Zentrum für homogene Diskussionskultur unter Gleichgesinnten

Das Zentrum für Antisemitismusforschung und seine angeblichen  ‚jüdischen Kronzeugen’…

Dr. Clemens Heni, Post-Doctoral Researcher, Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism (YIISA), YALE University

Wenige Wochen nach der Rede des iranischen Präsidenten Ahmadinedjad vor der UN Generalversammlung in New York am 23. September 2008 schreibt (bzw. publiziert) Prof. Wolfgang Benz ein Vorwort zum 17. Jahrbuch für Antisemitismusforschung. Die genozidalen Drohungen des Iran und seiner Freunde gegen Israel – das erste Mal, dass ein mächtiges und militärisch höchst gefährliches, nach Atomwaffen strebendes Regime einem anderen UN-Mitgliedsland, dem jüdischen Staat Israel (und allen Juden, die als „Zionists“ in dieser Hetzrede bekämpft werden), mit der Auslöschung droht – werden auf besonders ‚elegante‘ Weise derealisiert, indem nicht der islamische Judenhass und Antisemitismus, der auf die Tötung von Juden abstellt und explizit und mehrfach gesagt hat, Israel solle von der Landkarte getilgt werden, ins Visier geraten, sondern dessen Kritiker. Der islamistisch motivierte Massenmord vom 11. September, für Wolfgang Benz ohnehin irgendwie verständlich aufgrund der „Arroganz“ solcher Gebäude, wie Henryk M. Broder schon 2002 dokumentierte und jüngst von Hannes Stein auf der achgut-Seite sowie von Benjamin Weinthal in der Jerusalem Post in Erinnerung gerufen wurde, als auch die bestialische Ermordung des holländischen Filmemachers und mutigen Islamkritikers Theo van Gogh, werden auf eine Weise ausgeblendet, dass man sich unwillkürlich fragt, ist das Zentrum für Antisemitismusforschung nun eigentlich für oder gegen Antisemitismus? Benz, der hier nur exemplarisch für das gesamte Zentrum steht, und die wesentlichen Protagonisten des ZfA haben dieses Vorwort auch redigiert und abgesegnet, so Werner Bergmann, Mona Körte und Peter Widmann von der Redaktion, sowie Juliane Wetzel als Geschäftsführende Redakteurin, schreibt wörtlich, ohne Auslassung, Verkürzung, in seinen ersten Sätzen dieses Vorworts:

„Antiislamische Ressentiments haben seit dem 11. September 2001 weltweit Konjunktur. Die Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh im November 2004 löste emotionale Reaktionen im Publikum aus, die sich zu einem Phänomen steigerten, das man mittlerweile als Islamophobie bezeichnet.“

Diese Sätze bezeichnen das definitive Ende seriöser Antisemitismusforschung am Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung. Wie kommt ein angesehener Forscher, gar ein Forscher zu Antisemitismus, dazu, kein kritisches Wort über den Massenmord vom 11. September, die dahinter stehende islamistisch, antisemitisch-antiamerikanisch-antiwestliche Ideologie des Jihad zu verlieren, ja gar die Mörder und ihre Motivation in Schutz zu nehmen, wenn davon geredet wird, „antiislamische Ressentiments“ hätten seit diesem weltgeschichtlichen Tag zugenommen? Wurden nun gezielt Muslime ermordet oder waren Muslime die Mörder?

Es waren übrigens auch Muslime unter den Opfern, sicher. Der Angriff jedoch galt den USA, der „Ostküste“, welche als Symbol von „jüdisch“ und „westlich-kapitalistisch-urban“ weltweite Ressentiments auf sich zieht, bis heute. Das ist ein Kernelement des neuen Antisemitismus, der Hass auf Israel, den Westen und die USA, auf die Trennung von Religion und Staat, wie sie bislang in Frankreich und auch der Türkei üblich war, auf Individualität, Homosexualität, allein-Leben als Frau, auf Religionskritik etc. Das alles nicht zu sehen, vielmehr die armen Muslime als die Opfer seit 9/11 herbei zu fabulieren, ist sehr beachtlich für einen Wissenschaftler, und also solcher spricht er ja, der Prof. Benz. Wie ausgegrenzt die Muslime zumal in Deutschland sind, sehen wir daran, dass Cem Özdemir nun Vorsitzender der Grünen ist, Özdemir ist ein Schwabe wie viele andere. Ein ausgegrenzter Muslim, so wie die Juden im 19. Jahrhundert oder gar später? Märchenstunde mitten in Berlin? Über die grundsätzlichen Unterschiede von Antisemitismus und Rassismus/“Islamophobie“ ist zudem an anderer Stelle bereits einiges gesagt worden. Gleichwohl sollte nicht vergessen werden, dass es auch international unter Antizionisten und ihren Freunden/Verharmlosern Mode geworden ist, „Islamophobia“ mit Antisemitism zu vergleichen und perspektivisch gleich zu setzen, wie eine Konferenz dieses Jahr in England zeigt, wo u.a. der in USA bekannte Antizionist Matti Bunzl aufgetreten ist und David Hirsh von Engage, der sich ja sehr engagiert zeigte gegen den Israel-Boykott von Gewerkschaften in England, war mit dabei…

Sodann: die bestialische Ermordung Theo van Goghs am 2. November 2004, dem schließlich eine islamistische Tirade auf einem Zettel auf die Brust mit einem Messer gestochen wurde, diese Ermordung mitten am Tag, mitten in Europa, ist Benz kein Wort des Bedauerns oder der Analyse wert. Nein, die Muslime seien seit jenem Tag im Jahr 2004 in der Defensive. Er trampelt auf dem toten van Gogh herum und beschuldigt ihn geradezu, quasi nach dem Motto ‚wieso hast du dich so abschlachten lassen, gerade von einem fanatisierten Muslim? Jetzt sind die armen Muslime in der Defensive. Wieso hast du das mit dir machen lassen, Theo van Gogh?‘, scheint Benz zu denken. Nicht das Opfer van Gogh liegt ihm am Herzen, nein, die Mörder und diejenigen Muslime, welche sich ja bekanntlich in so ungeheurer Zahl fast täglich zu Massendemonstrationen gegen den politischen Islam versammeln, in Amsterdam, Groningen, Berlin, Köln oder Brüssel. Es gibt Muslime, welche in Todesgefahr leben, ja. Und zwar vor allem (Ex-)Musliminnen, welche sich der patriarchal-religiös-fanatischen Religion des ach so friedfertigen Mohammed und seinen Jüngern nicht fügen. Die Muslime sind seit 9/11 und nach dem Mord an Theo van Gogh so sehr in die Defensive geraten, dass am 7. Februar 2005 mitten am Tag, mitten in Berlin Hatun Aynur Sürücü von ihren eigenen Brüdern hingerichtet wurde, weil sie zu „unislamisch“, sprich: westlich lebte. Wie kommt das ZfA darauf, dass Muslime in der Defensive sind? Will dieses gut ausgestattete Zentrum auch Hatun Sürücü gleichsam verhöhnen, wenn es sagt, seit 2004 sei „Islamophobie“ gestiegen? Konkret, also in Wirklichkeit (!), wurde wenige Wochen nach dem Mord an Van Gogh dieser sogenannte „Ehrenmord“ an der Berlinerin Sürücü verübt. Über „Ehre“ und Islam wäre demnach zu debattieren und nicht über Phantasmen wie „Islamophobie“. Hatun wurde gerade ermordet, weil ihr vorgeworfen wurde, sie sei ‚islamophob‘, gar als Tochter von Muslimen.

Die Konferenz des ZfA fand nur 2 Wochen nach dem fürchterlichen Massaker in der indischen Metropole Mumbai (Bombay) statt, als fast 200 Menschen von islamistischen Mördern erschossen, massakriert, gefoltert wurden. Das jüdische Gemeindezentrum der Chabad-Gemeinde wurde gezielt angegriffen und Juden wurden nach Berichten von Ärzten am grausamsten gefoltert und dann getötet. Das Ehepaar Rabbi Gavriel und Rivka Holzberg ist unter den Ermordeten. Auch diesem antisemitisch und anti-westlich (Mumbai ist eine multikulturelle, vielfältige, kapitalistisch-westliche Stadt) motivierten Massenmord der Jihadisten hätte das ZfA spontan seine Tagung widmen können. Dann jedoch wäre nur noch deutlicher geworden, dass nicht „Islamophobie“ ein Prolem unserer Tage ist, sonder der politische Islam. Das Versagen der Antisemitismusforschung am ZfA zeigt sich somit auch an diesem Fall. Die islamistischen Massenmörder hingegen können frohlocken: ob sie nun in London oder Madrid dutzende oder gar hunderte Menschen im öffentlichen Nahverkehr feige und gezielt ermorden, Luxushotels in Pakistan mit Selbstmordattentätern angreifen und wiederum dutzende Menschen in den Tod reißen, oder aber wie in Mumbai tagelang hunderte Geiseln halten, fast 200 Menschen ermorden, die Forschung widmet sich lieber der „Islamophobie“ und nicht der Gefahr, welche der politische Islam darstellt. Das sollte zu denken geben.

De facto sind nicht alle Muslime Terroristen, aber fast alle Terroristen heute sind Muslime. Darüber gilt es nachzudenken, selbst als Antisemitismusforscher. Ja gerade als solcher, eigentlich.

Die sodann folgende Tagung am 8. Dezember 2008 des ZfA zu „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ ist nur die logische Konsequenz der Gleichsetzung von Antisemitismus und „Islamophobie“. Zwar erwähnt Benz im Folgenden, dass es auch „Judenfeindschaft von Muslimen“ gibt, aber das ist nur ein Lippenbekenntnis. Oder nicht? Wie kommt es, dass Benz im Sommer, in Heft 186 der bedeutenden Zeitschrift Tribüne, über „Stereotype und Verschwörungstheorien“ schreiben konnte, über „islamistischen Antisemitismus“ und sogar den Publizisten Matthias Küntzel mit einem Aufsatz aus dem Jahr 2003 positiv rezipiert? Im Sommer 2008 dies und nun, im Dezember 2008 in einer nur von ihm unterzeichneten Presseerklärung des ZfA zu der umstrittenen Konferenz vom 8. Dezember, postuliert der Professor, die Kritik an der Konferenz, wie sie bekanntlich im wesentlichen von Dr. Gudrun Eussner, Dr. Matthias Küntzel, mir selbst, sowie Benjamin Weinthal, LizasWelt, Wadinet und insbesondere und nachdrücklich von Henryk M. Broder auf der von ihm mitbetriebenen Internetseite Achse-des-Guten vertreten wurde, sei „nicht verhandlungsfähig“.

In einer Zeit, wo Deutsche, Österreicher, sonstige Europäer, Russen, Chinesen und viele andere mit den Lakaien des Holocaustleugners Ahmadinejad direkte Geschäfte machen und zwar große, dieser gefährlichste Antisemit unserer Zeit von den Vereinten Nationen gar beklatscht wird für seine Hetze gegen Juden („Zionists“), in einer Zeit zudem wo an diesem umstrittenen Zentrum für Antisemitismusforschung im Sommer 2007 auf einer Sommeruniversität zu Antisemitismus ein Neonazi hat teilnehmen dürfen – also offenbar „verhandlungsfähig“ war – in einer solchen Zeit Kritik, ob polemisch, wissenschaftlich oder persönlich – nicht nur nicht zu diskutieren, sondern Kritiker als „nicht verhandlungsfähig“ arrogant, überheblich und vor allem autoritär-deutsch abzukanzeln, das ist wirklich beachtlich und bemerkenswert. „Nicht verhandlungsfähig“ sei also die substantielle Kritik am politischen Islam unserer Zeit. Benz beginnt das oben zitierte Vorwort mit dem Massenmord von 9/11 und dem Mord an Theo van Gogh – diese beiden „Ereignisse“ (ist das überhaupt das richtige Wort dafür?) werden nun gar nicht in ihrer unfassbaren Dimension analysiert. Vielmehr werden die Mörder und ihre Motive, Islamisten und ihr islamischer Antisemitismus, als Opfer dargestellt. Grotesker und abstoßender geht es kaum. Das ZfA hat den Bezug zur Wirklichkeit damit vollends verloren (ob das nur ein „Abweg“ der bisher angeblich immer so guten Forschung sei, wie Küntzel meint, sei vorsichtig dahingestellt).

Internationale Kritik an der skandalösen Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ (das ist eine Gleichsetzung, für alle, die das immer noch nicht verstanden haben sollten und der Grammatik nicht Herr sein sollten) wie jene von Dr. Daniel Goldhagen, Dr. Manfred Gerstenfeld, Dr. Dieter Graumann, Elie Wiesel, Dr. Matthias Küntzel im Wall Street Journal, mir selbst in der Jerusalem Post, Dr. Gudrun Eussner aus Frankreich, Henryk M. Broder und einigen anderen, sei schlicht „nicht verhandlungsfähig“. Ja mehr noch: Benz, offenbar in den Seilen hängend, vor der Konferenz schon, fantasiert sich gerade zwei jüdische Kronzeugen herbei, Lala Süsskind als Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, und Ilan Mor, Gesandter der Israelischen Botschaft in Deutschland, die angeblich hinter ihm und dem ZfA und dieser den Antisemitismus zu einer beliebigen Facette europäischen Rassismus‘ herunter spielenden Konferenz stehen würden. Benz bzw. das ZfA denken offenbar, ‚wenn wir schon keine Argumente haben, müssen wir zumindest sagen, dass ‚die Juden‘ hinter uns stehen‘. Das ist so perfide und grotesk, dass es einem nicht leicht fällt, Worte dafür zu finden. Und das schockiert die Öffentlichkeit noch nicht einmal. Journalisten wie Frank Jansen vom Tagesspiegel, oder Alan Posener von der Achse-des-Guten,  natürlich Christian Böhme von der Jüdischen Allgemeinen sowie deren Autor Martin Krauss verteidigten Benz und hatten nicht nur mit der Konferenz sondern auch mit diesen infamen Lügen des Instituts kein Problem. Dabei ist es so bezeichnend, wenn sich ein Deutscher Juden als ‚jroße Macht‘ hinter sich sehen will, das erinnert zudem an Konrad Adenauers Vorstellung vom ‚Weltjudentum‘… Wieso ist es kein Skandal, dass Benz sich zweier Juden (und noch dazu eines Sozialdemokraten und Bundestagsabgeordneten, der als Kritiker des Antisemitismus gilt, Gert Weisskirchen) gleichsam bedienen wollte, um sich einen Koscherstempel zu holen für seine Tagung, die offenbar auch für ihn im Begriffe stand, Antisemitismus zu verharmlosen?

Juden dienen in dieser Affäre ZfA/Benz als Objekt einer begriffslosen Wissenschaft am Ernst-Reuter-Platz. Nach der Konferenz nun werden Juden wie auch andere Kritiker der Konferenz als „nicht verhandlungsfähig“ abqualifiziert. In der Presseerklärung eine Woche nach der Konferenz hätten Benz und das ZfA sich auch öffentlich bei Süsskind, Mor oder auch Weisskirchen entschuldigen können. Doch dazu kam es nicht. Selbstbewusstsein und Kritikfähigkeit sehen anders aus.

Besser als jede Habilitationsschrift oder Dissertation des ZfA ist der folgende Satz von Broder: „‘Antisemitismusforscher‘ gehen der Frage nach, WARUM Juden gehasst werden, nicht warum JUDEN gehasst werden.“

Auf einen solchen Satz wäre das Zentrum für Antisemitismusforschung in keinen 50 Jahren gekommen. Vor diesem Hintergrund finde ich es sogar entschuldbar, dass Broder schön öfters gesagt hat, er möge keine Fußnoten. Für einen solchen Satz braucht‘s auch keine.

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