‘Eine Covid-19-Infektion ist so wahrscheinlich wie ein Lotto-Gewinn’

Von Dr. phil. Clemens Heni, 3. Juli 2020

 

30 Prozent aller Landkreise in Deutschland meldeten die letzten 7 Tage null neue „Infektionen“ mit SARS-Cov-2, die anderen gut ca. 69 Prozent meldeten im Schnitt 1-3 „Infektionen“, nur im verbleibenden einen Prozent aller Landkreise gibt es eine etwas höhere Anzahl, mit bekannten „Hotspots“ wie in Nordrhein-Westfalen, wie das ZDF berichtet. Aber solche Zahlen haben keine Konsequenz. Welches Gesundheitsamt würde einen Landkreis in quasi Quarantäne versetzen, wenn wochenlang nicht eine einzige Infektion eines ohnehin nur für eine sehr kleine Gruppe von Menschen gefährlichen Virus auftaucht? Welches Gesundheitsamt würde das tun, ohne Angst zu haben, illegal und verfassungswidrig zu handeln?

Wie verfassungsgemäß ist es, angesichts der folgenden Aussage eines der führenden Virologen und Epidemiologen des Landes, den Notstand, die Abstandsregel, die Maskenpflicht und alle anderen Maßnahmen aufrecht zu erhalten?

Die Gefahr, sich in Hamburg mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken, ist nach Ansicht des Hamburger Mikrobiologen und Krankenhaushygienikers Johannes Knobloch derzeit so groß wie die Gewinnchance beim Bingo oder Lotto.

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Was viele Menschen bis jetzt nicht verstanden haben, obwohl man kein Dr. med. sein muss, um das zu verstehen: eine Infektion heißt noch lange nicht, dass ein Mensch krank ist oder je an dieser Infektion krank werden wird. Gerade bei SARS-CoV-2 sind ja fast alle Infizierten ohne Symptome, zwischen 80 und weit über 90 Prozent, wie es scheint.

Deshalb sind die 10 Millionen weltweit (!) offiziell „Infizierten“ eine erstens völlig irreführende und zweitens eine völlig falsche Zahl. Warum irreführend? Weil diese 10 Millionen zu einem riesigen Anteil – 80 bis weit über 90 Prozent – überhaupt nicht gemerkt haben oder merken werden, dass sie mit diesem Virus infiziert sind. Warum ist die Zahl falsch? Die Zahl ist grotesk niedrig für einen Grippevirus – und SARS-CoV-2 ist eine Erkrankung der oberen Atemwege, ergo: eine Art Grippevirus. Allein 2017/18 waren in Deutschland 9 Millionen Menschen wegen Grippesymptomen (!) beim Arzt. Das sind also ganz sicher nicht alle gewesen, die Grippe hatten, sondern nur jene, denen es etwas schlechter ging und die klare Symptome hatten und sich Linderung beim Arzt versprachen (wie sinnvoll oder sinnlos das bei einer normalen Grippe ist, sei dahingestellt). Ca. 25.000 Menschen starben in der Grippesaison 2017/18 an der Grippe. Kein Grund zur Panik.

Dass es jetzt in den USA relative viele Neuinfektionen gibt, kann u.a. an den deutlich häufigeren Tests liegen (das zeigen die Zahlen für die USA). Was in den USA zu den teils hohen Sterberaten in Alten- und Pflegeheimen führte, war skandalöserweise das Zurückschicken von infizierten alten Menschen aus Krankenhäusern – weil die Krankenhäuser für die wirklich gefährlichen Fälle Betten freihalten müssten (in den USA wird das dann oft mit dem Versagen der blauen (entgegen den roten) Staaten in Beziehung gesetzt, also den von Demokraten regierten, was hier natürlich als typische aufgeheizte US-Polemik keine Rolle spielen soll). Das waren tödliche Fehlentscheidungen, die offenbar zum Beispiel im Staat New York verheerend wirkten. Das mag am kapitalistischen Gesundheitssystem liegen, aber auch an der unglaublichen Panik, die weltweit fast alle Politiker*innen erreichte und die zu solchen falschen Entscheidungen führte.

Die Toten, die wir wegen dem Lockdown zu beklagen haben werden, die werden ein Vielfaches der relativ wenigen Grippetoten wegen SARS-CoV-2 betragen, wie die kritischen weltberühmten ForscherInnen im Zuge von Ioannidis schon jetzt sagen und befürchten. Eine Milliarde Menschen könnte in Hunger und Armut stürzen, weil die Weltwirtschaft kollabiert.

Dagegen sind dann befürchtete Schließungen von stadtbekannten Kneipen wie dem „Schwarzen Café“ in Berlin-Charlottenburg in der Kantstraße, unweit des Savigny-Platzes, Ende der 1970er Jahre von einem Anarchisten gegründet, zwar schrecklich, aber von anderer Qualität als der Überlebenskampf von Straßenverkäufer*innen in Indien, weiten Teilen Asiens oder in Südamerika, von den Kindern, die in Afrika keine Masernschutzimpfung erhalten haben, weil die Panikmaßnahmen solche Präventivaktionen unmöglich machten, nicht zu schweigen.

Es wird nach Corona ganz andere Innenstädte geben als davor, trostlosere, einförmigere, leerere – und das sind “Kollateralschäden”, die allesamt vermeidbar gewesen wären.

Aber selbst diese neuen Zahlen von weltweit 10 Millionen positiv Getesteten sind überhaupt gar nichts gegen die von John Ioannidis, dem mittlerweile auch für Newcomer legendären Professor für Epidemiologie und Bevölkerungsgesundheit  an der Stanford Universität in Kalifornien, in den Raum geworfenen Zahlen: Ioannidis geht von weltweit mindestens 150 bis 300 Millionen Infizierten aus, vermutlich sind noch viel mehr Menschen mit SARS-CoV-2 in Berührung gekommen und somit infiziert (aber nicht krank). Das ist ein Hoffnungszeichen. Warum? Es zeigt ja, wie wenig tödlich das Virus ist. Nehmen wir 500.000 Coronagrippetoten von 10 Millionen Infizierten verglichen mit 300 Millionen Infizierten. 500.000 von 10 Mio. sind 5 Prozent, eine völlig unwissenschaftliche und hohe Zahl, Professor Hendrik Streeck kam in Gangelt in NRW auf 0,37 Prozent Letalitätsrate. 500.000 von 150 Mio. sind 0,33 Prozent. Das entspräche der empirisch (!) gesicherten Forschung von Streeck oder Ioannidis.

Das reduziert die von der WHO sensations- und paniklüstern in den Raum geworfene Sterberate von 3,4 Prozent der Infizierten (also positiv Getesteten) ganz extrem. Laut Ioannidis ist die Wahrscheinlichkeit für Menschen unter 45 Jahren so gut wie gleich Null, an diesem Virus zu sterben, weltweit liegt das durchschnittliche Todesalter bei über 80 Jahren, teilweise übersteigt es damit die im jeweiligen Land feststellbare durchschnittliche Lebenserwartung.

Corona ist 100 bis 1000 Mal weniger tödlich als die Spanische Grippe 1918, vor allem war damals das durchschnittliche Todesalter 28 Jahre. 1918 starben ca. 50 Millionen Menschen an dieser Grippe.

Ioannidis schreibt am 3. Juni 2020:

The infection fatality rate is thus vastly lower than the documented case fatality rates. Moreover, most covid-19 deaths affect people with limited life expectancy, while the average age at death in the 1918 flu pandemic was 28. The expected loss of quality adjusted life years, even without aggressive lockdown measures, is 100 to 1000 times lower than in 1918—perhaps comparable with (if not lower than) typical seasonal flu, which kills 34 800 (95% confidence interval 13 200 to 97 200) children every year with acute lower respiratory infections, in contrast with covid-19, which overwhelmingly spares children.

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Und wieder ist es gerade der panikgeile Journalismus, der die Massenpanik schürt: da hatte doch kürzlich eine Journalistin herausbekommen, dass Angela Merkel noch nie mit einer Maske gesehen worden sei. Anstatt das zu loben und die Nicht-Selbstdemütigung der führenden Politikerin zu registrieren wird blockwartmäßig moniert, das sei komisch. Also wurde wenige Tage später Merkel mit Maske abgelichtet – zu einem Zeitpunkt, als in Deutschland die Wahrscheinlichkeit, sich mit Corona zu infizieren, einem Lottogewinn gleichkommt, wie ein führender (!) Mediziner aus Hamburg, der oben zitierte Professor Johannes Knobloch, festhält.

Der Gesundheitsfaschismus geht diesmal vom Volk aus, die Politiker merkten das zwar von Anbeginn und setzen das Grundgesetz außer Kraft, aber ohne die extrem aggressive Bevölkerung und die agitatorischen Medien wären von Anfang an auch kritische Stimmen zu Wort gekommen.

So langsam kommen sie tatsächlich lauter im Mainstream vor, jedenfalls am Rande, die Stimmen der Kritiker*innen.

Entscheidend ist hierbei folgender philosophische und politikwissenschaftliche Gedanke von Professorin Antonia Grunenberg (76) vom 1. Juli 2020:

Was ist Bios? Bios ist die Dominanz der Epidemie über die Demokratie. Bios ist die Herrschaft der Natur über die Zivilgesellschaft. Bios ist die Stigmatisierung von Altersgruppen und von Kranken. Bios ist das Denken, wonach das Leben mehr wert ist als die Freiheit. Bios ist die vorauseilende Bereitschaft der Bürger, auf Freiheitsrechte zu verzichten. Bios ist der Glaube, als würde die Wissenschaft die Wahrheit verkünden. Bios ist die kreatürliche Angst, die nach Schutz sucht und kein Risiko eingehen will. Wenn Bios sich mit der Exekutive verbündet, ist Gefahr im Verzug. Dann ist es Zeit, die Zivilgesellschaft aufzurufen.

Grunenberg schließt ihren Text:

Es ist höchste Zeit, dass wir Bürgerinnen und Bürger uns darauf besinnen, wie sehr die freiheitliche Zivilisation und Demokratie unseres Schutzes und der Regeneration bedarf. Der Sieg über die Pandemie und die Eindämmung der Klimaschäden kann nicht oberste politische Maxime sein. Es gibt eine Freiheit, die über Bios und das individuelle Leben hinausreicht. Die haben wir bisher für geschenkt genommen. Ist sie aber nicht.

Das Paradoxe der aktuellen Situation liegt darin, dass auch ökosozialistische Anarchist*innen sich diesem Freiheitscredo anzuschließen vermögen, wie es scheint.