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Von Dr. phil. Clemens Heni, 31. Oktober 2021

 

Gestern schrieb mir eine Ärztin und Coronapolitik-Kritikerin einen sehr interessanten und bewegenden Brief. Sie ist eine Linke, hat sich ihr Leben gegen Unterdrückung, Ungerechtigkeit, gegen die Herrschenden gestellt. Sie ist Antifaschistin und sieht die Parallele der Coronapolitik angesichts der „Täterseite“, von der „Opferseite“ wäre diese Analogie „absurd“. Wie recht sie hat. Es geht um die politische Unkultur des deutschen Gehorsams, um das Nicht-Nachfragen, um das Befolgen und vor allem um das Denunzieren, Diffamieren, Ausgrenzen und „Absondern“. Wer das Wort „Absonderung“ angesichts von Corona verwendet, zeigt an, was der Großvater 1933-45 für ein SS-Mann oder NSDAP-Verwaltungs-Nazi war. Und genau das meinte ich von Anfang an, seit dem 12. März 2020, noch vor dem Öffnen der totalitären pandemischen Büchse der Pandora, dem pandemic turn: dem Schließen von Theatern und Absagen aller Veranstaltungen um den 14. März herum und dann dem ersten Lockdown am Montag, den 23. März 2020.

Die Kritik an der Coronapolitik ist links. Die Kritik an der Coronapolitik ist links, weil wir uns gegen Unterdrückung einsetzen und Solidarität mit allen Menschen auf der Welt haben.

Wenn wir sehen, wie unsagbar brüllend schweigend die Kulturszene in diesem Land versagt, dann wird einem Angst und bange. Grade die Leute, die immer so taten, als wären sie aufgeklärt, solidarisch und „antifaschistisch“, wie z.B. die Broilers oder Campino und die Toten Hosen, von Feine Sahne Fischfilet nicht zu schweigen, die haben doch alle so was von versagt wie noch nie in ihrem Leben. Nehmen wir Sammy Amara, den Sänger der Punkrockband Broilers. In einem Interview vom Mai 2021 sagt er:

 

Ich fahre im Moment sehr viel Fahrrad, weil ich den öffentlichen Personennahverkehr wegen Corona meide. Das ist mir zu dicht und es halten sich nicht alle an die Maskenpflicht.

 

Der 1979 geborene Düsseldorfer hat einen irakischen Vater und eine deutsche Mutter und tut so, als ob er sich für Flüchtlinge und Minderheiten einsetzen würde, das wird in dem Interview mit dem österreichischen Kurier deutlich. Es wird aber noch viel deutlicher, dass Sammy sich so was von gar nicht mit den Millionen Opfern der Coronapolitik im Globalen Süden befasst hat. Er findet es sinnvoll, eine Maske zu tragen und macht Stimmung gegen jene, die das nicht tun. Dass die Zeitschrift für Krankenhaushygiene up2date jeglichen Nutzen einer „Alltagsmaske“ wissenschaftlich fundiert bestreitet, hat er nicht mitbekommen und sich darum auch nicht gekümmert. Er ist also genauso ein „Lutschbonbon“ wie Campino, der vom Punkrocker Guido von Gyrich angesichts des Schweigens zur Coronapolitik so bezeichnet wird.

 

Wie tief der Abgrund ist, an dem die Zivilisation steht, zeigt ein Bild aus Zermatt in der Schweiz. Dort hat die nicht anders als totalitäre oder Apartheid-Verwaltung der Stadt Betonblöcke vor ein Lokal hinpflanzen lassen, das sich aus demokratischen Gründen weigert, die faschistoide Zertifikationspflicht einzuhalten und Menschen nach geimpft, genesen oder getestet etc. zu selektieren.

Wie die Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht in einem ausführlichen Video analysiert, ist jede Regelung, die zwischen gegen SARS-CoV-2 geimpften und nicht-geimpften Personen unterscheide, epidemiologischer „Schwachsinn“. Die Wissenschaft hat empirisch gezeigt, dass alle das Virus übertragen können, egal ob nicht geimpft oder doppelt geimpft oder wie oft immer. Im Vereinigten Königreich wird wie in Deutschland jetzt die Booster-Impfung empfohlen, weil der Impfstoff so mega cool ist, dass man sich gerne dreimal impfen lässt. Die Boulevard-Presse jubelt, dass nach drei Impfungen der Impfschutz „nahezu vollständig“ sei. Er wird so vollständig sein, dass in wenigen Monaten die vierte Impfung ansteht – wie jetzt in Israel. Dann zählen heute noch als geimpft zählende Würstchen morgen schon als ungeimpfte. Der Impfstoff Moderna wurde jetzt in Sachsen von der Ständigen Impfkommission für Menschen unter 30 zurückgezogen, da er schädlich sein könnte. Und dann hetzt die ganze Republik gegen Joshua Kimmich, der sich mit 26 nicht impfen lassen möchte, weil er für sich persönlich diese Entscheidung angesichts unsicherer Folgeschäden so getroffen hat.

 

Das, was Links-Sein immer ausmachte, ist die Gleichheit der Menschen. Das ist der Sonnenaufgang von 1789, keine Privilegien mehr für den Adel, den Klerus oder das Bürgertum – alle Menschen sind gleich, wie es auch die Vereinten Nationen ausdrücken. Dass wir natürlich auch nachdem dem König der Kopf abgetrennt wurde, noch nicht alle gleich sind, da es die übergroße Mehrheit gibt, die ihre Körper als Arbeitskraft verkaufen muss und eine mini-kleine Minderheit, die davon profitiert, das ist Teil der Dialektik der Aufklärung. Das ist der Kapitalismus oder die a-soziale Marktwirtschaft, die viele als „sozial“ bezeichnen.

 

Und es gab keine Zeit seit 1945, die so stark die Ungleichheit der Menschen politisch festschreibt. Entgegen den NS-Verharmlosern sage ich nicht, dass wir es aktuell mit den „wohl größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu tun hätten. Entgegen den Verschwörungswahnwichteln der beliebten Coronapolitik kritischen Portale zweifle ich nicht am jihadistisch-islamistischen Charakter von 9/11 oder des Massakers vom Breitscheidplatz (wo manche dieser Portale gar anzweifeln, dass dort überhaupt Menschen wegen dem Anschlag starben).

 

Und jetzt gibt es Hoffnung aus den USA. In einem der renommiertesten, einflussreichsten, intellektuellsten, jüdischen und zionistischen Online-Portal, dem Tablet Magazine (für das ich 2016 und 2019 auch schon schrieb), gibt es drei Texte zur Kritik der Zeugen Coronas und der Folgen der präzedenzlosen Coronapolitik von Alex Gutentag im Juni, September und Oktober 2021. Die Autorin geht auf die unwissenschaftliche Coronapolitik ein und betont, dass 95 Prozent aller Hospitalisierten in den USA mindestens eine Vorerkrankung hatten und dass das Risiko von 12- bis 15-jährigen, wegen der Corona-Impfung an Myokarditis zu erkranken, sechs Mal höher ist, als Corona zu bekommen. Sie betont den enormen Einfluss der Pharma-Lobby und dass Pfizer in den USA schon wegen kriminellen Aktivitäten verurteilt wurde:

From 1991 to 2017, the U.S. pharmaceutical industry had to pay out 412 criminal and civil settlements totaling $38.6 billion. Pfizer paid out the biggest health care fraud settlement in U.S. history as part of a $2.3 billion fine for illegal marketing, along with numerous other penalties. Pharma is the largest lobbying force in the United States, far outspending every other industry. In 2020, it spent $309 million on lobbying while the insurance industry spent $154 million, and oil and gas spent $112 million. In 2019, pharma spent $30 billion on marketing, $10 billion of which was spent on direct-to-consumer marketing and advertisements. Two-thirds of Congress has received money from the industry, and the FDA gets 75% of its drug review budget directly from pharma. Scott Gottlieb, the former head of the FDA who accelerated the agency’s drug approval process, now sits on Pfizer’s board.

Gutentag betont, wie die Amerikaner verrückt gemacht wurden mit falschen Prognosen der „Experten“. So glaubten im Dezember 2020 35 Prozent, dass 50 Prozent aller Corona-Fälle hospitalisiert würden, de facto sind es ca. ein Prozent. Der Gouverneur von New York bekam einen Buchvertrag über 5 Millionen Dollar, dabei hat er kriminell gehandelt und hat angeordnet, dass infizierte Alte vom Krankenhaus zurück ins Altenheim verlegt werden sollten. Dort starben dann viele Tausend aufgrund seines Befehls. Die Vorhersagen hatten die Belegung von 140.000 Krankenhausbetten und 40.000 Intensivbetten allein für New York in den Panikraum geworfen. De facto brauchte es wegen Corona schlappe 18.800 normale und gut 5000 Intensivbetten. Während in Queens manche Krankenhäuser tatsächlich voll waren, gab es viele freie Betten in Manhattan und anderen Teilen New Yorks. Von Überlastung keine Spur.

Während 2020 bis zu 90 Prozent aller positiven Fälle de facto negativ waren, weil der Ct-Wert, also die Zahl der Anreicherungen des Virusmaterials, bei weit über 30 und oft bei 40 lag, hat das amerikanische Pendant zum RKI, das CDC (Centers for Disease Control and Prevention) bei „Impfdurchbrüchen“ den Ct-Wert auf 28 gesetzt. So fälscht man Statistiken.

Die Reichen werden durch die Coronakrise noch viel reicher und die Armen ärmer. Vor allem werden die Todesfälle durch zu spät oder nicht behandelte Krankheiten wegen der irrationalen und menschenverachtenden Coronapolitik extrem ansteigen:

 

A few people have benefited from this war on reality while many have paid a heavy price. In 2020, workers lost $3.7 trillion, while billionaires gained $3.9 trillion and 493 new individuals became billionaires. During this same period, decades of progress against diseases like malaria and tuberculosis were reversed. Disruptions to health and nutrition services killed 228,000 children in South Asia. Globally, the impact of lockdowns on health programs, food production, and supply chains plunged millions of people into severe hunger and malnutrition.

In the U.S., we are facing a crisis of cardiovascular disease and undiagnosed cancer. Unemployment shock will cause 890,000 additional deaths over the next 15 years. Overdoses from synthetic opioids increased by 38.4%, and 11% of U.S. adults considered suicide last June. Three million children disappeared from public school systems, and ERs saw a 31% increase in adolescent mental health visits.

Und Alex Gutentag ist auch ganz klar, und das betrifft nicht nur Joe Biden und Kamala Harris, sondern auch Angela Merkel, Olaf Scholz, Jens Spahn, Horst Seehofer, Markus Söder, Winfried Kretschmann oder Stephan Weil, Malu Dreyer und Michael Müller:

Pushing millions of people into poverty and starvation is not just a “mistake.” These are crimes.

Wer also Millionen Menschen in Armut und Hunger stürzt, hat nicht einen irgendwie blöden und entschuldbaren „Fehler“ begangen, sondern das sind „Verbrechen“.

In ihrem letzten Text ihrer Corona-Trilogie vom 26. Oktober 2021 betont Alex Gutentag, dass es 2019 so viele Streiks von Arbeiter*innen in den USA gab wie seit 2001 nicht mehr. Das wurde durch den Coronawahn unterbrochen. Während die reichen Mittelklasse-Amerikaner (analog den Hipstern und der kulturellen und politischen Elite und Schickeria in München, Köln, Hamburg und zumal Berlin, Düsseldorf, Stuttgart, Leipzig, Dresden, Dortmund, Bremen, Freiburg, Nürnberg und Hannover) sich von den Migranten und der Arbeiterklasse beliefern lassen, werden in den USA jetzt Feuerwehrmänner, Helden von 9/11, denen 2001 zugeklatscht wurde, als a-soziale Impfverweigerer auf die Straße gesetzt und bespuckt. In Deutschland dürften, so der Brief der Ärztin, die mir so ausführlich und luzide schrieb, sehr viele der Corona-Fälle Migranten sein. Viele haben schlechtere Wohn-, Arbeits- und Lebensverhältnisse und zudem oft eine schlechtere gesundheitliche Grundsituation seit ihrer Kindheit im Herkunftsland. Damit wäre die deutsche Coronapolitik so rassistisch wie die Apartheid-Politik des Bürgermeisters von New York City, De Blasio, da im August nur 28 Prozent der 18- bis 44-jährigen Schwarzen in New York geimpft waren und sie jetzt vom gesamten öffentlichen Leben in Innenräumen ausgeschlossen sind. Diese Ausgrenzung ist sehr stark nach Klasse und Rasse ausgerichtet – je ärmer und je dunkler die Hautfarbe, je größer die Wahrscheinlichkeit von der weißen Elite wie von De Blasio (oder Söder, Kretschmann, Müller, Giffey, Scholz, Habeck, Baerbock, Lindner) aussortiert zu werden. Nicht nur die Schwaben nennen es in ihrer Coronaverordnung „Absonderung“.

 

Es gilt, das Blockwartdenken, den Irrationalismus, das a-soziale Verhalten der Zeugen Coronas auf ihren Bezug zum Blockwartdenken, Ausgrenzen und Denunzieren im Nationalsozialismus zu beziehen. Es geht um die Täterseite, nicht darum, sich in antisemitischer Manier zum heutigen Opfer zu stilisieren, wie es damals die Juden auf nie dagewesene Art und Weise waren. Und wer den Antisemitismus tatsächlich bedient, sind solche Leopoldina-Historiker oder der Deutschlandfunk, die eine direkte Linie vom Kolonialismus zu Auschwitz ziehen. Es sind jene Antisemiten, die von „Corona-Leugnern“ faseln und damit ganz gezielt eine Analogie zur Holocaustleugnung intendieren. Es sind jene antisemitisch, die Juden ganz mega super lustig von einer Bühne jagen und sich die Hände desinfizieren, weil sie einen Juden berührt haben könnten. Sie wissen, wer so handelte, ich hab ja darüber berichtet.

 

Hoffnung gibt es dann neben den Texten von Alex Gutentag auch von ganz jungen Leuten hierzulande. Um Mitternacht gestern feierten paar junge Leute, dem Jubeln, Schreien und Kreischen nach zu urteilen keine 21 Jahre alt, hier direkt unterm Weinberg auf die Musik von NENA, irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Da nun wirklich alle mitbekommen haben, dass Nena die obercoole Demo in Kassel gegen die Coronapolitik klasse fand und ankündigte, niemals 3G oder 2G oder andere totalitäre Maßnahmen wie das Maskieren von Zuschauer*innen mitzumachen, sind diese jungen Leute die Hoffnung. 26 Prozent der Trucker in den USA haben angekündigt, lieber ihren Job zu verlieren, als sich zwangsimpfen zu lassen. Viele Krankenpfleger*innen haben ähnlich gedroht. Und das ist die Rache der Arbeiterklasse. Die aktuellen weltweiten Lieferengpässe haben auch damit zu tun. Gutentag schreibt:

 

The consequences of a labor rebellion against artificially low wages and vaccine mandates may be even more profound during the winter ahead. Recent supply chain woes are caused by a combination of an energy crisis in China, the long-term effects of lockdowns, and a shortage of 80,000 truckers. These factors have created a feedback loop of backlogs and congestion, leaving nearly half a million containers and dozens of cargo ships waiting at Los Angeles and Long Beach ports, which handle 40% of inbound containers for the U.S., while hundreds of sailors are stranded at sea on cargo vessels that cannot be unloaded. American citizens are beginning to see the effects of this supply chain stress, with some school districts struggling to feed students, changing their lunch menus, and even considering remote learning due to food shortages.

 

1890 stand in einem der folgenreichsten Bücher der Antisemitischen Internationale in Deutschland, in Julius Langbehns „Rembrandt als Erzieher“ Folgendes:

Die politischen Scheinwahrheiten des Jahres 1789 sind nachgerade veraltet; es dürften an ihre Stelle politische Realwahrheiten des Jahres x treten. Nach der französischen Revolution kommt die deutsche Reform; nach der Gleichheit die Abstufung.

Und so denken auch die Zeugen Coronas von Jürgen Habermas über Noam Chomsky bis zu ZeroCovid-Redakteuren der ARD, Spiegel-Kolumnist*innen und ‘kommunistischen’ Autorinnen von Konkret: gegen die Gleichheit der Menschen von 1789 und den Sonnenaufgang der Aufklärung wollen sie die Ideen vom März 2020 und vom Herbst 2021 setzen, Lockdown und Impf-Apartheid statt rationaler Gefahrenanalyse und internationaler Solidarität.

Es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass das intellektuelle Flaggschiff jüdischer Publizistik in den USA jetzt mit diesen drei genialen Texten von Alex Gutentag sich hinter die Arbeiterklasse, hinter die Schwarzen und Migrant*innen, hinter die „Verdammten dieser Erde“, die Ungeimpften und die selbst Denkenden stellt.

 

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