Trump ist ein Freund des Faschismus und der “Proud Boys”

Von Dr. phil. Clemens Heni, 30. September 2020

In der schrecklichsten, peinlichsten und schockierendsten aller Präsidentschaftswahlkampfdebatten im US-Fernsehen am Abend des 29. September 2020 aus Cleveland, Ohio, hat sich US-Präsident Donald Trump hinter die Faschisten, Nazis, Schläger und Antisemiten der “Proud Boys” gestellt.

Auf die Frage des Moderators Chris Wallace:

Are you willing, tonight, to condemn white supremacists and militia groups and to say that they need to stand down?

sagte Trump floskelhaft:

Sure, I’m willing to do that.

Doch wenig später sagte Trump Folgendes:

Well, Proud Boys, stand back and stand by. I’ll tell you what, somebody’s got to do something about antifa and the left because this is not a right-wing problem, this is a left-wing problem.

Damit stellt sich Trump hinter Faschisten, Nazis und Antisemiten und gegen die Antifa. Biden hingegen sagte, dass Antifa eine Idee sei und keine feststehende Gruppe. Die Antifa-Antifa jubelt wie nie zuvor – diese Neonazis wurden von einem US-Präsidenten gefeiert im blutigen Kampf gegen die Linke. WTF!!!

Nicht nur die Times of Israel und die Anti Defamation League (ADL) sind schockiert.

Ich hatte am 21. November 2018 über jene “Proud Boys” hier geschrieben:

[Der rechtsextreme britische Aktivist und Pegida-Redner in Dresden Tommy] Robinson ist ein enger Freund von Gavin McInnes, der in USA lebt und mit dem er nun eine Vortragsreise nach Australien plant. Wer ist McInnes? Am 12. Oktober 2018 fand eine Veranstaltung im Metropolitan Republican Club in New York City mit den 2016 von McInnes gegründeten ‘Proud Boys’ statt. Sie sind als rechtsextreme Schläger in ganz USA bekannt. McInnes war einer der Mitbegründer des Vice-Magazins und wird als früher Protagonist der Hipster-Bewegung betrachtet. 2008 verließ er Vice. Im August 2018 sperrte Twitter seinen Account und den anderer ‘Proud Boys’ wegen deren Extremismus. Das Southern Poverty Law Center in USA stuft sie als Hassgruppe ein.

Am 12. Oktober 1960 ermordete der Rechtsextreme Otoya Yamaguchi den Vorsitzenden der sozialistischen Partei Japans, Inejiro Asanuma, auf einer Wahlkampfveranstaltung in Tokio mit einem Samuraischwert. Dieser brutale Mord wurde nun am 12. Oktober 2018 von Gavin McInnes im Metropolitan Republican Club nachgespielt – mit einem Plastikschwert in der Hand nahm er die Rolle des Mörders ein und meinte, diese Szene sei ‘sehr inspirierend’.

Das Blog Achgut (Achse des Guten) war schon am 28.09.2020 ganz aufgeregt und blickte offenbar gebannt auf die Debatte Trump/Biden, ja stellte sich unzweideutig hinter den schon lange als Pro-Faschisten, Antisemiten und Pro-Nazi berüchtigten Trump (“Warum ich Donald Trump die Daumen drücke“), denken wir nur an Charlottesville und die Neonazis, die dort wüteten und eine Frau ermordeten (“very fine people among them“, der Neonazi-Mörder kommt lebenslang ins Gefängnis), und jubilierte:*

Hätte es den ganzen Medien-Zinnober und das nicht enden wollende Trommelfeuer auf die leibhaftige Verkörperung des Teufels im Weißen Haus nicht gegeben, wären die bislang vier Jahre seiner Regierung eine ziemlich normale republikanische Präsidentschaft gewesen.

Kein denkender Mensch würde Donald Trump oder seinen erwartbaren Auftritt am 29. September 2020 als “normal” bezeichnen. Es war eine “Scheißshow”, wie CNN es in ungewöhnlich deutlichen Worten fasste. Es war eine Pro-Faschismus-Show und Anti-Antifa-Show von Trump.

Wer Trump wählt oder unterstützt, unterstützt damit auch die von ihm gefeierten “Proud Boys”, Faschisten, Nazis und Antisemiten und kämpft gegen die Antifa.

Nie wurde das deutlicher als am 29. September 2020.

 

Über den Achgut Gastautor steht dort: “Georg Etscheit, geb. 1962, ist Autor und Journalist in München. Fast zehn Jahre arbeitete er für die Agentur dpa, schreibt seit 2000 aber lieber über Umweltthemen sowie über Wirtschaft, Oper und klassische Musik unter anderem für die Zeit und die Süddeutsche Zeitung. 1980 hat er eine Partei mit dem Namen ‘Die Grünen’ mit aus der Taufe gehoben, die er dann aus Gründen journalistischer Unabhängigkeit wieder verließ. Als Basta-Kanzler Schröder die rot-grüne Koalition beendete, trat er aus Protest wieder ein und leitete einige Jahre als Ko-Sprecher die grüne Fraktion im Bezirksausschuss Maxvorstadt, einem Münchner Stadtteilparlament – bis er aus Überzeugung wieder austrat. Außerdem engagiert er sich im Naturschutz – und ärgert sich ganz oft im Alltag.”




Deutsche Lust Es wächst zusammen was zusammen gehört: Nation und Sozialismus – “Volkslust”

ww.hagalil.com, 14.10.2007

Alle wollen mitmachen. Seit einigen Jahren quellen die Feuilletons über, Buchtitel und Veranstaltungen sind voll mit »Deutschland denken«, »Die Berliner Republik als Vaterland«, »Wir Deutschen« oder »Der deutsche Weg«. Dem möchten natürlich die nationalrevolutionären Neuen Rechten in nichts nachstehen. WIR SELBST jedoch, das Hochglanz-Flaggschiff dieses Teils des ›modernen‹ Rechtsextremismus, das seit 1979 bevorzugt auf braun-grünen Tümpeln schipperte, hat das Erscheinen seit 2002 eingestellt. Das Nachfolgeprojekt firmiert nun seit 2004 mit bislang vier Ausgaben unter dem Namen VOLKSLUST.

Nicht nur Eva Herman treibt es Freudentränen in die Augen, wenn sie dort liest: »Unsere Kinder sollen nicht mehr verschämt zu Boden blicken, wenn sie jemand fragt, woher sie kommen und sie sollen sich im Klaren darüber sein, dass die deutsche Geschichte nicht nur aus Auschwitz und Buchenwald besteht.« Auf diesen sekundären Antisemitismus hat VOLKSLUST also keinerlei Monopol, vielmehr wird er heute von nahezu allen deutschen Dächern, Blättern, im Radio, Fernsehen, in Talkshows etc. wollüstig gepfiffen. VOLKSLUST übernimmt den zentralen Slogan von WIR SELBST: »Wer von den Völkern nicht reden will, sollte von ›dem Menschen‹ schweigen«.

Die antiindividualistische, antiliberale und antiuniversalistische, völkische Theorie nennt sich nun »linkes Nachdenken über die Nation und das Volk«, um eine »volkliche Vielfalt« zu erkämpfen, wie es einer der jüngeren Nachbeter Eichbergs, Alexander Raoul Lohoff, auf den Punkt bringt, der es sogar 2003 und 2007 mit Leserbriefen in die JUNGLE WORLD schaffte, zuletzt um seinen Praeceptor Germaniae in Schutz zu nehmen. Bemerkenswert ist die Kooperation des Sohnes von Willy Brandt, Peter Brandt, Professor für Geschichte und aktiv in der SPD, mit VOLKSLUST. Brandt fordert eine »folkelighed« ein, einem dänischen Begriff des Theologen Grundtvig aus dem 19. Jahrhundert, eine Art ›Völkischheit‹. Was er nicht unternimmt, ist die Analyse des bereits bei diesem Theologen dechiffrierbaren, exkludierenden und antijüdischen Nationalismus, der sich gegen Meïr Aaron Goldschmidt wandte.

Grundtvig dient VOLKSLUST als wichtigster Kronzeuge für eine vermeintlich harmlose Bedeutung des Wörtchens »volklich«, welches er 1848 prägte. Volklich ist jedoch nicht nur bei ihm, vielmehr auch bei den völkischen Nationalisten der Weimarer Republik und sodann im Nationalsozialismus, u.a. in der Sprachtheorie Leo Weisgerbers, verwendet worden. Volklich meint jeweils das gleiche wie völkisch. Neben Brandt tauchen PDSler wie Gerhard Brandster oder der von der DKP zum Islam konvertierte Dieter Schütt als Autoren auf, zudem der rechtsextreme Anti-Antifa-Publizist Claus Wolfschlag, der schon früher geradezu Steckbriefe von Rechtsextremismusforschern entwickelt hat. Der »Schriftleiter« Hanno Borchert wiederum wurde zuletzt dadurch einschlägig bekannt, dass er den Nazi-Barden Frank Rennicke, der in seinen Stücken die SS hochlobt und beim Nazi-Projekt Schulhof-CD aktiv war, in der letzten WIR SELBST-Nummer von 2002 in Schutz nahm vor der »Faschismuskeule«.

Das Heidnische, Antimonotheistische, vor allem das Antijüdische und Antichristliche haben traditionell eine große Bedeutung für die nationalrevolutionären Neuen Rechten, in VOLKSLUST wird regelmäßig darauf abgehoben. Ebenso kommen Noam Chomsky, Arundhati Roy oder Günther Nenning als Bezugspunkte vor, auch Robert Kurz, Roswitha Scholz oder das ›wert- und krisenkritische‹ Projekt exit werden ausführlich gewürdigt, zudem huldigen die obsessiv Völkischen »Wald und Licht«, der kosmologischen »Maja« oder publizieren Artikel der »Wertkritischen Kommunisten Leipzig«, welche die Kinderband Tokio Hotel hypen. »Antifas« sind für die volkslustigen Regimenter »Schwachköpfe«, sie werden mit »Hools« in eine Reihe gesetzt. In antisemitischer Analogie wird der Kampf gegen »›den Juden‹« mit heutiger Kritik am »›Islamofaschismus‹« gleichgesetzt. »Martin Walsers Aufruhr gegen die ›Auschwitzkeule‹« wird wohlwollend angeführt und als Zeichen für eine »volkliche Linke« registriert. Auschwitz wird zudem nur erwähnt, um es als westlich zu deklarieren, als »Fabrik«, also als »modern«, um ja nicht vom spezifisch deutschen, eliminatorischen Antisemitismus zu reden. Eine prima Entlastungsmöglichkeit für die Deutschen.

Diese Strategie ist wiederum keine genuin neu-rechte, vielmehr als postmodernistisches Syndrom zu erkennen, das immer wenn es von der ›Moderne‹, der ›Aufklärung‹ oder ›dem Menschen‹ hört, von »KZ« redet. In Eichbergs Text »antideutsch oder antiimperialistisch« zeigt er nachdrücklich, dass die gegenwärtige Rezeption von Dutschke oder Che Guevara – »Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker« – auch in der Neuen Rechten Wellen schlägt. Feindbild ist vor allem die »jungle world«, die sich anmaßte »Sherry statt Sharia« zu fordern. Heute sprüht die Volkslust, wenn zur Marx-Engels-Stiftung der DKP über »Linke und Nation« gegangen wird, wie es die Homepage der VOLKSLUSt vorschlägt. Sie zeigt sich auch darin, antizionistisch-linke Publikationsorte wie trend-online-partisan zu loben, wenn dort Eichberg vor Kritik in Schutz genommen wird.

VOLKSLUST steht für einen marginalen Kreis Neuer Rechter und Querfrontler, aber bezeichnender ist folgendes: sie bringen die politische Kultur des heutigen Deutschland mit seiner schwarzrotgoldenen Hurra-wir-sind-Deutsche-und-deshalb-so-froh-Ideologie auf einen gewissen Kulminationspunkt; Nation und Sozialismus sind im Kommen. Wer erinnert sich nicht an Friedrich Meinecke, den berühmten Historiker, nachdem in Berlin das historische Institut an der Freien Universität benannt wurde, der 1946 in seinem Pamphlet die deutsche Katastrophe Hitler als »brünstigsten Verkünder« und »Exekutor« dafür lobte, »die Verschmelzung der nationalen und der sozialistischen Bewegung« angegangen zu haben. VOLKSLUST kämpft für einen nationalen Sozialismus im 21. Jahrhundert.

Wer ist nicht stolz auf ein Land, das seiner Vergangenheit noch eine Zukunft bietet?