Prof. Gerald Steinberg im Oktober 2013 bekannt. In diesem bahnbrechenden Bericht sieht man zudem wie lückenhaft die parteinahen Stiftungen sowie staatliche, kirchliche und weitere Einrichtungen über ihre nahöstlichen Aktivitäten berichten.[i] Es wird durch die empirische Forschung von NGO Monitor exemplarisch deutlich, dass häufig problematische NGOs Unterstützung erhalten. Eine solche NGO ist Miftah. Der Korrespondent aus Jerusalem, Ulrich Sahm, berichtete bereits im April 2013 über einen antisemitischen Artikel, der auf deren Homepage erschienen war und die mittelalterliche antijüdische Blood Libel propagierte. Sahm betonte auch die Unterstützung dieser NGO unter anderem durch die Konrad Adenauer Stiftung (KAS).

War es nun ein Zufall, dass Sahm, der mehrere Texte in der Hochglanzkonferenzbroschüre publizierte und häufig in Deutschland auftritt, auf der Konferenz nicht sprach, aber die KAS prominent und mit einem Stand vertreten war?

Warum meint ein Kongress sich mit politischen Stiftungen umgeben zu müssen, die doch allesamt dafür bekannt sind, wie die oben genannte Untersuchung von NGO Monitor dokumentiert, auch mit den Gegnern Israels auf die eine oder andere Weise zu kooperieren? Wer kann da ein Eintreten für Israel irgendwie ernst nehmen?

Hätte sich Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses, geweigert, eine sehr kraftvolle und gegen den deutschen Antisemitismus gerichtete Rede zu halten, wenn mehr kritische Köpfe, Gruppen oder Initiativen anwesend gewesen wären anstelle vieler geschwätziger bis peinlicher Christen, Politiker oder anderer merkwürdiger Gestalten?

Ein Kongressteilnehmer aus der ex-DDR raunte mir unvermittelt schon bei der bloßen Vorstellung einer der Diskutantinnen am Nachmittag, Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, zu, dass diese z.B. „Hakenkreuze auf jüdischen Grabsteinen“ doch übertrieben darstellen würde, „um mehr Geld für ihre Arbeit zu bekommen“. Dieser Mann sieht sich als Freund Israels und der Juden, er feierte dieses Jahr drei Wochen lang seinen 60ten Geburtstag in Israel, wie er versicherte. Tolle Freunde Israels! Vielen Gruppen, Vereinen, Firmen und Organisationen scheinen vor allem die Farben schwarz-rot-gold am Herzen zu liegen, und Israel dient als Vehikel um deutsch-nationale Symbolik sozusagen koscher zu liebkosen.

Antisemitismus hat in den letzten Jahren in teils extremer Form zugenommen. Graumann verwies vor allem auf die Agitation gegen die Beschneidung. Diese Hetze wurde bekanntlich nicht nur von der FAZ, vielmehr auch von marginalen, selbsternannten Israelfreunden aus abstrusen (und häufig zu Unrecht als ‚antideutsch‘ klassifizierten) Teilen der linken Szene unterstützt und angefeuert. Er sagte, dass diese unfassbar ordinäre, vulgäre und Juden sowie das Judentum diffamierende Debatte im Sommer 2012 Juden in Deutschland gezeigt habe, wie wichtig Israel gerade auch für die Juden in der Diaspora ist. Ein Zufluchtsort für alle Fälle! Wenn es je zu einem Verbot der Beschneidung kommen würde, wäre dies das definitive Ende jüdischen Lebens in Deutschland – und Israel die Rettung, so Graumann. Vor diesem Hintergrund ist es so unerträglich und perfide dass die linke Publikumszeitschrift Konkret in einem Artikel im Sommer 2013 das jüdische Rückkehrrecht als zentralen Bestandteil der Konzeption Israels als jüdischem Staat in Frage stellte.

Auf dem Israelkongress wurde dem DGB-Vorsitzenden und Vorsitzenden des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, der Arno-Lustiger-Ehrenpreis verliehen. Sommer ist ein außerordentlich engagierter und kämpferischer Freund Israels, was auch in seiner Dankesrede deutlich wurde, wo er sich gegen Boykottaufrufe gegen israelische Waren aussprach und auch betonte, dass er innerhalb der Gewerkschaftsbewegung nicht selten konfrontativ den Israelfeinden begegnen muss. Doch sicherlich hätte Michael Sommer diesen bedeutenden Preis auch in Gegenwart von mehr pro-israelischen Wissenschaftlern, Intellektuellen, Linken, Liberalen, Gewerkschaftern und Ungläubigen und weniger deutschnationalen Christen oder äquidistanten Parteienvertretern oder Stiftungsfunktionären entgegen genommen. Auch das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus aus Berlin lädt immer wieder Politiker_innen ein und verspricht sich davon irgendwelche Resultate. Es geht immer um Floskeln und wohlfeile Worte. Analyse und Kritik, wissenschaftliche gar, ist selten willkommen.

Folklore, kochen und geschwätzig moderieren wird gegen Antisemitismus nichts ausrichten können, so gut das auch gemeint sein mag. Israelisch kochen muss niemand davon abhalten, gegen den jüdischen Staat Israel anderweitig aktiv zu sein. Kulturalismus versus Ideologiekritik? Primär muss es um eine Kritik der Forschung und der politischen Kultur gehen, ansonsten wird es darauf hinauslaufen, Parallelwelten zu haben, die am politischen Klima wenig bis gar nichts ändern werden.

Was dieses Land bzw. Europa und der Westen braucht sind Leute die öffentlich kritisieren, dass und warum dieses Land oder ganz konkrete einzelne Unternehmen etc. mit gefährlichen Regimen kooperieren oder warum seit Jahren problematische NGOs Steuergelder der deutschen Bundesregierung (via die Parteienstiftungen z.B.) und anderer deutscher Einrichtungen erhalten oder warum Zentren für Antisemitismusforschung und Jüdische Museen antiisraelische Redner oder den Antisemitismus diminuierende jungdeutsche Forscher einladen oder beschäftigen. Das Jüdische Museum geht soweit wie viele den Holocaust und die Vorgeschichte des Holocaust verharmlosende Ideologen und behauptet, den Muslimen von heute würde es durchaus so gehen wie den Juden in den 1930er Jahren während des Nationalsozialismus, so der Direktor dieses weltweit seit längerem in die Kritik geratenen Museums, Michael Blumenthal.

Diese Zentren, Museen, NGOs oder postkolonialen, multikulturalistischen, post- bzw. antizionistischen Events und Forscher_innen werden sich weder durch christliche Gebete, Start-Up-Unternehmen im Bereich Hirnforschung oder IT-Technologie und auch nicht durch köstlichen Matsch aus dem Toten Meer oder Rotwein von den Golanhöhen irritieren lassen. Eine Kritik gerade der Aktivitäten des Jüdischen Museums Berlin, das pars pro toto für das gesamte links-deutsche kulturelle Establishment in der BRD steht, wäre enorm wichtig gewesen auf einem pro-israelischen Kongress.

Besonders abstoßend war das Auftreten von evangelikalen Missionaren im Umfeld des „Marsch des Lebens“, der von der Tübinger Offensiven Stadtmission (TOS) 2007 initiiert wurde. Die TOS schreibt über sich selbst: „Die TOS bekennt sich zu Gott, dem Vater, zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes als Retter und Herrn der Welt, und zum Heiligen Geist.“ Diese zwischen Lachhaftigkeit und Antijudaismus oszillierende Ideologie, die den Holocaust in seinen unerträglichen „Märschen fürs Leben“ benutzt um christliche „Gnade“, „Versöhnung“, ja „Heilung“ und „Jesus Christus“ als Herr und Retter zu propagieren, wurde wie selbstverständlich auf dem Israelkongress und der Kongressbroschüre promotet und goutiert.

Es braucht weiterhin einen Raum, wo die wissenschaftliche und politische Analyse und Kritik des Antisemitismus bundesweit ein Forum bekommt.



[i] Es wurden folgende Stiftungen und Einrichtungen bezüglich ihrer Unterstützung von NGOs in Israel bzw. den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde untersucht:

Political Foundations:

 

Rosa Luxemburg Stiftung

Heinrich Böll Stiftung

Friedrich Ebert Stiftung

Willy Brandt Center Jerusalem

Friedrich-Naumann-Stiftung (FNF)

Konrad Adenauer Stiftung

Hans-Seidel-Stiftung

 

Independent Development NGOs

 

Medico International

 

Church organizations

 

Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst

MISEREOR

 

Governmental organizations

 

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ)

Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) Remembrance, Responsibility and Future

Institute for Foreign Cultural Relations (IFA).”

Breakfast with Voltaire and Kant? About Tunisian-French philosopher Abdelwahab Meddeb

Times of Israel, September 19, 2013

 

On September 12, 2013, in the leading German weekly Die Zeit, prize-winning Tunisian-French poet, philosopher and university professor in France, Abdelwahab Meddeb (born 1946 in Tunis) argued against Islamism. On the same page there is an article by co-editor of Die Zeit, Josef Joffe, on the Syrian crisis.

Meddeb is in favor of a possible “world government” following German philosopher Immanuel Kant, who in 1795 wrote his so-called political testament, “Perpetual Peace.” Meddeb writes about a “cosmopolitan world government,” and he is following mainstream liberal and academic discourse in North America, Europe, and even worldwide.

To be sure, Meddeb is an anti-Islamist, he really and honestly detests Salafi and Wahhabi Islamism, in particular, and religious fundamentalism in general. But there is a remarkable and truly (and sadly) future-oriented ideological trope in his thinking, which we can find in the entire post-colonial, and cosmopolitan debates around the globe, and in particular in Europe, the Middle East and North America. In his interview with Die Zeit he argues that a Syrian civil war could result in the emergence of several “micro-states” based on religion, ethnicity and language. He asks himself “Who has a cui bono,” or who would be the winner or who would profit in such a “scenario?” “Israel,” he answers himself, because Israel is based on a “religious, ethnic and language identity.” Israel “could live in harmony with such an environment of [Syrian] micro-states,” he claims.

Remember: You simply have to mention Kant, cosmopolitanism, and world government, to be up to date. In addition, mention Hannah Arendt, another German philosopher, and you are a super trendy scholar. If you have by birth a so-called hybrid identity, in the best case an Islamic legacy in your family and a European touch, too, your career is made from the very beginning. Europeans in particular embrace this kind of Arab-Muslim-European identity, which can only be matched by anti-Israel Jews. However, Meddeb presents such a wonderful bilingual French-Arab and religious (Islamic) identity and he mentions both Kant and Arendt in his short interview with Die Zeit. He is truly fashionable.

The core point of Meddeb’s well chosen remark about Israel is his reference to Kant at the very end of that interview. Here you have the true European speaking to his fellow Kantian colleagues, journalists, and fans.

In June 2002, Meddeb gave a speech in Germany about 9/11. In it, he mourned the decline of Islam in recent centuries and decades. He is against terror, of course, but his main argument and interest is the history of Islam. Before, between October 19 and December 9, 2001, he wrote his book “La Maladie de l’Islam,” “The Malady of Islam.” In it he argues against Islamism and he was not at all happy on 9/11, contrary to his fellow Muslims and Arabs. He does not like them. But he tries, to some extent, to understand them or to put them in the broader picture.

Therefore, he also argues against the West, and, most prominently, against America and against some Jews, the ‘bad ones,’ the Zionists, while he quotes other Jews rather positively. A cosmopolitan against Zion, really? Yes, particularly because he is a secular, open-minded man, a cosmopolitan, Meddeb is promoting troubling tropes, I believe. Take his reference to famous French philosopher Voltaire from the 18th century. In his book “The Malady of Islam,” he quotes Voltaire who said that a “reasonable intolerance” would be intolerance towards the “Israelites” who try to go back home to Zion. Writing in the mid 18th century, Voltaire has ever since been infamous for his antisemitic tropes. But well-educated Meddeb refers to Voltaire close to the end of his 250 pages book on 9/11 and “The Malady of Islam.”  He is rationalizing the murder of 9/11 at least in part, for example when referring to Ariel Sharon as someone who was involved in “war crimes” (in 1982), when there is no connection between those accusations and 9/11 at all or to the ideology of Bin Laden, al Qaida and Islamism of the Muslim Brotherhood that was established in 1928 in Egypt by Hasan al-Banna. In many of his articles, like during the Gaza war in January 2009, both sides are equally horrible, cruel and disgusting: Hamas is as bad as Israel. At the end, Israel is even worse, of course, because it is Goliath, not David, in his view, and he argues that those rockets from the Gaza strip did not do much harm at all, killing just a very few Israelis, but the retaliation of Israel was horrible. German newspapers like the left-wing Frankfurter Rundschau and newspapers and online pages in other languages published and printed his anti-Hamas and anti-Israel article.

The rejection of Israel as a Jewish state is the core of the problem. We are facing two huge movements: on the one hand, we have Islamism, including Shia-style terror from Hezballah and of course the Iranian threat, Sunni-style Islamism by the Muslim Brotherhood or by Turkey, or Saudi-style antisemitism, and of course Qatar-style mainstreaming of Islamism via public relations.

On the other hand, we have European-style cosmopolitanism Kantian-style, promoted by almost the entire liberal or left-wing and mainstream academia on every single campus in Europe, in EU institutions, in trans-national governments, and by philosophers like Abdelwahab Meddeb, who oppose Saudi-style Islamism, the language of hatred of the Muslim Brotherhood or of Yusuf al-Qaradawi while embracing the more tender aspects of Islamic history in their view. They are obsessed with portraying Islamic history as nice without ignoring the more troubling aspects. But they are perhaps even more obsessed with Immanuel Kant or Voltaire and the rejection of Jewish re-settling in Zion, the land of King David.

Meddeb has been published by leading German papers like the Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, he has been interviewed by leading radio stations in Germany and his books and talks have been reviewed very positively. Kantian Muslims are heroes in Europe. And they are an almost completely overlooked danger to the Jewish state of Israel.

This is also the reason why another German philosopher, Hannah Arendt, is so famous and extremely trendy. Today you are an outsider at EU universities and at European collogues on contemporary political thinking or on political philosophy if you are not a full-bearded hipster and if you are not always referring to Arendt, or Kant, or their followers like Judith Butler from Berkeley and Seyla Benhabib from Yale, the latter having just been awarded prestigious prizes in Germany last year. Being a student today is simple. You do not need researching many years with thousands of books on your bookshelves at home. Today, at EU or North American campuses you need essentially four things to succeed: an Apple MacBook, an I-phone, a book by Kant, and one by Arendt …

We have to emphasize the close connection between Zionism and free thinking. It is not cool to quote Kant and Arendt all day long or to refer positively and with a smile to Voltaire’s prejudice and “intolerance” towards Zion. It’s vice versa: it is cool to be a Zionist.

The really dramatic story goes like this: we have to start thinking that some of our allies in the fight against Islamism and Jihad are our enemies when it comes to defending Israel as a Jewish state. If we fail and just focus on fighting Islamism and have night-long vibrant debates about the importance (and, yes, it is important!) of the Western world, of free thinking and writing, of being nice and friendly to everyone everywhere (call it “hospitality”) we might wake up and have breakfast with a happily secular fellow who quotes Voltaire’s “reasonable intolerance” towards Zionism from the 18th century.

And this seems to be the story of philosopher Abdelwahab Meddeb. The cultural and scholarly elite in Germany and Europe is eager to embrace him. And there is a French and a German reason for that. Voltaire. Kant.

 

Center for Research on Antisemitism (ZfA) in Germany appointed anti-Israel activist

Islamic Studies scholar Achim Rohde
promotes Edward Said and
anti-Zionist antisemitism

 

By Dr. Clemens Heni, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA), August 1, 2012 (another version of this article was published July 31, 2012, with algemeiner.com in New York City)

 

The Center for Research on Antisemitism (ZfA) at the Berlin Technical University in April 2012 appointed as a co-worker an outspoken supporter of antisemite Edward Said: Achim Rohde. A scholar in Islamic Studies, Rohde was hired because he conducts research to evaluate the similarities of “antisemitism” and “Orientalism” “in the sense of Edward Said,” as the ZfA newsletter of May 2012 declares. In addition, he will be working on the ZfA’s big project on “Islamophobia in European societies.”[1] “Islamophobia” as a research project of a Center for Research on Antisemitism? This is unscholarly in nature and politically scandalous.

The appointment of Achim Rohde is shocking for scholars on antisemitism, though a big coup for enemies of the Jewish state of Israel. Responsible for this is newly appointed head of the ZfA, historian Stefanie Schüler-Springorum. Hired in June 2011, she is a newcomer to scholarship on antisemitism. She has not published a single book on that topic – nor has Rohde.

Edward Said becomes even more mainstream
in German academia

Edward Said (1935–2003) was the leading academic anti-Zionist voice in the last decades, achieving global fame. He portrayed Arabs as the ‘new Jews’ as early as 1969.[2] He equated Israel with South-African apartheid in 1979[3] and portrayed Israel as the leading Orientalist, imperialist and racist power in his bestselling book Orientalism in 1978.[4] The chapter on Israel is the last and longest chapter in this anti-Western and antisemitic book. In an interview in 1987 Said said that Israelis had not learned the lessons from their own suffering under Nazi Germany. In his view Jews have become perpetrators now in the same way Germans or Nazis were perpetrators against the Jews.[5] In 1999 Said said that, if he could choose, he would opt for a kind of renewed Ottoman Empire. Jews could become an accepted minority, but Israel would be destroyed.[6]

Now, in 2012, Edward Said is mainstream[7] at the only German University based research center on antisemitism. They are promoting antisemitism instead of analyzing it.

Achim Rohde and the equation of antisemitism
and Orientalism

Rohde was published in 2010 by then head of the ZfA, controversial historian Wolfgang Benz.[8] Rohde promotes the fantasy that Muslims and Arabs had been victims of Germany since the 19th century, if not long before. He follows the ideology of “the Orient within.” This means: while Orientalists aim at Arabs and Muslims in the Middle East, they aim at Jews in Europe. Jews are victims of Orientalism within the homeland of the empire, Europe, so to speak, while Arabs and Muslims are victims abroad, in the Middle East and in the fantasies of artists, authors, writers, politicians, intellectuals, the public, art historians, painters etc. etc.

This equation of antisemitism and Orientalism is a denial of antisemitism, which is based on conspiracy theories, blood libels, anti-liberalism, anti-capitalism, anti-communism, anti-Westernism and many other aspects of that “longest hatred,” a term of historian Robert S. Wistrich.[9] The “lethal obsession” (Wistrich)[10] of antisemitism cannot be compared or equated with supposedly or real Orientalism and allegedly or really problematic views vis-à-vis the Arabs and Muslims. Particularly after 9/11 it has become fashionable and useful to ignore Islamism and Muslim antisemitism and to talk about Arabs, Muslims and Jews as victims of Orientalism. Anti-Zionist antisemitism is a core element of this post-Orientalist ideology, as I have shown in the work of Edward Said.

 

Rohde and many colleagues, who are obsessed with post-colonial ideology and Edward Said, ignore or deny the close friendship of German Emperor Wilhelm II, who traveled to the Ottoman Empire in 1898 and portrayed himself as friend of the Muslims. German Islamists remember this German-Muslim friendship until today.[11] In 1914, during the First World War, Wilhelm II initiated the Jihad of the Ottoman Empire, as Middle East Studies scholar and historian Wolfgang G. Schwanitz has shown.[12] Subsequently, the Arab Muslim Brotherhood developed close ties with the Nazis even before the Holocaust. During the Shoah, the Arab and Muslim leader at the time, Haj Amin al-Husseini, Grand Mufti of Jerusalem, collaborated with Hitler and the Germans. Nazi Germany was pro-Arab and pro-Muslim, and anti-Jewish.[13] Holocaust survivor Simon Wiesenthal documented the close relationship of the Grandmufti of Jerusalem, al-Husseini, and the Axis (Nazi Germany and fascist Italy) in 1947.[14]

 

Nazi scholar Hans Lindemann published a work about Islam in 1941, urging the Germans to see the similarities of the Muslim world and National Socialism.[15] A leading Nazi agitator, Johann von Leers, was happy about Islamism and converted to Islam after the defeat of Nazi Germany and went to Egypt, like many former Nazis, to spread Jew-hatred and antisemitism in that leading Arab country. Egyptian President Nasser welcomed these Nazis and collaborated with them, as the American Jewish Committee documented as early as 1957.[16] Historian Robert Wistrich analyzed the antisemitism of Egypt and von Leers in 1985.[17]

During the 1950s, the Federal Republic of Germany became a hotbed for Islamism (supported by Federal agencies), thanks to anti-communist hysteria of the time, as Pulitzer Prize winner Ian Johnson[18] and historian Stefan Meining[19] have shown in recent years. Finally, 9/11 inflamed German Schadenfreude, anti-American, anti-Israel and pro-Islamist tendencies.[20]

Rohde, from the younger generation (born 1969), is equally aggressive against critics of antisemitism as is Benz. Rohde’s thesis was about the Ba’ath Party, Saddam Hussein, gender-relations in Iraq, and the ideology of pan-Arabism.[21] He submitted his work in 2006 at the Institute for Islamic Studies at Free University Berlin. His first reader was the controversial (in Germany: prize winning) scholar Gudrun Krämer, who is known for portraying the founder of the Muslim Brotherhood, Hasan al-Banna, as a nice guy with great ideas to promote Islam.[22] She is also known for her support of the leading Sunni Islamist in the world, Yusuf al-Qaradawi,[23] who praised Adolf Hitler in January 2009 in Al-Jazeera TV, aired from Qatar, where he lives.[24]

For Rohde, Iraq Ba’ath party style pan-Arabism failed. He urges the Arab world to look for a stronger and more successful way of pan-Arab ideology and action.[25] He is against the “hegemony of globalization”[26] and refers to Edward Said, Daniel Boyarin and anti-Zionist Jacqueline Rose.[27] Why did Rohde refer to anti-Zionist and antisemitic authors in a doctoral dissertation dedicated to the analysis of Iraq, gender relations and pan-Arabism?

Boyarin and Rose have been analyzed as examples of progressive Jewish antisemitism by scholar in literature and Jewish Studies Alvin H. Rosenfeld in 2006.[28] It is telling that Rohde deleted these references at the very end of his study to Boyarin,[29] Rose and Said in his published book in 2010 on the same topic.[30]

Rohde refers to German historian Jürgen Zimmerer, a leading voice in distorting the Holocaust by universalizing it and framing colonial crimes as forerunners of the Shoah. For Rohde, imperialism, racism, and Orientalism are closely related to Nazi Germany.[31] He also compares German and Nazi “sexual politics” with those of the United States and Israel in the 20th century.[32]

The ZfA, Hazem Saghiyeh and Saleh Bashir and the Universalizing of the Holocaust

Achim Rohde is not a direct Holocaust denier; instead he trivializes and distorts the Shoah by referring to Arab authors like Hazem Saghiyeh and Saleh Bashir. Saghiyeh and Bashir published an article in 1997 in which they argued against Holocaust denial, characterizing it as too stupid an argument to be useful in their fight against Zionism.[33] Indeed, even Said is against hard-core Holocaust denial, but he said in the very same article Rohde refers to that “Zionism” is based on “apartheid.”[34]

The same holds for the article Universalising the Holocaust by Hazem Saghiyeh and Saleh Bashir.[35] They accused Israel of not having learnt the lessons from history; they distorted and trivialized the Shoah completely by equating it with racism and colonialism:

“The dissociation between the acknowledgment of the Holocaust and what Israel is doing should be the starting point for the development of a discourse which says that the Holocaust does not free the Jewish state or the Jews of accountability. On the contrary, the Nazi crime compounds their moral responsibility and exposes them to greater answerability. They are the ones who have escaped the ugliest crime in history, and now they are perpetrating reprehensible deeds against another people. Modern Jewish consciousness can no longer look at the world from the exclusive perspective of the Holocaust, in spite of the magnitude of the event and its enormity. Within these parameters, it becomes pressing to (re)present the event as a trial for human suffering more than a purely and exclusively Jewish one, especially since the Jews in recent decades have started losing their long-standing “monopoly” over the tragic. The Turk in Germany, the Algerian in France, and always the black in every place, head the columns of victims of racism in the world and in them, albeit in different proportions and degrees, is the continuation of the suffering of the Jews of which the Holocaust was the culmination.”[36]

This antisemitic argumentation which universalizes the Holocaust and therefore trivializes it is a basic assumption of Islamic Studies scholar Achim Rohde. For him, like for Saghiyeh and Bashir, Turkish, Algerian or Black people are seen in a “continuation of the suffering of the Jews of which the Holocaust was the culmination.”

This is a denial of the Holocaust if we look at the situation of Turks in Germany or Arabs and Algerians in France at any time. It is unscholarly in nature to equate the situation of immigrants or citizens with an immigrant background and the Holocaust.

In an article in 2005, Rohde thanks[37] anti-Zionist authors Moshe Zuckermann from Israel and German sociologist and anti-Zionist Klaus Holz“[38] for helpful comments and support. Holz was on the short-list for the job as head of the ZfA and Zuckermann knows Schüler-Springorum, too.[39]

For Rohde Zionism is based on „central aspects of modern antisemitism;” for him it is „a kind of identification with the aggressor.”[40] He attacks Israel and remembrance of the Shoah in Israel and urges the Arab and Muslim world not to deny the Holocaust, but to attack “Shoah remembrance in Israel”[41] from a ‘higher ground.’ This ‘higher ground’ is the distortion or trivialization of the Holocaust and not hard-core denial of it.

Achim Rohde and the campaign in support of German anti-Zionist Ludwig Watzal

In December 2008 Rohde supported an Internet campaign by a German anti-Israel and antisemitic website in support of German political scientist and anti-Zionist activist Ludwig Watzal.[42] Secretary General of the Central Council of Jews in Germany, Stephan Kramer, attacked the “antisemitic clichés” of Watzal in April 2008. Then, the Central Council of Jews in Germany pleaded to dismiss Watzal as co-worker of a Federal Agency.[43] Political scientist and expert on Islamism, Iran, and antisemitism, Matthias Küntzel, criticized Watzal in 2005 as well.[44]

In his support of Watzal, Rohde was joined by Palestinian Abdallah Frangi, Ramallah, from the PLO, antisemitic author Norman Finkelstein, left-wing politician Inge Höger, who joined the terrorist Gaza flotilla in 2010 (she was on the Mavi Marmara), and over 300 other anti-Zionist activists, scholars etc. Watzal is a particularly aggressive anti-Zionist voice in Germany. Due to many of his anti-Israel articles, critics like Social Democrat Franziska Drohsel, then head of the youth organization of the Social Democrats in Germany (Jusos), supported Jewish organizations who urged the Federal Agency for Education to take a clear stand against their co-worker Watzal. German daily Die Welt reported about the anti-Israel stand of Watzal.[45] While ZfA co-worker Achim Rohde supported Ludwig Watzal in 2008, even his colleague at the ZfA, Juliane Wetzel, criticized Watzal’s writing and his fantasies about “Jewish capital” and “Jewish power,” according to an article in 2006.[46]

Rohde, Gil Anidjar and poststructuralist,
linguistic Holocaust denial:
Jews were not killed as Jews in Auschwitz…

Rohde also sides with Middle East Studies scholar Gil Anidjar from Columbia University and his study The Jew, The Arab. A History of the Enemy from 2003,[47] because Anidjar equates antisemitism with Orientalism and portrays Muslims as victims of Nazism and the Holocaust.[48] For Anidjar, Zionism is antisemitic, because it aims at Judaism, Jews, Arabs, and Islam. He applies Said’s ideology of the “Semite” and accuses “Orientalism” of being antisemitic, including being anti-Arab.[49] This is a denial of antisemitism, of its term and ideology. Islam has a legacy of antisemitism, although on another level as Christian antisemitism. Portraying Muslims and Arabs as victims of European history is beyond reality. Islam is an imperialist religion, like Christianity. For centuries, Jews have been oppressed and murdered by Christians and also by Arabs and Muslims (on a lower scale). Since 1945 and particularly since 9/11 Islamism and Arab anti-Zionism are the biggest threat to Jews and Israel. Iran seeks nuclear weapons and its president Mahmoud Ahmadinejad is known for his incitement to genocide; he pleads for a “World without Zionism,”[50] and is followed by the entire Iranian regime and substantial parts of Western academia and activists as well. Edward Said fought for a world without Zionism, too, decades before Ahmadinejad, and even before the Iranian revolution in 1979.

 

Anidjar makes fun of Jews and the Holocaust and equates the fate of Jews with the history of the word “Muslim.” For him, like for fashionable Italian philosopher Giorgio Agamben Jews died as “Muslims” and not as Jews in Auschwitz.[51] This is linguistic antisemitism. These horrible games with language are mainstream in many poststructuralist, postmodern and antisemitic circles. It is shocking, though, that a scholar from the ZfA refers favorably to this parody of scholarship.

 

In reality Muslims were allies of the Nazis, we know of SS-Imams, Muslims in the German army, the Wehrmacht, SS-units and so on. Rohde follows Anidjar and says that both Jews and Muslims have been victims of Europe since the crusades.[52] In an interview about his book Anidjar rejects any scholarly analysis of the “new antisemitism” and equates antisemitism with racism or the situation of Muslims.[53] In 2009 Anidjar published another article and equated (and mentioned the “link” between) colonialism and the Holocaust;[54] he attacked Israel, the US and the War on Terror, in order to portray the poor and innocent Arabs (and Muslims) as victims of Israel and the US.[55] Already in his 2003 book and then in his 2009 article, Anidjar applied the grotesque distinction between “The Jew, the Arab: good Semite, bad Semite.”[56] Like Edward Said and many protagonists of post-colonial theory, he denies that antisemitism was an anti-Jewish ideology from the very beginning (and not a kind of Orientalism), starting with Wilhelm Marr’s agitation in Germany in 1879.[57] Consequently, Anidjar was a speaker in 2009 at the Israel Apartheid Week and promoted boycotting Israel and therefore Jews.[58] This is no problem and not worth mentioning for German academics like Achim Rohde or Felix Wiedemann, also a scholar from the younger generation; as quoted, Achim Rohde referred to Anidjar very positively in 2005 as well as in 2010, Wiedemann refers to Anidjar’s scandalous book from 2003 (The Jew, The Arab) in 2012, and promotes Rohde’s approach, too, embedded in esoteric, cotton-ball-style criticism.[59]

Conclusion

What is the problem with Achim Rohde’s appointment to Germany’s premier, tax-supported Center for Research on Antisemitism (ZfA) at Technical University in Berlin?

 

1) He supports antisemitic, anti-Zionist, post-colonial and post-Orientalist superstar Edward Said;

2)  He supports German anti-Zionist and highly controversial activist Ludwig Watzal;

3) He supports antisemitic, anti-Zionist authors like Daniel Boyarin and Jacqueline Rose;

4) He supports authors who make fun of the Jewish victims of the Holocaust, who defame Israel as apartheid and promote the boycott of Israel like Gil Anidjar;

5) He supports the trivialization and in fact denial of the Holocaust by equating it with the situation of Turks in Germany today with reference to Hazem Saghiyeh and Saleh Bashir;

6) He equates antisemitism with “Orientalism” and denies the genocidal ideology of antisemitism;

7) He ignores or affirms the Iranian and Islamist threat;

8) He dwells on the fantasy of “Islamophobia” and is employed to do so by the ZfA.

 

The Center for Research on Antisemitism (ZfA) at the Technical University Berlin should finally change its name: it is

 

The German Edward Said Center for
Holocaust distortion
and post-colonial Antisemitism

 

 

 


[1] Newsletter, No. 42, Center for Research on Antisemitism (ZfA), Technical University Berlin, May 2012, http://zfa.kgw.tu-berlin.de/newsletter/Newsletter42.pdf (visited July 21, 2012).

[2] Edward Said (1969): The Palestinian Experience, in: Moustafa Bayoumi/Andrew Rubin (eds.) (2001), The Edward Said Reader, London: Granta Books, 14–37, 34.

[3] Edward Said (1979): Zionism from the Standpoint of its Victims, in: Bayoumi/Rubin (eds.) (2001), 114–168.

[4] Edward Said (1978): Orientalism, New York: Vintage Books.

[5] The interview reads: “[Question to Said] Given the history of the Jews and the creation of the Israeli state, because of their historical experience with persecution and suffering and holocaust [small ‚h’ in the original, CH] and death camps, should one feel that Israelis and Jews in general should be more sensitive, should be more compassionate? Is that racist? [Said] No, I don’t think it’s racist. As a Palestinian I keep telling myself that if I were in a position one day to gain political restitution for all the suffering of my people, I would, I think, be extraordinarily sensitive to the possibility that I might in the process be injuring another people“ (Edward Said (1987)/2010: The Pen and the Sword. Conversations with Edward Said. David Barsamian, introductions by Eqbal Ahmad and Nubar Hovsepian, Chicago: Haymarket Books, 42).

[6] Edward Said (1999): An Interview with Edward Said, in: Bayoumi/Rubin (eds.) (2001), 419–444, 430.

[7] In Cultural Studies, Islamic Studies, Middle East Studies, comparative literature and related fields, Said has been mainstream for a long time. See, for example, among his followers in Germany Markus Schmitz (2008): Kulturkritik ohne Zentrum. Edward W. Said und die Kontrapunkte kritischer Dekolonisation, Bielefeld: transcript (Schmitz defames the Middle East Forum’s project Campus Watch and says it is a reminder to the times of “McCarthy,” ibid., 227); Stefan Wild (2003a): Rezension von Martin Kramer, Ivory Towers on Sand. The Failure of MiddleEastern Studies in America, Washington D.C. 2001, ISBN 0-94 4029-49-3, 130 S., U.S. $ 19,95, Die Welt des Islams, Vol. 43, Nr. 2, 290–292 (this is a particularly aggressive and ironic review of Martin Kramer’s famous study Ivory Towers on Sand from 2001); Birgit Schäbler (2008): Post-koloniale Konstruktionen des Selbst als Wissenschaft: Anmerkungen einer Nahost-Historikerin zu Leben und Werk Edward Saids, in: Alf Lüdtke/Reiner Prass (Hg.) (2008): Gelehrtenleben. Wissenschaftspraxis in der Neuzeit, Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag, 87–100; Schäbler is an anti-Israel author and defamed the security fence in Israel, Birgit Schäbler/Ute Behr/Stephanie Dumke (2004): The Israel-Palestinian Conflict as Result of Colonial Border-Making, Tagungsbericht, June 18, 2004, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=499 (visited July 23, 2012); Stefan Weidner (2011): Vom Nutzen und Nachteil der Islamkritik für das Leben, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Nrs. 13–14/2011, 9–15; for historian Ulrich Sieg, who was on the short-list for the job as head of the ZfA, Edward Said’s Orientalism was a „master-piece,“ Ulrich Sieg (2006): Rezension von Ian Buruma, Avishai Margali, Okzidentalismus. Der Westen in den Augen seiner Feinde, WerkstattGeschichte, Vol. 15, No. 43, 137–139, 137.

[8] Achim Rohde (2010): Unter Südländern. Zur Geschichte der Orientalistik und Judaistik in Deutschland, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Vol. 58, No. 7/8, 639–652. Benz edited this issue personally, in addition he is the editor of the journal, too; he introduced Rohde in his article in that issue, Wolfgang Benz (2010): Zur Genese und Tradition des Feindbildes Islam. Einleitende Bemerkungen zum Themenheft Islambilder vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg. Traditionen der Abwehr, Romantisierung, Exotisierung, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Vol. 58, No. 7/8, 585–590.

[9] Robert S. Wistrich (1991): Antisemitism. The Longest Hatred, London: Methuen.

[10] Robert S. Wistrich (2010): A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad, New York: Random House.

[11] Fritz Ahmad Gross (no year of publication indicated): Kaiser Wilhelm II. – Deutschland und der Islam, Islamische Zeitung, online http://www.enfal.de/grund44.htm (visited July 22, 2012).

[12] Wolfgang G. Schwanitz (2003): Djihad „Made in Germany“: Der Streit um den Heiligen Krieg 1914–1915, Sozial.Geschichte, No. 2/2003, 7–34; Wolfgang G. Schwanitz (2004): Die Berliner Djihadisierung des Islam. Wie Max von Oppenheim die islamische Revolution schürte, Konrad-Adenauer-Stiftung, Auslandsinformationen, No. 10/2004, 17–37; Wolfgang G. Schwanitz (2004a): Max von Oppenheim und der Heilige Krieg. Zwei Denkschriften zur Revolutionierung islamischer Gebiete 1914 und 1940, Sozial.Geschichte, Vol. 19, No. 3, 28–59.

[13] Jeffrey Herf (2009): Nazi Propaganda for the Arab World, New Haven: Yale University Press; Jeffrey Herf (2010): Hitlers Dschihad. Nationalsozialistische Rundfunkpropaganda für Nordafrika und den Nahen Osten, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Vol. 58, No. 2, 259–286; Matthias Küntzel (2002): Jihad und Judenhaß. Über den neuen antijüdischen Krieg, Freiburg: ça ira; Matthias Küntzel (2003): Ein Deutsches Schweigen. Die Vorfahren der islamischen Hamas arbeiteten gern mit den Nazis zusammen. Ein Umstand, den die deutsche Linke in ihrer Nahostsolidarität gerne ausblendet, taz, April 12, 2003, http://www.taz.de/?id=archiv&dig=2003/04/12/a0225 (visited July 23, 2012); Matthias Küntzel (2004): Von Zeesen bis Beirut. Nationalsozialismus und Antisemitismus in der arabischen Welt, http://www.matthiaskuentzel.de/contents/von-zeesen-bis-beirut (visited July 23, 2012); Klaus-Michael Mallman/Martin Cüppers (2010): Nazi Palestine. The Plans for the Extermination of the Jews in Palestine, New York: Enigma Books.

[14] Simon Wiesenthal (1947): Großmufti – Großagent der Achse, Salzburg/Wien: Ried-Verlag.

[15] Hans Lindemann (1941): Der Islam im Aufbruch, in Abwehr und Angriff. Mit 1 Karte und 4 Kunstdrucktafeln, Leipzig: Friedrich Brandstetter.

[16] American Jewish Committee (1957): The Plight of the Jews in Egypt, New York: American Jewish Committee, online: http://www.ajcarchives.org/AJC_DATA/Files/551.PDF (visited July 23, 2012).

[17] “The most prominent of these former collaborators of Hitler and Goebbels was the notorious antisemite Johann von Leers, invited to Cairo by Haj Amin el-Husseini. Von Leers had initially settled after the war in the Argentine where he edited the neo-Nazi monthly Der Weg. The Grand Mufti had repeatedly sent messages of encouragement to von Leers and his fellow Nazis in Buenos Aires and in August 1956 he had publicly complimented Der Weg for having ‚always championed the Arabs’ righteous cause against the powers of darkness embodied in World Jewry’’. An exalted figure in Nasser’s entourage, the ex-Mufti of Jerusalem obtained a post for von Leers as political adviser in the Egyptian Information Department, where, according to the Manchester Guardian, he exercised ‚considerable influence on the nature of the current anti-Jewish measures’. Von Leers continued to be active as an antisemitic propagandist in Cairo under his Muslim name, Omar Amin, until his death in 1965,” (Robert Wistrich (1985): Hitler’s Apocalypse. Jews and the Nazi Legacy, London: Weidenfeld & Nicolson, 176).

[18] Ian Johnson (2005): The Beachhead. How a Mosque for Ex-Nazis became Center for Radical Islam, The Wall Street Journal, July 12, 2005; Ian Johnson (2010): A Mosque in Munich. Nazis, the CIA and the Rise of the Muslim Brotherhood in the West, San Diego (CA): Houghton Mifflin Harcourt.

[19] Stefan Meining (2011): Eine Moschee in Deutschland. Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen, Munich: C.H.Beck.

[20] For a comprehensive critique of German Islamic Studies, scholars in antisemitism and the public in Germany after 9/11 see my book Clemens Heni (2011): Schadenfreude: Islamforschung und Antisemitismus in Deutschland nach 9/11, Berlin: Edition Critic.

[21] Achim Rohde (2006): Facing Dictatorship. State-Society Relations in Ba’Thist Iraq. Zur Erlangung des Doktorgrades eingereicht am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin im April 2006, manuscript, Free University Berlin, Institute for Islamic Studies.

[22] Gudrun Krämer (2010): Hasan al-Banna, Oxford/New York: Oneworld Publications.

[23] Gudrun Krämer (2006): Drawing Boundaries. Yusuf al-Qaradawi on Apostasy, in: Gudrun Krämer/Sabine Schmidtke (eds.) (2006): Speaking for Islam. Religious Authorities in Muslim Societies, Leiden/Boston: Brill, 181–217; Gudrun Krämer (2009): Preface, in: Bettina Gräf/Jakob Skovgaard-Petersen (eds.) (2009): Global Mufti. The Phenomenon of Yusuf al-Qaradawi, London: Hurst & Company (2009), ix–xi.

[24] For an overview on many more antisemitic statements of al-Qaradawi see http://www.memri.org/report/en/print5020.htm (visited July 23, 2012).

[25] Rohde 2006, 425; see also Achim Rohde (2005): Der Innere Orient. Orientalismus, Antisemitismus und Geschlecht im Deutschland des 18. bis 20. Jahrhunderts, Die Welt des Islams, Vol. 45, Nr. 2, 370–411; Achim Rohde (2009): The Orient Within. Orientalism, Anti-Semitism and Gender in 18th to early 20th Century Germany, in: Benjamin Jokisch/Ulrich Rebstock/Lawrence I. Conrad (eds.) (2009): Fremde, Feinde und Kurioses. Innen- und Außenansichten unseres muslimischen Nachbarn, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 147–165; Achim Rohde (2010a): State-Society Relations in Ba’Thist Iraq Facing Dictatorship, London/New York: Routledge (this is his shortened 2006 dissertation).

[26] Rohde 2006, 425.

[27] See footnote 12 (which belongs to the chapter „Conclusions“), Rohde 2006, 428: „Edward Said, Freud and the Non-European (London: Verso, 2003), 49, 53/54. See also Stephen Sheehi, ‚Failure, Modernity, and the Works of Hisham Sharabi: Towards a Post-Colonial Critique of Arab Subjectivity,’ Critique 10 (1997): 39–54; Daniel Boyarin, ‚The Colonial Drag: Zionism, Gender, and Mimikry,’ in the Pre-Occupation of Post-Colonial Studies, eds. Fawzia Afzal-Khan and Kalpana Seshadri-Crooks (Durham/London: Duke Univ. Press, 2000), 234–265; Jacqueline Rose, The Question of Zion (Princeton: Princeton Univ. Press, 2005).“ Remember: these are quotes from the end of Rohde’s doctoral dissertation, which is about Iraqi history, gender relations, dictatorship and pan-Arabism. He quotes antisemites in such a study: this indicates his hatred of Israel as a Jewish state.

[28] Alvin H. Rosenfeld (2006): „Progressive“ Jewish Thought and the new anti-Semitism, http://www.ajc.org/atf/cf/%7B42D75369-D582-4380-8395-D25925B85EAF%7D/PRO
GRESSIVE_JEWISH_THOUGHT.PDF  (visited July 22, 2012).

[29] Rohde refers to above quoted article of Daniel Boyarin; the dedication of Boyarin’s article reads like this: „To Michel Warschawsky and Tikva Parnas, tireless fighters against the Zionist occupation in all Palestine,” (Daniel Boyarin (2000): ‚The Colonial Drag: Zionism, Gender, and Mimikry,’ in: Fawzia Afzal-Khan/Kalpana Seshadri-Crooks (eds.) (2000): The Pre-Occupation of Post-Colonial Studies, Durham/London: Duke University Press, 234–265, 234). The expression „All Palestine” aims at the destruction of Israel. Furthermore one can find the close relationship of antisemites like Boyarin and post-colonial superstars like Bhabha, who share this antisemitism: „I wish to express gratitude to Homi K. Bhabha, who read a much earlier and a very recent version of this essay and whose influence is felt on every page, even where I have not been able to assimilate it completely,” (Boyarin 2000, 259).

[30] Rohde 2010a, 161.

[31] See Rohde 2005, 389, footnote 40, reference to Zimmerer. For a close analysis of the scholarly failure of Jürgen Zimmerer see Jakob Zollmann (2007): Polemics and other arguments – a German debate reviewed, Journal of Namibian Studies, [Vol. 1], No. 1, 109–130 and my forthcoming book Antisemitism: A Specific Phenomenon.

[32] Rohde 2010a, 209, footnote 84.

[33] Rohde 2010a, 213, footnote 4.

[34] Edward Said (1998): Der dritte Weg führt weiter. An die arabischen Unterstützer von Roger Garaudy, Le Monde Diplomatique, German version: http://www.monde-diplomatique.de/pm/1998/08/14/a0226.text.name,askOg6bPY.n,36 (visited July 23, 2012).

[35] Hazem Saghiyeh/Saleh Bashir (1997)/1998: Universalizing the Holocaust. How Arabs and Palestinians relate to the Holocaust and how the Jews relate to the Palestinian victim, Palestine-Israel Journal, Vol. 5, Nos. 3 & 4, 1998, online: http://www.pij.org/details.php?id=382 (visited July 22, 2012). The Arab original has been published in 1997.

[36] Saghiyeh/Bashir 1997.

[37] Rohde 2005, Rohde 2009.

[38] Rohde 2005, 370, footnote 1.

[39] For example, Schüler-Springorum and Zuckermann were part of a small symposium in Berlin in May 2010, http://www.jmberlin.de/main/DE/02-Veranstaltungen/veranstaltungen-2010/2010_05_22_symposium.php (visited July 22, 2012).

[40] Rohde 2005, 410.

[41] Rohde 2005, 411.

[42] http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Honestly_Concerned/watzal_ludwig_aktion.htm (visited July 21, 2012): „307 Dr. Achim Rohde D Hamburg wissenschaftlicher Mitarbeiter, Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung.“

[43] „Zentralrat fordert Entlassung eines Redakteurs der Bundeszentrale für politische Bildung,“ April 5, 2008,  http://www.zentralratdjuden.de/de/article/1625.html (visited July 22, 2012).

[44] http://www.matthiaskuentzel.de/contents/tag-watzal-darf-ich-sie-antisemit-nennen (visited July 22, 2012).

[45] Richard Herzinger (2008): Mitarbeiter schreibt israelfeindliche Texte. Bundeszentrale für Politische Bildung, Die Welt, April 10, 2008, http://www.welt.de/politik/article1885758/Mitarbeiter
_schreibt_israelfeindliche_Texte.html (visited July 23, 2012).

[46] Alexandra Makarova (2006): Neutrales Haus in Erklärungsnot. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung häufen sich Israel-kritische Peinlichkeiten, June 2006, http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.361.html (visited July 22, 2012).

[47] Gil Anidjar (2003): The Jew, The Arab. A History of the Enemy, Stanford: Stanford University Press.

[48] Rohde refers several times to Anidjar, see Rohde 2010, 645 (with reference to Anidjar 2003); Rohde 2005, 385, 400f.

[49] Anidjar 2003, 192–193, endnote 51.

[50] Mahmoud Ahmadinejad (2005): Speech at the Conference „A World Without Zionism,“ October 26, 2005, Teheran, translation by Nazila Fathi, New York Times, 30.10.2005, http://www.nytimes.com/2005/10/30/weekinreview/30iran.html?pagewanted=1&_r=1 (visited July 23, 2012).

[51] Gil Anidjar (2003a): Interview „The Jew, the Arab,” http://asiasociety.org/countries/religions-philosophies/jew-arab-interview-gil-anidjar (visited July 22, 2012).

[52] Rohde 2010, 645.

[53] Anidjar 2003.

[54] Gil Anidjar (2009): Can the walls hear?, Patterns of Prejudice, Vol. 43, Nos. 3/4, 251–268, 266.

[55] Anidjar 2009, 267.

[56] Anidjar 2009, 255.

[57] Wilhelm Marr (1879): Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum. Vom nicht confessionellen Standpunkt aus betrachtet, Bern: Rudolph Costenoble; Wilhelm Marr (1879a): Vom jüdischen Kriegsschauplatz. Eine Streitschrift, Bern: Rudolph Costenoble.

[58] „At Columbia University (CU), a recently formed group called the Columbia Palestine Forum (CPF) hosted a teach-in on March 4 that featured CU professors and students that are members of CPF, a group advocating for the university to divest from Israel. Speakers compared the Israeli-Palestinian conflict to apartheid in South Africa and one professor, Gil Anidjar, an Assistant Professor in the Middle East and Asian Languages and Cultures (MEALAC) department, advocated for a boycott as an ‚exercise of freedom‘“ (http://www.adl.org/NR/exeres/2F101AAE-F472-450F-8C13-53825A79D075,DB7611A2-02CD-43AF-8147-649E26813571,frameless.htm (04.08.2010)).

[59] It is disturbing and problematic that historian Felix Wiedemann refers to Anidjar 2003 positively, without the slightest analysis of his antisemitism. In an overview article for a online encyclopedia about Edward Said, Orientalism, and the Orientalism debate, Wiedemann also sides with Achim Rohde, Felix Wiedemann (2012): Orientalismus, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, April 19, 2012, https://docupedia.de/zg/Orientalismus?oldid=82032#cite_ref-69 (visited July 23, 2012). Wiedemann ignores one of the most updated overviews on Edward Said, a critique of Said’s antisemitism, and particularly the portrayal of Muslims and Arabs as the new Jews, an ideology of Said from the late 1960s (if not earlier): Heni 2011, 76–136. The most shocking aspect of Wiedemann’s piece, though, is his positive reference to antisemite and anti-Israel activist Gil Anidjar. Wiedemann is also not mentioning the antisemitic ideology of Said in its entirety, although he pretends to be a bit skeptical about him; he does quote a few other works of Said than Orientalism but does not mention that Said introduced the concept of Arabs as the ‘new Jews’ as early as 1969, a core element of today’s antisemitism and anti-Zionism and distortion of history. It is remarkable that a young historian like Wiedemann does not even mention that Said equated Israel with apartheid (although, in a completely other context, apartheid South Africa is mentioned in Wiedemann’s piece!), for example. Following an antisemitic author like Gil Anidjar is indicating a failure of scholarship.

Grass and the Sueddeutsche

Algemeiner.com, April 11, 2012

Anti-Zionist, anti-Israel, anti-Semitism is the new form of well-respected, mainstream hatred of Jews. On April 4, 2012, the leading German daily Sueddeutsche Zeitung published a poem by 1999 Nobel Prize Laureate, Günter Grass, entitled “What Must Be Said.”

At the very beginning of his text Grass portrays himself and all of “us” as possible “survivors” of a hypothetical future war. Intentionally or not, Grass uses a term reserved for Jewish survivors of the Shoah. He is portraying himself as a possible victim of Jews, projecting his own guilt onto the victims. In 1944, at the age of 17, Grass became a member of the Waffen SS, and he lied to the public until 2006 when he revealed his Nazi past. Grass writes in his poem that Iranian President Ahmadinejad is nothing but a “loudmouth,” Israel seeks to “annihilate the Iranian people,” and that he is sick of hypocrisy and wants to speak out. The crucial sentence in the poem reads: “Israel’s atomic power endangers an already fragile world peace?” This is quite possibly the most anti-Semitic sentence written by an internationally acclaimed and respected German author since the unconditional surrender of National Socialism on May 8, 1945. It may be even worse than the phrase “The Jews are our misfortune” from German historian Heinrich von Treitschke in 1879, who became infamous for the Berlin Antisemitism Dispute (Berliner Antisemitismusstreit), because Grass writes in the post-Auschwitz time. He knows the consequences of Treitschke – and repeats his singling out of Jews, though framed as anti-Netanyahu and anti-Israel resentment.

Some might argue that Jews and the state of Israel are living in a pre-Holocaust time due to the fact that Iranian President Ahmadinejad said on October 26, 2005, at a conference in Teheran about “A World without Zionism,” that Israel must be “wiped off the map.” We know of many other genocidal anti-Semitic statements from Islamist leaders, including former Iranian president Rafsanjani, leading Sunni Islamist Yusuf al-Qaradawi and al-Jazeera TV from Qatar, or Egypt TV, where preachers have praised the Holocaust.

Grass dismisses those genocidal threats and portrays Israel as the bad boy which threatens Iran with a so-called “first strike” with atomic weapons dedicated to erase the population. This is a lie and Grass well knows that it is a lie. However, he knows from his own experience during Nazi Germany that people get to love, embrace and believe lies if they are repeated, repeated, and repeated. This was the tactic of Joseph Goebbels – the big lie method.

What is not much discussed, though, is the Sueddeutsche Zeitung. This is the leading German daily with some 410,000 copies a day, only the boulevard daily Bild-Zeitung sells more copies. The Sueddeutsche has a record of anti-Israel agitation. In December 2009 it published an article by British historian Tony Judt, declaring that Jews are not a people, and have no real connection to the land of Israel. In his article Judt used many antisemitic tropes. Finally he predicted that there might be “ethnic cleansing,” perpetrated by Israel, in the future on an unprecedented level since 1945.

In January 2010 historian Wolfgang Benz published a widely discussed article, entitled “Preachers of hate with parallels” (“Hetzer mit Parallelen”). He equated Islamists and preachers of hate in the Muslim world with critics of antisemitism and Islamism. Even if we take into account that Germans share the racist views of Muslims, which is horrible and has to be fought on a daily basis, there is nothing which can be compared with state-funded terrorism from Iran, with genocidal threats from the Iranian regime since 1979, and there is nothing which can be compared with Holocaust praise on Egypt TV.

Journalists spoke out against Grass, but those supposed experts on antisemitism, like the Center for Research on Antisemitism (ZfA) at the Technical University of Berlin, are ignoring the new “Anti-Semitism Dispute” in 2012.

Dr. Clemens Heni is head of the Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA). 2008/2009 he was a Post-Doc at the Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism (YIISA), Yale University, in 2011 he published his book “Schadenfreude. Islamic Studies and antisemitism in Germany after 9/11” (in German). In 2009 he spoke at Hadassah Book Club and the Congregation Beth Israel in Hartford, in 2010 he spoke at the Congregation Beth-El in Edison, New Jersey. In summer 2012 he will publish his first book in English: “Antisemitism – A specific Phenomenon. An introduction in research on antisemitism – from Ahasver, Mammon, and Moloch to Holocaust distortion, anti-Zionism and Islamic Jihad”.

 

„Hitler good – killed Jews“ – Kai Wiedenhöfers palästinensische Freunde und die Diffamierung der Juden als die Nazis von heute

Hitler good – killed Jews“ – Kai Wiedenhöfers palästinensische Freunde und die Diffamierung der Juden als die Nazis von heute, 18. April 2008, www.kritiknetz.de

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