Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Hat 2006 eine 15-jährige Schülerin aus Albuquerque mit einem Computermodell den Lockdown erfunden?

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 30. April 2021

Ich hatte ja vor einiger Zeit (am 22.4.21) erwähnt, dass es alsbald um den möglichen Ursprung des Lockdowns gehen werde:

In Schweden starb nicht ein einziges Schulkind an Corona und nicht eine Lehrerin und nicht ein Lehrer. Wir wissen, wie ungefährlich Corona speziell in Schulen ist. Wir werden darauf zurückkommen, was den möglichen oder einen Ursprung des Lockdown-Paradigmas betrifft, alsbald…*

Im Kontext meiner politikwissenschaftlichen Forschung zu Antisemitismus kam ich ab 2009 erstmals in Kontakt mit der Stadt Albuquerque in New Mexico im Südwesten der USA. Einer der beiden Gründer und Herausgeber des Journal for the Study of Antisemitism (JSA) kam von dort. Mein erster Artikel in JSA (“Antisemitism as a specific phenomenon”, online hier und hier) sorgte für etwas Wirbel.

Albuquerque liegt auf 1600 Metern Höhe, ob das zu geistigen Höhenflügen oder zu Panik ob der dünner werden Luft führen kann, sei dahingestellt. Was im Mai 2020 zumindest in den USA bekannt wurde, ist so haarsträubend wie die gesamte Coronapolitik- und Demokratiekrise, in der wir seit März 2020 leben. Warum?

Hat 2006 eine 15-jährige Schülerin und Tochter eines Modellierers aus Albuquerque den Lockdown erfunden? Das ist die These der New York Times, des Albuquerque Journals und des American Institute for Economic Research (AIER), das die Story kritisch aufbereitete. Demnach hatte 2006 die damals 15-jährige Gymnasiastin Laura Glass von der Albuquerque High sophomore die erste Idee zum Lockdown, namentlich zum Schließen von Schulen.

Auf der 1950 gegründeten International Science and Engineering Fair, die 2006 in Indianapolis (Indiana) stattfand, kam Glass für ihr Computermodell in einem der Wettbewerbe auf den dritten Platz. Diese Messe war von 1997 bis 2019 vom Computer-Chiphersteller Intel gesponsort worden, passenderweise übernahm diese Sponsorschaft 2020 der Pharma-Riese Regeneron, daher heißt die Messe jetzt Regeneron International Science and Engineering Fair (ISEF).

Das Albuquerque Journal berichtete am 9. Mai 2006 von der laufenden Messe und stellte das Projekt von Laura Glass vor: Sie hat ein Computermodell entwickelt, das auf Modellen und Arbeiten am PC ihres Vaters basiert, eine Stadt mit 10.000 Einwohnern. Wenn nun eine gefährliche Infektionskrankheit wie die Spanische Grippe von 1918 wüten würde, so könnten nach diesem Modell durch das Schließen der Schulen die infizierten Menschen von 5000 (von 10.000) auf 500 reduziert werden. Es ist ein Computermodell und hat nicht den Hauch von einem Realitätsbezug. Das Albuquerque Journal schreibt am 2. Mai 2020:

Based on that finding, her program showed that in a hypothetical town of 10,000 people, 5,000 would be infected during a pandemic if no measures were taken, but only 500 would be infected if the schools were closed.

Es ist exakt so ein Modell, wie es letztes Jahr in Deutschland oder England promotet wurde – berüchtigster Vordenker: Neil Ferguson vom Imperial College, der mit allen Vorhersagen daneben lag.

Was Laura Glass, eine 15-jährige Schülerin, nicht beachtete und was Ferguson oder die unwisenschaftlichen, nicht interdisziplinären Regierungsunterstützer vom RKI und allen anderen involvierten Modellrechner*innen seither nicht in den Blick nehmen: Es muss um die Public Health gehen, um alle Menschen im jeweiligen Land, ja weltweit.

Es muss um ein Abwägen der Schäden und des theoretischen Nutzens gehen, die ein Lockdown haben könnte. Wer könnte krank werden aufgrund des Lockdowns, kein Essen mehr finden (Indien, Sri Lanka, viele andere asiatische Länder, Slums in Südamerika, weite Teile Afrikas etc.) oder aber gerade erst durch den Lockdown krank werden, da man zu Hause eingesperrt ist? Wer wird durch den Lockdown hierzulande erst psychisch krank und völlig verzweifelt? Sind das keine Erkrankungen, die tödlich enden können? Ist das Leben von 37-jährigen Theaterschauspieler*innen weniger wert als das Leben von 91-jährigen Menschen, die durch die von der Bundesregierung und den Landesregierungen mit brutaler Härte bis heute durchgesetzte Isolation mindestens so gefährdet sind wie durch Corona? Sind Polio, Cholera oder Tuberkulose und Durchfallerkrankungen das gleiche wie SARS-CoV-2?

All diese Fragen, die sich kritische Wissenschaftler*innen stellen, wurden von der 15-jährigen Schülerin nicht gestellt. Sie schlug das Schließen aller Schulen vor und gewann den dritten Preis und wird in der Ahnengalerie der Lockdown-Verrückten womöglich auf Platz 1 landen, das werden Historiker*innen in vielen Jahren eruieren.

Dass die jüngste Kongress-Abgeordnete in den USA, Alexandra Ocasio-Cortez (AOC), die sich für Boykottbewegungen (damit war von der Petitionsinitiatorin Omar Ilhan eindeutig auch die BDS-Bewegung gemeint), gegen die amerikanische Militärhilfe für Israel ausspricht und somit immerhin indirekt im weltweiten BDS-Netzwerk aktiv ist, sollte sich die Politik Israels gegen die Palästinenser nicht ändern, und gegen die Kritik an der antisemitischen BDS-Bewegung ausspricht, 2007 im Bereich Mikrobiologie auch bei der International Science and Engineering Fair aktiv war, sei nur am Rande erwähnt, das tut hier nichts zur Sache.

Die Zeitschrift Emerging Efectious Diseases der Centers for Centers for Disease Control and Prevention (CDC) publizierte im November 2006 einen Artikel von Laura Glass, ihrem Vater Robert J. Glass von den Sandia National Laboratories, Walter E. Beyeler und H. Jason Min. Damit war die Schülerin Stichwortgeberin im Mainstream der USA: Dem CDC (Äquivalent zum RKI).

Sie bedanken sich für Tipps und Diskussionen über ihr Computermodell zur Eindämmung von Infektionen unter anderen bei niemand anderem als bei Prof. Neil Ferguson aus Großbritannien sowie bei den beiden Bush-Leuten Hatchett und Mecher, die wir gleich kennenlernen werden (“We thank Louise Maffitt, Paul Kaplan, Nancy Brodsky, Theresa Brown, George Barr, Richard Hatchett, Carter Mecher, and Neil Ferguson for discussions and suggestions”).

Über die völlig falschen Modellrechnungen zur Corona-Zeit von Ferguson hat unter anderem wiederum das American Institute for Economic Research (AIER) berichtet.

Ebenfalls 2006 trafen sich also in einem Burger-Imbiss in Washington, D.C., zwei Forscher, die im Auftrag von George W. Bush, der sich 2005 nach der Lektüre eines Buches über die Spanische Grippe von 1918 und aufgrund von 9/11 mit der Gefahr von Bioterrorismus beschäftigte, nach möglichen Lösungen für ein solches Szenario suchten: Richard Hatchett und Carter Mecher.

Sie schlugen “social distancing” als nicht-pharmakologische Intervention vor und können als Vordenker der Lockdown-Ideologie betrachtet werden.

Ein früher Kritiker jedoch war ein echter medizinischer und epidemiologischer Experte: Donald Ainslie Henderson von der Bloomeberg School of Public Health der Johns Hopkins University.

Henderson wird gemeinhin als der entscheidende Forscher angesehen, der half, die wirklich gefährliche Infektionskrankheit Pocken auszurotten. Er war umgehend von den Ideen von Hatchett und Mecher schockiert und kritisierte die Social-Distancing- und Lockdown-Ideologie. Das American Institute for Economic Research (AIER) hat Henderson gewürdigt und seinen zentralen Text zur Kritik an Lockdowns und zur Verteidiung liberal-demokratischer Maßnahmen im Falle einer Epidemie oder Pandemie wieder publiziert.

Die New York Times berichtete am 22. April 2020:

After decades of advances by the nation’s pharmaceutical companies — finding treatments or vaccines for major illnesses, including H.I.V. and smallpox — Americans by the early 21st century had a built-in expectation that no matter what the ailment, there must be some kind of available fix. Locking your family inside your home seemed backward, and encouraging people not to go to work economically disastrous.

The idea of forcibly limiting public assembly or movement had also long been seen as legally and ethically questionable.

So the considerable skepticism among local officials, public health experts and policymakers in Washington was not surprising.

One particularly vociferous critic was Dr. D.A. Henderson, who had been the leader of the international effort to eradicate smallpox and had been named by Mr. Bush to help oversee the nation’s biodefense efforts after the 2001 terrorist attacks.

Dr. Henderson was convinced that it made no sense to force schools to close or public gatherings to stop. Teenagers would escape their homes to hang out at the mall. School lunch programs would close, and impoverished children would not have enough to eat. Hospital staffs would have a hard time going to work if their children were at home.

The measures embraced by Drs. Mecher and Hatchett would “result in significant disruption of the social functioning of communities and result in possibly serious economic problems,” Dr. Henderson wrote in his own academic paper responding to their ideas.

The answer, he insisted, was to tough it out: Let the pandemic spread, treat people who get sick and work quickly to develop a vaccine to prevent it from coming back.

Bekanntlich wurde nicht auf Henderson gehört, sondern auf die Teenagerin Laura Glass, ihren Vater und vor allem auf Neil Ferguson. Die verheerenden Konsequenzen spüren wir tagtäglich.

Dank Schweden wissen wir, dass Schulschließungen außer Panik überhaupt nichts bringen, ja Kinder sollten sich anstecken, da gerade sie niemals an Corona sterben (Schweden beweist es, 1,8 Millionen Kinder unter 19 und nicht ein Toter in 14 Monaten, auch nicht ein toter Lehrkörper). Lockdowns sind sozial und psychisch mörderisch, ja führen perfiderweise zu höheren Ansteckungsraten gerade bei den armen, häufig migrantischen und an den Rand gedrängten Bevölkerungsschichten.

Wir wissen, dass in Schweden die Schulen immer offen waren und dass das Modell von Laura Glass einfach völlig falsch war. Es hat nichts mit der medizinischen Realität zu tun und ignoriert die Gesundheit der ganzen Bevölkerung, ja die Auswirkungen weltweit, die solche Maßnahmen, die ja überall nachgeahmt werden, bewirken.

Der Lockdown ist eine Form des Imperialismus, der Ausbreitung totalitärer, nicht evidenz basierten Politikmuster, wobei China es nicht geschafft hätte, die ganze Welt davon zu überzeugen bzw. zu beeinflussen (gerade Nachbarländer Chinas wie Japan oder Südkorea machten keine Lockdowns), aber nachdem Italien, Europa und die USA mitmachten, wurde social distancing und Lockdown zur neuesten Form des Imperialismus. Es ist eine tpyisch europäische Ironie – die bitterste Pille seit Jahrzehnten -, dass das Lockdown-Modell am Imperial College London weiter entwickelt wurde.

Besonders tödlich wirken Lockdowns und irrationale Maßnahmen in einem Land wie Indien, dem von allen herbeigeschrienen Bergamo Asiens – über Luftverschmutzung, “Sauerstoff-Bars” in Neu Delhi, die es schon seit 2019 (!) dort gibt, und über den Kampf ums Überleben von Hunderten Millionen Tagelöhner*innen in diesem Land geht es dann wiederum alsbald.

 

* Update 30.04.21: “Out of 1.8 million children in daycare centers and primary schools, ages 1–15, there were zero COVID-19 deaths and eight ICU admissions (incidence 1/230,000) by mid-June when summer vacation started. Since many infected children are asymptomatic/mildly symptomatic and unlikely to be tested, the number of actual infections remains unknown. Therefore, the 468 reported cases (incidence = 1/3900) is an underestimate of true incidence []. Sweden did close high schools and universities. Among older students, there have been zero COVID-19 deaths in the 16–19 age group.”

“Leveraging epidemiological principles to evaluate Sweden’s COVID-19 response”,

 

 

 

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  1. Chrissie

    Und – tadaa – hier ist der Beweis dass die irrwitzige Reaktion in der Angst vor “Bio-Terrorismus” begründet ist.

    Deswegen wurden die Übungen abgehalten, und diese Pläne hat man im Feb 2020 aus der Schublade geholt und per Knopfdruck aktiviert. Und vermutlich denkt man auch bis heute dass das Virus aus dem Wuhan-Labor stammen könnte.

    Wir befinden uns also seit 1 Jahr im Bio-Terrorismus-Abwehr-Programm.

    Gerade gestern hörte ich im neuen Interview von Prof. Wittkowski auf Achgut dass es keine Rolle spielt ob das Virus “natürlich” oder “künstlich” ist, die medizinischen und epidemiologischen Abläufe sind immer gleich. Und die neuen Mutanten und Wellen entstehen nur durch die lockdowns.

  2. Chrissie

    Das irrwitzige Durchpeitschen der Experimental rmna Vakzine könnte von der Absicht her kommen, in Zukunft besser gegen Bio-Terrorismus gewappnet zu sein. Crazy aber plausibel.

  3. Josi

    Lieber Herr Dr. Heni, “wiederum alsbald” muss man gar nicht bis nach Indien gehen, es reicht schon die gestrige Nachricht, dass auch das zweite Oktoberfest in Folge in München nicht stattfinden wird, um zahlreiche Menschen in einem superreichen Land wie Deutschland und einer bayerischen Hauptstadt, die selbstgerechter und selbstgefälliger nicht sein könnte, in die nackte Verzweiflung zu stürzen. Bzw. deren unmittelbare Nachbarn, denn die Schwerstarbeiterinnen aus Polen, Tschechien und Österreich, die mit dem Schleppen von 6 Maßkrügen auf der “Wiesn” ihre Verwandten, Kinder und Daheimgebliebenen ernähren, habe keine Alternative, keine Sozialhilfe und keine Überbrückungshilfen.

    In einer eiskalten Stadt, wo Google demnächst den Postplast mit 1.500 hochbezahlten Technikern bevölkern und unsere Mietpreise ruinieren wird, ist Mittellosigkeit etwas mindestens so Erwürgendes wie in Indien, nur leiser, stiller, heimlicher, es werden dann halt ein paar Barbiturate zuviel genommen oder auf den Brückenpfeiler gefahren und nicht jeder angebettelt, der bei 3 nicht auf den Bäumen ist wie in Marokko derzeit, wo man keinen Schritt gehen kann ohne dass man umfangen wird von ebenso zittrigen wie hungrigen Händen kleinster Wesen.

    Auch Marokko liegt nur 3 1/2 Flugstunden von uns entfernt: Was ich bei der Finanzkrise 2008 vorhergesagt habe, hat sich laut Paul Schreyer ja jetzt manifestiert: Ich habe Europa einen kippenden Kontinent genannt, der in die nordafrikanischen Länder massenweise “weisse” Armutsmigranten aka white trash spülen wird. Die ersten Auswirkungen sind bereits sichtbar: Wer aus dem Kurzarbeitergeld es noch in die Grundsicherung schafft hält Ausschau nach Ländern, in denen man mit knapp 1.300 EUR noch gut leben kann.

    Dank der (schwulen) Franzosen gibt es in Marrakesch sehr gute Ärzte und Kliniken, also ist der Zahnersatz auch bei 1.300 EUR gesichert. Dank derselben Franzosen gibt es auch europäische Lebensmittel, also nicht nur gesottene Augen und Hoden auf dem Djemma E’fna. Dank der deutschen Rentner weiß auch der ungebildeteste Marokkaner, dass Deutsche nie einen Dirham weitergeben ohne eine Belehrung mitzuliefern und am liebsten den “Stilo” (Kugelschreiber”) an Kinder ausgeben, der als Werbegeschenk mit auf die grosse Reise genommen wurde.

    Von nichts kommt nichts.

    Leider hat der marokkanische König “M 6” vor kurzem wegen krasser Einmischung in die Westsahara-Angelegenheiten (mindestens so feinfühlig wie die Unterstützung der BDS hierzulande) allen Deutschen die Einreise verboten und alle diplomatischen Beziehungen abgebrochen, dafür aber den Luftraum für Israelis geöffnet, bzw. angekündigt öffnen zu wollen. Vielleicht schaffe ich es über Tel Aviv doch noch irgendwie wieder reinzukommen, einen Versuch wäre es wert. LG Josi

  4. Chrissie

    Seit 1.5 Jahren schafft es Deutschland nicht eine regelmässige Kohortenstudie durchzuführen, und stochert deswegen nur im Nebel.

    “Die Datenerhebungskatastrophe”, sehr lesenswert, brutales Politikversagen in Deutschland: https://www.jmwiarda.de/2021/04/28/die-datenerhebungskatastrophe/

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