Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Schlagwort: Michael Stürzenberger

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Post-Stalinisten, Neue Rechte und Antifeministinnen Hand in Hand gegen die linke Kritik am Coronawahnsinn

Von Dr. phil. Clemens Heni, 27. Juni 2020

Es gibt zwei unterschiedliche Richtungen und Organe, die beide so tun, als wären sie nicht Mainstream und die sinnbildlich stehen für das Bejahen des Ausnahmezustandes und des Notstandes angesichts der Coronakrise. Da ist die linke Monatszeitschrift Konkret und dort das immer wieder neu-rechte Ideologie bedienende Online-Tagebuch Achgut.

Während zum Beispiel René Zeyer auf Achgut die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion sehr richtig darstellt und die widerwärtige Häme fast der gesamten deutschen Presselandschaft, der politischen und kulturellen Elite angesichts der großen Militärparade Putins in Moskau auf dem Roten Platz angesichts des 75. Jahrestags des Sieges über Nazi-Deutschland attackiert, ist Achgut viel häufiger offen für neu-rechte Texte und Ideologie. So feierte dort jüngst die antifeministische Starautorin Birgit Kelle das Muttersein angesichts der Coronakrise.

Kelle schreibt:

Man darf mit Spannung erwarten, wie viele der Mütter nach der Krise immer noch denken, die Fremdbetreuung bereits von Babys sei alternativlos. Die Entschleunigung dieser Zeit schafft Spielraum für neue Erfahrungen und Emotionen, die man sich vorher als Mutter eventuell selbst verboten hat. Wie viele Mütter hören bereits seit Jahren nur, was sie alles angeblich nicht können? Gerade beweisen Millionen von ihnen, dass sie zu Erstaunlichem fähig sind, wenn es sein muss. Mögen sie sich das niemals wieder ausreden lassen.

Das zwangsweise Einsperren von Kindern wird als „Entschleunigung“ bezeichnet, ein Zynismus, den Kelle mit vielen auch alternativ-links-grünen Müttern teilen mag.

Grundsätzlich frappiert das Ignorieren aller anderen Frauen(gruppen), die sich nicht devot dem patriarchalen Reproduktionsdogma gebeugt haben, der Misshandelten, der Singles, der Seniorinnen, derer, die gerade ihre Existenz verloren haben – aber die sind ja auch vernachlässigbar, leisten sie doch nicht den einzigen wirklich wertvollen Beitrag, dessen man qua Ovarienbesitz fähig ist.

In Konkret (6/20, S. 21) wiederum zeigt Veronika Kracher ihre ganze Unkenntnis der Sachlage, lobhuldigt dem Einpeitscher, Panikmacher und wissenschaftlich höchst problematisch forschenden Drosten und macht aus einer linken Zeitschrift ein Propagandamedium für den Staatsnotstand, indem sie rational denkenden EpidemiologInnen, kritischen VirologInnen, anderen MedizinerInnen und allen sonstigen Kritiker*innen nichts weniger als Mord vorwirft:

… autoritär revoltierende Jammerlappen, denen ihre Freiheit, andere für sich krepieren zu lassen, wichtiger ist als das Tragen einer Schutzmaske.

Kracher ist sicher kein Jammerlappen, lediglich eine Person, die wirklich eine von Bakterien, Schweiß und Schleim vollgesogene Maske sich vor die große Klappe klemmt, undeutlich daherredet, wenn möglich rot-schwarze Streifen auf die Maske malt und sich wirklich mega lebensrettend vorkommt. Damit ist sie absoluter Panik-Mainstream. Bald bekommt sie einen Vertrag als Werbetexterin für Katjes. Jegliche wissenschaftliche (medizinische, sozialwissenschaftliche, psychologische, philosophische) Kritik an solchen Masken im Privatgebrauch ignoriert die delirierende Autorin, womit sie im selben Boot wie ihr Kollege Tomasz Konicz (ebd., S. 20) sitzt, der meint, das „Kapital“ wünsche sich ein Ende des Lockdowns genauso herbei wie das „Verschwörungstheoretiker“ und „Nazis“ tun würden. Konicz ist offenbar ein Fan von Merkel, Scholz und Söder, somit sowohl vom großen Kapital wie auch den Notstandsgesetzen.

Da war die tatsächliche Neue Linke 1964-68 in dieser Hinsicht weiter und bekämpfte die geplanten Notstandsgesetze.  Heute jubeln die Linken von der Linkspartei über Wannabe-Kanzler Habeck – der natürlich kein Linker ist, aber als irgendwie links der Mitte firmiert – hin zur Jugendantifa, die erbärmlichst mit ihren selbst geschneiderten Masken dümmlich herumhampeln.

Man ist schon erstaunt, wie wenig Demokratiekunde bei diesen drei AutorInnen angekommen ist seit 1945, bei Kelle, Kracher und Konicz. Das völlig willkürliche, beliebige Aussetzen von fast allen Grundrechten verursacht nicht mal ein Achselzucken, sondern frenetischen Beifall, auch wenn Kracher ernsthaft meint, sie könne sich dem Lager der Kritiker der „Maßnahmen des autoritären Staats“ zuordnen.

Immerhin gab es in der darauffolgenden Konkret (7/2020) zwei Leserbriefe, die „die polemische Herabwürdigung von fast allem, was sich kritisch zu Corona verhält“, „unakzeptabel“ beziehungsweise „beängstigend“ finden.

Auf einer Passauer Kundgebung „Freiheit2020“ sprach am 13. Juni 2020 Dr. Ronald Weikl,

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stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V.“ (MWGFD). Vorsitzender ist eben Sucharit Bhakdi, dessen neues Buch „Corona Fehlalarm?“ (geschrieben mit seiner Frau Karina Reiß) ich jüngst anpries. Doch dieser Verein MWGFD verlinkt die Rede von Weikl und hat nationalistisches Pathos, die Buchstaben GFD sind in schwarzrotgold getaucht.

So ist es auch kein Wunder, dass der eloquente Weikl allerhand Skandalöses vom Einzelhandel in Bayern zu erzählen hat (dass Menschen mit Attesten zum Nicht-Tragen eines Mund-Nase-Schutzes dennoch bestimme Läden nicht betreten dürfen, andere Elektronikläden hingegen doch), in seiner Rede wie selbstverständlich die zwischen linkem Verschwörungswahnsinn, Rechtsextremismus, Querfront und sonstiger Neuer Rechten oszillierenden Seiten KenFM, Achgut, Politically Incorrect (PI News), Nachdenkseiten, Rubikon und andere hochjubelt. Das seien die kritischen Medien. Vom Antisemitismus von PI, einer Seite, die sich schon vor Jahren mit Michael Stürzenberger gegen die Brit Mila und somit gegen jüdisches Leben in Deutschland aussprach, der rassistischen Hetze gegen Flüchtlinge und Muslime auf PI News oder Achgut, vom antisemitischen Verschwörungswahnsinn von KenFM (Ken Jebsen: „ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat“), Rubikon (wie angesichts 9/11) oder den Nachdenkseiten, ist da kein kritisches Wort zu hören.

Grade die Nachdenkseiten sind typisch für als Kapitalismuskritik getarnte antisemitische Ressentiments (inklusive dem Antizionismus), was die aggressive Positionierung der Nachdenkseiten und ihres Machers Albrecht Müller für die Kabarettistin Lisa Fitz eindrücklich zeigt. Müller (Jg. 1938) saß für die SPD im Bundestag und war in den 1970er Jahren bis Anfang der 1980er Jahre im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt tätig.

Lisa Fitz steht in der Tat sinnbildlich für sehr viele sich „links“ oder als Anti-Nazi verstehenden Leute, die nie kapieren werden, wie Antisemitismus funktioniert, z.B. so: „Rothschilds, Rockefeller, Soros und Konsorten. Die auf dem Scheißeberg des Teufels Dollars horten“. Diese Ideologie aus einem Song von Fitz, die das Abstrakte des Kapitalismus personalisiert und dabei gerade Juden namentlich nennt,  und ihre Nähe zu Putins Propagandamedium Russia Today (RT) hat die Journalistin der Frankfurter Rundschau Katja Thorwarth kritisch analysiert.

Kritiker werden von Albrecht Müller im oben verlinkten Text als „Antisemitenjäger“ diffamiert. Dabei sind viele Linken insofern in der Tat heutzutage ein massives Problem, als sie den Wahnsinn der Coronamaßnahmen nicht nur nicht erkennen, sondern unterstützen. Man muss also gegen die katastrophalen und zum Nicht-Nachdenken aufpeitschenden Nachdenkseiten und gegen manche jener Linken (wie in Regensburg), die die „Nachdenkseiten“ oder alle möglichen Anti-Coronamaßnahmen-Kundgebungen kritisieren, gleichermaßen aktiv werden und politisch skeptisch und kritisch bleiben – also versuchen, rational die geistige oder besser ungeistige Situation der Zeit zu analysieren. Diese Linken haben es verpasst, sich wissenschaftlich zumal mit der amerikanischen und sonstigen internationalen kritischen Forschung zu SARS-CoV-2 zu beschäftigen – wie fast alle in Deutschland diesbezüglich versagen.

Eine sehr informative Kritik der autoritären staatlichen Maßnahmen in der Coronakrise, die ziemlich umfassend medizinisch und sozialwissenschaftlich argumentiert, liefert der Kinderarzt Dr. Martin Hirte aus München. Am 16. Mai 2020 sagte er auf einer “Freiheitsversammlung” an der Münchener Freiheit:

Das Asylrecht ist seit Wochen ausgesetzt.
Das Leben von Flüchtlingen hat keinen Preis.
Liebe AfD-Mitglieder: Ihr könnt nach Hause gehen.
Ihr habt schon gewonnen.

Wir wissen alle: Die Coronavirus-Krankheit ist nicht ungefährlich.
Für pflegebedürftige alte Menschen kann sie das Ende bedeuten.
Aber es sterben jedes Jahr 60 000 Menschen an Lungenentzündung.
Vor allem alte Menschen. Es würde reichen, diese Gruppe zu schützen.

Hirte nimmt aber auch Verschwörungsideologen und explizit Rechte in Schutz und verharmlost deren gefährliche Ideologie:

Liebe Politiker und Journalisten: wenn Rechte und Verschwörungstheoretiker auf die Straße gehen, fragt sie doch mal was sie antreibt. Vielleicht gehören einige ja zum dem Prekariat, das wir jetzt gerade vergrößern, zu den 4 Millionen Langzeitarbeitslosen, Mini-Jobbern und Hartz-IV-Empfängern.
Menschen, die verständlicher Maßen verzweifelt sind.
Und die wütend sind auf den obszönen Reichtum, mit dem manche meinen, die Wissenschaft, die Medien und die Weltpolitik beeinflussen zu dürfen.

Doch in welcher Beziehung steht Martin Hirte zu anderen Kritikern der Coronamaßnahmen wie Ronald Weikl, der sich auf so viele problematische rechte Online-Plattformen positiv bezieht? Die Seite “AusLiebezumGrundgesetz” verlinkt Reden von Weikl und ruft wie Hirte zu “Freiheitsversammlungen” (in München) auf.

Man muss ganz sicher kein Freund der pro-iranischen und die Gefahr des Islamismus verharmlosenden Grünenpolitikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sein, um ihre Charakterisierung von Tichys Einblick, der von Weikl auch als super tolles Anti-Mainstream-Medium in der Coronakrise angepriesen wird, als „neurechte Plattform“, „deren Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen beruht“, zu teilen. Diese scharfe Kritik an Tichys Einblick ist eine Meinungsäußerung, die im Juni 2020 auch vom Oberlandesgericht Stuttgart als solche bestätigt wurde, Tichy verlor den Prozess.

Eine seriöse, liberale, linke Kritik der willkürlichen, autoritären und in die Gesundheitsdiktatur oder den Überwachungstechnikfaschismus führenden Politik ist weiterhin absolut marginal – aber es gibt sie.

Die viele Jahre eher verdeckt gehaltene Staatsliebe der vorgeblich kritischen neuen Linken zeigt jetzt ihre poststalinistische Fratze. Der Kinder-Küche-Herd Antifeminismus der alten und neuen Rechten zeigt sich im selber Brotbacken und kuschligen Homeschooling der gefangen gehaltenen Kinder. Diese perfide Affirmation der Coronamaßnahmen und des Lockdowns bejaht somit auch das Alleinlassen der Demenzkranken und Alten in Alten- und Pflegheimen, die von Beginn der Krise an nie wirklich geschützt, sondern eingesperrt wurden und jetzt völlig am Ende sind. Achgut changiert offenkundig zwischen Kritik an den Coronamaßnahmen und dem euphorischen Kokettieren mit der Kinder-Küche-Herd-Ideologie von Birgit Kelle und ihrem nicht zu unterschätzenden rechten Umfeld.

Die irrationale Panik vor einem Virus, das erwiesenermaßen für Menschen ohne Vorerkrankung unter 65 Jahren so gut wie vollkommen harmlos ist (siehe die Forschungen von John A. Ioannidis et al. aus Stanford)

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und auch 87jährige nicht grundsätzlich bedroht, nur, wenn die Person ohnehin ein schwaches Immunsystem hat und massiv vorerkrankt ist – diese Panik zeigt, mit was für erbärmlichen Gestalten wir seit jeher lebten, links und rechts und im vollgefressenen Wohlstands-Mainstream. Es gibt weltweit viel größere Gefahren auf dieser Welt als SARS-CoV-2: Armut, Wassernotstand, Hitzewellen ungeahnten Ausmaßes, Kriege (deutsche Rüstungsindustrie) und so weiter.

Wenn jetzt bei all diesen Gefahren auch in Industriegesellschaften – Influenza (Grippe), Klimawandel, Alkohol, Rauchen, Autoverkehr, Luftverschmutzung, Allergien etc. pp. – der absolute Notstand ausgerufen wird (wie es manche Ökoleninist*innen fordern, so der Kritiker Peter Nowak in unserem Buch „Corona und die Demokratie. Eine linke Kritik“), dann ist das ein Leben im Polizeistaat. Dann ist das ein Leben auf Abruf. Heute hier, morgen schon in Quarantäne oder im Lockdown.

Diese Todespanik, die als Konsequenz die Leute antreibt, lieber die ganze Welt einzusperren, anstatt die wirklich Gefährdeten zu schützen und für ein seriöses, kostenfreies und sehr großes Gesundheits- und Pflegesystem zu sorgen, diese Todespanik schlummerte ganz offenkundig in allen Menschen, fast allen Menschen.

Jede schwerere Grippe von 1970 oder 2018 war weit schlimmer als dieses Virus – und niemand wäre je auf die Idee gekommen, eine Gesundheitsdiktatur zu errichten. Jetzt schon. Warum? Die weltweite Gleichzeitigkeit dieser Panik ist umso schockierender. Der simultane Wahnwitz der a-sozialen Medien von Facebook bis Twitter, Instagram und Youtube mag ein entscheidender Faktor sein, die Leute hetzen sich selbst und andere 24/7 auf.

Extrem raffinierte oder perfide Politiker*innen haben Anfang 2020 diese nie dagewesene Panik der fast gesamten Gesellschaft umgehend erkannt und setzten zum größten Experiment der Weltgeschichte an – und alle machten mit, Linke fühlen sich als die Retter der Welt (wie immer) und die Rechten träumen von alten Volksgemeinschaftszeiten (wie immer). Konkret und Achgut flankieren mit den zitierten Texten den fanatischen Mainstream und denken beide, sie seien dissident.

Exakt wie Konkret agitiert denn auch der Berliner Tagesspiegel (hier: Sebastian Leber) gegen Menschen, die sich völlig zu Recht weigern, dem irrationalen Wahnsinn des Maskentragens (bis vor kurzem waren noch das Robert-Koch-Institut oder die WHO gegen das Tragen von Masken im Alltag) Folge zu leisten:

Vermutlich hilft da nur eines: die Verweigerer selbst anzusprechen und ihnen klarzumachen, dass sie sich schämen sollen. Dass Typen wie sie die Pandemie verlängern, teuer erkaufte Erfolge im Kampf gegen das Virus zunichte machen und Menschenleben gefährden. Dass sie niemals wissen werden, welche Infektionsketten sie losgetreten, welche Oma durch ihre Rücksichtslosigkeit auf dem Gewissen haben.

Wenn das seriöser Journalismus sein soll, dann wird Werder Bremen (Platz 1 der „ewigen Bundesligatabelle“ was die Anzahl der Spiele betrifft, vor dem 34. Spieltag der „Coronasaison“ sind es 1899) heute noch auf Platz 15 in der Bundesliga springen.

Man könnte darüber lachen, wäre die Situation nicht so dermaßen katastrophal, irrational und ernst. Die Neuen Rechten sind eine Gefahr wie schon vor dem Frühjahr 2020. Merkel, Scholz und Söder sind die großen Gewinner. Vernunft und Aufklärung haben verloren. Auch dank der „Linken“.

“Please give me some latkes before you kill me”: Jews and neo-Nazis in Germany

Dr. Clemens Heni, 11. Februar 2019

The Times of Israel (Blogs)

Our climate is in trouble. Both the climate and climate change as well as the political climate, the political cultures of our societies. My piece about journalist Henryk M. Broder on Tablet Magazine on Monday, February 4, has created some noise among the Far Right. That is no surprise and indicates the importance of the article.

Tablet’s David P. Goldman used “Google translate” to read the German article by Broder in the daily Die Welt. Goldman’s core sentence is the following: “Neither Clemens Heni nor anyone else has the right to scold Henryk Broder for speaking to the AfD, however.”

We have sympathy for a Western naive who doesn’t understand that parties that idolize German history are not to be “negotiated with” and that such legitimization is one of the greatest dangers facing both central and eastern Europe in different ways.

Goldman pleads for an end of Holocaust memory: “My advice to Germans: stop obsessing about the past.” He wants to forget the dead Jews of the Shoah and has no idea about the relationship of forgetting and antisemitism, or he loves the idea that European nations are more than happy to have such a Jewish voice to stop commemorating their crimes. He has no conception about contemporary Europe, Germany and the Western world or likes the  movement underway in Europe and other parts of the world to promote nationalism and Trumpism, to downplay, ignore, forget, obfuscate or deny the uniqueness of the Shoah, the unprecedented character of the Holocaust and the fact that Jews were killed because they were Jews.

According to a CNN poll, 40% of Germans between age 18 and 34 have “no” or “little” knowledge about the Holocaust. In other European countries this shocking percentage is smaller, but still depressing (33%). According to the CNN survey some 25% of Hungarians believe the entire world is to 20% Jewish. 20% of British and Polish young people believe the same. Many more antisemitic myths exist among the European youth.

In January 2018, Lev Golinkin puts it splendidly in the New York Times. A Jew from the Soviet Union, who left the USSR in the 1980s, he knows about the denial or just not mentioning of the Shoah under communist (or state socialist) regimes. Today, though, he sees the threat of forgetting in the Western world and those parts of the former Soviet Union where antisemitism and forgetting are on the rise:

“Today, however, the American Jewish community — including Jewish lawmakers in Washington — is largely silent about the widespread Holocaust distortion being carried out by Eastern European allies. Breaking that silence is imperative, especially given the current global rise of anti-Semitism and the disturbing correlation between Holocaust revisionism and violence against living Jews.”

Perhaps the Goldmans of this world want even more percent of young people in Germany who do not know what their grandparents did during Nazi Germany, the Second World War and the Holocaust? Forgetting the killed Jews is antisemitic in itself, but it also fuels today’s antisemitism, just look at the grotesque numbers of Jews Hungarian, Polish or British young people believe to live on this planet.

Do we need Jewish kosher stamps for forgetting the past and embracing the Far Right? These kind of authors have no problem with antidemocratic regimes and developments, as long as they do not come from the Muslim world. This hypocrisy is well documented in political science and other parts of scholarship and on blogs, Op-Ed pieces, conferences etc. Another aspect is the fact that such authors as Goldman harm both the Jews in the diaspora as well as Israel. For them, Zionism translates into bigotry, and the love for extreme right-wing movements all over Europe, despite the fact that Jewish communities all over Europe know of the threat of the Far Right as well as the danger of Jihad and post-colonial or left-wing anti-Zionism.

In his Tablet piece, Goldman absolves Italian Salvini from his right-wing extremist agenda and praises him alongside with the equally far right government in Austria under Kurz, with (former?) neo-Nazi Strache from the Freedom Party (FPÖ) as main representative of Austria’s most antisemitic party.

Contrary to the fantasies of Tablet’s David P. Goldman, the biggest threat for Jews in Germany are still those almost six million voters for the AfD and their fans, who chanted, “We will build an underground to Auschwitz”.

Contrary to Tablet and Goldman, the Central Council of Jews in Germany is well aware of the antisemitic threat deriving from the AfD. The Jewish Community Berlin held a memorial event at the 80th anniversary of the nights of pogroms in 1938 in November 2018. During the event in the Synagogue at Ryke Street in Berlin-Prenzlauer Berg (in the former East-Berlin of the German Democratic Republic until 1990) the head of the Central Council Josef Schuster emphasized the following: They invited all parties in the German Parliament, but not the right-wing extremist and antisemitic AfD. Schuster said, “It would have been unbearable for our community to have representatives of that party [AfD] among us tonight when we commemorate the 80th anniversary of the night of pogroms.”

In a representative poll in summer 2018, the result was no surprise. Asked, if “Jews have too much influence,” some 17% to 20% of supporters of the mainstream parties like the Social Democrats, the Greens or the Libertarians responded with “yes.” That is already a shocking number. Even much worse, 55 percent of followers of the AfD said “yes.”

August 27, 2018, neo-Nazis attacked a Jewish restaurant in the city of Chemnitz. October 6, 2018, far right people attacked a Persian restaurant as well and injured the owner severely.

German Jews and the Antifa in Germany know much better than Tablet or Goldman about the threat of neo-Nazis and right-wing antisemitism.

Muslim antisemitism is a topic, we deal with as well – contrary to Goldman, I wrote the entry about Germany in the World Almanac of Islamism (last update in 2018), published by the American Foreign Policy Council in Washington, D.C. In 2011, I did a study (410 pages) about Islamic studies and antisemitism in Germany after 9/11. My PhD was about the political culture in the Federal Republik of Germany from 1970 through 2005, nationalism, antisemitism, racism and anti-Americanism during that period. I do not need right-wing extremist American authors (non-Jewish and Jewish) and media outlets to tell me about the wide range of antisemitism in Germany, to be sure. The first time, we publicly attacked Muslim antisemitism was in 2002 with the German “Muslim-Market,” an online page that promoted a form of BDS before BDS was founded, for example. Goldman is part of the racist tent that insinuates that all refugees are antisemites and dangerous and he ignores that most Muslim antisemitic attacks come from homegrown Islamists and Muslims. Someone who knows Germany should know these facts.

Ignoring reality and joining the AfD ideology, Goldman writes:

“Merkel has put German Jews in a dilemma. After street attacks by young Muslims, the Central Council of Jews in Germany warned Jews not to walk in public with a kippah. Chancellor Merkel deplored the attacks, but her migration policy made them inevitable. Consequently, a small group of German Jews joined the AfD, arguing that the greatest threat of anti-Semitism comes overwhelmingly from Muslim migrants and their supporters on the left.”

This is exactly the ideology of the Pegida (“Patriots against the Islamization of the Occident”) movement and of all right-wing extremist circles. Not a word about the shocking situation with hundreds and hundreds of deaths in the Mediterranean Sea during the “refugee” crisis in 2015 alone. In fact, we have a Nazi crisis and Tablet now is part of the problem. They promote fake news, lies, distortions and right-wing propaganda. June 25, 2018, a nasty crowd of Pegida people shouted enthusiastically “perish by drowning!,” when a speaker talked about refugees.

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However, this is not at all about an attack of an unprofessional writer and online magazine against my person. The problem goes much deeper. It is about Jews who support the enemies of the Jewish people. I already wrote about this in 2017 at the Times of Israel (TOI). Since then, the situation has even worsened.

Remembrance of the Holocaust is a crucial issue in our times. Eastern Europe is a case in point. Many politicians there distort the history, praise their own nationalist and pro-Nazi leaders and call them “anti-communist heroes.” It is mainstream in Eastern Europe to equate Nazi Germany to Stalinism and to distort the Holocaust. The Red-equals-Brown-ideology is a main aspect of today’s antisemitism. The Prague Declaration from 2008 and their European attempt to have a common European Memorial day, August 23, 1939, instead of Holocaust Memorial Day, speaks volumes about anti-communist and Holocaust distorting antisemitism. For newcomers, check out the scholarly articles by Professor Dovid Katz on the Holocaust, antisemitism and the Red-equals-Brown or Double-Genocide ideology.

Holocaust distortion and the Red-equals-Brown ideology is not at all an East European invention. Take the “Black Book of Communism” from 1997 in France, where the Holocaust looks harmless and tiny compared to the supposedly “100 million victims of Communism.” As if horrible regimes like Stalinism killed an entire people. They did not. The killing in the Soviet Union was not based on ethnicity like Nazi Germany’s eliminationist antisemitism. The antisemitic title “Red Holocaust” was used by German historian Horst Möller in 1998, when he edited a book with articles who are in support of the “Black Book of Communism,” including a piece by Joachim Gauck, who signed the Holocaust distorting Prague Declaration and became German President (2012–2017).

The same dangerous ideology can be found in the US, like at the “Victims of Communism” monument in Washington, D.C., erected in 2007 under George W. Bush. In their initial statement, the organizers wrote that “the Bolshevik Revolution gave birth to the deadliest ideology of mankind”. That is an antisemitic denial of the worst ideology of mankind, Nazi Germany’s. The trope that Nazi Germany was not capitalist, but socialist in nature, is common among neo-Nazis and right-wing extremist scholars and authors. AfD politician Marc Jongen invoked that ideology just two days after Broder spoke at the AfD in the German Bundestag, and attacked Holocaust remembrance.

The fact, that Goldman is a colleague of Jongen and knows him in person, is no surprise at all. Still, Goldman is unable and unwilling to decode the dog whistle of Jongen’s and the AfD’s antisemitism. Framing Nazi Germany as “socialist” is antisemitic, as it denies that Nazi Germany was both capitalist and antisemitic. Jongen and many right-wingers depend on the word “socialist.” That allows them to deny the uniqueness of the Shoah (despite claptrap in Jongen’s speech that there might be something special about the Holocaust, but all other parties in the German parliament understand his right-wing extremist and Holocaust distorting agenda) and to put Nazism in the very same box as Stalinism and Communism. Neo-Nazis understand that dog whistle and Ernst Nolte would have been proud of Jongen.

Jongen has been first criticized in the field of Art, Design and Architecture for his far right politics by professor in architecture Stephan Trüby in 2015. The journal in architecture Baumeister published an open letter criticizing the pupil of German philosopher Peter Sloterdijk, Marc Jongen. Several professors in architecture and related fields signed an open letter against Jongen, who at the time was editor of a book series. They criticize his nationalist approach and activism for the AfD. The list includes Prof. Ruedi Baur (Haute école d’art et de design, Genf),Prof. Dr. Friedrich von Borries (Hochschule für Bildende Künste Hamburg), Prof. Dr. Alexander Gutzmer (Architekturmagazin Baumeister; Quadriga University Berlin), Prof. Dr. Anke Haarmann (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg), Prof. Dr. Lars Koch (Technische Universität Dresden), Prof. Dr. Cornelia Ortlieb (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg), Prof. Dr. Michaela Ott (Hochschule für Bildende Künste Hamburg), Prof. Dr. Stephan Trüby (Technische Universität München), Prof. Dr. Elisabeth von Samsonow (Akademie der Bildenden Künste Wien), Prof. Dr. Kathrin Wildner (HafenCity Universität Hamburg).

Trüby is also a critic of „reconstructionist architecture“ like in Frankfurt, where the old-town has been rebuilt – and the voids of the past have been destroyed, no one should remember why Frankfurt was bombed and what happened during Nazi Germany in that town. Trüby found out that far right activists and local politicians were initiative for that kind of architecture, before the mainstream parties joined the project.

In September 2017, during a hearing on racism at the Parliament of the State of Thuringia in Erfurt, Jongen was among the “experts,” and showed his racist thinking, as the other experts analyzed. For example, he bases his thinking on the category of “race” and believes that there is something pure “German” which can be passed on from generation to generation. The denial of the fact, that everyone can become a German when it comes to refugees or immigrants is a common trope among today’s Far Right. On a Facebook post after the hearing, Jongen referred to Gilad Atzmon, a musician from the UK, a self-declared ex-Jew and antisemite who detests Israel.

Then, Jongen’s ally Goldman even accuses the party of the Greens, which is a mainstream, centrist and not left-wing party:

“Jongen reproached the German Left for ignoring the crimes of Communism and for its belief that ‘the Germans are evil, Germany is a criminal nation, and it would be best if Germany were to disappear.’ That is a view often expressed by leaders of Germany’s Green Party.”

That is fake news and no serious homepage or magazine would ever have published it. Tablet Magazine and its editor Jacob Siegel did. That is such absurd a statement, not fact based but ideology driven. It is nationalist and antisemitic. Why? Germans are portrayed as victims of those who remember the German crimes. Scholarship calls that kind of rejection of Holocaust remembrance “secondary antisemitism.” Secondary antisemitism is a form of antisemitism after the Shoah. It is a scholarly term not many Americans, for example, know (but that is not the fault of the term).

The term “secondary antisemitism” was coined by Peter Schönbach, a co-worker of Theodor W. Adorno, around 1960. For example, they had those Germans (West-Germans at the time) in mind, who equated or compared the Holocaust and German crimes to the allies and the bombing of Dresden. That is a typical neo-Nazi trope ever since, many right-wingers call it “Bomb holocaust” to equate the situation of ordinary Germans during the war to the Jews during the Shoah. Secondary antisemitism is a crucial term and scholarly tool to analyze antisemitism.

Writer Martin Walser used that antisemitic language and ideology in his acceptance speech for the Book Prize of the German Book Trade in October 1998. He portrayed the poor Germans as victims of a “moral cudgel Auschwitz.” Standing ovations in Frankfurt’s St. Paul Cathedral followed, with the exception of three people, among them the then head of the Central Council of Jews in Germany, Ignatz Bubis and his wife Ida.

Political scientist Lars Rensmann helped introducing the term “secondary antisemitism” in the German and international debate since 1998, when he first published a book (in German) on “Critical Theory about Antisemitism,” including the concept of “secondary antisemitism.”

In an interview of Jongen with New Right leader Götz Kubitschek in the New Right journal “Sezession” in June 2016, Jongen attacks Merkel because of her pro-Israel stance. Merkel used the term “reason of state” to emphasize her very strong commitment to defend the Jewish state, a term German President Joachim Gauck did not use when he visited Israel, as journalist Alan Posener pointed out in his critique of Jongen and Kubitschek. In the very same interview, Kubitschek promotes a typical right-wing extremist and antisemitic trope: he says that he might go to Auschwitz one day and on his way back he will then stop in Dresden. This is the exact secondary antisemitic position by millions of Germans, not only by neo-Nazis. They know that the denial of the Holocaust is a crime in Germany, therefore they distort history and trivialize the Holocaust.

Journalist Tuvia Tenenbom once visited Kubitschek and found him and his neo-Nazi like folks rather lovely.

Like Kubitschek Broder says in his typical vulgar tone, that “it is bad manners to put your feet on the table, to burp when you eat or to call the 12 worst years in German history a piece of shit of a bird.” This ridiculous list speaks volumes about Broder himself. For him, antisemitism is a kind of distaste like burping. He himself did a book “Forget about Auschwitz.”

The statement by Goldman is right-wing extremist in its own right and obviously based on the talks he has with extremist politicians in Germany from the Far Right, mainly the AfD.

Why? Well, the two leaders of the Greens are Robert Habeck, who is rather a popstar and proud of Germany. The co-head of the party of the Greens is Annalena Baerbock, also a mainstream politician who would never ever make such remarks (“and it would be best if Germany were to disappear”). They are both anti-Nazi, of course, but part of the right-of-center wing of their Party. Another leading politician of the Greens is Cem Özdemir, who is also part of the more conservative wing of the Greens and not at all “anti-German.” That accusation, though, is part of the hardcore racist agenda of the AfD against politicians such as Özdemir, who is an anti-Nazi and anti-AfD.

This is proof, again, that Tablet’s Goldman has no idea about German society, let alone the leadership of the party of the Greens. Even the party of the Left is very much pro-German and nationalist, take Sahra Wagenknecht, head of the fraction of the party of the Left in the Bundestag, as an example.

Goldman’s ally Jongen frames Nazi Germany as “socialist”. In reality, Nazi Germany was based on “German Socialism,” which is not socialist at all, but based on the capitalist nature of bourgeois society, with a specific volkish, antisemitic and German touch. Good historians or political scientists and other scholars in the humanities and social sciences know that of course. Agitators like the AfD put Communism and Nazism in one box. That absolves them for the German crimes and gives anti-left-wing neo-Nazis a free ride. Anti-urbanism, anti-individualism and the search for a new community of the people (“Volksgemeinschaft”) that both excludes foreigners as well as German Jews, was the ideological fundament of “German socialism.” Ernst Niekisch was among the propagandists of that concept, as political scientist Michael Pittwald has shown. Spengler wanted a German way of “democracy” and rejected any kind of universal human rights or universalist ideas of statehood.

For those interested in a serious analysis of the origins of National Socialism I’d like to remind you to the concept of “German Socialism.” “German Socialism” was based on capitalism, private property and small business (and big German business as well) and a strong state, and antisemitic resentment against the international big trusts and ‘finance capital’ while embracing the “German worker” and in particular the German middle class and the German peasants of course.

National Socialism was about capitalism, German way, based on anti-Marxism as Klaus Fritzsche has shown in 1976 in his study of the “Tat-Kreis” around Hans Zehrer. One could also analyze the völkisch concept of socialism and anti-Roman thinking by Ernst Niekisch and his German-Protestant national revolutionaries, whose main enemy was ‘the Jew’ and the working class likewise. Look at Joseph Goebbels’ and his Nazi pamphlet Der Nazi-Sozi from 1926, which was a major antisemitic booklet and portrayed Jews as “flea.” Nazi-Sozi meant “National Socialist” and translated into pro-capitalist and anti-Jewish. Of course, the Right does not want to face reality, therefore they proclaim Nazis were socialists like “real” socialists were.

Prussian authoritarianism was a core element for the Nazi movement. Combined with a German form of “socialism” that was anti-Marxist in nature, it was the ideology of nationalists such as Oswald Spengler. Without joining the Nazi movement himself, he paved the way for Nazi Germany. No surprise, that Goldman’s acronym is “Spengler.” As political scientist Kurt Sontheimer has shown in the 1960s, Spengler was a leading voice in destroying the Weimar democracy. Spengler’s “Prussia and Sozialismus” (“Preußentum und Sozialismus”) was anti-liberal, and based on his racist idea that every people has its own way of statehood. Spengler detested big cities and a heterogeneous, diverse society. Anti-universalism was a core component of all racist and nationalist thinkers in Weimar Germany. “German Socialism” was then framed “National Socialism” and became the name for Nazi Germany. Anti-Liberalism, anti-Marxism and antisemitism were the elements of “German Socialism.” Anti-individualism and a strong, authoritarian state, the need for a “Führer” were part of it.

Alice Weidel, co-chair of the AfD in the German Bundestag, invited members of her party from her electoral district. July 10, the day after that group had visited Weidel, they went to a tour through the Memorial Site of the former concentration camp in Sachsenhausen, north of Berlin. The group made antisemitic comments, a person denied the existence of gas chambers and the Holocaust and the tour was then stopped by the shocked guide. These are the fans of Alice Weidel. After Weidel had made her foto with Broder, the star author for German right-wing extremists was greeted by Martin Renner, MP in the Bundestag of the AfD. Renner praised Broder for his “courage” and emphasized that he always has a look at the homepage of Broder’s “Axis of the Good” (“Achse des Guten” or “Achgut”), when he is angry about our world. Like other antisemites, Renner distorts the capitalist and bourgeois as well as antisemitic character of Nazi Germany by framing them as “collectivists and socialists” during a debate in the Bundestag in February 2018.

For beginners: from a political scientist point of view, we can explain why the Far Right is right-wing extremist. At a typical AfD rally with Weidel and others in the frontline, they held a poster that read “Freedom instead of Socialism,” many AfD groups share that trope. It is an old parole of the conservative movement in Germany like the Christian Democratic Union (CDU) and its sister party Christian-Social Union (CSU) during the election campaign of 1976 and before. “Freedom” translates into the denial of criticism of the capitalist system, for example. The AfD is just the latest, most extreme and most dangerous development of this anti-Left agenda of vast parts of the mainstream in Germany. They are on the edge of the right wing. That does of course not ignore the fact, that equally vast parts of the left are anti-Zionist, or distort the Holocaust via post-colonial universalization of the unprecedented crimes committed by Germans against the Jews.

Left-wing radicals, though, as I explained in an interview journalist Katja Thorwarth made with me in December 2017 in the daily Frankfurter Rundschau, is the opposite of the bourgeois society. Left-wing radicalism is not the extreme of the left-of-center Social Democrats, but something that goes beyond the dominant political, cultural and economic systems we know from history. Left-wing radicalism is in search for a place where no one has ever been.

Zionist Gershom Scholem had sympathies for anarchism and such a left-wing radical utopia.

That kind of radical left-wingers were against Stalinism and the East European regimes during the Cold War, but also against the existing regimes in the West, from America and West-Germany, let alone Thatcherism and other forms of bourgeois society.

On the other side, right-wing extremism is a place we already know: Sobibor, Auschwitz, Treblinka, this is the culmination of German antisemitic history, the most extreme form of an already bourgeois and antisemitic German Empire and even before, if we look at antisemitism among German romantics, for example. However, even the most extremist far right people before and even after 1933 could not anticipate Auschwitz and the destruction of European Jewry. They wanted it, but no one could anticipate how and when the Germans would succeed in their eliminations plan to kill European Jewry. For example, they could not anticipate the help of many thousands of local killers like in the Baltics, Ukraine or Croatia and many other places, including Hungary.

Today, anti-left politics go hand in hand with Holocaust distortion. Several examples from the US alone, make this crystal clear: Take, for example, TV programs like Glenn Beck on Fox News in January 2010, when he published his first documentary and spoke about the fantasy of a “Revolutionary Holocaust,” aiming at the Left and communism, again. That is nothing but a form of antisemitism, equating the specific crime against a specific people, the Jews, with totally unspecific (that was at the core of Stalinism) crimes against political enemies. Jews were not political enemies of anyone. Germans had the fanatical fear of being “Jewish inside,” as one leading Nazi agitator, who later converted to Islam and went to the Middle East, Johann von Leers, called it.

Then, take the Bill O’Reilly Show on FoxNews in America on October 21, 2016. In it, O’Reilly talks to the young director of the Victims of Communism Memorial in Washington DC, Marion Smith. They speak about “100 million victims of Communism,” a number that makes six million Jews and the Shoah a tiny part and nothing special. And indeed, O’Reilly literally went on to call Hitler and Stalin “the same thing.” He equated those who built Auschwitz to those who liberated it.

Anti-communism still sells and is at the core of all conservative, far right and right-wing extremist people. At the end of the day, they share a common goal: defeat “the” Jew and the Left, including the “Jewish-Bolshevik” coalition, as the Nazis and other antisemites long before and after 1933 framed it.

When a regional legislature in Ukraine calls 2019 the “Stepan Bandera Year” things become clear. On January 30, 2019, the Washington Post puts it like this:

“Bandera’s forces fought alongside the Nazis and were implicated in the murder of thousands of Jews. As Poroshenko was visiting Israel, another memorial was being erected in Kiev for Symon Petliura, whose troops are linked to pogroms that killed as many as 50,000 Jews after World War I. Netanyahu’s outreach in eastern Europe is part of his larger strategy of forging alliances to counter the criticism Israel faces in the United Nations and other international forums over its treatment of the Palestinians. (…) ‘It’s a specific maneuver that legitimizes anti-Semitism and borders on Holocaust denial,’ said Tamar Zandberg, leader of the dovish Meretz party.”

Broder ironically made fun of those who frame the AfD a Nazi like party, because he defames former head of the Central Council of Jews in Germany, Charlotte Knobloch, a Holocaust survivor. When she spoke in January at the Bavarian Parliament about the threat of the far right, most MPs of the AfD left the room.

In his talk, Broder’s main enemy was 16-year-old pupil Greta Thunberg from Sweden, the eco-activist who attacks the capitalist and industrialist world and urges politicians to take action against climate change. Like the AfD, Broder is in denial about man-made climate change. In just a few days, Lundberg has become an enemy of the Far Right in Germany, as journalist Katja Thorwarth analyzes in the Frankfurter Rundschau.

As I wrote in my Tablet piece, Broder gave his speech just days after the German Federal Agency for Protection of the Constitution decided to investigate if the AfD is a serious threat to the German constitution and to German society. Goldman is in denial about these findings of the Germany Agency for the Protection of the Constitution. Perhaps he knows much better about German and AfD antisemitism and extremism, as he is a champion in using Google translate?

The worst antisemitic massacre in America took place in a Pittsburgh Synagogue on October 27, 2018. Eleven people were shot by a neo-Nazi who followed the agitation of Trump against liberal Jews who support Latino refugees from America’s southern neighbors.

Neo-Nazis are also champions of the science of dog whistles, like the word “globalists,” aiming at Jews running the economy at Wall Street. As said, in Germany the AfD plays the dog whistle alongside openly racist, vulgar and antisemitic remarks about the purported need to end Holocaust remembrance.

Islamists and jihads share the same authoritarian character with AfD politicians and their huge fan base. Both have an antidemocratic, family based, homophobic, anti-feminist and anti-individual as well as anti-Holocaust remembrance ideology.

One of the most dangerous agitators of the AfD is Goebbels-wannabee Björn Höcke. He is in favor of a volkish Germany with only Germans or “German Germans” while immigrants whose parents came from somewhere else could not count as “real” Germans. As a political scientist, I dealt in my 2006 doctorate with the New Right and political culture in Germany. The term “German Germany” is from Henning Eichberg (1942–2017), who had been the leading New Right agitator in Germany from the late 1960s onwards.

Broder himself immigrated with his parents, Holocaust survivors from Poland, to the Federal Republic of Germany in the 1950s. He now openly supports the party who would have rejected him and his parents in the first place.

Conservatives, the New Right (or Alt Right), and the AfD agitate against the Left and gender mainstreaming. They deny climate change, defame Islam as such (and do not fight Islamism).

Broder knows all this. For him it is nothing but fun to speak to “Nazis” or “Krypto-Nazis” etc. He intentionally supports the AfD because it fits his own extreme right-wing agenda. In 2007, I had criticized his far-right positions, when he supported TV moderator Eva Herman who publicly flaunted her positive feelings about Hitler’s Autobahn and about family politics. In many other pieces, I also argued against the fanatic right-wing activism of Broder, who is, at the same time, the best-known pro-Israel agitator in Germany. Israel deserves better.

Broder’s flirt with the AfD is at least as bad as Netanyahu doing photo-ops with Hungary’s Orbán, as the invitation of the fascism and antisemitism prone Steve Bannon by the Zionist Organization of America, as the prayer for Donald S. Trump in January 2017 by the Simon Wiesenthal Center.

While many in the Antifa in Germany fight both left-wing pro-BDS people, and all neo-Nazis like the AfD, those like Broder now take sides, again and again, with antisemites, racists and right-wing extremist agitators like the AfD. Many in the German pro-Israel camp defend Broder.

Broder, Goldman and Tablet Magazine obviously want a kosher neo-Nazi like Party in the German Parliament. In addition, Goldman is in love with Helmut Kohl, the former (1982–1998) conservative chancellor of the Federal Republic of Germany (FRG), who honored Nazi SS soldiers at a cemetery in Bitburg with US President Ronald Reagan in May 1985. Kohl also financially supported an organization dedicated to support former Nazis and SS men, the HIAG. In 1984, during his first visit to Israel, Kohl invited former Nazi party member (NSDAP) Kurt Ziesel to join him. Ziesel became a member of the Nazi party already during the Weimar Republic in 1931. He helped to destroy the first German democracy and paved the way for Nazi Germany and the Shoah.

Broder’s tone was like: “Give me some latkes before you kill me”. And they will serve those latkes never fear.

Tablet might think it is a pro-Jewish magazine. Tablet is not a pro-Jewish magazine as long as it take sides with the most anti-Jewish party in German society and Parliament. Goldman is a long time Tablet author, music critic and he is friends with Jongen who defames Merkel’s pro-Israel position and promotes racism, nationalism and vulgar hatred of the left, gender mainstreaming and defames necessary criticism of German nationalism, including criticism of his anti-intellectual, anti-humanist teacher and superstar, Peter Sloterdijk, one of the uncounted Heidegger followers of our times.

I was among the co-founders of what could be called the unofficial pro-Israel NGO camp in Germany in 2002 and even before. In January 2001, during the second Intifada, before 9/11, we did a brochure about left-wing antisemitism and Palestinian terrorism in Entebbe in 1976 and the repercussions among a specific anti-Zionist wing of the radical left in Germany at the time. I was editor-in-chief of the monthly Jüdische Rundschau in summer and fall 2014. After I realized the right-wing position (also misogynism) of the publisher, Rafael Korenzecher, I left the paper. I was a co-founder of Scholars for Peace in the Middle East (SPME) in 2007. In 2017, this tiny group suspended me du to my antifascist position and stance against the pro-Trump position of SPME in the US. These developments as well as the collaboration of Netanyahu with right-wing extremist politicians in Europe as well as his posing as Israeli’s Trump in the current electoral campaign indicates a decline in decency in the pro-Israel camp.

American support for the Jewish state was always based on bipartisanship. Trump, his ilk and Netanyahu are destroying or already have destroyed this bipartisanship. Without Communist help in 1947/48, Israel would not have won the War of Independence, let alone the UN vote on November 29, 1947. Today, the pro-Israel camp believes that only the most hardcore capitalist, the most sexist, racist, anti-Muslim and Holocaust distorting wing of the Western world will be their ally. On the contrary, this predilection will be part of the decline of bipartisan support for the Jewish state. Just listen to an ardent Zionist, head of the World Jewish Congress (WJC), Ronald S. Lauder:

“But the greatest threat is to the future of the Jewish people. For over 200 years, modern Judaism has aligned itself with enlightenment. The Jews of the new era have fused our national pride and religious affiliation with a dedication to human progress, worldly culture and morality. Conservatives and liberals, we all believe in a just Zionism and a pluralistic Judaism that respects every human being. So when members of Israel’s current government unintentionally undermine the covenant between Judaism and enlightenment, they crush the core of contemporary Jewish existence.”

Lauder as well as left-wing Zionists and critics of anti-liberalism, antisemitism and the Far Right know: Zionism deserves much better and David Ben-Gurion and Theodor Herzl would be ashamed of the current situation, I am sure.

***

January 29, 2019, Henryk M. Broder spoke at an event of the Alternative for Germany (AfD) and they celebrated him as their hero. He was proud and happy, because not even his “own family honors” him like Martin Renner from the AfD did in his inauguration of Broder’s talk. David Goldman and Tablet celebrate Broder and the Far Right, they promote lies about the Greens in Germany and base Goldman’s piece on Google translate and the agitation of Jongen and other AfD politicians. Let us have a final look at some activities of AfD politicians. The faction of the AfD in the city of Potsdam posted a picture of NGO activist Anetta Kahane, showing her with a big nose and big lips, a typical antisemitic caricature.

At a rally in Chemnitz – after the above mentioned attack on a Jewish restaurant and Nazi salutes by many neo-Nazis – AfD politicians and MPs in the Bundestag, marched alongside with criminal and convicted Hitler-fan Lutz Bachmann, right-wing publisher Götz Kubitschek as well as several former leaders of neo-Nazi groups like “National Socialists Chemnitz,” “Wiking Youth,” or “Heimattreue Deutsche Jugend” (“Homeland proud German Youth”) as well as far-right political activist Michael Stürzenberger. The latter is of particular interest, as he is known for his agitation against the circumcision. In 2012, Stürzenberger wrote that Jews like Muslims, if they keep on practicing the circumcision, have “no place in this country” (Germany), as journalist Jörg Lau from the weekly Die Zeit documented with disgust.

Broder knows very well that neo-Nazis would destroy him as a Jew after they took power and “cleaned the Augean stables”.

But he might hope like Tablet or Goldman that he will just be shot some days or even a few weeks after his female neighbor – the journalist with her tender anarcho-communist, pro-immigrant, eco-socialist, anticapitalist and antifascist, left-wing Zionist ideas, her punk-rock style hair, her “Refugees Welcome” T-Shirt and her button “No one is illegal” – would be raped, tortured and killed (based on what AfD followers or neo-Nazis post all the time on social media).

©ClemensHeni

2014: Ein Jahr der Klarheit

Die Bundesrepublik zwischen grünem (Hamas) und braunem (HOGESA) Nazismus und dem schwarzrotgoldenen Extremismus der PEGIDA-»Mitte«. 

Mit einem Exkurs: War Deutschland Teil des Abendlandes?

 

Das Jahr 2014 brachte Klarheit. Eine schreckliche Klarheit. Soviel Antisemitismus, soviel Pro-Hitler und Pro-Holocaust Statements, Hetze gegen Juden und Israel, muslimischen Judenhass, aber auch soviel Islamhass und Rassismus und soviel Deutsch-Nationalismus gab es selten so offen in einem Jahr. Niemand außer den Deutschen kann aufrecht gehen, dafür sind sie Weltmeister, das beliebteste Land der Welt, Angela Merkel wird zwar vom rechten »wir träumen-reden- lachen-und-fühlen-deutsch« Rand der CDU/CSU verabscheut, aber weltweit als führende Politikerin geehrt. Wenngleich Merkel sich in ihrer Neujahrsansprache von PEGIDA explizit abgrenzt, sind ihr weltpolitisches Hin- und Herschwanken, ihre Standpunktlosigkeit und die Affirmation des Bestehenden erfolgreich.

Dabei ist das Bestehende eine Mischung aus deutsch-iranischen Geschäften, sozialer Krise und Kapitalismus in Europa sowie politischen Konflikten über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg zwischen Lobhudelei für Nazis wie den Ukrainer Stepan Bandera, einer Derealisierung der Präzedenzlosigkeit der Shoah und der Stilisierung der Deutschen zu ganz normalen »Opfern« der bösen Nazis (»Unsere Mütter, unsere Väter«), was wiederum gewissen germanophilen Kreisen der weltweiten kulturindustriellen Elite gefällt (»International Grammy Award«).

Jene Kritiker, die 1989 Wi–dervereinigung ohne »e« schrieben, wurden von Helmut Kohl und der SPD, die nicht erst damals die deutsche Hymne anstimmte, diffamiert. Heute geht es so gut wie niemand mehr um eine »Alternative zu Deutschland«. Dafür gibt es die »Alternative für Deutschland« (AfD). Die Mehrheit sei a priori gut drauf, so lautet das Mantra der »Extremismustheorie« vom Schlage Uwe Backes‘, Eckhard Jesses oder Werner Patzelt, wie der Politologe Miro Jennerjahn in Anlehnung an Gesine Schwan analysierte.

 

Exkurs: War Deutschland Teil des Abendlandes?

Der Historiker Peter Viereck (1916–2006) hat in seiner Dissertation 1942 – Metapolitics. From Wagner and the German Romantics to Hitler – gezeigt, dass Deutschland nicht Teil des Abendlandes war beziehungsweise immer wieder antiwestliche »Revolten« hervorbrachte. Seine Doktorarbeit, die bereits 1941 publiziert und von Thomas Mann belobigt wurde, analysiert das antiwestliche Denken der Deutschen. Viereck macht fünf »Revolten« aus, die Deutschland vom Westen trennen. Das macht die Rede von der »Rettung des Abendlandes« gerade in Deutschland oder Dresden so ahistorisch und grotesk. Dabei schrieb Viereck seine Arbeit vor Auschwitz.

 

Die erste »Revolte«: Deutschland, das es natürlich unter diesem Namen damals gar nicht gab, kämpfte als »Germanien« gegen den »römischen Universalismus«, was sich exemplarisch in der Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 CE zeigte. Heinrich von Kleists »Hermannsschlacht« von 1808 setzte dieser allzu deutschen Schlacht ein literarisches Denkmal. Der Politik- und Literaturwissenschaftler Andreas Dörner hat die »Entstehung des Nationalbewußtseins der Deutschen» am Beispiel des »Hermannsmythos« untersucht. Dabei spielt die »schwarze Fahne« eine wichtige Rolle, da sie »als Zeichen totaler Zerstörung das Ende des Kampfes« anzeigt. Der antirömische Zug Deutschlands zeigte sich auch beim antisemitischen Agitator in Österreich Ende des 19. Jahrhunderts, Georg von Schönerer, der proklamierte: »Ohne Juda, ohne Rom bauen wir Germaniens Dom«. Für den Nationalbolschewisten Ernst Niekisch war Hitler zu »mittelmeerisch«, er habe als Österreicher ein zu »sonniges Gemüt« und sei quasi »römisch«. Für den Antisemiten Niekisch (»Hitler – ein deutsches Verhängnis«, 1932) stand Hitler nicht rechts, deutsch und preußisch genug da. Auch Niekisch-Jünger wie die »ethnopluralistische«, rassistische Neue Rechte in der Folge von Henning Eichberg sind konsequent antirömisch. Rom steht für »Reich« analog zu den USA heute.

Das steht in direkter Beziehung zu Peter Vierecks zweiter »Revolte« der Deutschen: die Abwehr des Christentums durch die mittelalterlichen Sachsen und der Einsatz des heidnischen »Wotan«. Drittens steht für einen »deutschen Weg« die lutherische Reformation, die ja offenkundig anti-römisch war. Viertens analysiert Viereck die »Revolte gegen das römische Imperium, wie es sich in der westlichen Welt« zeigte. Der deutsche »Sturm und Drang« und die Neoromantiker wandten sich gegen 1789 und Frankreichs Universalismus. Das Ressentiment gegen »zuviel« Vernunft, das Promoten von Gefühlsduselei, Heimat und Ideologeme von Klopstock, Herder, vielen anderen und das »Volkslied«, das bei PEGIDA so beliebt ist wie bei Hansi Hinterseer und den schmalzigen »Volksmusikanten«, die seit Jahrzehnten ein Millionenpublikum bedienen, stehen dafür exemplarisch. Die fünfte »Revolte« war der »radikalste Bruch jemals mit der westlichen Zivilisation«:

der Nationalsozialismus.

Selbst nazistische Termini wie »Lügenpresse« evozieren nicht die Erinnerung an die übelste braun-schwarze, antiintellektuelle, reaktionäre Moderne der völkischen Bewegung, von Joseph Goebbels und Alfred Rosenberg, sondern lösen Begeisterung aus. Das ist nicht nur Unwissen und Dummheit. Vielmehr ein gewolltes Liebäugeln. Für Cora Stephan ist es lediglich ein »Trick« Nazis bei PEGIDA und ähnlichen völkischen Aufmärschen als solche zu bezeichnen. Kluge »Bürger« wie Lutz Bachmann oder NDR-Autorin Cora Stephan haben hingegen erkannt, dass es bei der Kritik an PEGIDA um ein »Ablenkungsmanöver« handele. Auch Forderungen wie »Deutschland raus aus der NATO«, die auf PEGIDA-Demonstrationen großformatig propagiert werden, stören den neoliberalen, konservativen, angeblich pro-amerikanischen Kurs von Blogs wie Achgut gar nicht.

Henryk M. Broder kokettiert mit dem Extremismus der Mitte, den (nicht nur) ostdeutschen Spießbürgern, den Nationalisten, Rechtsextremisten, Neonazis und Rassisten und Antisemiten von PEGIDA und seine Gefolgschaft wie Matthias Matussek, der Kritiker der völkischen Dresdner Bewegung mit der Hitlerjugend (HJ) vergleicht, Hamed Abdel-Samad, der auch auf Facebook eine »irrationale Angst« der PEGIDA-Kritiker sieht, oder Cora Stephan sekundieren die Agitation gegen »den« Islam oder entwirklichen die rechtsextreme Gefahr. Broder ist blind ob der Teilnahme von antijüdischen Beschneidungsgegnern an den PEGIDA oder HOGESA Aufmärschen – wie Michael Stürzenberger, Bundesvorsitzender von der Kleinstpartei Die Freiheit, oder der großen Website Politically Incorrect (PI) – und schreibt:

»Wenn sich aber eine nationale Einheitsfront formiert, in der die christlichen Kirchen, der Zentralrat der Juden, die Gewerkschaften, das Handwerk, die Arbeitgeber und die üblichen Verdächtigen aus dem Kulturbetrieb Seit an Seit marschieren und alle, die an dieser Prozession nicht teilnehmen wollen, zu Dumpfbacken, Nationalisten, Rassisten, Nazis und einer ›Schande für Deutschland‹ erklärt werden, dann stimmt irgendetwas nicht mit der gelebten Demokratie in unserem Land.«

Wenn Nazis und Nationalisten, die mit Nazi-Vokabular und Deutschlandfahne »Wir sind das Volk« grölen, nüchtern im Gegensatz zu PEGIDAs Zwillingsbruder HOGESA (Hooligans gegen Salafisten), erhebt sich Broders Stimme gegen Kritiker und nicht gegen den rassistischen Mob. Er sieht gar nicht, dass es PEGIDA nicht um die islamistische Gefahr wie aus Iran oder den Judenhass von Islamisten geht. Viele PEGIDA-Aktivisten sind selbst Antisemiten und waren seit 9/11 auf Demonstrationen gegen Antisemitismus und Islamismus nicht zu sehen, und jene wenigen, die kamen, wie mit einer neonazistischen, Anti-Antifa »German Defence League (GDL)«-Flagge, hätten von den Organisatoren pro-israelischer und anti-islamistischer Kundgebungen besser des Platzes verwiesen gehört.

Dabei ist Broders Kritik an der antiamerikanischen Schadenfreude ob des 11. September und der Trivialisierung des Islamismus so aktuell wie zuvor. Denn weiterhin schreiben Altlinke wie der Herausgeber der einzigen linken Publikumszeitschrift in diesem Land, Konkret, Hermann L. Gremliza, im Dezember 2014 über den islamistischen Massenmord im World Trade Center am 11. September 2001 und die islamistischen Enthauptungen, Pogrome und Massenmorde in den letzten Jahren:

»Der Krieg, der seit dem Ende des Kalten geführt wird, spielt sich nicht da ab, sondern dort, wo die USA von Natur aus zuständig sind: weit hinten in der globalen Türkei. Er heißt war on terror und hat eine sechs-, bald siebenstellige Zahl an Menschen jeden Alters und Geschlechts umgebracht. Nicht Menschen im engeren Sinn, versteht sich, um die ein Aufhebens zu machen sich lohnte wie um die drei bis vier in Allahs Namen abgeschlachteten Amerikaner, Briten und Franzosen, die tagelang die Bildschirme füllten.« (Konkret 12/14)

Nach einer knappen Übersicht über weltweite »Sprenggürtel«-»Märtyrer«, »failed states«, »Islamisten und Mörderbanden« von »Nord- und Zentralafrika«, Erdogan, Syrien, Irak, Pakistan, Hindukusch, Hongkong bis hin nach Korea resümiert Gremliza:

»Überall legen die USA Lunten, ziehen sie ›rote Linien‹, stellen Ultimaten, schicken Drohnen, werfen Bomben.«

Dieses perfide, antiamerikanische, den Jihadismus und Islamismus als Phänomene sui generis negierende, delirierende, linke Gerede bekommt im antiwestlichen, die USA dämonisierenden Verschwörungswahnsinn der »Russia Today« / »Friedenswichtel«-Szene um das »Compact«-Magazin und Jürgen Elsässer, der früher als quasi Nachfolger Gremlizas aufgepäppelt worden war, ehe es zum Bruch kam, ein Echo.

Viele, die im Sommer angesichts des Pro-Hitler- und Pro-Holocaust-Gebrülle von (organisierten) Islamisten und (unorganisierten) Muslimen und ihren extrem rechten und linken Freunden schwiegen, sind jetzt lautstarke Kritiker von PEGIDA. Doch warum nur Nationalismus und Rassismus kritisieren und zum Antisemitismus schweigen? Linke zelebrierten mit ihren islamistischen und neonazistischen Kolleg_innen ein antizionistisch-antisemitisches Hassfestival auf den Straßen EUropas.

Was viele in der »Pro-Israel«-Szene sich jedoch weigern zu sehen: es gibt eine zunehmende Zahl von Leuten, die gegen Antisemitismus und Israelhass wie auch gegen PEGIDA, Nationalismus, Rassismus, Agitation gegen »den« Islam und Muslime und Flüchtlinge sich wenden.

2014 war somit ein Jahr der schrecklichen Klarheit: Viele Kritiker des antizionistischen Antisemitismus schweigen nicht nur zu PEGIDA, sondern stimmen in den völkischen Chor gegen Flüchtlinge, Muslime, »den« Islam, »die Lügenpresse«, »die Parteien« und »das System« mit ein, sei es offen, verbrämt oder klammheimlich.

Schließlich haben sich einige Liberale und Linke als Kritiker sowohl des Antisemitismus als auch des Rassismus, Deutsch-Nationalismus und Islamhasses erwiesen.

Wer vom Extremismus der deutschen Mitte und von PEGIDA nicht reden will, soll von der islamistischen Gefahr schweigen.

 

Der Autor, Dr. phil. Clemens Heni, promovierte 2006 über »Ein völkischer Beobachter in der BRD. Die Salonfähigkeit neu-rechter Ideologeme am Beispiel Henning Eichberg« an der Universität Innsbruck; 2011 publizierte er die Studie »Schadenfreude. Islamforschung und Antisemitismus in Deutschland nach 9/11«, 2013 das Buch »Antisemitism: A Specific Phenomenon. Holocaust Trivialization – Islamism – Post-colonial and Cosmopolitan anti-Zionism«.

PEGIDA und die politische Kultur

Eine Selbstkritik der »Israelsolidarität«, DDR-»Wirtschaftsflüchtlinge« 1989, die Verteidigung des »Abendlandes» und das deutsche Weihnachtsfest 1939: »Ein Fest des Herzens, des inneren Reichtums«

 

Bundesjustizminister Heiko Maas hat völlig Recht: »PEGIDA ist eine Schande«. Die Zeitung für Deutschland hingegen, die FAZ, sieht in PEGIDA den Ausdruck einer Sehnsucht nach »Heimat«, die armen Dresdner seien »heimatlos«, wie es am 17.12.2014 auf Seite eins der FAZ heißt: »Pegida ist ein anderes Wort für die Sehnsucht nach politischer Führung. Wer nimmt sie wahr?« Der »Führer« vielleicht? Auch viele andere Medien nehmen PEGIDA mittlerweile in Schutz, von der ZEIT, die meint »echte Gefühle« bei den Aufmärschen zu erkennen, bis hin zu CICERO, das Kritiker wie Wolfgang Bosbach (CDU) oder Ralf Jäger (SPD) abmahnt und ernsthaft meint, man könnte und sollte mit PEGIDA reden bzw. müsse deren »Argumente« wahr- und ernstnehmen.

 

Angesichts von ca. 300.000 Toten in Syrien, Unruhen, Verfolgung, Mord und Krieg in weiten Teilen des Nahen Ostens, vor allem in Libyen, Syrien, Irak oder Yemen, sowie desolater ökonomischer Verhältnisse zumal in Afrika oder Osteuropa, hetzen Deutsche gegen Flüchtlinge. Ganze Familien von »Wirtschaftsflüchtlingen« aus Chemnitz, Dresden und Hoyerswerda verbrachten 1989 Weihnachten in Stuttgart, München oder Frankfurt bei gastgebenden »Wessis«. Diese Ex-Flüchtlinge aus der DDR agitieren jetzt gegen eine verglichen damit minimale Anzahl von Flüchtlingen, die aus viel katastrophaleren und lebensbedrohlicheren Zuständen fliehen. Dabei kommt nur ein Bruchteil der Flüchtlinge lebend in EUropa an, die EU-Außengrenze degradiert die Mauer in Berlin zu einem geradezu läppischen Bauwerk.

Es gibt heute Unterstützung oder zumindest mal symbolisch Geschenke für Flüchtlinge, das ist ein großer Unterschied zum Beginn der 1990er Jahre, als sich nur kleine Gruppen von ANTIFAs und antirassistischen, autonomen Gruppen um den Schutz von und die Unterstützung für Flüchtlinge kümmerten.

Doch es geht auch um Selbstkritik: haben Autoren, wie der Verfasser, in den letzten Jahren immer deutlich genug gemacht, dass es nicht gegen »den« Islam geht bei der Kritik am Islamismus? Wurde die Kritik an Thilo Sarrazin ignoriert oder nicht bemerkt, dass andere sie ignorierten? Haben »wir« immer und jederzeit betont, dass es zwischen Islam als Glauben und Islamismus als Ideologie eine Differenz gibt? Damit wird man nicht zu einem Apologeten von Religion. Wo bleibt der Aufschrei, wenn ein sehr bekanntes Blog der »Szene« einen Autor zu Wort kommen lässt, der von einer »zweiten Shoah« daher redet und den Holocaust auf groteske Weise trivialisiert und Morde an Juden von Islamisten oder Muslimen nur dazu benutzt, um gegen »den« Islam aufzuwiegeln und die Deutschen zu entschulden, wenn in dem Text einzelne Morde und Pogrome von Muslimen an Juden von 1929 oder 1840 als »zweite Shoah« rubriziert werden? »Zweite Shoah« 1929? Oder heute? Wo bleibt da der Aufschrei? Wo bleibt da die Selbstkritik, mal einen Fehler gemacht zu haben?

Haben viele Kritiker der Israelfeindschaft einfach nur weggesehen, als die übelsten rechten Sprüche von Leuten kamen, die aus welchen Gründen auch immer für Israel sind? Wurden nicht auch höchst problematische, evangelikale oder sonstige fanatische Gruppen auf Israelkongresse eingeladen oder auf Konferenzen und Veranstaltungen toleriert und nicht konfrontiert? Haben viele gar nicht gemerkt, dass ein regelrechter Hass auf alles »Liberale« und »Linke« besteht, der durch eine Kritik am Antizionismus einiger Teile der Linken (damit ist nicht nur die Partei gemeint) rationalisiert werden konnte? Wie oft haben Leute zum Beispiel misogyne Sprüche und Tendenzen goutiert, weil die Autoren oder Redner sonst »ganz ok« drauf seien?

Sodann: haben Kritiker des Antisemitismus deutlich genug gemacht, dass es um Kritik geht und nicht um die Exkulpation des deutschen Normalzustandes, wenn der Antisemitismus primär als Phänomen von Muslimen und Arabern betrachtet wird? Haben viele nicht Kompromisse, faule oder klammheimliche, mit Christen, Konservativen und Rechten gemacht, nur weil es »um Israel« geht? Wurde nicht von vielen übersehen, dass es wie ein Schlag ins Gesicht eines Kritikers der eingebildeten »deutsch-jüdischen Symbiose« wie Gershom Scholem ist, wenn all die letzten Jahren von einem angeblich »christlich-jüdischen Abendland«, zumal in Deutschland, geredet wird?

Wer nimmt schon Kritik am existierenden Rassismus in Israel zur Kenntnis, ohne damit zu einem Israelgegner zu werden? Sicher ist es einfacher, immer nur Kritik am Antisemitismus, den es ja in unglaublichem Ausmaß gibt, weltweit, zu üben, als sich auch mal realitätsgetreu mit den Zuständen in Israel zu befassen. Warum wird fast immer, wenn wieder ein Skandal aus der Palästinensischen Autonomiebehörde zu vernehmen ist, Mahmud Abbas‘ Holocaust leugnende Dissertation von Anfang der 1980er Jahre aus Moskau zitiert, ohne auch nur wahrzunehmen, dass Politikerinnen und Politiker in Israel wie die linken Zionist_innen Tzipi Livni oder Isaac Herzog in persönlichen Gesprächen in Abbas in den letzten Jahren evtl. eine moderatere und reflektiertere Stimme zu hören in der Lage sind? Sind dadurch Livni und Herzog »Verräter« und unglaubwürdig? Wissen deutsche Blogger, Schweizer oder österreichische Referenten grundsätzlich besser Bescheid als israelische, zionistische Politiker_innen wie Livni oder Herzog?

Fast alle in der Israelszene aktiven Gruppen schweigen brüllend zu PEGIDA, finden den nationalen Taumel gar prickelnd oder wiegeln ab. Wer aber gegen die iranische Gefahr, für Israel, gegen alle möglichen Formen von Antisemitismus sich engagiert aber zu rechtsextremen, volksgemeinschaftlichen Aufmärschen, die gegen Muslime hetzen, schweigt, verrät jede Idee von Aufklärung, Emanzipation, und, ja, Zionismus. Der Zionismus David Ben-Gurions, Ze’ev Jabotinsky oder Kurt Blumenfelds basierte darauf, dass Juden zwar eine Mehrheit in Israel, aber die arabischen und muslimischen bzw. christlichen und sonstigen Minderheiten »gleiche Rechte« gewährt bekommen sollten im jüdischen Staat. Israel ist eine multikulturelle Gesellschaft mit einem Anteil von über 20% Arabern/Muslimen. In der Bundesrepublik leben ca. 5% Muslime.

Auf die Bedeutung Jabotinskys Verständnis von Zionismus, das keineswegs einen homogenen, rein jüdischen Staat avisierte, sondern einen dezidiert jüdischen (und keinen binationalen!) Staat mit einer mit gleichen Rechten ausgestatteten arabischen Minderheit, wies kürzlich der britische Politikwissenschaftler und pro-israelische, aber linke Autor Alan Johnson, Herausgeber der Zeitschrift Fathom, hin. Und in Israel ist das alles auch bekannt, aber hierzulande wird in gewissen Kreisen jede Kritik an »Bibi« oder dem rechten Rand des politischen Spektrums in Israel als antizionistisch verfemt. Es geht derzeit in Israel um Zionismus versus die extreme Rechte, die natürlich auch Teil Israels ist, aber eben nicht unwidersprochen. All das wird hierzulande kaum zur Kenntnis genommen, und diese Ignoranz wird sich rächen.

Schließlich bekommt die »Israelszene« jetzt die Rechnung aus Dresden. Entweder die pro-israelischen und anti-islamistischen Aktivistinnen und Aktivisten bzw. Blogger_innen und Forscher/innen kriegen die Kurve und kehren zu einer seriösen Beschäftigung mit Antisemitismus, Islamismus und Nationalismus zurück oder PEGIDA wird dafür sorgen, dass die »Israelsolidarität« und »Islamkritik« in PEGIDA auf- und untergeht. Entweder Islamismuskritik, Israelsolidarität und Kritik am Antisemitismus und ein Lob der Vielfalt oder PEGIDA.

2006, zur Zeit des »Sommermärchens« und acht Jahre vor dem noch größeren WM-Wahnsinn, kam das nationale Apriori ins Gerede, aber nur von einer marginalen Gruppe von Autorinnen und Autoren. Man hätte die Warnzeichen sehen können. Doch dann ging es wieder um die Kritik am ubiquitären Antizionismus, eine in der Tat wichtige Kritik, bis heute und in Zukunft.

Das alles darf nicht blind machen für die Gefahr, für die PEGIDA steht. Und vieler meiner Bekannten, nicht nur auf Facebook oder auf Blogs, sehen die Zeichen der Zeit nicht und sind unfähig, Selbstkritik auch nur zu versuchen, wie es scheint.

PEGIDA, die Dresdner Volksbewegung gegen alle Nicht-Deutschen und für ein homogenes Sachsen bzw. Deutschland, möchte am 22. Dezember 2014 bei ihrem nächsten Aufmarsch Weihnachtslieder singen, wie am 15.12 angekündigt wurde. Das mag der heidnischen Tradition weiter Teile des Rechtsextremismus und der a-christlichen Vieler in der Ex-DDR entgegenstehen, aber natürlich wissen auch Neue Rechte, Heidnische und Völkische dass man in der Not Kompromisse machen muss. Schließlich gab es Millionen NSDAP-Mitglieder, ganz normale Deutsche, die Christen waren und Teil der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Zudem gab es bekanntlich den heidnischen Zug des SS-Staates wie die »Deutsche Glaubensbewegung« um Jakob Wilhelm Hauer, wie der israelische Religionswissenschaftler Schaul Baumann in seiner Dissertation herausgearbeitet hat.

Der katholische Bund Neudeutschland war ob des Nationalsozialismus begeistert. Der Jurist und spätere Ministerpräsident von Baden-Württemberg Han(n)s Filbinger steht dafür ebenso wie der Heidegger-Schüler und Philosoph Max Müller, der nach 1945 in München und Freiburg Karriere machte. Angesichts der völkischen Bewegung »Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes« sei zum Anlass des bevorstehenden Weihnachtsfestes auf die nationalsozialistisch-deutsch-abendländische Tradition eingegangen.

Ideologisch für ›Volk‹ und ›Vaterland‹ gerüstet, ging es am 1. September 1939 in den Zweiten Weltkrieg. Ein Neudeutscher, ein Mitglied des Bundes Neudeutschland, Heinrich Jansen Cron, Herausgeber des Leuchtturm, schreibt in einem kleinen Buch, in welchem er Lieder, Gedichte, Gebete und Geschichten u.a. von Gertrud Bäumer, Ernst Moritz Arndt, Adalbert Stifter oder auch Walter Flex zusammenbringt, zu Weihnachten 1939:

Es ist ein Fest des Herzens, des inneren Reichtums. Nicht das Äußere entscheidet. Gott wird – Mensch. Der Gottesmensch ist ein – Kind. Das Kind liegt in einem – Stall. Und ist doch der Herr der Welt! Mehr sein, als scheinen, den inneren Reichtum über den äußeren stellen, das ist weihnachtliche Haltung. Das ist es, was uns auch in Not, in der Fremde, im Felde sicher macht, froh und stark. Was will aber dieses Heft? Es will das Gute, das Edle, das Heilige, das in Gott und Heimat Tiefverwurzelte wecken und heben; eine Hilfe sein, Weihnachten draußen christlich und deutsch zu erleben, jegliche Ferne zu überwinden.[i]

Wenig später, zu Ostern 1940, publiziert Cron noch so ein kleines Erweckungsbüchlein:

Die großen Aufgaben, die uns in dieser Zeit Heimat und Familie, Volk und Vaterland stellen, verlangen einen kräftigen Willen. (…) ›Jesus ist wahrhaft auferstanden!‹ Also werden auch wir auferstehen. Also hat unser Erdenleben auf alle Fälle einen Sinn; also gibt es eine ewige Gerechtigkeit; also nehmen wir das Leben und auch sein Kreuz tathart und gelassen auf uns. Denn nur so erringen wir das ewige Leben; nur wenn wir nach Kräften Christi Tapferkeit erstreben, werden wir auch mit ihm auferstehen! Mit diesem Leben ist nicht alles aus. Der Tod verliert seinen Stachel, die Gefahr die Lähmung, die Zukunft wird licht. Wir erheben die Herzen, tragen hoch das Haupt; denn uns erfüllt eine gewaltige Hoffnung. Gott wird unsere Treue krönen, unsere Familie schützen, unser Volk erretten; wir wissen ja: Christ ist erstanden![ii]

Am Beginn des Holocaust und des (Vernichtungs-)Krieges in Polen sowie im Westen Europas segnen deutsche Christen den Weltkrieg und feiern ein fröhliches Osterfest. Das Motto könnte nicht heideggerscher oder djihadistischer lauten: »Der Tod verliert seinen Stachel«. Salafisten, Islamisten und Jihadisten aller Länder könnten sich an diesen Deutschen ein Vorbild nehmen.

Der Publizist Henryk M. Broder mag symptomatisch für das Nicht-Erkennen der Gefahr, für die PEGIDA steht, zitiert werden. Er hat die Sache komplett auf den Kopf gestellt – angesichts von Nazis, Populisten und einem rassistischen Mob in Dresden schreibt er: »Das, was früher der Nationalsozialismus war, das ist heute der Islamismus«. Dabei gibt es genügend Beispiele, wo Islamisten wie Yusuf al-Qaradawi, einer der alten aber führenden Sunni-Islamisten, Hitler öffentlich lobten. Aber darum geht es PEGIDA gar nicht. Sie wollen ein »reines« Deutschland. 1978 hätte Broder das noch erkannt, als er ein Buch herausgab mit dem Titel »Deutschland erwache. Die neuen Nazis. Aktionen und Provokationen.«

Nein: das, was früher der Nationalsozialismus war, ist heute in Deutschland eher schon PEGIDA, jedenfalls laufen da auch Leute mit, die den SS-Staat gut finden.

Die wollen ein »arisches« Dresden, selbst 2,5% Nicht-Deutsche sind denen zu viel. Und sie wollen die wundervollen deutschen Traditionen bewahren, man denke nur an Höhepunkte des »christlichen Abendlandes« wie Weihnachten 1939 im »Deutschen Reich«.

Einer der PEGIDA-Mitmacher ist der Bundesvorsitzende der Partei Die Freiheit, Michael Stürzenberger, der auch für das extrem rechte Internetportal »Politically Incorrect« (PI) schreibt, das ganz begeistert ist ob PEGIDA und live davon berichtet. Stürzenberger sprach am 15.11.2014 auf der Hooligan-Kundgebung in Hannover und peitschte die Hooligans und Neonazis ein: »Wo sind die Freunde unseres deutschen Vaterlandes?«, woraufhin der Mob unter anderem mit unschwer als Hitlergrüßen zu erkennenden Bewegungen antwortete.

Stürzenberger agitiert gegen die jüdische Beschneidung, so wie er denken viele bezüglich der Beschneidung, das ist mehrheitsfähig in einem Land wie Deutschland, von der FAZ zur jungle world und der Giordano Bruno Stiftung.

Wie Anhänger von Verschwörungsmythen glauben die PEGIDA-Rechten dem »System« nicht, sie reden von »der« »Lügenpresse« und glauben einer Presse, die in der Tat an Propaganda schwer zu überbieten ist: Russia today.

Gegen die freie Presse, gegen die jüdische und muslimische Beschneidung und gegen Einwanderung – PEGIDA steht für »Ausländer raus«. Doch selbst Antisemitismus und Antiintellektualismus aus den Reihen der PEGIDA-Protagonisten und Aktivisten, darunter zählen auch Autorinnen für das verschwörungsmythische Magazin Compact, halten offenbar viele in der Pro-Israel-Szene nicht davon ab, den Rassismus von PEGIDA zu unterstützen. Eine Compact-Autorin und »Kameradin« von Jürgen Elsässer ist Melanie Dittmer, die früher bei der Jugendorganisation der NPD, den »Jungen Nationaldemokraten« (JN) aktiv war und heute im Umfeld der rechtsextremen »Identitären Bewegung«. Sie sprach z.B. bei einem DÜGIDA (Düsseldorf gegen…) Aufmarsch am 8.12.2104 und ist die Anmelderin der BOGIDA (Bonn gegen …).

Broder kritisierte 2012 die Agitation gegen die jüdische und muslimische Beschneidung. Doch er sieht offenbar nicht, dass der deutsche Mainstream gegen das Judentum und die Beschneidung ist. Viele bei PEGIDA sind Leser von Seiten wie PI im Internet, die wie dokumentiert gegen die Beschneidung und somit gegen jüdisches und muslimisches Leben hetzt.

Doch wen verteidigt Broder, wenn er Kritik an PEGIDA abwehrt und PEGIDA kleinredet, affirmiert und sich über Kritikerinnen des Rassismus wie Gesine Schwan lustig macht? Ich hatte schon 2007 rechte Tendenzen bei Broder und ACHGUT analysiert und resümierte:

Der Kampf gegen den Djihad jedoch lediglich als Vorwand, gerade für die BILD-Zeitung, den Spiegel, die WELT, sich noch gemütlicher einzurichten, gerade in Deutschland, dem Land der unbegrenzten Schuldabwehrmöglichkeiten?

Wer vom verbrecherischen Alltag des Nationalsozialismus nicht mehr reden möchte, sollte vom politischen Islam schweigen.

Die Juden sind die Juden von heute und nicht die Muslime, wie Jascha Nemtsov zu Recht gegen Armin Langer einwendet. Es geht jetzt aber nicht um die falsche Analogie von Antisemitismus und Islamkritik. PEGIDA ist ein Ausdruck von Rassismus, von Nationalismus, Islamhass und von Antisemitismus gleichermaßen, das Beispiel Stürzenberger und PI zeigen das anschaulich. Das Problem ist PEGIDA und nicht die Antifa und auch nicht Gesine Schwan.

Der Islamfaschismus wie in Iran ist schlimm genug, und die Hitler-Fans unter nicht wenigen Islamisten und Muslimen in Deutschland sind auch übel genug. Aber angesichts von Deutschlandfahne und »Wir sind das Volk« Gebrülle so die Realität zu derealisieren, wie Broder und sein Fanclub es tun, das ist bezeichnend.

Als Forscher/in sollte man sich einfach mal anschauen, wie die »abendländische Tradition« in Deutschland aussah. Dass Deutschland gar nicht abendländisch war, sondern antiwestlich, völkisch und nationalsozialistisch, wie der Historiker Peter Viereck bereits 1941 in seiner Dissertation »Metapolitics« auf beeindruckende Weise analysiert hat und von niemand anderem als Thomas Mann dafür in einem Brief vom 7. September 1941 gelobt wurde, spielt hier gar keine Rolle. PEGIDA sieht sich ja als deutsch und abendländisch.

Weihnachten 1939, Ostern 1940 und die diesbezüglichen Texte eines »Neudeutschen« oder Vertreter des »christlichen Abendlandes« wie Heinrich Jansen Cron sind nur Beispiele für das, was PEGIDA in Dresden, der Stadt, die nicht gerade für Toleranz und Vielfalt steht, hingegen für Antisemitismus 1848, für Richard Wagner und Michail Bakunin, verteidigen möchte: das christliche Abendland oder das, was Deutsche darunter verstehen.

Wie die Politikerin und Publizistin Jutta Ditfurth am 16.12.2014 auf 3Sat im Fernsehen sagte, erleben wir derzeit die wohl »schlimmsten rechtspopulistischen, antisemitischen, rassistischen Aufmärsche seit 1945«; hinzufügen würde ich: die schlimmsten Aufmärsche in Ergänzung zu den antisemitischen Aufmärschen im Sommer 2014, als vor allem Islamisten und Muslime, eskortiert von Neonazis und Linken, Pro-Hitler und »Juden-ins-Gas«-Parolen brüllten, im ganzen Land. Doch das war eben nicht »der« Islam und es waren nicht »die« Muslime und schon gar nicht »die Flüchtlinge«, die zu großen Teilen aus islamistischen Ländern geflohen sind. Jihadisten gehen ja vielmehr von Düsseldorf, Berlin oder Neu-Ulm in den »Heiligen Krieg« in den Nahen Osten und nicht andersherum.

PEGIDA indiziert, zu was das WM-Wahn-Land Deutschland im Jahr 2014 fähig ist und in den kommenden Jahren fähig sein wird. Für was stehen PEGIDA, DÜGIDA, BOGIDA und alle anderen rechten Aufmärsche? Wer sich die Aufmärsche anschaut, erkennt neben vorbestraften Kriminellen und Neonazis vor allem ganz normale deutsche Spießbürger auf der Straße. Schwarzrotgold ist ihre Fahne und Strategie, »wir sind das Volk« und »IHR nicht« ihre Parole und »Deutschland den Deutschen, Ausländer raus« der Sinngehalt, Agitation gegen »das System« aus Medien und Politik die Taktik, das als Fackel umfunktionierte Mobiltelefon ihr Symbol, die Gleichsetzung von Täter (SS-Staat) und Befreier (UdSSR) ihre mainstreammäßige Ideologie, dazu als altdeutsches Pendant »Familie, Heimat und Patriotismus« statt »Gender-Mainstreaming und Diversität«, Nationalismus, völkische Homogenität und Hass auf Andere ihr Motiv und Weihnachtslieder ihre Melodie.

Angesichts von Millionen Flüchtlingen weltweit ist die Anti-Flüchtlingsbewegung PEGIDA eine Schande für die Menschheit. PEGIDA ist ein Indikator für die politische Kultur in der Bundesrepublik. Sie zeigt die »Salonfähigkeit der Neuen Rechten« an.

 

[i] Heinrich Jansen Cron (1939): Weihnachten fern der Heimat. Ein Heft der einsamen oder gemeinsamen Weihnachtsfeier draußen, Köln: J.P. Bachem, S. 3.

[ii] Heinrich Jansen Cron (1940): Neues Leben. Ein Ostergruss seelischer Erstarkung, Köln: J. P.. Bachem, S. 3, Herv. d.V.

 

Dr. phil. Clemens Heni ist Politikwissenschaftler und Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA). Er ist Autor von fünf Büchern, zuletzt erschien “Kritische Theorie und Israel” (Berlin 2014).

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