Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Monat: Dezember 2020 Seite 1 von 2

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Am 30. Dezember 2020 so wenige Intensivpatienten wie am 18. Juni 2020 – aber über 6500 Betten fehlen

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 30. Dezember 2020

Das Divi Intensivregister zeigt, dass die einzige Krise, die es gibt, eine Krise der Krankenhausverwaltung ist. Es handelt sich um ein komplettes Versagen des deutschen Krankenhaussystems. Dafür verantwortlich sind die Bundesregierung, die Krankenhäuser und die Krankenkassen und viele andere Involvierte.

Warum? Nun, es gibt heute, am 30. Dezember 2020, nur 20.176 Patienten auf Intensivstationen. Am 18. Juni 2020 gab es mehr Patienten auf Intensivstationen: 20.448.

Der Skandal ergibt sich bei Betrachtung der unten ersichtlichen hellblauen Kurve der freien Betten: Die freien Betten betrugen am 18. Juni 2020 10.362 – und betragen am 30. Dezember 2020 nur noch unglaubliche 3771.

Die Zahl der angeblichen “Corona-Fälle”, jedenfalls positiv auf SARS-CoV-2 Getesteten, aber keineswegs DESHALB im Krankenhaus sich befindlichen Personen betrug am 18. Juni 394. Am 30.12. ist die Zahl 5631.

Da stellt man sich die Frage, was mit all den anderen Menschen auf den Intensivstationen passiert ist, denn am 18. Juni lagen ja MEHR Menschen auf Intensivstationen als am 30. Dezember 2020.

Handelt es sich hierbei um ein zynisches Auslagern von Patienten? Um eine unsagbare Panikindustrie, die Menschen suggeriert, bei Schmerzen, die nicht sofort tödlich sind, besser zu Hause zu bleiben, anstatt ins Krankenhaus zu fahren?

Wo sind diese ca. 5000 Patienten hin, die am 18. Juni noch auf ICUs lagen und jetzt alle durch Corona “ersetzt” sind? Handelt es sich gar um die gleiche Art von Patient, nur dass jetzt viel mehr auf SARS-CoV-2 getestet wird, auch wenn der Patient oder die Patientin wegen einem Krebsleiden im Endstadium auf der Intensivstation liegt und erst dort positiv auf dieses Virus getestet wurde, also überhaupt kein “Covid-Fall” ist?

Jedenfalls ist der einzige Skandal, die einzige Krise, die es tatsächlich gibt, eine der Verknappung. Eine offenkundig absichtlich herbeigeführte Verknappung an frei verfügbaren Intensivbetten, weil kein Personal verfügbar ist. Für dieses kriminelle Verhalten sind die Krankenhausgesellschaften, die Betreiber und die Politik in Haftung zu nehmen.

Hätten wir seriöse und professionell betriebene Krankenhäuser und eine seriöse Politik, gäbe es weiterhin wie im Juni über 10.000 freie Intensivbetten.

Doch am 30. Dezember haben wir zwar noch weniger Patient*innen als am 18. Juni, aber nur noch 3771 statt 10.362 freie Intensivbetten. Diese gut 6500 fehlenden Intensivbetten sind der Skandal.

Mit Corona hat das überhaupt gar nichts zu tun.

Update 31.12.2020:

Siehe hierzu auch diese Grafik:

Abschließende und weiteführende Thesen:

  1. Die Regelungen und (Fehl-)Anreize im Bevölkerungsschutzgesetz schaffen die obigen Anreize, die Argumente (Sinkende freie Kapazitäten) zur Begründung der Maßnahmen wie Lockdown und Ausgangssperren liefern.
  2. Wer solche schlechten Anreize (bewusst) setzt, der ist an einer Verschärfung
  3. Fokussierung auf die Beatmung/ Finanzielle Anreize für möglichst frühe, lange künstliche Beatmung und die Ausstattung mit Beatmungsgeräten, trotz Erkenntnissen, dass Beatmung negativ ist, siehe https://t.me/bitteltv/954 und https://youtu.be/TzTr_RjtgUk
  4. Die Gewinner der obigen Anreize sind:
  • Große Kliniken, die die geforderten Bedingungen für den Erhalt von zusätzlichen finanziellen Mitteln erfüllen. Kleine Kliniken sind (absichtlich?) die Verlierer. Dies passt in die Konsolidierungswelle, welche z.B. Lobbyorganisationen wie die Bertelsmann-Stiftung seit Jahren für Ihre Eigentümer & Geldgeber propagieren.
  • Kliniken, die auf Beatmung setzen.”

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Corona-Panikindustrie und Coronapolitik-Kritiker Hand in Hand: Leugnen der Präzedenzlosigkeit der Shoah im Deutschlandfunk und bei Corodok

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 29. Dezember 2020

Inhalt:

Antisemitismus und Holocaustverharmlosung beim Deutschlandfunk          1

Vordenker von DLF und Corodok: Césaire, Mbembe und der postkoloniale Antisemitismus  2

Achille Mbembe, ein Antisemit? Postkolonialismus und Antisemitismus      3

Nolte und seine Enkel 12

Leopoldina      13

Jenseits von DLF und Corodok: Nie wieder Deutschland      13

 

Antisemitismus und Holocaustverharmlosung beim Deutschlandfunk

Der Deutschlandfunk ist ein Kernelement der Corona-Panikindustrie. Seit Anfang März 2020 strahlt auch diese ARD-Sendeanstalt eine Panik aus, wie wir sie seit dem Ende des Nationalsozialismus nicht mehr erlebt haben. Natürlich gibt es hin und wieder auch etwas kritische Stimmen, aber der Haupttenor ist eindeutig: Merkel und die Politik machen das schon sehr gut und Kritiker sind tendenziell rechts, Verschwörungswahnsinnige, Nazis, Esoteriker, Covidioten, Impfgegner oder Coronaleugner. Das ist alles ganz einfach.

Den Antisemitismus der Corona-Szene kann man wissenschaftlich untersuchen, wie ich das in dem Buch „Gefährderansprache“ getan habe. Allerdings ist da entscheidend, in welchem Verhältnis und wie seriös man das tut. So sind in diesem Buch von 380 Seiten ca. 30 Seiten den verschwörungsmythischen und antisemitischen Tropen der Querdenken-Szene gewidmet, der Rest beschäftigt sich mit den viel gefährlicheren Tendenzen der Politik von Söder, Kretschmann, Michael Müller, allen Landesregierungen und der Bundesregierung, den Medien, der Öffentlichkeit.

Diese antisemitischen Teile der “Querdenken”-Bewegung haben keine Macht, keine Regierungsgewalt und bestehen aus nicht mehr antisemitischen Wirrköpfen wie wir sie schon seit vielen Jahren kennen – nehmen wir 9/11 als Startpunkt für eine besonders große antisemitische Verschwörungsszenerie, die jetzt wieder besonders viel Aufmerksamkeit bekommt durch “Querdenken”.

Das ist übel genug, aber der sich selbst als aufgeklärt dünkende Mainstream sieht die Querdenken-Bewegung als die größte Gefahr für das Land – und da ist die Lockdown-Politik eben die viel größere Gefahr, auch für die Gesundheit, denn ohne Geld wird das Gesundheitssystem noch weiter ausgetrocknet und der unerträgliche Status Quo des kapitalistischen Gesundheistsystems bleibt erhalten. Mehr Geld könnte ein besseres und nicht auf Rentabilität basierendes Gesundheitssystem bringen.

Antisemitische Gewalttäter gab es schon lange vor 2020, das brachte in dieser Hinsicht nichts Neues. Aber die Gewalt des Lockdowns und des Maskenwahnsinns, die sehr wohl viele Menschen in die Verzweiflung und in den Tod treiben kann, die ist neu und gefährlicher als verschwörungswahnsinnige Trottel, die es vor allem seit dem 11. September 2001 zu Millionen gab und eben weiterhin gibt.

Ich zeige auch, dass Prof. Hendrik Streeck, der eigentlich ein Kritiker der Panikindustrie sein möchte, dem Geschwätz vom Verschwörungswahnsinn, unter letzteren fällt nämlich  in diesem Beispiel Streecks so gut wie jede abweichende Meinung (!) (während er echte Verschwörungsmythen wie aus Iran oder von Islamisten und Neonazis in den USA nicht einmal erwähnt), auf den Leim geht in einem Interview mit der Deutschen Welle bzw. der Fuldaer Zeitung.

Während nun also der DLF primär Teil der unwissenschaftlichen und antidemokratischen Panikindustrie ist, möchte er in einem aktuellen Beitrag gerade den Namensgeber des Robert Koch-Instituts näher untersuchen. Robert Koch war ein Kolonialist bzw. im deutschen Kolonialreich aktiv. So berichtet Julia Amberger am 26. Dezember 2020, zur kuschligen Weihnachtszeit:

Robert Koch und die Verbrechen von Ärzten in Afrika

Zu Kolonialzeiten war es üblich, dass Forscher skrupellos mit Afrikanern experimentierten, allen voran die Deutschen. Auch Robert Koch zwang kranke Menschen in Konzentrationslager und testete an ihnen neue Gegenmittel. Die Gräueltaten der kolonialen Tropenmedizin wirken bis heute.

Nun ist es wichtig, sich mit den Kolonialverbrechen zu befassen, das wird in der Wissenschaft auch seit Jahrzehnten getan. Auch viele politische Gruppen beschäftigen sich damit. Doch in der gesamten Diskussion wird fast immer, seit dem postkolonialen Vordenker Aimé Césaire, wie wir gleich sehen werden, der Holocaust verharmlost und dessen spezifische und unvergleichbare Dimension weggewischt.

Amberger und der DLF schreiben ganz ernsthaft:

Deutsche Ärzte erproben an Afrikanern, was sie später an Juden perfektionieren

Die Kolonialmedizin sollte nicht Menschen in Not helfen. Sie diente dem ökonomischen Aufschwung der Kolonie – und neuen Erkenntnissen für die deutsche Wissenschaft und die Pharmaindustrie. Deshalb haben die Kolonialärzte auch den Menschen ohne Grund extrem schmerzhafte Öl- und Salzlösungen gespritzt oder sie in der Wüste ausgesetzt, um zu sehen, wie lange sie dort überleben. Jahrzehntelang verbargen sich diese Horrorgeschichten hinter den Verbrechen des Naziregimes in den KZs. Derweil haben die deutschen Ärzte an Afrikanern erprobt, was sie später an Juden, Homosexuellen und politischen Gegnern perfektionierten. Eckart:

Es gibt keine unmittelbaren Analogien zu den Vernichtungslagern im zweiten Weltkrieg, beziehungsweise während der nationalsozialistischen Diktatur. Aber wenn man sich die Struktur dessen ansieht, was dort geschah: Die Humanexperimente in einer Sondersituation der Unfreiheit, die vollkommene Abhängigkeit, die körperliche Abhängigkeit in ihrer absoluten Totalität, der Aspekt, dass Todesfälle in Kauf genommen wurden – dann muss man schon sagen, dass diese Lager den späteren Vernichtungslagern beziehungsweise den Konzentrationslagern in gewisser Weise glichen. Hinzu kommt, dass es personale Kontinuitäten gab.

Der Kronzeuge in diesem Zitat ist der Historiker Wolfgang Eckart von der Universität Heidelberg. Er sagt, dass man zwar angeblich „keine unmittelbaren Analogien zu den Vernichtungslagern“ im Zweiten Weltkrieg ziehen dürfe, aber irgendwie halt doch – denn er sagt im gleichen Atemzug:

Die Humanexperimente in einer Sondersituation der Unfreiheit, die vollkommene Abhängigkeit, die körperliche Abhängigkeit in ihrer absoluten Totalität, der Aspekt, dass Todesfälle in Kauf genommen wurden – dann muss man schon sagen, dass diese Lager den späteren Vernichtungslagern beziehungsweise den Konzentrationslagern in gewisser Weise glichen.

Das ist falsch und eine sekundär-antisemitische Reaktionsweise. Sekundärer Antisemitismus ist bekanntlich nach Adorno und Peter Schönbach ein Schuldabwehr-Antisemitismus. Die Schuld wird hier abgewehrt indem sie universalisiert wird. Das Spezifische, nie Dagewesene der Shoah wird negiert.

Es gab vor dem Nationalsozialismus und Hitler zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit die Idee und die konkrete Politik, ein ganzes Volk zu vernichten, nie zuvor wurden Millionen Menschen zu keinem anderen Zweck wie der Vernichtung deportiert. Die Juden wurden aus Paris, Heidelberg, Griechenland oder Polen deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet. Das Skandalöse an Wolfgang Eckart ist die Tatsache, dass er sogar explizit von den „späteren Vernichtungslagern“, also Auschwitz, Majdanek, Sobibor, Treblinka, Kulmhof, Belzec spricht. In der Holocaustforschung wird das Präzedenzlose dieser Vernichtungslager und des Holocaust seit Jahrzehnten betont, von Raul Hilberg über Yehuda Bauer hin zu Daniel J. Goldhagen, Robert Wistrich oder Jeffrey Herf.

Die Coronapolitik-Kritik goes Holocaustverharmlosung

Der eben zitierte Beitrag des DLF vom 26. Dezember 2020 wird von der der Coronapolitik kritisch gegenüberstehenden Internet-Seite Corodok geradezu freudestrahlend am 29.12.2020 angepriesen, was tief blicken lässt:

Ob es an der DKP- und junge Welt-Nähe des Corodok-Machers Artur Aschmoneit liegt oder daran, dass der Kronzeuge des DLF, Prof. Wolfgang Eckart, angeblich früher als Student beim MSB-Spartakus war (so Wikipedia ohne Quelle), das ist hier nicht so relevant, könnte gleichwohl auf das Erbe von Hans Mommsen hindeuten, der zeitlebens den Antisemitismus herunterspielte.

Wie Mommsen suchen auch typische linke oder linksliberale und Mainstream-Protagonisten nach Kontinuitäten bürgerlicher Herrschaft, um auf keinen Fall das Spezifische des Judenhasses zu untersuchen.

Es geht in diesen Kreisen immer um rationale Gründe für den Judenmord, um Analogien, Zufälle, Traditionen, um ein Sich-Hochschaukeln oder um Tendenzen und Zwänge, aber nie um die alles entscheidende DNA der Deutschen, die antisemitisch ist, wie jüngst wieder Henryk M. Broder festhielt – “Der Antisemitismus gehört zu Deutschland, er ist Teil der deutschen DNA, wie die Liebe zum Wald und die Angst vor dem Weltuntergang. Weil der Antisemitismus wie eine Sinus-Kurve verläuft, entsteht ab und zu der Eindruck, als habe er sich aus der Realität verabschiedet. Nur – bei der nächsten Gelegenheit ist er wieder da, pumperlgesund und zu allen Schandtaten bereit” -, und was vielen in der rechten bis sehr rechten Leserschaft von Achgut übel auffiel (ich zitiere solche no-name Kommentare hier nicht, aber sie diffamierten Broder grade wegen diesem Hinweis auf die deutsche DNA).

Vordenker von DLF und Corodok: Césaire, Mbembe und der postkoloniale Antisemitismus

Die postkoloniale Ideologie, das Präzedenzlose, nie zuvor Dagewesene des Holocaust zu leugnen, geht auf Aimé Césaire zurück, dem vor einigen Jahren in Paris ein zentraler Quai, eine große Straße unweit des Louvre und direkt am Ufer der Seine im ersten Arrondissement gewidmet wurde.

Foto: Privat

Ich schrieb 2018 in dem Buch „Der Komplex Antisemitismus“ das Kapitel „Achille Mbembe, ein Antisemit? Postkolonialismus und Antisemitismus“. Damit klar wird, warum der Deutschlandfunk und die unter Kritiker*innen der Coronapolitik beliebte Seite Corodok (1 Mio Zugriffe in einem Monat), die gerade auch den antisemitischen Aspekt des DLF-Beitrags anpreist, problematisch und unwissenschaftlich agieren, sei etwas tiefer in das Thema Postkolonialismus und Antisemitismus eingestiegen und mein Kapitel aus diesem Buch wiedergegeben.

Achille Mbembe, ein Antisemit? Postkolonialismus und Antisemitismus

Der mit 100.000 Euro dotierte Gerda Henkel Preis geht 2018 an den Politikwissenschaftler und postkolonialen Theoretiker Achille Mbembe.[1] In einem Buch zu „Postkoloniale Theologien“ von 2018 heißt es in einem Text des Theologen Michael Nausner[2] von der Theologischen Hochschule Reutlingen:

Ich glaube, die Situation, die wir heute in Europa und nicht zuletzt in Deut­schland vorfinden, wurzelt unter anderem auch in den Umständen, die Mbembe mit conditio nigra bezeichnet. Der Antisemitismus ist in Deutschland aus­führlich und vielfältig analysiert worden. Aber diejenigen Aspekte des Antisemitismus, die im kolonialen Denken wurzeln, sind noch immer weit­gehend unbekannt. Dabei würde ein ‚Zusammendenken der Gräueltaten des Ko­lonialismus sowie des Dritten Reichs […] erheblich dazu beitragen, ein nuan­ciertes Verständnis dafür zu entwickeln, ob und inwieweit der Kolon­ialismus und die Shoah als Fehler, die das Scheitern der europäischen Aufklärung signalisieren, wahrgenommen werden können oder ob beide Ereignisse eher als Teil des Projekts der Modern[e] zu verstehen sind.‘“[3]

Dieses Zitat im Zitat ist von Achille Mbembe aus seinem Band „Kritik der Schwarzen Vernunft“.[4] Diese Kritik an der Moderne kommt über 70 Jahre zu spät, die Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Ad­or­no von 1944/47 hat dieses Verhältnis von Aufklärung und Regression, Moderne und Nationalsozialismus analysiert, wie ich in Kapitel 2 zeige, wo ich auch versuche, die Grenzen dieser Analyse angesichts der Forschung von Daniel J. Goldhagen herauszuarbeiten. Vor allem aber wird in dem Zitat suggeriert, der Antisemitismus habe Elemente, die „im kolonialen Denken wurzeln“. Dieser Hypothese gilt es auf den Grund zu gehen, denn sie scheint der Kern vieler postkolonialer Theoretiker*innen zu sein. Namentlich für Achille Mbembe scheint sie, so Nausner, zentral zu sein. Für Nausner ist Mbembe

so etwas wie ein afrikanisches Pe[n]dant zum europäischen Henning Mankell, der kürzlich verstorben ist und viele Jahre lang den Sommer in Schweden und den Winter in Mosambik verbracht hat[5] –,

wenn Mankell nicht gerade auf dem antiisraelischen Terrorschiff Mavi Marmara auf dem Mittelmeer schipperte, sollte man hinzufügen.[6] Es geht Naus­ner um die „Hybridität der Kulturen“.[7]

Für was steht Mbembe? In seinem Buch „Kritik der schwarzen Vernunft“ analysiert und kritisiert der kameruner Politologe Achille Mbembe die Gewalt des Kolonialismus und des Rassismus. Zu Recht attackiert er sowohl den Islam wie das Christentum und den Kolonialismus als universalistische Ideo­logien, die Afrika unter sich aufteilt­en, auch wenn das Wort „Ideologie“ kaum auftaucht und er eine französisch-post­struk­tur­a­list­ische Sprache in An­lehn­ung an Fou­cault, Deleuze, Guattari, Leiris u.a. benutzt. Die Ge­walt­för­mig­keit des „Neger“-Daseins, Mbembe verwendet absichtlich das Nomen „Neger“, wird plastisch und bedrückend dargestellt. Es ist nur so, dass Mbe­m­be im Rassismus und Kolonialismus die einzige und die Welt beherrschende Ide­o­logie sieht.

Die rassistische Unterwerfung über Jahr­hun­derte von Schwarzen oder people of colour sei das Muster für jede Form der Unterdrückung. Im heut­igen digitalen Fingerabdruck- und Augen-Iris-Speich­er­feti­schismus sieht er ein rassistisches Moment (z. B. das Suchen von Ge­flüchteten) und nicht etwa ein faschistoid-technisches Element von Herr­schaft. Das wird alles zusammen mit einer arg altmodischen Form von Kapi­ta­lis­muskritik vermischt.

Für die Antisemitismusforschung gilt es, Mbembe kritisch zu lesen. Es geht um folgende Stelle in seinem Band „Kritik der schwarzen Vernunft“, die alles auf den Punkt zu bringen scheint. Er bezieht sich auf den auf der karibischen Insel Martinique geborenen Schriftsteller, Politiker und Mitbegründer der „Négritude“ Aimé Césaire (1913–2008), und schreibt:

Was der Westen Hitler nicht verzeihe, sei ‚nicht das Verbrechen an sich, das Verbrechen gegen den Menschen […], nicht die Erniedrigung des Menschen an sich, sondern das Verbrechen gegen den weißen Menschen, die Erniedrigung des weißen Menschen, und dass er, Hitler, kolonialistische Methoden auf Europa angewendet hat, denen bislang nur die Araber Algeriens, die Kulis Indiens und die Neger Afrikas ausgesetzt waren‘.[8]

Dieses Zitat steht für weite Teile der postkolonialen Forschung und indiziert einen postkolonialen Antisemitismus: Es leugnet, dass die Shoah ein nie dagewesenes Verbrechen war. Juden wurden demnach nicht als Juden, sondern als „Weiße“ ermordet.

Somit leugnet Achille Mbembe in Anschluss an Aimé Césaire, dass die Shoah ein Verbrechen gegen die Juden als Juden war. Vielmehr werden Juden als „weiße“ Opfer bezeichnet, also als koloniale Täter, die Opfer anderer kolonialer Weißer wurden. Diese Perfidie ist zentral für fast die gesamte postkoloniale Literatur. Mbembe bezieht sich – wie wir sehen werden: paradigmatisch wie sehr viele postkoloniale Autor*innen – auf Aimé Césaire.

Nach Césaire ist sogar eine Straße im Herzen von Paris benannt, direkt um die Ecke vom Louvre an der Seine gelegen: der Quai Aimé Césaire im ersten Arrondissement, der am 26. Juni 2013 eingeweiht wurde.

Das zeigt, wie Césaire und das postkoloniale Denken hier und heute in Europa Mainstream ist. Achille Mbembe steht für den postkolonialen Zeitgeist, der sich selbst als „gut“ und kritisch empfindet und gar nicht zu merken scheint oder nicht merken möchte, dass der Ansatz auf einer antisemitischen Trivialisierung der Shoah basiert.

Auch Frantz Fanon (1925–1961) ist eine zentrale Quelle Mbembes. Fanon verglich in seinem Buch Schwarze Haut, weiße Masken den Rassismus gegenüber Schwarzen mit dem Antisemitismus und erinnerte an seinen Philosophielehrer von den Antillen, der meinte, er sollte achtgeben, wenn jemand etwas gegen Juden habe, da Antisemiten unausweichlich auch Rassisten seien. Das ist wissenschaftlich problematisch und ignoriert, dass auch viele Schwarze Antisemiten sind und sein können, ohne zwingend rassistisch zu sein.

Darüber und zu den Schwierigkeiten für Juden in der postkolonialen Theoriedebatte schreibt 2016 der israelische Literaturwissenschaftler Efraim Sicher.[9] Neben seiner Analyse von Fanon geht er auf den amerikanischen Menschenrechtsaktivisten W.E.B. Du Bois (1868–1963) ein, der von einem Jahrhundert des Rassismus sprach (1850–1950) und damit offenkundig den Holocaust mit einbegriff, was falsch ist und den Holocaust in seiner Präzedenzlosigkeit negiert. Der britische Soziologe Paul Gilroy sehe ebenso „Affinitäten zwischen Schwarzen und Juden“ und stelle Vergleiche von „Kolonialismus“ mit dem „rassischen Antisemitismus“ an.[10]

Seit den 1980er Jahren hat der Postkolonialismus die Debatte über die Geschichte auf den Kopf gestellt, so Sicher.[11] Antisemitismus wird seither und bis heute in Schul- und Lehrbüchern international als ein „Modell des europäischen Rassismus“ betrachtet, der wiederum aus dem „Nationalstaat“ und „totalitärer Ideologie“ entstanden sei. Und so argumentiert die postkoloniale Ideologie, der Zionismus sei schuldig, weil er ein „exklusiver Nationalismus“ sei. Der „antizionistische Historiker Ilan Pappe nennt diese mystische Umwandlung die ‚Transsubstantiation‘ der Juden von den Kolonisierten zu den Kolonisierern“ und der Philosoph Slavoj Zizek „beschuldigt den ‚Zionismus‘ sowohl am Nazismus wie am Antisemitismus schuld zu sein“, so Efraim Sicher.[12]

Die Palästinenser seien jetzt „der Andere“, ja sie seien zum „Juden“ geworden, wie schon 1920 der Schriftsteller T.S. Eliot (1888–1965) in seinem Stück „Gerontion“ schrieb, was der postkoloniale Vordenker Homi Bhabha 1998 aufgriff.[13]

Wie Sicher analysiert, basieren weite Teile postkolonialer Theoriebildung auf der Annahme, der Holocaust habe nicht primär etwas mit der Geschichte des Antisemitismus, sondern mit dem europäischen Kolonialismus zu tun, dessen „erstes Laboratorium“ der „belgische Kongo“ gewesen sei.[14]

Das ist grundfalsch und leugnet wiederum jedwede Spezifik des Antisemitismus wie die Präzedenzlosigkeit der Shoah. Diese Stilisierung des Kolonialismus zum zentralen Konflikt der modernen Geschichte und somit der Schwarzen zu dem Objekt des europäisch-amerikanischen Kolonialismus bzw. kapitalistischen Imperialismus ist auch zentraler Teil im Werk des Autors Heiner Müller, der sich selbst zum (Zitat) „Ich bin ein Neger“ stilisierte, und somit postkoloniale Theorie fürs Theater schon vor der Mode des heutigen Postkolonialismus promotete.[15]

Im Jahr 2017 begann eine Kontroverse über die Verharmlosung des Holocaust durch die postkoloniale Theorie, wobei der Journalist Alan Posener dem Historiker Jürgen Zimmerer vorwirft, mit seiner Forschung den Holo­caust zu verharmlosen:

Der Historiker Jürgen Zimmerer stellt die Auslöschung des europäischen Judentums in die Tradition des europäischen Kolonialismus. Dadurch miss­ver­steht er den Holocaust und relativiert ihn.[16]

Der Ausgangspunkt, die Geschichte des Kolonialismus, die Posener eher positiv oder aber dialektisch sieht, wäre eine eigene Studie wert. Es geht hier um die Kritik an der Verharmlosung der Shoah durch den Postkolonialismus. In einem dann folgenden Gespräch von Posener mit Zimmerer, organisiert von der Wochenzeitung Freitag und dessen Herausgeber Jakob Augstein und dem Journalisten Michael Angele, lehnen sich die beiden Freitag-Journalisten an eine antisemitische Ideologie an und sagen:

Man kann das mit der Einzigartigkeit aber auch ganz anders sehen, oder? Die aus Jamaika stammende Kulturhistorikerin Imani Tafari-Ama kümmert sich gerade in Flensburg um die Kolonialgeschichte dieser Handelsstadt, und sie hat neulich gesagt, die Europäer müssten anerkennen, dass die Verschleppung der Afrikaner im Zuge des transatlantischen Sklavenhandels das größte Ver­brechen in der Menschheitsgeschichte sei – größer als der Holocaust. Off­en­bar hängt der Blick auf die Geschichte auch davon ab, welchem Kulturkreis man angehört.[17]

Darauf antwortet Posener:

Es gibt keinen ‚weißen‘ oder ‚schwarzen‘, ‚jüdischen‘ oder ‚christlich­en‘ Blick auf den Holocaust; es gibt, wenn wir von Wissenschaft reden, und hier ist von einer Wissenschaftlerin die Rede, nur den wissenschaftlichen Blick auf den Holocaust. Und ‚das mit der Einzigartigkeit‘ des Holocausts kann man eben nicht ‚ganz anders sehen‘, bloß weil man aus Jamaika stammt.[18]

Die jamaikanische Kulturwissenschaftlerin Imani Tafari-Ama, von Juli 2017 bis März 2018 Fellow am Flensburger Schifffahrtsmuseum mit dem Projekt „KulturTransfer. Unser gemeinsames Kolonialerbe“, unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes in deren Programm „Fellowship Internationales Museum“,[19] wurde in der taz Gelegenheit zur Verbreitung ihrer antijüdischen, den Holocaust als präzedenzloses Verbrechen leug­nen­den Un­ge­heu­er­lich­keit­en gegeben:

Wenn ich Deutsche nach ihrer kolonialen Schuld befrage, heißt es oft, das kollektive Gedächtnis sei eben mit dem Holocaust viel zu sehr beschäftigt gewesen. Der habe alles andere verdrängt. Das mag stimmen. Trotzdem bleibt der Genozid an den Herero und Nama in Namibia bestehen; trotzdem bleiben die Unt­er­drück­ungs­maßnahmen in Togo, in Ruanda, in Tansania, in Kamerun – oder eben auf den Jungferninseln – Verbrechen, für die jemand haften muss. Die Europäer müssen anerkennen, dass die Verschleppung der Afrikaner das größte Verbrechen in der Men­schheitsgeschichte ist, größer noch als der Holocaust.[20]

Das ist eine offenbar im Mainstream angekommene neue Form der Holo­caust­leugnung, der Softcore-Variante, wie die Historikerin Deborah Lipstadt sagen würde. Das „größte Verbrechen der Men­sch­heits­ge­schichte“ sei der transatlantische Sklaven­handel und der Kolonialismus ge­wes­en – und nicht der Holocaust. Das ist eine antisemitische Geschichtsumschreibung. Im Kolon­ia­lis­mus wurde kein Volk aus keinem an­der­en Grund, als es zu vernichten, ver­nichtet.

Es gab kein cui bono in der Shoah. Die Sinnlosigkeit war das Unaussprechbare, das Unvorstellbare, der Bruch jeglichen zivilisatorischen Ver­trauens. In der Sklaverei hingegen, so schrecklich und verabscheuenswert sie war, war das Ausbeuten lebendiger Arbeitskraft Kern des Verbrechens. Es ging um Profit und Macht. Nicht so im Holocaust, der auf einer anderen Grundlage basiert: dem Antisemitismus, der kein bloßer Rassismus ist, sondern panische Angst vor „dem“ Juden anzeigt. Die postkoloniale Agitatorin Tafari-Ama scheint sehr wohl zu wissen, was sie tut, sie möchte einen Trend setzen und Juden und Holo­caust­üb­er­leb­en­de sowie deren Nach­kom­men provozieren, indem sie den Sklavenhandel als das größte Ver­brechen der Geschichte der Menschheit herbeifantasiert. Sie tri­vi­a­li­siert den Holocaust und die taz scheint das zu billigen, denn sie publizierte diesen Text ohne kritischen Kommentar. Doch Tafari-Ama fühlt sich wohl irgendwie als links und gut. Als Schwarze wähnt sie sich jenseits der Kritik.

Die Zeitschrift Peripherie („Politik Ökonomie Kultur“) teilt diese Form des postkolonialen Antisemitismus. In der Ausgabe 146/147 von August 2017 schreiben Aram Ziai und Daniel Bendix:

Ein entsprechendes ‚Pro und Kontra Kolonialismus‘-Tabu gilt in der heutigen BRD nicht. Aimé Césaire hat es schon 1955 gewusst: Weiße Opfer, zu denen er Jüd*innen zählte, scheinen (zumindest für die meisten Weißen) gleicher als andere. Des­wegen wurden nicht die kolonialen Völkermorde, sondern erst der Völkermord im Nationalsozialismus von der westlichen Welt als ‚Zivi­li­sat­ions­bruch‘ wahr­ge­nom­men (Diner 1996).“[21]

Wiederum wird hier Aimé Césaire bemüht und mit seinem oben angeführten skandalösen Ideologem zitiert. Juden als „weiße“ Opfer zu bezeichnen und damit den eliminatorischen Anti­semi­tismus rassismustheoretisch zu neg­ieren, ist unglaublich. Sie leugnen mehrfach das Nie-Dagewesene der Ver­nicht­ung eines ganzen Volkes, der Juden. Sie sind keine Au­sch­witz­leugner, sondern leugnen, dass es so etwas wie die Shoah nie zuvor gegeben hat.

Sie wollen den Begriff „Zivi­li­sat­ions­bruch“ vor­ver­legen und damit negieren, dass es vor Auschwitz, Sobibor, Treblinka, Belzec, Majdanek und Kulmhof niemals in der Ge­schichte der Menschheit Fabriken zur Ver­nicht­ung von Menschen gab. Sie stellen also in Abrede, dass die Juden als Volk ausgerottet werden sollten, was es nie zuvor in der Weltgeschichte gab. Es ging um die Vernichtung eines Volkes aus keinem anderen Grund, als dem, dem Volk der Juden anzugehören. Nichts dergleichen ist jemals im Kolonialismus oder einer anderen Zeit auf der Welt passiert.

Aram Ziai ist hingegen auch Herausgeber eines Buches über Postkoloniale Poli­tikwissenschaft (2016).[22] Seine Obsession, Auschwitz mit dem Kolonia­lis­mus kurzzuschließen und somit in seiner Präzedenzlosigkeit zu leugnen, zeigt sich auch hier, gleich auf Seite zwei seiner Einleitung:

Auschwitz, Wannsee-Konferenz, Vernichtungskrieg im Osten, Nürnberger Rassegesetze – das sind alles Begriffe, die wir aus dem Geschichtsunterricht kennen. Aber dass auf der Berliner Afrika-Konferenz 1884 Bismarck und andere Europäer den ganzen Kontinent unter sich aufteilten – wer weiß das schon?[23]

Schließlich trivialisiert Ziai Auschwitz und Sobibor und die Shoah ein weiteres Mal, wenn er schreibt, dass Gier und Raub Zweck der Aktion gewesen sein könnten:

Die Diskussion über die Singularität des Holocaust kann hier nur angerissen werden. Über die Singularität jedes historischen Ereignisses hinaus ist aus der Perspektive einer vergleichen Genozidforschung festzuhalten, dass der Holocaust hinsichtlich der Bürokratisierung und Industrialisierung des Massenmordes tatsächlich historisch einzigartig ist (Chalk/Jonassohn 1990). Hinsichtlich der Brutalität seiner Praktiken kann dies erschreckenderweise nicht be­haupt­et werden. Auch die (vom Verfasser früher selbst vertretene) These, dass die Vernichtung der Juden durch die Nazis im Unterschied zu anderen Genoziden nicht Mittel zum Zweck, sondern Zweck an sich war, muss angesichts der Forschungen zum mit Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung verbundenen Raub (z. B. Aly 2005) als umstritten gelten.[24]

„Umstritten“ ist die Analyse der Sinn- und Zwecklosigkeit des Holocaust nur unter Verharmlosern der Shoah. Das obige Zitat ist undurchdacht und konzediert lediglich aus taktischen Gründen, wie es scheint, dass die „Industrialisierung des Massenmordes tatsächlich historisch einzigartig ist“ – was aber gleich wieder dementiert wird, indem der Autor die Sinnlosigkeit der Vernichtung der Juden in Frage stellt und ökonomische Vorteilnahme vermutet, wie bei unzähligen Verbrechen in der Geschichte der Menschheit.

Die beiden postkolonialen Agitatoren der Peripherie, Ziai und Bendix, sind repräsentative Vertreter des heutigen Post­kolo­n­ialis­mus.[25] Noch einmal: Die beiden Autoren negieren, dass es die geplante und durchgeführte Vernichtung eines Volkes ohne jedweden militärischen oder ökonomischen Aspekt niemals zuvor gab:

Aimé Césaire hat es schon 1955 gewusst: Weiße Opfer, zu denen er Jüd*innen zählte, scheinen (zumindest für die meisten Weißen) gleicher als andere. Des­wegen wurden nicht die kolonialen Völkermorde, sondern erst der Völk­er­mord im Nationalsozialismus von der westlichen Welt als ‚Zivi­li­sat­ions­bruch‘ wahr­ge­nom­men.[26]

Sie behaupten damit, dass die Shoah nicht präzedenzlos war, denn es habe schon zuvor den „Zivilisationsbruch“ gegeben. Diese Leugnung der Prä­ze­denz­los­igkeit wird von der Redaktion durch­gewunken und unterstützt, also auch von dem Redaktionsmitglied Reinhart Kößler.[27] Das ist be­merk­enswert, weil er beim Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main als stellvertretender Direktor des Päd­ago­gisch­en Zentrums angestellt ist.[28]

Das Fritz Bauer Institut selbst intoniert jedoch diese Form der Holocaustverharmlosung via Komparatistik und Universalisierung, indem im Jahrbuch zur Geschichte und Wirkung des Holocaust von 2004 mit dem Titel Völkermord und Kriegsverbrechen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in der Einleitung ausgeführt wird:

Zurück nach Europa: Hier waren es keine Kolonialvölker, sondern Teile der eigenen Bevölkerung, die vom Hitler-Regime stigmatisiert, ausgegrenzt und schließlich ermordet wurden. Ähnlich und doch gänzlich unterschiedlich verfuhr die sowjetische Regierung mit den Bevölkerungsteilen, die ideologisch verfemt und angeblich ökonomisch überflüssig waren. Auch hier, beim so genannten ‚Hunger-Genozid‘ in Teilen der Sowjetunion, vor allem in der Ukraine, diente die gewollte Dezimierung weiter Bevölkerungsteile, wieder unter den Augen der Weltöffentlichkeit, der Durchsetzung einer Ideologie, die Menschen nicht nach ‚Rassen‘, aber nach ‚Klassen‘ einteilte.[29]

Diese Gleichsetzung von Rot und Braun trivialisiert den Nationalsozialismus auf bekannte Art und Weise, das ist die Ideologie der Rechten, aber auch vom deutschen Mainstream: Joachim Gauck, der Super-GAUck für dieses Land im Jahr 2012.

Jegliches Verständnis für das Nie-Dagewesene der Vernichtung eines Volkes, der Juden, geht hier im Orkus der Weltgeschichte unter. Die Juden seien nicht als Juden ermordet worden, sondern als „Weiße“, so die Ideologie vieler schwarzer Aktivist*innen im Zuge Aimé Césaires, wie dem eingangs zitierten Achille Mbembe oder auch der beiden Publizisten Henning Melber und Gottfried Kößler:

Der heutige namibische Premierminister Theo-Ben Gurirab hat die Weig­erung der in der Rechtsnachfolge des Deutschen Reichs stehenden Bund­es­reg­ier­ung­en, sich für das deutsche Kolonialregime, das in seinem Land von 1884 bis 1914 währte, und insbesondere für die Völkermordstrategie, mit der der land­es­weite Aufstand 1904–1907 unterdrückt wurde, auch nur zu ent­schuld­ig­en, anlässlich der Weltkonferenz gegen Rassismus im südafrikanischen Dur­ban An­fang September 2001 scharf kritisiert. Er stellte die Vermutung an, die­se sei nicht zuletzt darin begründet, dass die Opfer der deutschen Politik and­ers als im Zweiten Weltkrieg schwarz gewesen seien.[30]

Dieses Zitat möchte allen Ernstes Juden einen quasi privilegierten Opferstatus zusprechen. Das ist eine Art Holocaustleugnung der bemerkenswerten Art: Schwarze als Opfer von Weißen, Juden als „Weiße“ seien sozusagen nur zufällig zum Opfer gemacht worden. Das leugnet die gesamte Geschichte des „längsten Hasses“, des Antisemitismus. Jeglicher Versuch zu verstehen, was der Holocaust war, wird unterbunden, indem die typische Gewalt eines Kolonialstaates mit der nie dagewesenen Idee, ein spezifisches Volk zu vernichten, gleichgesetzt wird.

Das ist das immer wiederkehrende Muster der Verharmlosung der Shoah durch weite Teile der postkolonialen Forschungsliteratur. Wenn man sich anschaut, mit wie vielen Multiplikatoren das Fritz Bauer Institut und namentlich sein Pädagogisches Zentrum unter Kößler kooperiert – wie der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft (EVZ), dem Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) an der TU Berlin, der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, der Uni Frankfurt und der Bundesregierung mit entsprechenden Förderprogrammen[31] –, zeigt sich, wie unkontrovers diese Form der Verharmlosung der Shoah heute bei Aktivist*innen gegen Antisemitismus und in Akademiker*innenkreisen durchgewunken und gefördert wird. Mehr Geld für solche Forschungszentren und Projekte, wie es seit Jahren gefordert wird, könnte kontraproduktiv sein für die Erforschung und Kritik des Antisemitismus.

Die Autoren Kößler und Melber verwenden selbst das entscheidende Wort bezüglich der deutschen Kolonialpolitik in Deutsch-Süd­west­afrika und dem Mord an den Herero und Nama ab 1904: es war eine Re­aktion der deutschen Kolonialmacht auf einen „Aufstand“. Das ist einer der alles unterscheidenden Aspekte verglichen mit dem Holocaust.

Wenn ernsthaft eine Vergleichbarkeit von einer brutalen und massenmörderischen Reaktion auf einen Aufstand mit der Vernichtung der europäischen Juden durch die Deutschen formuliert wird, wird geleugnet, dass die Juden aus dem einzigen Grund ermordet worden, dass sie Juden waren. Kein Aufstand nirgends, der die Deutschen ‚provoziert‘ hätte etc. Wir kennen das hingegen von Holocaustleugnerkreisen, die eine „Kriegserklärung“ der Juden an die Deutschen herbeifantasieren, um damit jegliche Ver­nichtungsaktion der Deutschen zu rechtfertigen und als bloße Reaktion zu diminuieren.

Auch das Projekt Freiburg postkolonial publiziert Texte Kößlers, die den gleichen Duktus haben und nicht im Ansatz verstehen, warum Kolonialismus und der Holocaust nicht miteinander verbunden sind, da koloniale Gewalt z. B. eine Re-Aktion auf Aufstände war, während die Shoah grundlos war und Rassismus kategorial verschieden ist vom Antisemitismus. Kössler bezieht sich auf Zimmerer und andere einschlägige Literatur, die für dieses analytische Versagen der postkolonialen Theorie stehen.[32]

Die antizionistische Dimension weiter Teile der postkolonialen Theorie wird in dem Band Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung (2015) von Maria do Mar Castro Varela von der Alice Salomon Hochschule Berlin und Nikita Dhawan von der Universität Innsbruck sowie dem Frankfurt Research Center for Postcolonial Studies[33] deutlich.[34] Sie stellen drei der führ­enden postkolonialen Denker*innen vor: Edward Said, Gayatri Chak­ra­vorty Spiv­ak[35] und Homi Bhabha.

In ihrem Kapitel zu Said wird explizit auf seine Pro-Palä­stina-Aktivitäten eingegangen.[36] Sehr problematisch wird es, wenn sie Saids Ideologie zitieren, die arabische Seite solle den Holocaust nicht leugnen, da sie sonst schwerlich ihre eigene heutige Opferrolle betonen könne. Damit sind mit der Anerkennung der Shoah durch die Palästinenser aus Juden Täter geworden, die gegen die Palästinenser so handelten wie früher die Deutschen gegen die Juden.[37]

Der tief sitzende und in vielen Schriften Saids vorkommende Antizionismus und seine Ablehnung Israels als jüdischer Staat wird hingegen nicht erwähnt.

Zurück zur Debatte von Alan Posener mit den postkolonialen Autoren Zimmerer und Augstein et al. Es ist klar, dass einem mit antiisraelischen und antisemitischen Invektiven um sich werfenden Jakob Augstein, der nam­ent­lich 2012 das antisemitische Gedicht von Günter Grass feierte, die oben zitierte Leugnung, dass der Holo­caust das schreck­lichste Verbrechen der Geschichte der Menschheit ist, wie Tafari-Ama in der taz sagen durfte, gefällt. Also attackiert er mit seinem Kollegen Angele Alan Posener mit dieser Form des Anti­semi­tis­mus. Die Rede vom „Kultur­kreis“, so Augstein und Angele, ist schon pro­ble­mat­isch und kann das Gleiche meinen wie die Neue Rechte, die vom „Ethno­plura­lis­mus“ spricht: uni­ver­selle Werte gibt es nicht. Das scheint auch hier dahinter zu stecken.

Die Aussage von Tafari-Ama ist eine moderne Form der Holocaustleugnung, eine die nicht strafbar zu sein scheint und in der Forschung kaum je erkannt wird. Eine Softcore-Leugnung mit bestem Gewissen. Wenn der Holocaust lediglich eine Art rassistischer „Ver­schleppung“ war, dann war der Holocaust weder präze­denz­los, noch war sein Ziel, alle Juden zu ermorden, etwas Neues, Nie-Dagewesenes. Diese Auffassung ist offenkundig eine Geschichtslüge. Nie zuvor hat ein Land aus allen Teilen des Kontinents, von Paris über Athen, Berlin, Riga, Belgrad und Kiew Juden aufgespürt, deportiert und vernichtet.

Das gab es nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Sklaven wurden von Christen wie von Muslimen zu vielen Millionen qualvoll über den Atlantik oder in den Nahen Osten verschleppt – aber nicht, um sie zu ermorden, sondern um sie auszubeuten. Das ist der Unterschied ums Ganze, den postkoloniale Autor*innen, nicht sehen wollen oder können. Kein Mensch kann das Ver­brech­en der Sklaverei oder des Rassismus leugnen, wer es dennoch tut, ist rassistisch. Es ist aber ein anderes und nicht erst neuzeitliches Phänomen und in keinem Fall der Völker­mord an einem bestimmten Volk. Es war kein Völ­ker­mord, sondern brutale Ausbeutung, die häuf­ig im Tode en­dete. Kein Mass­aker der Weltgeschichte, und sie ist voll davon, hat jene Dim­en­sion wie der Holocaust.

Die Leugnung der Präzedenzlosigkeit des Holocaust ist eine sehr weit verbreitete, aber nur sehr selten erkannte, geschweige denn analysierte und kritisierte Form des Post-Auschwitz-Antisemitismus. In der Forschung ist sie ein weltweiter Trend. Die Leugnung der Einzigartigkeit der Shoah ist bei Akademiker*innen wie dem Mob auf der Straße (nicht nur im Nahen Osten oder der muslimischen Welt) weit verbreitet. Ich habe dazu in meiner Studie Antisemitism: A Specific Phenomenon von 2013 ausführlich geschrieben.[38] So nennen im Jahr 2010 zwei Forscher, David Olusoga und Casper W. Erichsen ihre Studie Kaiser’s Holocaust. Sie be­haupt­en:[39]

Our understanding of what Nazism was and where its underlying ideas and philosophies came from is perhaps incomplete unless we explore what happened in Africa under Kaiser Wilhelm.[40]

Erstens ist das falsch und zweitens nicht neu. 1975 hat der Historiker Peter Schmitt-Egner eine Studie über „Kolonialismus und Faschismus“ publiziert und Antisemitismus und den Holocaust nicht als spezifische Phänomene analysiert, sondern die kapitalistische Kontinuität behauptet.[41] Wie weit verbreitet diese Form der Verharmlosung des Holocaust ist, zeigt sich an einem Text des Publizisten Henning Melber im Jahr 1992. Melber bezieht sich auf den „Staatstheoretiker Nicos Poulantzas“ und schreibt:

Sind Völkermorde und Konzentrationslager in denselben totalitären Raum eingeschrieben und Teil der Wurzeln des modernen Totalitarismus, der die Massenvernichtung zum Bestandteil eines pervertierten Zivilisations- und Kulturverständnisses erhob, gehört die Praxis der deutschen Kolonial­herr­schaft in Südwestafrika zwischen 1884 und 1915 zu den ersten Formen einer solchen Zivilisierung durch Massenvernichtung, die im deutschen Falle ihren Höhepunkt ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der kolonialen Ära im eig­enen Land erfuhr.[42]

Damit wird die Shoah nicht nur in ihrer Präzedenzlosigkeit geleugnet, vielmehr gesagt, sie sei eine Art „Zivilisierung durch Massenvernichtung“ gewesen. Sechs Millionen Juden wurden demnach ermordet, um sie oder die Länder, in denen sie lebten und wohin sie verschleppt wurden, zu „zivilisieren“. Das ist eine Art Holocaustleugnung, da sie negiert, dass der Grund der Shoah die Vernichtung der Juden war und behauptet, es wäre um eine „Zivilisierung“ gegangen. Auch der Ausdruck „im eigenen Land“ zeigt nur, dass Melber gar nicht bewusst war, dass der SS-Staat alle Juden ermorden wollte. Herausgegeben wurde das von Wolfgang Benz im ersten Jahrbuch für Antisemitismusforschung des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der TU Berlin.

Diese postkoloniale Position Melbers wird derzeit in der Bundesrepublik vielleicht am prominentesten von Poseners Diskussionspartner im Jahr 2017, dem Historiker Jürgen Zimmerer von der Uni Hamburg, vertreten. 2003 behauptete er in einem Artikel, die „Genozide in den Kolonien“ seien in der gleichen „Kategorie“ wie die nationalsozialistische Vernichtungspolitik.[43]

2011 kam dann eine Aufsatzsammlung Zimmerers auf den Markt, die schon im Titel die Leugnung des Nie-Dagewesenen von Auschwitz intoniert, leicht verdruckst mit einem Fragezeichen versehen: „Von Windhuk nach Au­sch­witz?“[44] Er zitiert eine bekannte Stelle von 1947 des amerikanischen Bür­ger­recht­lers W.E.B. Du Bois, der wenige Jahre nach Au­sch­witz behauptete, solche Kon­ti­nui­tätslinien von Kolo­nial­ver­brech­en hin zum Holocaust seien offenkundig und die „weiße“ Welt begehe solche Ver­brech­en schon lange:

There was no Nazi atrocity – concentration camps, wholesale maiming and murder, defilement of women or ghastly blasphemy of childhood – which Christian civilization or Europe had not long been practicing against colored folk in all parts of the world in the name of and for the defense of a Superior Race born to rule the world.[45]

Neben Hannah Arendt (1951) hat demnach[46] laut Zimmerer einer der Superstars des Postkolonialismus, Aimé Césaire, 1950 diese ungeheuerliche Passage geschrieben, die ich ja oben bei anderen postkolonialen Autoren schon zitiert habe:

(…) the humiliation of man as such, it is the crime against the white man, the humiliation of the white man, and the fact that he [Hitler] applied to Europe colonialist procedures which until then had been reserved exclusively for the Arabs, of Algeria, the colonies of India, and the blacks of Africa.[47]

Der weltweite Aufschrei – welcher eigentlich genau? – nach 1945 sei pure Heuchelei, so Césaire und seine unzähligen Epigon*innen, da die weiße kolo­n­ia­listische Welt die gleichen Verbrechen, die die Deutschen verbrochen haben, schon seit sehr langer Zeit in den Kolonien begangen habe. Es wird auch davon abstrahiert, dass in der BRD das Schweigen über die Verbrechen der Deutschen das neue „Wir“ nach 1945 ausmachte.

Die Karrieren von Bischöfen, Philosophieprofessoren oder ZDF-Mitbegründern zeigen, dass antisemitische Autoren der NS-Zeit auch nach 1945 Karriere machen konnten und der Mord an den Juden kein Problem für die bundesrepublikanische Gesellschaft darstellte. Den „Aufschrei“ hat es in Deutschland überhaupt nicht gegeben.

Der Historiker Jakob Zollmann forscht zu Deutsch-Süd­west­af­rika.[48] Entgegen Zimmerer kritisiert Zoll­mann vehement die be­haupt­eten Kon­ti­nui­täts­linien vom Kolo­nia­lis­mus hin zum Natio­nal­soz­ia­lis­mus. So sei die deutsche Herrschaft in Deut­sch-Süd­west­afrika, wie es sein­er­zeit hieß, keineswegs faschistisch ge­wes­en, sondern es habe immer wieder Wid­erstand gegen die deutsche Kolo­nial­macht gegeben. Zudem habe Afrika eine eigene Geschichte, die nicht als bloße Vorläufer-Geschichte des europ­ä­isch­en Faschismus oder des deut­sch­en Nationalsozialismus betrachtet werd­en dürfe.

Zimmerers These von der „Geburt“ des „Ostlandes“ aus dem Geist des Kolonialismus[49] weist Zollmann zurück. 2007 hatte Zollmann in einem wissenschaftlichen Beitrag für die Namibian Studies[50] die deutsche Debatte über die vorgeblichen Ver­bind­ungs­linien von Kolonialismus und Nationalsozialismus kritisiert, namentlich die Publizisten Reinhart Kößler und Henning Melber. Jene würden Hannah Arendt heranziehen, um eine „direkte Beziehung zwischen dem Sied­ler­ko­lo­nia­lismus und der Nazidiktatur“ herzustellen.[51]

Die Historikerin Birthe Kund­rus ist ebenfalls zurückhaltend mit diesen Kontinuitätslinien, wie sie Zimmerer und viele nicht-deutsche Forsch­er*innen aus dem Bereich des Post­kolonialismus be­haupt­en.[52] Sie erwähnt mehrere Autoren, die jene hist­or­ische Kontinuität eben­falls betonten, wie Aram Mattioli[53] oder Micha Brumlik.[54] Kundrus kriti­siert (wenn auch moderat) ebenfalls Kößler und Melber und deren Be­haupt­ung einer direkten Beziehung von kolonialem Rassismus und Anti­semi­tis­mus.[55]

Sie bezieht sich auf den Historiker Boris Barth, der den Mass­en­mord an Herero und Nama nicht als gezielten Genozid begreift, sondern als eine „Strafaktion“, die viel brutaler ausfiel, als geplant, und zudem als eine Re-Aktion auf einen militärischen Angriff der Kolonisierten auf den Kolonisator. Das macht das Morden nicht besser, ordnet es aber kategorial anders ein.[56] Zollmann verdeutlicht noch einmal, dass das Zurückrudern von Zimmerer, er betreibe keine Gleichsetzung von kolonialem Genozid und dem Holocaust, schon an seiner eigenen Sprache scheitert, weil die von ihm verwendete Formulierung „die Geburt des Ostlands…“ doch recht eindeutig ist:

Indeed, Jürgen Zimmerer warns against, even rejects, an equation of the Holocaust with colonial genocide (…) German colonial experience is seen by Zimmerer to have acted as a cultural (re)-source (kulturelles Reservoir) from which the National Socialists would have drawn their ideas. These rather ominously formulated ideas of Zimmerer are repeated in his piece titled Die Geburt des ‚Ostlands‘ aus dem Geist des Kolonialismus. And they do not become clearer here, as the ominous title – ‚Birth of the ‚Ostland‘ conceived by the spirit of colonialism‘, demonstrates. His title gives the impression of answering a question which has been posed by those who want to emphasize the continuities, not to say causalities, Zimmerer had just denied in his article. A birth‘ has only one reason – it is monocausal by its very nature. By choosing this title, Zimmerer has described a situation of a ‚because/therefore…‘ In his understanding the spirit of colonialism is the reason for the ‚Ostland‘ – and all that has happened there, including the extermination of the Jews. No colonialism, no ideas of Germanised Eastern Europe, no Holocaust? Zimmerer’s arguments do not convince, they confuse – not only the reader, but also the issues.[57]

Auch der Historiker Winfried Speitkamp weist das Argument, Deutsch-Süd­westafrika sei ein Vorläufer des Nationalsozialismus gewesen, zurück.[58] Er kritisiert Zimmerer und dessen Kollegen Joachim Zeller, die Her­ero und Nama nur als Opfer betrachten ohne deren Widerständigkeitohne die es jenen Massenmord gar nicht gegeben hätte – entsprechend zu würdigen.

Es ging um Macht und Herrschaft und ein cui bono. All das fehlt vollkommen beim Holocaust. Der Holocaust wollte die euro­pä­ischen Juden vernichten. Alle Juden. Und das sogar entgegen der mili­tär­isch­en Logik. Den Zweiten Welt­krieg verloren die Deutschen, den Holocaust haben sie bis zum letzten Tag durchgeführt auf den Todesmärschen.

Der Historiker Dan Diner hat 1988 den Band Zivilisationsbruch[59] herausgegeben und ist mit seinem Band Gegenläufige Gedächtnisse von 2007 ein Kritiker der Analogie von Kolonialgewalt und Holocaust.[60] Diner sagt über die kategoriale Differenz von Kolonialismus und Holocaust:[61]

Die Kolonialmacht will ‚pazifieren‘, nicht vernichten.

Weiter:

Wie nahe kommen sich genozidale Kolonialkriege und Holocaust? Bei aller Absolutheit der kolonialen Gewalt – und dies im Unterschied zum kon­ven­tio­nellen Krieg zwischen sich als Gleiche anerkennenden Gegnern – steht der Holocaust als eine bloße Vernichtung jenseits von Krieg, Konflikt und Geg­ner­schaft. Weder gilt es durch Gewalt einen Willen zu brechen noch etwas zu er­zwingen. Der Vernichtungstod ist ein im Kern grundloser Tod.[62]

Es geht um eine grundfalsche linke Ideologisierung der deutschen Tat, die als faschistische Barbarei mit dem falschen Namen verbucht wurde und wird. Ja der Kampf gegen den Faschismus wurde im geschichtspolitischen, mehr noch eschatologischen Fortschrittsdenken nur als fürchterlichste Unterbrechung verstanden. Nach Diner führte das unter anderem dazu, dass viele französischen Opfer der Deutschen, die in KZs interniert und gefoltert wurden, Auschwitz nicht zur Kenntnis nahmen, es nicht konnten:

Die Emblematik der Tortur verdeckt die der Extermination. Dabei vermag gerade die Folter die Differenz zwischen Opferschaft aus Gründen einer politischen Entscheidung einerseits und der Vernichtung allein aus Gründen der Herkunft wegen andererseits anzeigen. So setzt die Folter einen zu brech­en­den politischen Willen voraus. Darin kommt – paradoxerweise – An­er­kenn­ung zur Geltung. Und so wie die Anwendung der Tortur den politisch han­deln­den Menschen voraussetzt, zahlt dieser den Preis der Pein und des Schmerzes in einem Kampf um den Erhalt seiner Würde. (…) Anders jene, die zur Ver­nicht­ung ausersehen waren – weder handelten sie dem Willen der Besatzer zuwider noch fielen sie ihrer Gesinnung wegen auf. Allein ihrer immer auch fiktiven Zugehörigkeit wegen, also ganz ohne Ansehen der Person, waren sie grundlos zur Ausrottung bestimmt. (…) Auch dass die Geschichte von Résistance und Deportation nicht zuletzt von jenen kanonisiert wurde, die im Ausgang des Weltkrieges eine Niederlage des Faschismus und den Sieg einer zukunftsfrohen Verheißung zu erkennen glaubten, trägt dazu bei. Das gilt auch für Jean Améry. In seinen Reflexionen stellt er die Tortur heraus, der er als belgischer Widerständler ausgesetzt war. Die an seine jüdische Herkunft gebundene Erfahrung von Auschwitz tritt dabei eher zurück. Im Anfang war der Widerstand. Das mit dem Ortsnamen Auschwitz verbundene Geschehen schuf sich erst später die ihm angemessenen Bilder und Begriffe.[63]

Schließlich weist Diner auf jene Menschenrechtsaktivist*innen und universalistischen Autor*innen hin, die in all ihrem Tun anthropologisieren und nicht unterscheiden, sie vergleichen und setzen gleich, um ja nicht das Unaussprechliche der Shoah in den Blick zu nehmen, sie „verfehlen“ somit „die Fundamente historischer Urteilskraft“.[64]

Wie gezeigt, ist der Postkolonialismus ein wesentlicher Faktor in der Entwicklung und Propagierung von Antisemitismus. Die Gerda-Henkel-Stiftung sollte sich überlegen, ob es sinnvoll ist, Achille Mbembe, dessen Werk so zentral auf Aimé Césaires Trivialisierung des Holocaust, der Umschreibung der Geschichte, der Leugnung des Antisemitismus und der Stilisierung der Juden zu „weißen“ Opfern von anderen Weißen aufbaut, ein würdiger und angemessener Preisträger 2018 ist.

Nolte und seine Enkel

Der wohl bekannteste Vordenker der NS-Verharmlosung und der Trivialisierung von Auschwitz war der Historiker Ernst Nolte. Der Journalist Alan Posener hat dessen Funktion für die postkoloniale Holocaust-Trivialisierung analysiert. Dabei kritisiert Posener den Afrikahistoriker Jürgen Zimmerer, dessen Forschung ich oben zerpflückt habe. Posener schreibt:

„Weder die Klassenvernichtung durch die Bolschewiki 1918 ff. noch die Rassenvernichtung durch die deutschen Kolonisatoren ein Jahrzehnt davor stehen in einem ursächlichen Zusammenhang zum Völkermord an den Juden. Beide Verbrechen, die der russischen Revolutionäre und die der deutschen Konterrevolutionäre, richteten sich gegen Teile einer Bevölkerung, die sich aktiv und passiv ihren Zielen widersetzte: Die Herero und Nama hatten einen Aufstand gegen die neuen Herren ihres Landes gewagt, die neuen Herren Russlands hatten sich auch erst in einem blutigen Bürgerkrieg durchgesetzt, als Sinowjew davon träumte, den Gegnern den finalen Garaus zu machen.

Die Juden hingegen hatten den Deutschen gar nichts getan. Im Gegenteil.

Die Deutschen, die 1941 nach Osten zogen, sahen sich auch als Kolonisatoren. Ich fragte mich, ob ihnen dies erlaubte, sich über das Verbrecherische ihres Tuns hinwegzutäuschen.

So Zimmerer. Gerade so, als ob „Kolonisator“ sein einem erlaube, Verbrechen zu begehen. In Berlin war das Entsetzen über das Wüten der Truppe in Namibia groß. Aber davon abgesehen: Weder im „Generalplan Ost“, der Blaupause für die Kolonisierung, noch im Protokoll der Wannsee-Konferenz, noch in irgendeiner Notiz eines Nazigrößen oder einfachen Mörders findet sich irgendein Hinweis darauf, dass die Juden so betrachtet wurden, wie es die Kolonialtruppe vierzig Jahre zuvor die Herero betrachtet hatten. Und es war ja auch nicht so, dass die Juden nur im kolonisierten Osten „ausgerottet“ wurden. Im ganzen besetzten Europa – und in verbündeten Ländern wie etwa Vichy-Frankreich, Ungarn oder Italien – wurden sie aufgespürt und ermordet.

Tatsächlich hat selbst Ernst Noltes These vom „kausalen Nexus“ zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus mehr für sich, da die Nazis ausweislich ihrer eigenen Propaganda den Kommunismus und den Kapitalismus als zwei Varianten der „jüdischen Weltherrschaft“ ansahen, gegen die sie einen „nationalen Befreiungskampf“ führten. (Antisemiten „wehren“ sich immer, in Deutschland heute etwa gegen die „Auschwitzkeule“, die gemeinerweise von den Juden gegen sie geschwungen wird, oder in Ungarn gegen George Soros und seine „Rassenvermischungspläne“. Es ist geradezu ein Symptom des Phänomens. Es geht ihnen nicht um Unterwerfung der Juden, sondern darum, wie Hitler schrieb, sich „des Juden zu erwehren“.)“

Leopoldina

Wolfgang Eckart ist Mitglied der Leopoldina und hat auch hagiographische Schriften zu deren Geschichte verfasst. Anstatt sich nun kritisch mit der antidemokratischen, unwissenschaftlichen Politik der Leopoldina und ihrer Aufforderung, die für die Gesellschaft mörderischen Lockdowns fortzuführen, zu befassen, bevorzugt es Eckart offenkundig, lieber Kontinuitätslinien vom Kolonialzeitalter und Robert Koch hin zu Sobibor und dem NS zu ziehen. Damit schweigt er zur  heutigen antidemokratischen Politik und verharmlost den Nationalsozialismus.

Jenseits von DLF und Corodok:

Nie wieder Deutschland

All das zeigt, warum die Parole „Nie wieder Deutschland“ so relevant ist. Es sind gerade jene vor Arroganz, moralischer Überheblichkeit und Unwissenschaftlichkeit triefenden Personen, Blogs und Institutionen, die wahlweise die Coronapolitik loben oder kritisieren, aber jeweils den Holocaust in seiner Präzedenzlosigkeit leugnen.

Marlene Dietrich, Deutschland? Nie wieder, Screenshot, https://www.disorder-berlin.de/home/255-deutschland-nie-wieder-plakat.html

Wenn stimmen würde, was der Deutschlandfunk schreibt: „Deutsche Ärzte erproben an Afrikanern, was sie später an Juden perfektionieren“, dann war Auschwitz nicht präzedenzlos. Das ist aber eine Lüge. Eine soft-core Holocaustleugnung ist das, soft-core in Anlehnung an die Historikerin Deborah Lipstadt, die diesen Begriff vor Jahren einführte, um der neonazistischen hard-core Holocaustleugnung den wissenschaftlichen Begriff „soft-core Leugnung“, der auf die Verharmlosung des Holocaust zielt, zur Seite zu stellen.

Die Kritik an der antidemokratischen, irrationalen, unwissenschaftlichen, nicht evidenzbasierten Coronapolitik von Merkel, Spahn, Scholz, Klabauterbach & Co. wird links und antideutsch sein, oder sie wird nicht sein.

Wer jedoch lieber die Präzedenzlosigkeit des Holocaust in Zweifel und eine sekundär-antisemitische Reaktionsweise der wissenschaftlichen und rationalen Analyse vorziehen möchte, ist beim Deutschlandfunk (DLF) oder bei Corodok genau richtig.

 

 

[1] „Gerda Henkel Preis geht an Achille Mbembe“, 11.06.2018, https://www.tages
spiegel.de/kultur/kamerunischer-historiker-gerda-henkel-preis-geht-an-achille-mbembe/22670750.html (11.06.2018): „Die mit 100 000 Euro dotierte Auszeichnung wird Mbembe am 8. Oktober in Düsseldorf verliehen. Der Wissenschaftler wurde dieses Jahr auch mit dem Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen und 2015 mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.“

[2] https://www.th-reutlingen.de/de/hochschule/lehrende/prof-dr-nausner.ht
ml (11.06.2018).

[3] Michael Nausner (2018): Ambivalenzen der Partizipation. Theologische Reflexionen zur Teilhabe unter postkolonialen Bedingungen, in: Andreas Nehring/Simon Wiesgickl (Hg.), Postkoloniale Theologien II. Perspektiven aus dem deutschsprachigen Raum, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, S. 38–52, hier S. 43. Edward Said ist auch hier, wie wirklich in fast jedem Beitrag postkolonialer Theoriebildung, der Star schlechthin, vgl. ebd., S. 42, Anm. 19.

[4] Achille Mbembe (2014): Kritik der Schwarzen Vernunft. Aus dem Französischen von Michael Bischoff, Berlin: Suhrkamp.

[5] Nausner 2018, S. 45

[6] Die Neue Zürcher Zeitung hat die antizionistische Ideologie von Mankell pointiert kommentiert: „Immer weiter treibt Mankell die Anklagen, die, frivol im Vergleich und infam in ihren Nazi-Allusionen, zuletzt in Zerstörungsphantasien münden. Die Israeli würden ‚Leben vernichten‘, so Mankell, und für den Staat Israel in seiner jetzigen Form gebe es keine Zukunft: ‚Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da er notwendig ist. Die Frage lautet also nicht, ob, sondern wann es geschieht.‘ Selbst eine Zwei-Staaten-Lösung würde die ‚historische Besatzung‘ nicht rückgängig machen, denn Mankell sieht ‚keinerlei Gründe dafür, dass [die israelische Staatsgründung] eine völkerrechtlich legitime Handlung war‘. Wenn aber die grosse ‚südafrikanische Lösung‘ dereinst Realität sein wird (sprich die freiwillige oder zwangsweise ‚Abwicklung‘ Israels), ‚wird es vom einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben‘. Was insofern kein Problem darstellt, als Mankell auf seiner Reise durch die palästinensischen Gebiete keinerlei Antisemitismus festgestellt hat, sondern lediglich ‚normalen Hass auf die Besatzer‘…“, Andreas Breitenstein (2010): Ein blinder Passagier, Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2010, https://www.nzz.ch/ein_blinder_passagier-1.5999804 (11.06.2018).

[7] Nausner 2018, S. 45.

[8] Ebd., S. 290, Anm. 9. Es ist auch typisch, dass Mbembe gleich zu Beginn seiner Studie en passant, aber offenbar gezielt, in einer Fußnote Israel als Beispiel für „imperiale Praktiken“ mit einem Literaturhinweis kritisiert. Man kann Israel wie auch Neuseeland oder Frankreich oder andere westliche Demokratien kritisieren, aber es tendiert zum Ressentiment, wenn ein Autor nur ein einziges Mal auf den Judenstaat zu sprechen kommt, und das rein diffamatorisch, weder analytisch noch den Staat bejahend, aber gewissen Politiken – wie in anderen Demokratien – kritisierend, hier: die Besatzung des Westjordanlandes. In der Fußnote werden als heutige Beispiele für „imperiale Praktiken“ vor allem die USA und Israel kritisiert, Mbembe 2014, S. 18, Anm. 19.

[9] Efraim Sicher (2016): The Postcolonial Jew: Racialization, Delegitimization, Ambiguity, in: Robert S. Wistrich (Hg.), Anti-Judaism, Antisemitism, and Delegitimizing Israel, Lincoln und London: University of Nebraska Press (The Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism, Hebräische Universität Jerusalem), S. 79–91.

[10] Ebd., S. 81. Übersetzung dieses und der folgenden Zitate von CH.

[11] Ebd., S. 82.

[12] Ebd.

[13] Ebd., S. 84.

[14] Ebd., S. 87.

[15] Zur Kritik an Müller siehe die Doktorarbeit von Richard Herzinger (1992): Masken der Lebensrevolution. Vitalistische Zivilisations- und Humanismuskritik in Texten Heiner Müllers, München: Wilhelm Fink Verlag, S. 202–221, hier S. 221.

[16] Alan Posener (2017): Jürgen Zimmerer relativiert den Holocaust, 24.07.2017, https://starke-meinungen.de/blog/2017/07/24/juergen-zimmerer-relativiert-den-holocaust/ (10.06.2018).

[17] Jakob Augstein/Michael Angele (2017): Vor Auschwitz. War der Genozid an den Herero und Nama eine Blaupause für den Holocaust? Ein Streitgespräch über Rassismus und Antisemitismus, Der Freitag 34/2017, online 08.10.2017, https://
www.freitag.de/autoren/der-freitag/vor-auschwitz (03.05.2018).

[18] Alan Posener (2017a): Ernst Nolte, Jürgen Zimmerer, Jakob Augstein: Relativierer des Holocausts, 24.10.2017, https://starke-meinungen.de/blog/2017/10/
24/ernst-nolte-juergen-zimmerer-jakob-augstein-relativierer-des-holocausts/ (03.05.2018).

[19] https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/programme/fellowship_i
nternationales_museum/kultur_transfer.html (23.07.2018).

[20] David Joram (2018): „Koloniale Amnesie geht nicht“, 11.06.2017, http://www.
taz.de/!5416099/ (30.04.2018).

[21] Aram Ziai/Daniel Bendix (2017): Rassismus global und in Deutschland. Fünf Thesen, in: Peripherie, 37. Jg., 2017, Nr. 146/147, S. 319–325, hier S. 325.

[22] Aram Ziai (Hg.) (2016): Postkoloniale Politikwissenschaft. Theoretische und Empirische Zugänge, Bielefeld: transcript Verlag.

[23] Aram Ziai (2016a): Einleitung: Unsere Farm in Zhengistan. Zur Notwendigkeit postkolonialer Perspektiven in der Politikwissenschaft, in: Ders. (Hg.) (2016), S. 11–24, hier S. 12.

[24] Ebd., S. 16, Anm. 4.

[25] „Daniel Bendix, Dr., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien der Universität Kassel und Junior Fellow am Kolleg Postwachstumsgesellschaften der Universität Jena. Ferner ist er Mitglied von glokal e.V., einem Berliner Verein für machtkritische, postkoloniale Bildungsarbeit“; Aram Ziai, Dr., ist Heisenberg-Professor für Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien an der Universität Kassel. Er ist im Vorstand der Sektion Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft, Mitglied der Bundeskoordination Internationalismus und aktiv bei kassel-postkolonial.de“, Peripherie, 37. Jg., 2017, Nr. 146/147, S. 375 (ohne Paginierung).

[26] Ziai/Bendix 2017, S. 325.

[27] Kößler sitzt ohnehin in der Redaktion, zudem saß er für diese Nummer in der „Schwerpunktredaktion für dieses Heft“.

[28] https://www.fritz-bauer-institut.de/mitarbeiter-paedagogik.html (12.06.2018).

[29] Fritz Bauer Institut (Hg.) (2004): Völkermord und Kriegsverbrechen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Herausgegeben im Auftrag des Fritz Bauer Instituts von Irmtrud Wojak und Susanne Meinl, Frankfurt/New York: Campus; Irmtrud Wojak/Susanne Meinl (2004): Einleitung, in: Fritz Bauer Institut (Hg.), S. 7–18, hier S. 9.

[30] Reinhart Kößler/Henning Melber (2004): Völkermord und Gedenken. Der Genozid an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika 1904–1908, in: Fritz Bauer Institut (Hg.), S. 37–76, hier S. 40. Auch 2015 bezieht sich Kößler weiterhin auf dieses antisemitische Zitat, dass der Holocaust primär deswegen vom Westen erinnert werden würde, weil die Opfer „Weiße“ gewesen seien, Reinhart Kössler (2015): Namibia and Germany: Negotiating the Past, Windhoek: University of Namibia Press, S. 80.

[31] So z. B. in der Tagungsreihe „Blickwinkel“ von 2011–2018: „‚Blickwinkel. Anti­semitismuskritisches Forum für Bildung und Wissenschaft‘ ist ein Projekt der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt/ Main) in Kooperation mit dem Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft‘ (Berlin) und des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin“, https://www.stiftung-evz.de/fileadmin/
user_upload/EVZ_Uploads/Handlungsfelder/Handeln_fuer_Menschenrechte/Anti
semitismus_und_Antiziganismus/Blickwinkel_2018.pdf (06.05.2018). Die Ankündigung zur Tagung im Juni 2018 zeigt die analytische Hilflosigkeit dieses Projekts, das Antisemitismus nur als „Vorurteil“ unter anderen zu fassen vermag: „Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit – Migrationsgesellschaft, Konkurrenzen, Bild­un­gs­­strategien: Diese Stich­wor­te prägen zunehmend die gesellschaftliche, wissenschaftliche und pädagogische Auseinandersetzung mit Vorurteilen und mit aus­grenz­enden Denk- und Deutungsmustern. Vielfach schwankt die Diskussion zwi­sch­en Eifer und Orientierungslosigkeit, zwischen eindeutigen Positionen und Diff­erenziertheit“, ebd.

[32] Reinhart Kössler (2007): Genocide, Apology and Reparation – the linkage between images of the past in Namibia and Germany, Juli 2007, http://www.
freiburg-postkolonial.de/Seiten/Koessler-Linkages-2007.pdf (10.05.2018).

[33] https://www.frcps.uni-frankfurt.de/?page_id=200 (05.05.2018).

[34] Maria do Mar Castro Varela/Nikita Dhawan (2015): Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung. 2., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage, Bielefeld: transcript Verlag.

[35] Spivak hat sich mehrfach für die antisemitische BDS-Bewegung ausgesprochen, z. B. im Januar 2017 angesichts einer Debatte innerhalb der Modern Language Association in USA, die über BDS abstimmte, siehe dieses Video mit ihr https://
vimeo.com/195907261#t=91s (05.05.2018); 2014 unterstützte sie mit Judith Butler und vielen anderen antiisraelischen Aktivist*innen einen BDS-Boykottaufruf, http://hyperallergic.com/wp-content/uploads/2014/06/BDS-Open-Letter-final.
pdf (05.05.2018).

[36] Castro Varela/Dhawan 2015, S. 140–150.

[37] Ebd., S. 144: „Für Said ist sowohl der unhinterfragte Zionismus als auch die Weigerung innerhalb der arabischen Welt, den Holocaust anzuerkennen, zu kritisieren. Wie bereits erwähnt, war eine der Reaktionen auf Saids Kritik [am Osloer Friedensabkommen von 1993, CH] Zensur, die von Zionisten als auch von arabischen Nationalisten gleichermaßen gefordert wurde.“

[38] Zur postkolonialen Ideologie „Von Windhuk bis Auschwitz“ siehe Heni 2013, S. 132–150; zur Einzigartigkeit des Holocaust ebd., S. 231–283; zur Universalisierung des Holocaust ebd., S. 301–383.

[39] David Olusoga/Casper W. Erichsen (2010): The Kaiser’s Holocaust. Germany’s Forgotten Genocide and the Colonial Roots of Nazism, London: faber & faber. Den Hinweis auf diese Studie verdanke ich Jakob Zollmann. Herzlichen Dank, Jakob.

[40] Olusoga/Erichsen 2010, S. 13.

[41] Peter Schmitt-Egner (1975): Kolonialismus und Faschismus. Eine Studie zur historischen und begrifflichen Genesis faschistischer Bewußtseinsformen am deutschen Beispiel, Giessen/Lollar: Verlag Andreas Achenbach.

[42] Henning Melber (1992): Kontinuitäten totaler Herrschaft: Völkermord und Apartheid in ‚Deutsch-Südwestafrika.‘ Zur kolonialen Herrschaftspraxis im Deutschen Kaiserreich, in: Wolfgang Benz (Hg.), Jahrbuch für Antisemitismusforschung 1, Frankfurt/New York: Campus, S. 91–116, hier S. 91.

[43] Jürgen Zimmerer (2003): Holocaust und Kolonialismus. Beitrag zu einer Archäologie des genozidalen Gedankens, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Jg. 51, Nr. 12, S. 1098–1119, hier S. 1118.

[44] Jürgen Zimmerer (2011): Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust, Münster: Lit.

[45] Zitiert nach Zimmerer 2011, S. 16. Er bezieht sich auf einen Artikel von Robin Kelly (1999): „Poetics of Anticolonialism“ im Journal Monthly Review.

[46] Zimmerer 2011, S. 16.

[47] Aimé Césaire (1950): Discours sur le colonialisme, zitiert in Zimmerer 2011, S. 15. Zimmerer zitiert nach Andrew Zimmerman, Anthropology and Antihumanism in Imperial Germany, Chicago 2001, S. 246.

[48] Jakob Zollmann (2010): Koloniale Herrschaft und ihre Grenzen. Die Kolonialpolizei in Deutsch-Südwestafrika 1894–1915, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.

[49] Zimmerer 2011, S. 254–289.

[50] Jakob Zollmann (2007): Polemics and other arguments – a German debate rev­ie­wed, in: Journal of Namibian Studies, Jg. 1, Nr. 1, S. 109–130, hier S. 110.

[51] Ebd., S. 110.

[52] Birthe Kundrus (2010): Kolonialismus. Imperialismus. Nationalsozialismus? Chancen und Grenzen eines neuen Paradigmas, in: Claudia Kraft/Alf Lüdtke/Jür­g­en Martschukat (Hg.), Kolonialgeschichte. Regionale Perspektiven auf ein globales Phänomen, Frankfurt/New York: Campus, S. 187–210; Birthe Kundrus (2006): Kontinuitäten, Parallelen, Rezeptionen. Überlegungen zur ‚Kolonisierung‘ des Nationalsozialismus, in: WerkstattGeschichte, Jg. 15, Nr. 43, S. 45–62.

[53] Kundrus 2006, S. 47.

[54] Ebd.

[55] Ebd.

[56] Ebd., S. 49.

[57] Zollmann 2007, S. 118. Der Grund für die postkoloniale Szene, den Mord an Herero und Nama als gewollten Genozid zu betrachten, ist auch ökonomischer Natur, wie Zollmann festhält, ebd., S. 116: „In 2001 former Namibian Minister of Foreign Affairs, Theo Ben-Gunrab, called his German counterpart Joschka Fischer, a racist because German exculpations of guilt had only been addressed to ‚Whites‘. German refusals to pay reparations, on the grounds that the Holocaust/Shoah was particularly singular and cannot be compared with instances of colonial genocide, are thought to be racist by Herero Paramount Chief Riruako because compensation was only given to ‚Jews‘, that is ‚Whites‘. These rather questionable allegations have been taken up on the German side quite vindictively. (…) Yet, the result of this argument is the collapse, on the most basic materialist level, of a distinction between Holocaust and colonial genocide.“

[58] Winfried Speitkamp (2006): Deutsche Kolonialgeschichte, Stuttgart: Reclam, S. 186.

[59] Diner (Hg.) 1988.

[60] Dan Diner (2007): Gegenläufige Gedächtnisse. Über Geltung und Wirkung des Holocaust, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

[61] Über Diners Kritik am Zionismus angesichts des Nationalsozialismus und von Auschwitz (siehe z. B. ebd., S. 24 f.) wäre an anderer Stelle zu schreiben; zu seiner bis heute skandalösen, publizierten Habilitationsschrift von 1980, wo er forderte, Israel solle den „Abbau“ seiner „zionistischen Struktur“ betreiben und binational werden, wie auch über seine heutige Unterstützung von Israel attackierenden, der binationalen Ideologie anhängenden Forscher*innen, vgl. Clemens Heni (2014): Kritische Theorie und Israel. Max Horkheimer und Judith Butler im Kontext von Judentum, Binationalismus und Zionismus, Berlin: Edition Critic, S. 70–75.

[62] Diner 2007, S. 81.

[63] Ebd., S. 79 f.

[64] Ebd., S. 108.

 

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Protest gegen die Leopoldina: Professor der Uni Tübingen tritt aus Akademie der Wissenschaften aus

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 27. Dezember 2020

Als ehemaligem Studenten der Universität Tübingen ist es mir eine besondere Freude, dass jetzt ein weiterer Forscher sich vehement gegen die nicht evidenzbasierte Corona-Panikindustrie wendet.

Es gibt nach Prof. Michael Esfeld aus der Schweiz (siehe meinen Bericht hier) einen weiteren scharfen Protest gegen das skandalöse Panikpapier der Leopoldina, das von Merkel und der Politik als Rechtfertigung für den Lockdown herangezogen wird:

Professor Thomas Aigner, Geologe an der Universität Tübingen, hat einen offenen Brief an den “Präsidenten der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz Herrn Prof. Dr. Reiner Anderl” verfasst.

Thomas Aigner erwähnt auch Mediziner wie den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung aus Hamburg, Dr. Andreas Gassen oder Prof. Matthias Schrappe, die mit ihrer ganzen Fachkenntnis schon jetzt das völlige “Scheitern” des “Lockdown” konstatieren und jeden weiteren Lockdown ab dem 10. Januar als katastrophal betrachten.

Wir alle wissen, dass es keinen größeren Traum von Söder, Lauterbach, Drosten und Wieler (die beiden letzteren führen de facto – ohne Mandat – die antidemokratischen Regierungsgeschäfte), Kretschmann & Co. und Merkel gibt, als bis mindestens 31. März (2021? 2022? JahrX?) alles Leben stillzustellen und noch viel mehr Kollateralschäden zu produzieren, ohne eine einzige 101-jährige vor dem viel zu frühen Tod zu bewahren – indem 43-jährige Angestellte, 61-jährige Selbständige, 27-jährige Unternehmer*innen oder 17-jährige Schülerinnen in den Abgrund oder den Suizid gestoßen werden, um das mal sarkastisch zu wenden.

Bekanntlich haben sich die letzten Jahre grade auf Skipisten, beim Rodeln, Skifahren oder Liftfahren oder auch beim Spazierengehen nach 20 Uhr, in Fitnessstudios, Universitätsbibliotheken, Galerien, bei Demonstrationen oder beim Bäcker unzählige 88-jährige oder 101-jährige mit tödlichen Krankheiten angesteckt. Damit soll jetzt für alle Zeiten Schluss sein. Schluss mit lustig, jetzt kommt Klabauterbach.

In dem offenen Brief des Geologen Thomas Aigner heißt es:

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen

Mit grösstem Erstaunen, mit tiefster Sorge, ja Fassungslosigkeit habe ich die ‘7. ad hoc Stellungnahme’ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina vom 8.12.2020 zur Kenntnis genommen. Nach meiner Auffassung ist dieses Papier einer ehrlichen, kritisch-abwägenden, am Dienst und am Wohle des Menschen orientierten Wissenschaft nicht würdig.

(…)

2. Der PCR-Test stellt die Basis der Rechtfertigung zur Ausrufung einer ‘Pandemie’ dar, und RKI, Politik und Medien vermelden täglich die positiven Testergebnisse als sog. ‘Neuinfektionen’. Laut den 22 unabhängigen Gutachtern enthält der Test ‘several scientific inadequacies, errors and flaws’. Kipp und klar wird festgestellt: ‘the test (is) unsuitable as a specific diagnostic tool to identify the SARS-CoV-2 virus and make inferences about the presence of aninfection’. Ist es nicht offensichtlich, dass hier ein äusserst ernsthaftes Problem vorliegt, welches eigentlich die gesamte ‘Pandemie’ erschüttern müsste ?

(…)

Wo bleibt ein früher üblicher breiter Diskurs mit einer ausgewogenen Würdigung der teilweise sehr konträren Wortmeldungen von Wissenschaftlern und Ärzten verschiedener Fachrichtungen, Juristen, Psychologen, Soziologen, Ökonomen und Philosophen ? Warum gibt es keine Reaktion der Akademien, wenn in den letzten Monaten immer wieder Stimmen von ausgewiesenen Fachleuten (oftmals von internationalem Rang), die eine vom Einheits-Narrativ abweichende, ja teilweise diametral widersprechende Einschätzung artikulieren, ignoriert, ausgegrenzt, ja sogar diffamiert, zensiert, und in sozialen Medien gelöscht werden ? Warum keine Reaktion der Akademien, wenn das im Grundgesetz verbürgte Recht auf Freiheit der Wissenschaft und Freiheit der Meinungsäusserung, sowie weitere Grundrechte mit Füssen getreten werden ?

Hat Deutschland nichts aus der Geschichte gelernt ? (Herv. CH)

Aigner resümiert:

Nachdem sich die Regierungen bei der Verhängung eines erneuten ‘harten Lockdowns’ auf dieses, aus meiner Sicht verhängnisvolle Papier der Nationalen Akademie der Wissenschaften beziehen, sowie aufgrund der oben aufgeführten Punkte, habe ich mich nach reiflicher Überlegung zu dem sicherlich ungewöhnlichen Schritt entschlossen, als Ausdruck meines persönlichen Protestes aus der Akademie der Wissenschaften zu Mainz auszutreten. Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, ein Teil dieser Art von Wissenschaft zu sein. Ich möchte einer Wissenschaft dienen, die einer Fakten-basierten Aufrichtigkeit, einer ausgewogenen Transparenz, und einer umfassenden Menschlichkeit verpflichtet ist.

Den ganzen Brief kann man hier finden.

 

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Was ganz normale Deutsche an Weihnachten erinnern

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Ewiggestrige sind offenbar die Gegenwart und Zukunft dieses Landes, die Omas der Klabauterbachs aller Sorten:

Update, 30.12.2020: Siehe auch https://www.clemensheni.net/corona-panikindustrie-und-coronapolitik-kritiker-hand-in-hand-leugnen-der-praezedenzlosigkeit-der-shoah-im-deutschlandfunk-und-bei-corodok/

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Big cities, mental health and Covid: Learning from sociologists Georg Simmel and Robert Dingwall

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Oh when there’s no future
How can there be sin
We’re the flowers
In the dustbin
We’re the poison
In your human machine
We’re the future
Your future
God save the queen
We mean it man
We love our queen

By Clemens Heni, PhD, December 24, 2020

December 21, 2020, I made an interview with Professor Robert Dingwall from Nottingham Trent University in the north of England. Our point of departure was the fact, that Dingwall did something very special on that Monday. He did something all people in London, Berlin or Munich were not able to do at that time and won’t be able to do for an uncertain period of time to come: he went to a hairdresser and had a hair-cut, imagine.

The irrational and panic driven policies of Boris Johnson or Angela Merkel do not allow many Britons and all Germans to go to the hairdresser for a nice look for Christmas or just for the last ten days of the year. We started our interview with sociologist Georg Simmel. In 1903, Simmel wrote an article about “The Metropolis and mental life”. In it, Simmel wrote:

The psychological foundation, upon which the metropolitan individuality is erected, is the intensification of emotional life due to the swift and continuous shift of external and internal stimuli.

These stimuli are now lost, as everybody needs to wear a mask in shops, trains, busses, libraries, galleries, places, streets – if they are open at all, which is no longer the case in Tier 4, 5, 9 or in completely locked down countries such as Germany. “Completely“ translates into the closure of all things that can make people a bit happier, like pubs, restaurants, shops, libraries, galleries, events – it does not translate into the closure of manufactories like in spring 2020, perhaps because politicians believe that 17.000 people in a car factory are less “infectious” compared to three people in a bookstore. In fact, almost no one of the so-called “cases” is infectious, as scholarship has shown. A positive PCR-test says NOTHING about the fact if a person is sick or infectious. Period. We have the worst test epidemic in the history of mankind.

Dingwall wrote about Simmel a few days ago (“COVID, Simmel and the Future of Cities“):

Simmel composed this lecture against the background of a critique of cities from late 19th century conservative writers. Cities were seen as dark, dangerous and unhealthy places, where human beings lost touch with their nature. People became restive and disruptive, challenging the existing social order of church and social hierarchy. They were prone to fickle mass behavior in mobs, crowds and demonstrations. Societies would be much better if they could return to a more pastoral way of life, not necessarily entirely in the countryside. Model villages or garden townships could house workers close to their factories, where paternalist employers could exclude corrupting influences like pubs and promote civilizing cultural pursuits. Every house would have its own green space or access to an allotment or community garden so that healthy workers could grow their own fresh produce. Trades unions would be barred and co-operative staff associations encouraged. The pre-industrial peasant would be re-invented as the deferential worker.

While Dingwall lives in a pretty much homogenous white neighbourhood in Nottingham, I live in a very much diverse environment in the south of Germany, where some 50 percent of the population have a migration background. What is fascinating about Dingwall’s approach is the following: He writes in the times of Corona and has a strong working-class perspective, which is emancipatory.

Many people, though, take Guardian editors or almost the entire University elites, live in a fantasy world of virtual reality. Those people ignore that there are workers at the docks in Liverpool who unload ships or make shipments ready for embarking. In our globalized world, a huge amount of shipments arrive via ships or by aircraft – take the Pfizer BioNTech vaccine, which is produced in Belgium and the UK struggles to get access to the continent, taken the latest and even more irrational panic attack by Boris and the reaction by Macron and the EU.

Dingwall’s close reading of Simmel shows the importance of an insight view in modern society. Ironically, it is the Left and the Green-Left that is again or still walking in the footsteps of the conservatives of the time around 1900. Dingwall writes:

The 15-minute city is often seen as a project of the left or of Green thinking – but it is, in fact heir to the conservatives that Simmel opposed. A city of self-sufficient neighborhoods or urban villages is a city that loses most of the things that make urban life worthwhile. If we are not working from home, we are spending time at an office hub or a local factory, mixing with people like ourselves. My own neighborhood is almost exclusively white, with a few South Asian professional families who have been attracted by the larger housing capable of accommodating multi-generational households. Where is the challenge of diversity?

What happens to innovation in the 15-minute city? We have yet to find a satisfactory online alternative to physical agglomeration. What is the equivalent to the social settings where people with different skills hang out, interact and spark ideas? If university education moves online, it becomes mere instruction, the reproduction of knowledge and skills rather than the frictional engagement that provokes novel thinking. A senior partner in a large local law firm confided to me her worries about the loss of collective problem-solving and shared learning among her assistants. They brought their challenges to her because the isolation of the virtual world did not allow them to brainstorm in the same way as an open-plan office. Do we really want to be frozen in time and slow to adapt as the world around us changes?

As the Great Barrington Declaration by Prof. Sunetra Gupta from Oxford, Prof. Martin Kulldorff from Harvard and Prof. Jay Bhattacharya from Stanford has shown, it is cynical by the middle and upper white class in the US or Europe to impose lockdowns, while the working class – overrepresented by migrants – is of course still out there to take the virus: dock workers, taxi drivers, nurses, doctors, supermarket labour staff, car or chocolate factory workers and the like. Thanks to these millions of people our herd immunity is growing on a daily basis. Those self-locked pseudo intellectuals behave like landlords: they let the slaves work instead of them.

Dingwall concludes:

If you are in a certain class at a certain career stage with a certain kind of family, 15-minute living may be very cozy. Simmel encourages us to think about whether this is a fundamentally selfish notion whose costs have been concealed by its advocates.

We talked about the surreal and anti-scholarly idea of the Guardian, to follow a “zero Covid” strategy. As if mankind could eliminate such a respiratory virus! The fact, that those Guardian people after 10 months into the crisis, still believe such irrational tropes, is shocking.

We had a short look at John Kampfner’s fall 2020 bestseller “Why the Germans do it better” and came to the conclusion, that Merkel for sure outplayed Boris up until February 2020. But since the Corona crisis started, Merkel acted as irrational and authoritarian as the Prime Minister of the UK.

The printing of a beetle on the cover of that book, alongside with other German stereotypes such as beer, sausages and the Brandenburg Gate, is telling. Kampfner does of course not tell his British readers the story of the beetle and its invention by the Nazis in 1938. At that time, the organization “Strength through Joy or Kraft durch Freude, KdF” was a core element of National Socialism.

The 1933 established KdF showed movies, worked as tour operator and had a strong ideology of a “healthy” German body. In 1938 they started their biggest project: to build an entire city, dedicated to a car factory, the “Volkswagen” car for the people, with the beetle as its main product. Today this city is called Wolfsburg – known from the Champions League, while it is a running gag in Germany that some train conductors missed that station in the land of nowhere in the north of Germany.

If Kampfner had read my 2013 book “Antisemitism: A Specific Phenomenon”, he could have learnt that story of the Volkswagen car factory – I got a blurb for that book, for example, by Dr. Anthony Julius (“A thorough, objective and intelligent analysis of the principal form taken by contemporary anti-Semitism”), former Lady Di’s attorney and he was also the lawyer in the Penguin books and Deborah Lipstadt’s process against Holocaust denier David Irving. Kampfner literally embraces Merkel for her entire career, including her authoritarian and irrational Corona policies. Ever since March 2020, Merkel ignores serious epidemiological, public health and medical expert advice, when it comes to Corona. Her advice comes exclusively from not fact-based mathematicians and virologists, pretty much the same happens in the UK.

Kampfner, a former Telegraph-man, ignores all these facts about the failure of Merkel in 2020. Merkel is responsible, though, for the extreme underfunding of German hospitals and nursing homes, the huge lack of staff and the shameful bad payment for these people. Merkel intentionally did not change that system in the last 15 years, but made it even worse. Merkel is not just acting antidemocratic during the crisis – as all politicians outside of Sweden did and do -, she also is representing a poor medical system which is based on capitalist profit and not on the well-being of patients and staff alike.

Merkel prefers to spend way over 500 billion Euros, probably rather 1000 billions in the decades to come, for lockdowns, instead of some 10 billion Euros for 180,000 nurses and medical staff, for example (based on 5000 € salary a month per person).

This a complete failure of a government. Covid is not very dangerous for most people. The infection fatality rate (IFR) is between 0,14 percent and 0,24 percent, as the WHO and Prof. John Ioannidis have shown. The flu in the old FRG in 1970 had an IFR of 0,29 percent, as the Robert Koch-Institute has estimated in 2016. Some 40,000 people died in 1970, which translates in to 56,000 deaths taken today’s population in Germany.

We cannot but laugh at Merkel – she seriously thought and still thinks one can eliminate a virus. Now we have sometimes three or four times as many deaths a day like France (IF theses deaths truly died FROM Corona and not only WITH it!!!, many get tested despite the fact that they died of other causes or Corona just played a minor role etc.), while most Germans made fun of France during spring, as if they are unable to stop a virus, while Germans can. No one can. It is not a deadly virus for all of us either, just for a small part of our society, the very old and the seriously sick, without ignoring that we all can die every day – so no panic at all.

Euromomo still shows no or a very small excess mortality for Germany (based on the data of Hesse and Berlin, which is indeed representative for all of Germany, although in the north of Germany Covid did not cause as many deaths as in Bavaria, where the most hardcore lockdown policies have been implemented.

Finally, I asked Dingwall about the relationship of the social sciences and criticism of the Corona panic industry. Take TalkRadio as an example: it struck me, when I overheard that one of their shows made fun of the very term “social psychology”, as if that does not exist. They said, the infamous SAGE panic group, which is indeed at the core of Boris Johnson’s irrational and not evidence-based Corona policies, is made up of behavioural scientists, including social psychologists.

Well, in fact, London would be a great place to start with the analysis of social psychology, I would add, as both Karl Marx and Sigmund Freud are buried in London (I recall my first visit to the remarkable grave of Marx in the late 1980s, when my school class went to London, but no one joined me going to visit Marx, no surprise, either, it was the time of Margret Thatcher).

Dingwall and I concluded, that we both do not see a substantial (if any) excess mortality (take the data of Euromomo when it comes to Germany, for example) and we both hope that the UK, Germany and the rest of the world finally stops intimidating adult and young people alike and starts realizing that Corona is nothing but an Influenza like virus that is here to stay.

If we want to survive as a modern society, we need urban life. Diversity cannot exist in a 15-minutes city, as Dingwall points out:

You might be the only gay in your village: in the city, you could be part of a gay neighborhood, associate with like-minded people, and create a market for products and services to support your preferences. You were no longer strangled by the fate of your birth but free to make of yourself what you could. The market economy liberated you from seasonal scarcity and the quirks of others – with money as a neutral medium of exchange, you could deal impersonally rather than depending upon the goodwill of the village traders and their moral judgements.

Taken the fact, that there is indeed the notion of a “Great Reset” by the World Economic Forum (May 2020) and many leading politicians, virtual teaching and hygiene state measures are threatening our liberty and our entire social life, democracy is in danger.

Both Johnson and Merkel fail to understand that Covid is only about focused protection – not isolation! – of the elderly and particularly the very old, exhausted and sick people in nursing homes or in their own homes.

A huge portion of this exhaustion comes from the unprecedented 24/7 drumfire and the a-social consequences (no visits and masks all over the faces!) of the panic industry, be it the BBC, the Guardian or the ARD and the Sueddeutsche respectively.

It is very unlikely that Boris Johnson or Angela Merkel ever heard of Georg Simmel. Thatcher might have and that was the reason why she detested the very term “society”. Today, TalkRadio has screaming fits when they hear the term “social psychology”. In fact, an analysis of the authoritarian character of many millions of people in our society could be very helpful to show how deep their desire to dominate and humiliate others (like those who cannot wear a mask), while being dominated and humiliated by the elites, still is. This is no surprise in a country such as Germany (take Heinrich Mann’s “Subject” (“Der Untertan”) as an example), is it a surprise in England or the UK?

We need sociologists such as Georg Simmel and Robert Dingwall to understand the importance of urban life. It is not Corona that destroys our lives, it is the irrational Corona policies by our politicians, who have no idea whatsoever what sociology is all about.

A last word for my English football fans: we miss you, we need you. We will never forget the 2001 5:1 of England against Germany in Munich. We need fans to come back to our stadiums. We need English fans back in German stadiums, too, as well as on German streets like in 2006 in Stuttgart during the World Cup. The tiny but vibrant anti-German movement of the far Left always embraced “There were ten German bombers in the Air … And the RAF shot one down”.

Today, though, almost all of the left-wingers in Germany and the UK not only support the conservative governments (Boris or Merkel), they even attack left-wing critics of the not evidence-based Corona policies. The Left should finally wake up in 2021 and fight biopolitics (Foucault), support the victims or collateral damages of the draconian measures taken by our governments. Mental health is a huge topic and psychologically sick people will not be in the lists of excess mortality, at least not in 2020. But the damage done by the one-sided policies is huge and unprecedented since the end of the Second World War.

Dingwall and I spoke about those 17 or 21-year old students, who are now stuck in London and cannot visit their families and friends for Christmas. Imagine you are 17 and for the first time in love and the state does not allow you to see your cool boy or girl in Birmingham, Exeter or Norwich for the holidays. You are locked down in your prison cell called student accommodation. You will just be once in your lifetime 17 on Christmas or 21 on New Year’s Eve – and the irrational policies will destroy this day and time of the year forever.

These working-class people or students from Liverpool, Manchester, Leeds or Nottingham might have much more to say about life during Corona than the detached British or German cultural elites. Public health is about all people, internationally. This supplements Simmel’s notion of the mental health situation in big cities. Freedom and diversity translate into international solidarity and not the nationalism and narcissism – “It is my life that counts, not the one of a working-class man in Liverpool or of child in India or sub-Saharan Africa” – of elitist panic driven closures of borders, cities, and our entire lives.

Social science finally needs to take over the crisis management, that is for sure. Simmel and Dingwall can show us a path back to ‘normal’.

Warhorses such as Boris or Merkel are part of our anti-intellectual elites, unable and unwilling to face reality. They will never ever admit that they made a mistake – the mistake to seriously think a virus can be stopped or contained without causing huge collateral damage, which then comes in addition to the damage done by that virus or any other virus in the future to come (if there is a future at all on the long run).

Merkel intentionally spreads panic and fear, as it is written in the worst panic paper ever written by a German government since 1945. That panic paper from March 2020 by the German Ministry of the Interior urges politicians to spread panic and the fear that little children see their grandparents or parents die in their living room – and the children SHALL have the guilt of having made their parents or granparetns die, due to Covid. That paper is part of the worst policies ever taken by any chancellor in the history of the Federal Republic of Germany.

Let’s look at a final quote from Robert Dingwall, who has written another (so far unpublished) piece about Philip Strong’s 1990 essay on the “Epidemic Psychology”.

Dingwall concludes:

We sociologists have relevant knowledge that is not being brought to bear in thinking about the restoration of orderliness in society and that sense of stability that is fundamental to everyday life. This does not necessarily involve a world turned upside down to establish a ‘new normal’ whose pathologies would soon become apparent.

Several journalists have asked me how I came to identify some issues of concern for public policy way before others, particularly the disabling consequences of the level of fear induced in the UK population. It is not a matter of any particular skill on my part so much as the strength of Strong’s original analysis in describing the broad trajectory of any epidemic or pandemic. As this essay has shown, there are, of course, also features that are distinctive to Covid-19 and its challenge to so many assumptions of the contemporary world. However, I may also have given some sense to a new generation of why Phil Strong was so revered by those of us who had the privilege of being his contemporaries and how the BSA Medical Sociology Group came to perpetuate his memory in its only named prize.“

 

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Tatort-Regisseur kritisiert die Corona-Panikindustrie

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 21. Dezember 2020

Der ARD-Filmregisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann kritisiert die Corona-Panikindustrie eloquent, differenziert und scharf. Brüggemann (Jg. 1976) hat u.a. die Drehbücher für die Tatorte “Stau” (2017) und “Murot und das Murmeltier (2018) geschrieben und führte jeweils Regie.

Auf seinem Blog hat er jüngst einen Text publiziert – “Brief an keinen Freund” -, der sehr lesenswert ist und von vielen Menschen, nicht nur Tatort-Schauspieler*innen, gelesen werden sollte, weil er zum Nachdenken anregt.

Brüggemann schreibt in seinem Brief:

Die jetzige Lage ist dilemmatös. Wir sitzen also wieder zwecks Virusbekämpfung zuhause. Wir wollen da aber immer noch Licht anschalten. Und duschen und heizen und was essen und im Internet einkaufen und Fernsehen gucken. Und die Müllabfuhr soll auch kommen. Und die Krankenhäuser müssen weiter funktionieren, dafür muß die Krankenschwester ihr Kind in die Kita bringen können, dafür muß die Erzieherin an den Arbeitsplatz kommen, dafür muß die U-Bahn fahren, und den Rettungswagen muß auch jemand betanken und reparieren, und der muß wiederum zur Arbeit kommen und das benötigte Material muß da sein und so weiter. Und unsere Internetbestellungen wollen wir ja auch ausgeliefert haben.
Vielleicht fällt uns an dieser Stelle auf, dass all die Leute, die jetzt weiter zur Arbeit gehen müssen, eins gemeinsam haben: Sie haben größtenteils nicht studiert. Eine Schicht von Intellektuellen und (teilweise immer noch) Besserverdienenden setzt sich also in ihre Wohnungen und läßt sich von den weniger Privilegierten bedienen. Letztere tragen die ganze Infektionsgefahr. Das ist noch kein Argument für oder gegen irgendwas, aber man sollte sich es in aller Deutlichkeit vor Augen halten. Ein gewisses Element von religionstypischer Doppelmoral steckt da schon drin, würde ich sagen.

Brüggemann kritisiert diese Arroganz, diesen Zynismus und das Motto: ‘Sollen sich doch die deutsch-türkischen oder syrischen DHL-Auslieferer, deutsch-russischen Autobauer, bulgarischen Arbeiter*innen beim Knorr-Soßen-Hersteller oder die deutschen Pflegekräfte in Altersheimen mit Corona anstecken und eine Herdenimmunität aufbauen, von der dann die Reichen und ach-so-dermaßen-Gebildeten auch profitieren’.

So läuft es und das bringt auch Professor Jay Bhattacharya aus Kalifornien auf die Palme. Daher hat er mit Prof. Sunetra Gupta und Prof. Martin Kulldorff am 4. Oktober 2020 die Great Barrington Declaration verfasst, die ich als vermutlich erster Verleger weltweit am 20. Oktober 2020 in einem Buch publiziert und gedruckt habe. Es muss ausschließlich um den Schutz der Alten und Gefährdeten gehen und diese Gruppe ist sehr klein (ca. 1 Mio Pflegheimbewohner*innen plus jene Alten, die ambulant gepflegt werden). Das ist der gezielte Schutz (“focused protection”), den die Great Barrington Erklärung meint – damit sofort alle Lockdowns aufgehoben werden und wir wieder ein ganz normales Leben führen können. Corona ist ein Virus, das jetzt eben dazugehört wie die Influenza, kein Grund zur Panik, so ist das Leben, nicht schlimm, nicht besorgniserregend, nicht dramatisch.

Weiter heißt es in diesem bemerkenswerten Brief von Dietrich Brüggemann:

Zu meiner eigenen Position in dieser Debatte: Ich finde vieles, was gerade hierzulande geschieht, nicht gut. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der Kritik an politischem Handeln selbstverständlich war. Neuerdings ist man aber, wenn man Kritik äußert, anscheinend ein Menschenfeind. Oder psychisch krank. Oder gar „rechts“. Ich bin ein wenig verwundert, mit was für Begriffen hier hantiert wird. Nur kurz zu den zwei häufigsten Vorwürfen, nämlich Verharmlosung und Verschwörungstheorie: Verharmlosung ist das Gegenstück zur Panikmache. Eine Giftschlange streicheln ist nicht gut. Vor einer Fliege schreiend davonrennen auch nicht.

Zentral ist folgende Erkenntnis:

Ich fürchte aber, die bittere Wahrheit ist: Man hat diese „focused protection“ bisher nicht umgesetzt (ganz allmählich gibt es zaghafte Ansätze), ja noch nicht mal ernsthaft diskutiert, weil die damit verbundene Aussage eine Kehrseite gehabt hätte. Und die hätte gelautet:
Für die Jüngeren ist es nicht ganz so gefährlich wie für die Alten.
Was ja zweifellos stimmt. Aber das auszusprechen ist undenkbar.

Natürlich sagen Merkel, Scholz und Spahn nicht die Wahrheit, dass Corona für Menschen unter 70 so unwahrscheinlich ist wie ein tödlicher Autounfall – sie wollen das nicht sagen, weil das die gesamte Panikindustrie seit Februar 2020 von heute auf morgen zusamenbrechen ließe. Angenommen, es wäre möglich (ist es nicht), dass 83 Millionen Menschen, die seit Februar 24/7 indoktriniert wurden, von heute auf morgen wieder gesunden könnten – das wird viele Jahre brauchen.

Brüggemann hat aber mal ausgerechnet, wie wenige Menschen unter 70 in 10 Monaten an Corona gestorben sind:

An Corona sind bisher hierzulande 2772 Menschen unter 69 Jahren gestorben. Nehmen wir mal an, die sind alle wirklich an diesem Virus gestorben und hatten nicht außerdem noch Krebs im Endstadium. Das statistische Risiko für gesunde Menschen bis 69, an Corona zu sterben, wäre dann im Bereich eines Autounfalls (wir haben jedes Jahr ca. 3000 Verkehrstote). Das ist nicht nichts. Unfälle sind grauenhaft. Dreitausend Verkehrstote würden uns sehr unangenehm auffallen, wenn wir vorher null gehabt hätten. Diese dreitausend sind außerdem nur die Spitze eines Eisbergs von Schwerverletzten, deren Leben nie wieder so sein wird wie zuvor. Wir haben uns daran gewöhnt. Wir haben es in unser psychisches Immunsystem integriert. Ob das gut oder schlecht ist, mögen andere entscheiden, aber bei Corona wird es ähnlich laufen. Die Menschen schultern das Risiko und leben ihr Leben weiter. So sind sie, die Menschen. Andere gibt’s nicht.

Wer kennt eine Person, die dieses Jahr mit dem Auto tödlich verunglückte und keine 70 Jahre alt war? Siehste!

Am Ende empfiehlt er noch den auch von mir geschätzten und häufig verlinkten Prof. Matthias Schrappe und dessen Arbeitsgruppe mit Prof. Klaus Püschel.

Auch folgender Gedanke von Brüggemann besticht:

Die Idee der Reinheit, also der Seuchenabwehr, steckt in vielen Religionen drin, und umgekehrt liegt man wohl nicht falsch, wenn man in unseren Seuchenabwehrstrategien auch eine religiöse Komponente sieht.

Es ist sehr bemerkenswert, dass ein anerkannter, erfolgreicher und kritischer Drehbuchautor und Regisseur wie Dietrich Brüggemann den Mut hat, öffentlich seine Kritik an der Corona-Panikindustrie kund zu tun. Danke!

Es wird einige Schauspieler*innen und Mitglieder der kulturellen Elite (neudeutsch: Präkariat) geben, die ganz ähnlich denken wie Dietrich Brüggemann, aber sich nicht trauen. Jetzt ist die Zeit, sich zum Selbstdenken und zur Kritik an der Panikindustrie, die nicht evidenzbasiert ist, zu bekennen.

Daher ist es eine geradezu Sensation, dass ein ARD-Tatort-Drehbuchautor und ARD-Tatort-Regisseur jetzt Klartext spricht, differenziert und radikal durchdacht, kritisch und dissident.

Wer Brüggemann bislang nicht kannte, kennt ganz sicher DIE Ode an Berlin schlechthin, eine Story, wie “wir” sie alle erlebt haben: “Drei Zimmer Küche Bad” (2012).

“Wir”, die wir alle irgendwann mal aus der Provinz, Freiburg oder Malente, nach Berlin zogen und eine Stadt erlebten, Vielfalt, Dramen, Spaß, Komik, Liebe, Umzüge, Robben (nicht der Fußballer, der Autoverleiher), Wohnungssuche, Schnee, Eltern, Geschwister, Seen, Wasser, Knatsch, Fahrradfahren, Euphorie, Fantastisches, Häuserschluchten, WG-Küchen… Berlin.

 

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Runder Tisch für mehr Irrationalismus, Isolationshaft und Menschenverachtung in Landshut

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 16. Dezember 2020

Es ist eine Sache, gegen Rechtsextreme wie Thorsten Schulte zu sein, der auf vielen Querdenken-Demos sprach, die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg in Zweifel zieht, gegen George Soros agitiert und Verschwörungswahnsinn verbreitet. Dafür braucht es jedoch nicht den “Runden Tisch gegen Rechts Landshut”. Das können andere besser.

Es ist eine andere Sache, Irrationalismus von links zu verbreiten und den Regierungswahnsinn bezüglich Corona mitzumachen.

Diese (logisch: anonymen) Irrationalisten vom Runden Tisch gegen Rechts Landshut propagieren auch zu Weihnachten 2020 #stayathome. Sie merken gar nicht wie menschenverachtend und pro-gesundheitsdiktatorisch sie agieren. Sie wollen den 83-jährigen Witwern oder den 87-jährigen Witwen die letzte Freude in diesem Jahr nehmen, mit einigen anderen Isolierten im Dezember ein paar Glühwein zu trinken oder  ein Festessen zu genießen – einmal im Jahr, zu Weihnachten oder Silvester.

Laut Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gibt es aktuell in Deutschland so gut wie keine Übersterblichkeit wegen Corona:

Todesfälle durch COVID-19 – Adjustiert auf die Einwohnerzahl zeigt sich keine ausgeprägte Übersterblichkeit.

Goeran Kauermann, Giacomo De Nicola, Ursula Berger

Wir wissen, dass es auch im ersten Halbjahr 2020 keine Übersterblichkeit gab, wie Stefan Aust für die WELT erforschte. Das heißt: die ersten 9000 “Corona”-Toten sind Teil des normalen Sterbegeschehens und gerade keine extra Toten. So scheint es auch mit den meisten Toten bis heute zu sein, sonst gäbe es Übersterblichkeit. Doch die gibt es laut Euromomo und laut LMU München gerade nicht.

Diese unerträglichen “Gutmenschen” sind nicht gut, sondern böse – sie sind auch mit verantwortlich für den Tod in den Nicht-Industrieländern, für den Tod jener Kinder und Erwachsenen, die sich ein #stayathome in Indien, Thailand oder Kenia nicht leisten können, die überhaupt nicht an einem Grippevirus erkranken derzeit, dafür womöglich nächstes Jahr an Masern sterben werden, weil die Schutzimpfung 2020 ausgesetzt oder verschoben wurde, was für kleine Kinder in Afrika oder Asien lebensgefährlich ist. Wer von der Hand in den Mund und auf der Straße lebt, kann sich kein abgehobenes, weltfremdes und unsagbar zynisches bürgerliches #stayathome leisten.

Mit Hartz 4 oder anderen staatlichen Alimenten als Professor oder Lehrer und Politiker kann man gut leben. Doch diesen Sozialstaat gibt es in Indien oder Kenia oder anderen Ländern nicht. Das verkennen die a-sozialen Lockdown-Fetischist*innen ganz absichtlich.

Diese selbst ernannten Leute gegen Rechts suhlen sich in ihrem virtuellen Gutmenschentum, gehen noch nicht mal gegen Nazis auf die Straße derzeit (!), sondern bleiben zu Hause, weil sie ernsthaft glauben, es bestehe eine Gefahr.

Diese Gefahr ist laut Weltgesundheitsorganisation für Menschen unter 70 Jahren 0,05 Prozent, wie oft erläutert: weniger als bei einer Grippe. Nur für alte Menschen ist Corona gefährlicher als die Grippe.

Und die Bundes- und Landesregierungen haben seit März 2020 komplett versagt, Alten- und Pflegeheime menschenfreundlich zu schützen, also nicht Einzelhaft und Isolation, sondern gezielte Schutzmaßnahmen in Abstimmung mit den Bewohner*innen.

In London waren die Krankenhäuser 2019 und die Jahre davor stärker ausgelastet im Dezember als aktuell.

Doch auch Boris Johnson ist wie die Antifa in Landshut kein Freund der Realität. Auch er – wie die ganze Elite in England, bei Labour, aber natürlich noch mehr bei der Regierung der Tories – hat keinen Bezug mehr zur Realität in den Krankenhäusern oder zu der Tatsache, dass ein positiver PCR-Test überhaupt gar nichts aussagt, solange eine Person keine Symptome hat. Jeder PCR-Test mit einem Ct-Wert über 30 ist wertlos – und fast alle PCR-Tests scheinen mehr als 30 Zyklen zu durchlaufen.

Wir wissen zudem von Studien aus Dänemark sowie von der Fachzeitschrift Krankenhaushygiene up2date (Prof. Ines Kappstein, im Herausgebergremium sitzen sowohl Forscher vom RKI wie der Charité, was indizieren könnte, dass es dort durchaus unterhalb der Führungsebene seriöse Forscher gibt), dass die “Alltagsmaske” nichts bewirkt, außer extremste Panik zu erzeugen (man schützt damit weder andere, noch sich selbst).

Wir wissen, dass Asymptomatische die Krankheit nicht übertragen. Wer nicht krank ist, keine Symptome hat, steckt andere nicht an. So wie bislang auch bei jeder Art von Grippe.

Aus Sicht einer antideutschen Antifa sind solche Hanswürstchen wie in Landshut nicht weniger problematisch wie jene Coronapolitik-Kritiker, die gegen Greta hetzen, Genderstudies diffamieren oder in England – wie bei TalkRadio, dem Zentralkomitee der Coronapolitikkritiker*innen – beim Wort “Social Science” Schreikrämpfe kriegen und denken, der Kommunismus steht vor den Toren Londons oder Camdens. Manche gehen bei diesem Radio soweit und meinen, “Sozialpsychologie” könne es gar nicht geben, weil das keine “Fakten” seien.

Diese antiwissenschaftliche Perspektive der Rechten wird nun von der antiwissenschaftlichen Propaganda der Linken wie in Landshut sekundiert. Der dortige “Runde Tisch gegen Rechts Landshut” hat offenbar seit März 2020, seit bald 10 Monaten, die rationale, evidenzbasierte, demokratische und die Demokratie vor dem Hygienestaat in Schutz nehmende Kritik an der Coronapolitik wie von Prof. Jay Bhattacharya, Prof. Sunetra Gupta, Prof. John Ioannidis, Prof. Martin Kulldorff, Prof. Matthias Schrappe, Dr. Andreas Gassen, Prof. Michael Esfeld und vielen anderen überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Dieses Ignorieren der internationalen Wissenschaft zu Corona, das Wegwischen der Hilferufe des World Food Programmes – Friedensnobelpreisträger 2020 -, dass aufgrund der weltweiten Lockdown-Politik viel mehr Menschen sterben werden, als dieses Virus töten könnte, wird grade und mit extremer virtueller Aggressivität von solchen runden Tischen gegen Rechts heldenhaft zur Schau gestellt.

Wer alten Menschen oder jungen Menschen, Singles wie Familien, Paaren wie Einzelgängern das RECHT nimmt, sich frei zu bewegen, Essen zu gehen, feiern zu gehen, hat ein totalitäres Weltbild und ist so demokratiefern wie jene, die an eine jüdische Weltverschwörung glauben.

Diese antidemokratische, antiaufklärerische, anti-kantianische Position vieler Linken zeigt deren Ende an. Die Linke ist lediglich ein Sprachrohr von Söder, Merkel, Scholz, Habeck, Müller und keine eigenständige, selbst denkende Kraft mehr.

Man kann als selbst denkender Intellektueller weder die Rechten, die zwar die autoritäre Regierungspolitik zu Corona kritisieren, aber schnelle Autos lieben, Angst vor kleinen Mädchen wie Greta haben und die Genderstudies grundsätzlich verteufeln, noch die Linken als hilfreich betrachten, jene Linken, die die autoritärste und menschenfeindlichste Regierungspolitik seit 1945 nicht nur goutieren, sondern offensiv unterstützen. Damit machen sich diese runden Tische gegen Rechts und fast alle anderen Linken mit Methoden gemein, die im Einsperren von Menschen in ihre teils sehr kleinen Wohnungen besteht – Studierende leben oft in “Gefängniszellen” wie es Prof. Robert Dingwall aus England nennt, alte Menschen haben kleine 2-Zimmer-Wohnungen ohne Balkon und sehen den ganzen Tag nur eine Brandschutzwand in Berlin-Wedding oder in Stuttgart-Feuerbach die Schwabstraße, die sie abends nicht mehr betreten dürfen.

Diese alten Leute dürfen noch nicht mal zum Frisör gehen, damit sie ein letztes Mal an Silvester schick aussehen. Sie werden in Isolationshaft gehalten und die Linken klatschen Applaus.

 

 

 

 

 

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“Freiheitsrechte” und die “Würde des Menschen” schützen: Leopoldina-Philosoph attackiert Leopoldina-Papier und den Lockdown

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 13. Dezember 2020

Update, 14.12.2020: Prof. Michael Esfeld, Mitglied der Leopoldina, hat seine wissenschaftliche Kritik an der Leopoldina und der Lockdown-Politik der Regierungen in einem ausführlichen Papier erweitert, das hier eingesehen werden kann, und resümiert:

Es erweist sich somit wiederum als fatal, die in der Aufklärung angelegte Spannung zwischen Freiheit und Szientismus zugunsten des Szientismus und seiner politischen Verwendung aufzulösen. Die Rolle von Wissenschaft darf nicht die der Staatsreligion in vor-aufklärerischer Zeit sein: Es gibt kein Wissen, mit dem sich eine Planung der Gesellschaft rechtfertigen liesse, die sich über die Freiheit der Individuen hinwegsetzt. Aufklärung ist auch heute der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, in die unsere Gesellschaft diesbezüglich hineinzulaufen droht.

 

 

Die Lockdown-Politik der Bundesregierung und den 16 Landesregierungen wird mehr Menschen töten als Corona. Woher wissen wir das? In UK gab es im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 acht Prozent mehr Tote durch Herzkreislauferkrankungen. Dabei starben 10 Prozent weniger Menschen in Krankenhäusern, dafür 10 Prozent mehr zu Hause. Darüber berichtet der schwedische Arzt und Publizist Sebastian Rushworth. Er betont, dass weltweit keine Regierung eine wissenschaftliche Abwägung gemacht hat, was Lockdowns an Menschenleben kosten können.

Es ging und geht ausschließlich um das völlig irrationale Ziel, eine einzige Krankheit und ihr Vorkommen zu reduzieren. Ob unterm Strich mehr Menschen sterben, ist der Politik völlig egal. Es geht nur darum, dass die Zahl der positiv auf SARS-CoV-2 Getesteten zurückgeht.

Das ist mörderisch, zynisch und menschenverachtend.

Auch der Philosoph und Suhrkamp-Autor Michael Esfeld, Professor für Wissenschaftsphilosophie in Lausanne in der Schweiz, der seit 2010 Mitglied der Leopoldina ist, ist völlig schockiert.

Esfeld ist Teil des Establishments, was seine frontale Attacke auf die Leopoldina von innen heraus so enorm bedeutsam macht.

In einem offenen Brief schreibt er:

Diese Stellungnahme verletzt die Prinzipien wissenschaftlicher und ethischer Redlichkeit, auf denen eine Akademie wie die Leopoldina basiert.

Im Gegensatz zu Merkel, Kretschmann, Laschet, Scholz und Müller hat Esfeld Empathie mit den alten Menschen, die gezielt geschützt gehörten.

Esfeld vertritt eine wissenschaftliche Position, die sich bewusst ist, dass es immer mehrere Seiten gibt, die gehört werden müssen. Wissenschaft besteht gerade darin, sich weiter zu entwickeln, gerade die Physik, von der Angela Merkel so wenig Ahnung hat, ist ein Beispiel dafür. Es gibt nicht “die” wissenschaftliche Wahrheit, man sollte schon kontrovers Annahmen der Antike über Newton, Einstein oder Heisenberg diskutieren, um nur dieses Beispiel der Physik zu nehmen. Wenn Merkel tatsächlich gut studiert hat, sollte sie wissen, dass es Diskurs und Debatte braucht, dass es Abwägungen benötigt und nicht autoritäre “Wahrheiten”, die exekutiert werden, ohne Kompromiss, ohne Anhörung, ohne Abwägung der Pros und Contras.

Was das gesamte Land in 10 Monaten nicht verstanden hat: Es ist sehr gut, wenn sich der Großteil der Menschen mit Corona ansteckt, da es eine für fast alle sehr harmlose Sache ist, ein Virus neben vielen anderen eben. Das nennt die Wissenschaft Herdenimmunität, die wir auch bei unzähligen anderen Viren haben – die haben wir nur, weil wir uns tagtäglich mit irgendwelchen Viren konfrontieren, andere Menschen umarmen, mit ihnen reden, Sex haben etc. pp., nur dadurch, durch Kunst, Kultur und soziale Interaktion sind wir erstens soziale Wesen und zweitens bauen wir nur und ausschließlich durch den Kontakt mit anderen Menschen eine Herdenimmunität auf. Wer ein Jahr allein zu Hause eingesperrt ist, wird danach massive Probleme bekommen und kann beim ersten Zusammentreffen mit anderen Menschen in schwere Not geraten, von der psychischen Belastung nicht zu schweigen.

Corona hat eine Infektionssterblichkeit von 0,14 bis 0,23 Prozent, sagt die Weltgesundheitsorganisation, die ihre eigene Mega-Panik von Februar und März 2020 wissenschaftlich revidiert hat – das ist Forschung.

Die Infektionssterblichkeit von Corona ist also sehr gering, ohne zu ignorieren, dass jeder einzelne von uns daran sterben kann. Das kann man nie ausschließen, das wäre ja lachhaft zu behaupten, dass man nicht jeden Tag sterben kann, egal an was.

Woher aber kommt diese unfassbare Panik vor dem Tod? Das mag daran liegen, dass die meisten Menschen nie wirklich lebten und ihre Sinnlosigkeit jetzt erkennen und sich an dieses sinnlose Leben so unsagbar brutal klammern, dass man Nicht-Maskenträger am liebsten an die nächste Wand stellen würde und abschießen (ich kann Gedanken lesen, liebe Spiegel-, Tagesspiegel- oder ARD-, DLF-Redaktion etc.).

Michael Esfeld ist hingegen nicht Teil der Panikindustrie, sondern kann selbst denken und mahnt:

Innerhalb des engeren Kreises der Experten von Virologie und Epidemiologie ist die Strategie zum Umgang mit der Ausbreitung des Coronavirus umstritten. Der Seite von Virologen und Epidemiologen, die scharfe politische Maßnahmen fordern, steht eine andere Seite von Virologen und Epidemiologen gegenüber, die mit Gründen einen nur auf die Risikogruppen fokussierten Schutz empfehlen, ausgedrückt zum Beispiel in der von führenden Medizinern verfassten Great Barrington Declaration.

Der denkende Teil der Bevölkerung weiß, wie gering das Risiko ist, an Corona schwer zu erkranken und zu sterben, nochmal: laut WHO für Menschen unter 70 Jahren liegt das Risiko an Corona zu sterben bei 0,05 Prozent, das ist weniger als bei einer Grippe. In vielen Landkreisen starb seit März 2020 nicht ein einziger Mensch unter 60 an Corona und auch nur wenige, die älter sind und ohnehin bald gestorben wären. Corona ist jetzt endemisch und gehört ganz normal zu den Viren, die wir bislang schon hatten. Kein Problem, keine Panik, das ist Teil des Lebens.

Was die Öffentlichkeit auch nicht wissen möchte, sind die vielen “Kollateralschäden”. Warum? Weil die Medien es nicht sagen – Ausnahmen sind die als Komiker ignorierten Richling, Nuhr oder Monika Gruber, deren Positionen wären in einer politischen Sendung in der ARD undenkbar – und weil kein Mensch mehr weiß, wie Aufklärung geht und was Denken ist:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. (Immanuel Kant)

Was ignoriert und entwirklicht wird, sind die Toten hierzulande, die am vorzeitigen Herzinfarkt mit 56 sterben, weil sie alles verloren haben, was sie sich als Geschäfteinhaber aufgebaut haben, weil sie isoliert sind und 80 Jahre alt, im Rollstuhl sitzen und nicht mal mehr mit dem Zivildienstleistenden zweimal die Woche Essen gehen dürfen. Die Millionen Singles in Hamburg, Berlin, Köln oder München, in jeder Stadt und auch auf dem Land.

Diese Isolierten und in das Elend oder den Tod Getriebenen haben Kretschmann, Laschet, Müller, Merkel & Co. und die Medien und namentlich die Leopoldina zu verantworten – und dazu kommen die unzähligen Verhungerten in den Nicht-Industrieländern.

Anti-Leopoldina Leopoldina-Mitglied Michael Esfeld hat sie jedoch im Blick:

Im weiteren Kreis der Wissenschaftler ist höchst umstritten, ob der Nutzen scharfer politischer Maßnahmen wie ein Lockdown die dadurch verursachten Schäden aufwiegt – und zwar Schäden an zukünftigen Lebensjahren, die in Deutschland und anderen entwickelten Ländern infolge eines Lockdown verloren gehen, Todesfälle durch einen erneuten Anstieg der Armut in den Entwicklungsländern usw.

Es ist auf viele Jahrzehnte die größte Schande der politischen Linken, nicht mal auf diesen Aspekt der Millionen “Kollateraltoten” hingewiesen und die mörderische Lockdown-Politik abgelehnt zu haben.

Wenn nicht mal der zu erwartende Tod von vielen Kindern und Erwachsenen in den Nicht-Industrieländern beachtet wird, ist es mit der Würde des Menschen hierzulande auch nicht besser bestellt.

Es gab keine Bundesregierung und keine Landesregierung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die der Würde des Menschen mehr Schaden zugefügt haben, als Angela Merkel und die Bundesregierung und die 16 Landesregierungen.

Der Philosoph Michael Esfeld, Lehrstuhl für Wissenschaftsphilosophie der Universität Lausanne, hält erschüttert fest:

Ethisch gibt es insbesondere in der auf Immanuel Kant zurückgehenden Tradition Gründe, grundlegende Freiheitsrechte und die Würde des Menschen auch in der gegenwärtigen Situation für unantastbar zu halten. Zur Würde des Menschen gehört dabei insbesondere die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen, was die jeweilige Person als ein für sie würdiges Leben erachtet und welche Risiken sie für diesen Lebensinhalt einzugehen bereit ist in der Gestaltung ihrer sozialen Kontakte.

Esfeld fordert:

In einer solchen Situation wissenschaftlicher und ethischer Kontroverse sollte die Leopoldina ihre Autorität nicht dazu verwenden, einseitige Stellungnahmen zu verfassen, die vorgeben, eine bestimmte politische Position wissenschaftlich zu untermauern. Ich möchte Sie daher höflichst bitten, die entsprechende Stellungnahme umgehend als Stellungnahme der Leopoldina zurückzuziehen.

 

 

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“Leere Kinos schützen Risikopatienten nicht.”

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Der Titel ist ein Zitat aus einer Rede an die “Vertreterversammlung” der KBV vom 4. Dezember 2020 von Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rheumatologie.

Ich habe ja schon mehrfach und ausführlich über ihn und die KBV berichtet.

Lesen Sie sich bei Interesse einfach seine Rede durch, sie steht im Netz.

Ein paar zentrale Aspekte möchte ich exemplarisch zitieren, damit die Richtung seiner Kritik klar wird:

 

…es ist wieder, für manche überraschend, Winter…

 

Man hat mittlerweile den Eindruck: Es gibt nur noch Corona. Internationale Hilfsorganisationen warnen, dass wegen der Corona-Maßnahmen bereits Rückschläge im Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose, Kinderlähmung und andere Infektionskrankheiten zu verzeichnen sind.

Immer noch sterben jedes Jahr weltweit 30 bis 40 Millionen Menschen an den Folgen von Unterernährung. Auch hier gibt es eine Altersabhängigkeit, nur anders als bei Corona – es sterben vor allem die Kinder. Man würde sich in diesem Segment ein nur ansatzweise so engagiertes Vorgehen wünschen wie bei Corona. Sind das alles nur „Kollateralschäden“?

 

Auch die WHO sprach schon von mehr als 700 Millionen Infizierten weltweit. Damit wäre die Basis allen politischen Handelns methodisch auf Sand gebaut. Die Ziele von 50 beziehungsweise 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern seien, ich zitiere Schrappe et al., „unrealistisch und verletzen das zentrale Gebot der Erreichbarkeit“.

Das wiederum würde aber bedeuten, dass die Politik von der Bevölkerung Disziplin und Opfer einfordert für ein Ziel, das gar nicht erreicht werden kann.

 

Es mutet fast schon zynisch an, wenn ein Ministerpräsident nach dem jüngsten Bund-Länder-Gipfel sagt: „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Todeszahlen sind aktuell so hoch, als würde jeden Tag ein Flugzeug abstürzen.“ Wohlgemerkt: Er redet hier nur von den Todeszahlen, die mit Covid-19 assoziiert sind. Wenn dann auch noch Äußerungen kommen wie die, dass jeder individuelle Tod durch Covid-19 verhindert werden müsse, dann sind Zweifel angebracht. Sie suggerieren, dass es möglich sei, jeden individuellen Tod zu verhindern.

Warum gibt die Politik dieses Ziel dann nicht auch bei anderen Krankheiten vor? Rund ein Drittel aller Sterbefälle in Deutschland sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, rund ein Viertel auf Krebs. Das sind mehrere Flugzeugabstürze am Tag, um mal in diesem drastischen Bild zu bleiben. Gleiches gilt für andere Todesfälle. Schätzungsweise 30.000 Menschen sterben jedes Jahr durch Infektionen mit multiresistenten Keimen. Rund 10.000 Menschen begehen jedes Jahr Selbstmord.

 

Klar ist: Wir können nicht im Lockdown verharren bis Deutschland durchgeimpft ist. Es wird sich auch noch zeigen, wie groß die Impfbereitschaft tatsächlich ist. Wie gut und schnell das Impfen gelingt, hängt natürlich zuallererst von der zur Verfügung stehenden Menge des Impfstoffes ab.

Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, alles daran zu setzen, dass möglichst schnell Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht, damit wir alle Impfwilligen zügig impfen können. Spätestens dann muss auch Schluss sein mit allen Restriktionen. (Herv. CH)

 

Es war Einstein, der gesagt hat: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

 

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Am 10. Dezember weiterhin genauso wenig Intensivpatienten wie im August 2020! – Rationale Forscher fordern ein Ende der Panik

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Von Dr. phil. Clemens Heni, 11. Dezember 2020

 

Am 21. August 2020 gab es in Deutschland 22.079 Patienten auf Intensivstationen in Krankenhäusern. Dazu gab es 8661 freie Betten. Zusätzlich gab es eine “Notfallreserve” von 12.587 Betten. Am 17. September sah es ganz ähnlich aus, es gab 22.299 Patienten auf ICUs (Intensive Care Unit), 8468 freie Betten und 12.252 Betten in der Intensiv-Notfallreserve.

 

Wie sieht die Lage am 10. Dezember 2020 aus? Es gab gestern 22.542 Patienten auf Intensivstationen, eine ähnlich harmlose Situation wie am 21. August oder am 17. September 2020. Der Schock ist vielmehr die reduzierte Anzahl der noch freien Betten: 4753. Es gibt aber immer noch die in 7 Tagen aufbaubare Notfallreserve von 11.646.

Wie erklärt sich die Differenz von ca. 3000 bis 3500 fehlenden freien Betten bei fast exakt gleicher Belegung vom 21. August oder 17. September 2020?

Das ist völlig irrational und zeigt ein Versagen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Bundesregierung und jener Verantwortlichen an, die diese Betten offenkundig vorsätzlich abgebaut haben.

Warum gab es im August oder September 2020 über 3000 mehr freie Intensivbetten als Mitte Dezember 2020, bei fast exakt gleich niedrigen Belegungszahlen? Liegt es daran, dass es weniger Geld gibt für nicht benutzte oder frei gehaltene Intensivbetten? Gibt es wie seit Jahren weiterhin viel zu wenig Personal in deutschen Krankenhäusern?

Werden lieber hunderte Milliarden für Lockdown-Kosten ausgegeben – die unbezahlbaren psychischen, kulturellen, sozialen, philosophischen, politisch-kulturellen Schäden nicht einberechnet – als läppische 10,8 Milliarden jährlich für 180.000 extra Krankenpflege-Personal-Stellen (sechs Personen pro Intensivbett bei 30.000 Betten) pro Jahr bei 5000 € Bruttolohn?

Aktuell muss offenbar eine Pflegekraft im Krankenhaus 2,5 bis 3,5 Intensivbetten betreuen, diese Überarbeitung könnte durch einen massiven Stellenausbau vermindert werden, wobei das ganze auf Profit aufgebaute deutsche Krankenhausunwesen radikal verändert gehört, aber das ist eine weitere sehr lange Geschichte.

Doch warum wird immanent gedacht, die harmlose Zahl der gleichbleibenden belegten Betten nicht genannt? Liegt es an der Lust an der Panik durch das Divi-Zentralregister, das jetzt Politik spielt und sich ohne jedes politische Mandat, ohne jede demokratische Legitimation zum Gesundheitsdiktator aufschwingt oder wie jetzt “Intensivmediziner” wie Prof. Uwe Janssens, Präsident des Divi Zentralregisters, schamlos und brutal autoritärste Maßnahmen einfordern? Warum schweigt dieser Mann zum Versagen der deutschen Krankenhäuser, ausreichend viele Intensivbetten so wie im August 2020 bereitzuhalten? Warum schweigt er dazu, dass laut Divi-Register die Zahl der Intensivpatienten am 21. August oder am 17. September fast genauso niedrig war wie am 10. Dezember 2020?

Warum ist auf einmal die fast gleiche Zahl von Patienten ein Grund für den absoluten Notstand und den regelrechten Kriegszustand gegen ein Virus? Ein Virus, das so harmlos ist, dass wir in Landkreisen bei Menschen unter 60 Jahren in 10 Monaten nicht einen Toten haben? Ein Virus, das eine Sterblichkeit von ca. 0,14 Prozent hat, so die WHO?

Die Bundesregierung, die Landesregierungen und alle sonstigen Verantwortlichen haben versagt, Alten- und Pflegeheime zu schützen, ohne die Bewohner zu isolieren und in den Tod zu treiben.

Will der Präsident der Divi persönlich für die Suizide, die psychische wie körperliche Zerstörung von unzähligen Menschen, den ökonomischen, kulturellen und sozialen Niedergang von 83 Millionen verantwortlich sein? Zählt das Leben von allen Menschen gleich viel oder zählt das Leben von schwer kranken alten Menschen, das sich dem Ende nähert, mehr als das von 46-jährigen Unternehmerinnen, die sich die Kugel geben, weil ihre jahrzehntelang aufgebaute Existenz als Kneipenbetreiberin mutwillig über 10 Monate hinweg zerstört wurde?

Wenn Leute wie Janssens ohne jede Faktenlage behaupten, dass wir jetzt einen Notstand hätten (obwohl die Zahlen auf ICUs die gleichen sind wie im August oder September 2020!!!), ohne dass auch nur ein einziges der über 11.000 verfügbaren Notfallbetten aufgebaut wäre?

Warum gibt es Notfallbetten, wenn schon zuvor die gesamte Gesellschaft in Todespanik versetzt wird, obwohl alle selbst denkenden Menschen (also nicht die Lakaien von ARD, ZDF, RTL und allen Tageszeitungen mit den zwei oder drei Ausnahmen) wissen, wie ungefährlich Corona für fast alle Menschen ist bei einer  Sterblichkeit von 0,14 bis 0,23 Prozent – weltweit?

Die Medien sind Lakaien der Politik, die Mainstream-Medizin hat ebenso keinen Bezug mehr zur Realität – anders kann man diese harmlosen Zahlen und die dazu in extremem Missverhältnis stehenden Aufforderungen nach Gefängnis für 83 Millionen Menschen nicht mehr interpretieren.

Dieses Land ist psychisch am Ende, keiner der Verantwortlichen von Merkel über Laschet, Söder, Kretschmann oder dem Divi Zentralregister kann noch rational denken und evidenzbasiert handeln.

Für die Langsamblicker*innen: Es gab am 17. September (22.299) beziehungsweise am 21. August 2020 (22.079) fast genauso wenige Intensivpatienten wie am 10. Dezember 2020 (22.542).

Laut Euromomo gibt es – Stand 6. Dezember 2020 – in Deutschland eine Untersterblichkeit von minus 1,03 (Berlin) bzw. minus 1,70 (Hessen).

DAS soll ein Anzeichen sein für die größte medizinische Katastrophe seit 1945 in diesem Land? Kein denkender Mensch kann das verstehen. Es überrascht mich nicht, aber es schockiert, wie brutal religiös Wahnsinnige Politik betreiben. Sie haben einen Realitätsverlust. Dabei peitschen sich die Bevölkerung, die Medien, die herrschende Elite der Medizin und die Politik gegenseitig auf.

Es gibt nicht einen Richter oder eine Richterin in diesem Land, die noch unabhängig und selbst zu denken sich trauen oder das schlichtweg nicht (mehr) können – das ist offenbar die Empirie. Denn welcher Richter würde bei gleichbleibender Belegung von Intensivbetten und einer nachgewiesenen extrem niedrigen Infektionssterblichkeit, für Menschen unter 70 beträgt sie laut WHO 0,05 Prozent, weniger als bei einer Grippe, diesen nie dagewesenen Notstand rechtfertigen und als legal betrachten?

Bei einer so harmlosen Erkrankung wie Corona, die in Deutschland zu keiner bemerkenswerten (oder überhaupt keiner) Übersterblichkeit führt, die Aussetzung so vieler Grundrechte als legal betrachten?

Wir sind de facto einen Großteil des Tages eingesperrt, in Baden-Württemberg ab 12.12.2020 von 20 Uhr bis 5 Uhr, nur weil es Kretschmann oder wahlweise Söder, Laschet etc. so wollen – wie im Hygienestaat, der pandemic turn ermöglicht es. Die Politiker*innen müssen keinerlei Angst vor Gefängnis haben. Sie wissen, dass kein Richter sie je dafür verurteilen, keine Staatsanwältin sie je anklagen wird, weil alle den gleichen Realitätsverlust haben.

Jetzt wird also die größte Massenpanik seit 1945 intoniert und de facto ein Kriegszustand erklärt (gegen ein Virus).

Weiterhin einen fröhlichen post-demokratischen Advent, fröhliche Weihnachten und ein lustiges Chanukka.

 

 

 

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