Islamwissenschaft, Postorientalismus und Antisemitismus

Islamwissenschaft, Postorientalismus

und Antisemitismus

Superhelden der Antisemitismus- und Islamforschung, Teil 2:

Wolfgang Benz und Achim Rohde,


Zeitschrift für Geschichtswissenschaft und Die Welt des Islams

Von Dr. Clemens Heni

Der Artikel als PDF: Islamwissenschaft, Postorientalismus und Antisemitismus


„Kein Zeitungsknabe wird uns jemals erzählen, was grad alt oder brandneu ist.
Damit wird er höchstens so viel erzielen
wie ein Hund, der gegen Bäume pisst.“

Das Wort zum Sonntag“,

Die Toten Hosen, 1986[1]

Ging es den Juden Ende des 19.Jh. so wie den heutigen Muslimen?

Wie die amerikanische Feministin Phyllis Chesler auf einem Vortrag im Sommer 2010 sagte, ist Israel so existentiell bedroht wie wohl noch nie seit 1948. Denn der Antizionismus als neue Form des Antisemitismus[2] ist in der muslimischen Welt wie im Westen eine tödliche Gefahr für Juden. Seit dem 11. September 2001 wird nicht etwa der Jihad, der Heilige Krieg der Islamisten und die Ideologie des politischen Islam von Akademikern analysiert, vielmehr kommt es zu Attacken gegen Verteidiger_innen einer freien, westlich geprägten Welt inklusive Israels und zu Angriffen gegen im muslimischen Jargon ‚Ungläubigen‘, vielfach mit Schützenhilfe der Wissenschaften. Der Iran baut an der Atombombe und deutsche Firmen helfen dabei während deutsche Nahostforscher, Islamwissenschaftler, Historiker und Sozialwissenschaftler lieber von „Islamophobie“ reden und sich die Politik in Appeasement übt. Absurder könnte die Welt nicht sein, doch die offene wie klammheimliche, subkutane, ubiquitäre Affirmation des islamischen Jihad ist kein Zufall.

Die wenigen hörbaren Kritikerinnen und Kritiker des politischen Islam werden häufig als  ‚islamophob‘ diffamiert, während Mörderbanden wie Hamas oder die Taliban offenbar gerade wegen deren islamistischer, antisemitischer und antiwestlicher Ideologie sowie brutalen Aktionen wie der Verstümmelung von selbstbewussten (muslimischen) Frauen[3] als ‚Gesprächspartner‘ geadelt werden.[4]

Israel wird isoliert und die Agitation gegen den jüdischen Staat ist nicht nur eine der Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen (genannt „Israelkritik“), vielmehr Alltag in den Medien der westlichen Welt wie in Forschungskolloquien, Publikationen, der Tagespresse, in Karikaturen, Parolen auf Demonstrationen, Dissertationen, Magisterarbeiten, Hausarbeiten, Festvorträgen, Ehrungen, der Verleihung von Bundesverdienstkreuzen wie an Felicia Langer, Hetzeinträgen auf Facebook, Bundestagsbeschlüssen, Reden oder auch wissenschaftlichen Beiträgen in Fachzeitschriften.

Im Folgenden geht es beispielhaft und schwerpunktmäßig um Tendenzen heutiger Islamwissenschaft und Historiografie. Das obige Zitat der Punkrockband Die Toten Hosen mag verdeutlichen, dass sich auch Intellektuelle nicht von den „Zeitungsknaben“ vorschreiben lassen sollten, „was grad alt oder brandneu ist“. Geht es den Muslimen in Europa und Deutschland so wie den Juden Ende des 19. Jahrhunderts? Das ist eine zentrale Frage hierbei – schon die Frage evoziert Kopfschütteln bei Gesellschaftskritikern, gleichwohl stellen sie nicht wenige Akademiker im Mainstream ungeniert und mit geschwollener Brust.

Eine Kritik der Ideologie unserer heutigen Zeit, eine Decodierung und Dechiffrierung des Zeitgeistes muss sich vorrangig um den politischen Islam und zunehmend seine westlichen (bzw. im Westen lebenden) Freunde und Helfer kümmern. Dazu möchte der folgende Artikel einen kleinen Beitrag leisten. Dabei geht es um die Zeitschrift für Geschichtswissenschaft sowie Die Welt des Islams, in beiden Fachzeitschriften publiziert der Islamwissenschaftler Achim Rohde.

In ihrer neuesten Nummer setzt die Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG), Ausgabe 7/8 2010, welche von Wolfgang Benz persönlich als special editor zu verantworten ist, Antisemitismus und Islam(ismus)kritik auf eine Stufe. Das Ziel ist zu suggerieren, dass Antisemiten und sogenannte „Orientalisten“, also Forscher oder Publizisten zum Orient und der islamischen Welt, auf sehr ähnliche Weise Ressentiments gegen ‚das Fremde‘ oder ‚Andere‘, also sowohl gegen Juden wie gegen Araber/Muslime/Türken gegen Ende des 19. Jh./Anfang des 20. Jh. hegten bzw. bis heute und seit 9/11 wieder pflegen würden.

Ein zentraler Aspekt ist hierbei folgende Passage aus dieser Nummer der ZfG:

„Die aktuell zu verzeichnende gleichzeitige Zunahme antisemitischer wie auch antimuslimischer Ressentiments in Deutschland und anderswo verweist auf die strukturverwandte Funktion beider in ein und derselben ‚economy of Otherness‘.“[5]

Das Zitat stammt von dem Islamwissenschaftler Achim Rohde, einem Vertreter der jüngeren Generation von Islamforschern. Rohde ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig. Rohde behauptet – und er steht damit scheinbar exemplarisch für einen Trend – Juden und Muslime würden in Deutschland gleichermaßen angefeindet. Meistens wird dabei wie erwähnt die Situation von Juden von Ende des 19.Jh. bis Anfang des 20.Jh. mit der heutiger Muslime/Araber analogisiert. Dabei sind Muslime im heutigen Deutschland gar nicht gefährdet, anders Juden und jüdische Einrichtungen: Rohde fantasiert eine „Islamophobie“ herbei, so als seien vor jeder Moschee Polizeiwachen und Betonbarrieren nötig, so wie vor jedem jüdischen Kindergarten, jeder Synagoge oder jedem jüdischen Gemeindehaus in der Bundesrepublik. Es wird so getan als ob es Demonstrationen geben würde in Deutschland wo „Tod, Tod den Muslimen“ gerufen würde, analog zu den bekannten Hassparolen „Tod den Juden“ oder „Olmert ist ein Hundesohn“, wie sie im Januar 2009 anlässlich des Gaza Krieges in Deutschland geschrien wurden. Es wird schließlich implizit suggeriert (denn man kennt die Geschichte des Antisemitismus von Ende des 19. bis 1945!), dass die Muslime heute so wie die Juden Ende des 19. Jh. wenige Jahrzehnte vor einem Holocaust stünden.

Nur als Randbemerkung: Die Vermischung von Rassismus und Antisemitismus ist hierbei ein auffälliger Aspekt, ebenso das Herbeireden einer ‚Islamophobie‘, wo es doch eher um Rassismus und Nationalismus geht. Im Zuge der sog. Wiedervereinigung ab 1989/90 wurde in den 1990er Jahren über 100 Menschen in der Bundesrepublik, die erst seither ‚Deutschland‘ genannt wird, von Rechtsextremisten und Neonazis ermordet. Darunter fielen Asylbewerber, Migranten, Obdachlose, Linke, Punker und alle als von den Mördern nicht-deutsch-genug für die völkische Ideologie und das neue Deutschland erachtete Menschen. Auch Juden und jüdische Einrichtungen wie Synagogen waren Angriffsziele der Stolzdeutschen. Kaum jemand wenn überhaupt irgendjemand sprach damals, Anfang der 1990er Jahre von ‚Islamophobie‘ – die Opfer wurden auch nicht als Muslime ermordet, vielmehr als von den Neonazis nicht in die neu-deutsche Volksgemeinschaft gehörende. Linke, Migranten, Schwarze und andere werden bis heute in vielen Gegenden zumal der ehemaligen DDR in den sogenannten ‚national befreiten Zonen‘ attackiert, eingeschüchtert, bedroht, geschlagen, verletzt und auch ermordet. Muslime als Muslime sind jedoch kein Ziel von Nazis. Eher gibt es ideologisch eine deutliche Verbindung von Islamisten zu Neonazis: Antisemitismus, Antiamerikanismus und die Liebe zu kultureller Identität sind hüben wie drüben basal. Dazu kommen noch die historischen Verbindungen von Deutschland und nicht zuletzt dem Nationalsozialismus zur islamischen Welt. Für den einflussreichsten Vordenker des heutigen Rechtsextremismus und der Neuen Rechten in der Bundesrepublik, Henning Eichberg, war schon in den 1980er Jahren der Islam und gerade der „nativistische Islam der Moslembrüder“ ein Vorbild antiwestlichen Ressentiments.[6] Mit „Odin und Allah“ gegen Israel, die Juden und Amerika, das ist der gemeinsame Tenor vieler Neonazis und Islamisten.[7]

Der Islamismus ist eine große Gefahr für den Weltfrieden, und entgegen den Insinuationen zum Themenkomplex Islamismus/Terror/Jihad/Suicide bombing/Antisemitismus/Antiamerikanismus/Antiuniversalismus/Kulturrelativismus/Menschenrechte/Genitalverstümmelung/Frauenrechte/Kinderrechte/Egalität der Geschlechter/westliche Lebensweise etc. etc., sind jene Muslime, die den politischen Islam repräsentieren, spätestens seit dem 11. September zu einer Gefahr für die politische Kultur Europas geworden sowie zu einem großen weltpolitischen Thema. Dabei handelt es sich um eine nicht klar umrissene große Gruppe von Muslimen auch in Deutschland, deren „Islamisierung“ Europas, um den Islamwissenschaftler Ralph Ghadban[8] zu zitieren, sich in Alltagspraxen wie Verschleierung und Kopftuchtragen, Fasten, Beten, den Ramadan strikt befolgen, sowie in Demonstrationen und politischen Statements äußert. Was in jedem Falle auffällt, ist das beredte Schweigen der übergroßen Mehrheit der Muslime zu den Terrorakten der Jihadisten seit dem 11. September.

Die wenigen bekannten muslimischen und andere Islamkritiker_innen werden häufig denunziert und deren Analysen abgewehrt, wie es sich beispielhaft im unter Sozialwissenschaftlern populären VS Verlag Sozialwissenschaften in dessen Agitationsband Islamfeindlichkeit zeigt[9], wo einige bekannte Autoren[10] den politischen Islam in Schutz nehmen und die wenigen Kritiker diffamieren.

Dass es weiterhin Rassisten und Nationalisten gibt, welche auch ‚den‘ Islam verteufeln, der als nicht-deutsch genug rassistisch ausgegrenzt wird, ist keine Frage. Wer jedoch Kritik am Islam als große Gefahr für Muslime in Deutschland herbei redet, verlässt die Wirklichkeit und baut Pappkameraden auf. Das ist einfach, billig und passt in die ach-so-friedliche Multikulti-phraseologie, welche de facto sich weder um ungläubige (auch Ex-) Muslime noch um säkulare, universelle Menschenrechte schert. Denn sobald Distanz zu Religion, Ethnie, Authentizität oder kultureller Identität am Horizont erscheint, werden die braven Multikulturalisten ruckartig ganz verbissen, zornig und böse. Wer sodann kritische, gleichwohl unterschiedliche Weblogs wie achgut, wadinet, de.danielpipes.org/, henryk-broder.de, lizaswelt, weaponsofmoderndemocracy, eussner.net/index.html, spiritofentebbe, www.tw24.info/ oder honestlyconcerned mit extrem rechten, nationalistischen, rechtspopulistischen bzw. super christlichen und gerade in den Kommentaren von Rassisten gern besuchte Blogs und Gruppierungen wie pro-koeln[11] oder Politically Incorrect und anderen in einen Topf wirft und unter dem Titel „Grenzenloser Hass im Internet“ subsumiert, wie es Sabine Schiffer in dem erwähnten Band „Islamfeindlichkeit“ macht, lässt jegliches Differenzierungsvermögen vermissen und betreibt gezielte, aggressive Gegenaufklärung und Propaganda gegen jede Form von Kritik am politischen Islam, ja Kritik und Ressentiment werden gleich gesetzt und erstere damit diffamiert und entstellt.[12]

Es war schließlich kein Zufall, dass der Massenmord im World Trade Center von Islamisten in Hamburg und anderen Orten Europas maßgeblich geplant wurde. Doch genau davon soll geschwiegen werden.

Darüber hinaus: Juden können nicht ohne weiteres mit einer Kippa oder mit einer Davidsternhalskette durch die Straßen Berlins laufen, das gilt auch für die meisten anderen deutschen Städte. Das liegt nicht nur an aggressiven, häufig (aber nicht immer) jugendlichen oder noch jüngeren Muslimen (und Nazis, zumal im Osten), vielmehr ist es im Mainstream, in der gesamten Gesellschaft in der BRD hinter vorgehaltener Hand aber auch durchaus expressis verbis verschrien als Jude öffentlich zu erkennen zu sein oder viel mehr ganz un-verschämt verschrien, sich offen oder auf einer privaten Feier gar als Freund des jüdischen Staates Israel zu erkennen zu geben. Wer jemals mit einer kleinen Israel-Fahne am Auto durch Berlin gefahren ist kann diesen Eindruck bestätigen.

Deutsche mögen zwar tote Juden, aber mit den lebenden lebt sich‘s schwer[13], zumal wenn sie wie die israelische Armee IDF bewaffnet den Antisemiten sich entgegen stellen. Doch das wie gesagt nur als Randbemerkung.

Methodisch zeigt sich in Vergleichen und Analogien von Rassismus und Antisemitismus und besonders von Antisemitismus und ‚Islamophobie‘ bzw. ‚Orientalismus‘ zunehmend die Unfähigkeit von Mainstream-Wissenschaftlern, Antisemitismus als irrationalen, genozidalen Hass zu erkennen. Dabei ist Antisemitismus „the longest hatred“ („der längste Hass“), wie es der Antisemitismusforscher Robert Wistrich schon vor Jahrzehnten sagte.

Die heutige Situation analysiert Wistrich wie folgt:

„Uncle Sam, so to speak, has coalesced with Shylock into a terrifying specter of globalization (‚Americanization‘) threatening to swamp the world of Islam, much as late-nineteenth-century European anti-Semites liked to depict ‚international Jewry‘ as the satanic engine of finance capitalism and supranational cosmopolitanism.“[14]

Viele Forscher hingegen setzen Antisemitismus und Rassismus gleich, oder konstruieren Kontinuitäten des Kolonialismus und auch Imperialismus hin zum Nationalsozialismus. Die Fehler solcher Vergleiche werde ich etwas ausführlicher an anderer Stelle untersuchen. Hier geht es um Benz und Rohde, zwei typische Vertreter der Antisemitismusforschung bzw. der Islamwissenschaft in Deutschland. Dass Benz Rohde in der aktuellen Ausgabe der ZfG publiziert, hat eine inhaltliche Stringenz und Logik.

Die Zeitschrift für Geschichtswissenschaft

Die Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG) wurde 1953 in der DDR gegründet und dann ab 1990  von Wissenschaftlern im  Umfeld des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der Technischen Universität Berlin übernommen. Dort wird sie bis heute federführend von Wolfgang Benz herausgegeben, Chefredakteur bzw. „verantwortlicher Redakteur“ ist Friedrich Veitl.

Die ZfG ist eine Monatszeitschrift und wirbt für sich wie folgt:

“Jährlich ca. 36 Aufsätze; Aktuelle Debatten; Großer Rezensionsteil; Über 1100 Seiten jährlich; Erscheint monatlich“.

Bei einer Monatszeitschrift ist davon auszugehen, dass die neueste Nummer, Heft 7/8 2010 (eine Doppelnummer Juli/August), im Juni 2010 hergestellt wurde und  typischerweise haben Monatszeitschriften irgendwann zwischen dem 9. und 16. eines Monats Redaktionsschluss, jedenfalls kaum vor dem 1. des Vormonats.

Am 31. Mai 2010 provozierten Islamisten, Rechtsextremisten, Linke und andere Teilnehmer der Gaza Flotille einen Militäreinsatz der israelischen Armee, indem diese Flotille gegen die völkerrechtlich abgesicherte Blockade des Gaza-Streifens vorging und ihre Nähe zur islamistischen und die Vernichtung Israels proklamierenden Hamas deutlich zum Ausdruck brachte. Während die Frauen auf dem „Frauendeck“ zärtlich dem Sonnenaufgang entgegen zirpten und ihren männlichen Kollegen die Daumen drückten, bewaffneten sich die Männer mit Messern, Eisenstangen, Holzlatten und ähnlichem Gerät, überrumpelten die sich abseilenden israelischen Soldaten, brachten einige in Todesgefahr, stachen mit Messern auf sie ein, verletzten und demütigten sie, was in letzter Konsequenz den Einsatz von Schusswaffen von Seiten der IDF notwendig machte. Neun türkische Angreifer starben, wobei überliefert ist, dass einige bereits beim Ablegen in der Türkei sagten, sie wollten zum Märtyrer, Shahid, werden auf dieser antisemitischen Mission.

Sobald im Laufe des 31. Mai bekannt wurde, was – zumindest ungefähr – auf dem Mittelmeer passierte, rannten viele dutzend, bald hunderte und tausende zumeist deutsch-türkische Facebook-User zu ihren Maschinen und tippten brutale, zum Mord an Juden aufrufende sowie den Holocaust preisende Parolen und Einträge ins Internet. Diese Antisemiten posteten Einträge wie die folgenden:

A.S. Juden sind Kinder des Teufels, die stehlen, morden und ihren Kindern das gleiche beibringen. (Martin Luther)“; „J.M. hitler mach dir kein kopf den rest der juden übernehmen wir türken. Danke fuer alles. Hdl adolf. via Handy-Web“; „B.K. Der Adolf Hitler war der Lösung für die Juden…fuck u Israel“; „Y.Ş. Wir sind zwar alle weder nazis oder ähnliches… aber warum ist adolf bevor er alle juden vernichtet hat bloß gestorben… Naja beten wir gemeinsam dass israel in seiner eigenen scheiße untergeht“; „V.C. ich hab bock juden abzuballern . S.A. gefällt das.“

Diese unfassbaren, in der Geschichte der Bundesrepublik bzw. seit 1945 wohl in ihrer Anzahl und Offenheit präzedenzlosen antisemitischen, zum Mord aufrufenden hetzerischen Einträge waren zumeist mit richtigem Namen, Bild etc. versehen und sind als offene Einträge auf Facebook auch für nicht Facebook-Mitglieder einsehbar. Bei der Polizei gingen mehrere Anzeigen gegen diese Antisemiten ein.

  • Wie reagierte daraufhin das Zentrum für Antisemitismusforschung?
  • Hat es eine Presseerklärung verfasst und den Aufruf zum Judenmord von Seiten dieser Muslime bzw. zumeist Deutsch-Türken kritisiert?
  • Hat es diese antisemitischen Hetzer im Kontext des heutigen, ubiquitären antizionistischen Antisemitismus analysiert?

Nein, das ZfA schweigt zu diesen antisemitischen Attacken aus dem Migrantenmilieu, also von Deutschen mit Migrationshintergrund. Vielmehr hat der Leiter des ZfA Benz jüngst selbst den Antizionismus verharmlost oder/und affirmiert und ihn ‚erstmal‘ vom bösen Verdacht antisemitisch zu sein, ‚befreit‘, siehe ein Gespräch von 3sats Kulturzeit mit Benz wo dieser eine antisemitische Plakataktion dänischer Künstler in Schutz nimmt.[15]

Insofern ist es eigentlich nicht verwunderlich dass Benz in der Ausgabe 7/8 2010 der ZfG, deren Editorial ziemlich sicher nach dem 31. Mai verfasst wurde, die Aggression der Gaza Flotille mit keinem Wort erwähnt. Auch die zitierten Postings auf Facebook, die offen  zur Vernichtung von Juden aufrufen sowie den Holocaust preisen, finden ‚natürlich‘ keine Erwähnung, geschweige denn der Umstand, dass die Postings ganz überwiegend von Deutsch-Türken kamen.

Am 4. Juni 2010 besuchte ich ein Tagesseminar im Jüdischen Museum Berlin, federführend organisiert vom „Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft“ (GDV). Es ging um die Geschichte der deutschen Versicherungswirtschaft im Nationalsozialismus. Gleich zu Beginn kamen zwei Redner auf die unglaubliche antisemitische Hetze im erwähnten Online-Portal des Web 2.0, Facebook, zu sprechen. Zuerst erwähnte Hartmut Rhein, der den Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit vertrat, dass den „Zerrbildern“ entgegen getreten werden müsse und geißelte die „Haßparolen der letzten Tage“. Im Anschluss sprach der Vorsitzende des GDV und spätere Hauptreferent des Tages, Dr. Jörg von Fürstenwerth. Schockiert zeigte er sich von jenen Kommentaren, die dazu aufriefen, „Juden zu vergasen“. Diese Reaktionen, wenige Tage nach der Aktion im Mittelmeer, zeigten deutlich, dass dieser Antisemitismus  – ‚call a spade a spade!‘ – von Deutsch-Türken sehr wohl wahrgenommen und scharf kritisiert wurde und zwar zeitnah. Vor diesem Hintergrund dürfte man eine ähnliche Distanzierung von den erwähnten Facebook-Haßeinträgen von Seiten eines Zentrums für Antisemitismusforschung auch erwarten.

Sind Antisemitismus und Orientalismus Verwandte?

Unabhängig davon wann Benz sein Editorial verfasst hat – folgende Äußerungen sind für den Leiter eines Zentrums für Antisemitismusforschung beachtlich:

„Die derzeit mit mehr Leidenschaft als Sachkenntnis beschworene Gefahr einer ‚Islamisierung Europas‘, ausgetragen in Kopftuchdebatten, artikuliert im Verlangen nach Minarettverboten, agiert mit hasserfüllten Tiraden in der Blogger-Szene, greift auf jahrhundertealte Deutungsmuster zurück. Feindschaft gegen den Islam argumentiert seit dem Mittelalter mit schlichten Thesen der Abwehr, die durch Koran-Polemik Religion und Kultur des Islam als inhuman denunzieren und durch kulturrassistische Postulate den Muslimen generell negative Eigenschaften zusprechen. Der aktuelle ‚islamkritische‘ Diskurs hat erhebliche xenophobe Züge, bedient Überfremdungsängste, argumentiert durchgängig mit religiösen Vorbehalten, die seltsamerweise in den säkularisierten Gesellschaften Europas mit großem Ernst vorgetragen und nachempfunden werden. Die Vorstellungen von Despotie (beginnend in der Familie), Gewaltbereitschaft, Bildungsunlust reichen weit zurück.“[16]

Es ist nicht etwa der von ideologisierten Muslimen zu verantwortende Massenmord von 9/11 welcher im Fokus der Islamwissenschaftler, Historiker und Antisemitismusforscher steht, vielmehr seien „jahrhundertealte Deutungsmuster“ über den Islam am Werke. Aus einer politischen und philosophischen Kritik am politischen Islam bzw. Islamismus zumal seit 9/11 fantasiert Benz sehr alte, fast schon europäisch-anthropologische, jedenfalls europäisch-essentialistische „Deutungsmuster“ gegen den Islam herbei.

Bei solchem Jargon erstaunt die annähernd kollektive Ablehnung in den deutschen Wissenschaften der Studie von Martin Kramer über das Versagen der Nahostwissenschaften in den USA (die auch auf hierzulande zutrifft) nicht. Seine Analyse wird nicht als Aufforderung Antisemitismus und Islamismus zu untersuchen und zu bekämpfen gesehen, vielmehr als Hindernis, eine fröhliche und zumal deutsch-arabische/deutsch-türkische/deutsch-iranische/deutsch-muslimische etc. Freundschaft aufrecht zu erhalten.

Stefan Wild (Jg. 1937), ein führender deutscher Orientalist, langjähriger Professor und Islamwissenschaftler, rezensierte 2003 das Buch von Martin Kramer Ivory Towers on Sand. The Failure of Middle Eastern Studies in America (Elfenbeintürme auf Sand. Das Versagen der Forschung zum Mittleren Osten in Amerika)[17] für die internationale und von ihm mit herausgegebene Zeitschrift[18] Die Welt des Islams. Kramer hat mit seinem Buch eine breite Diskussion angestoßen und das anti-israelische und pro-muslimische/pro-arabische Establishment der Nahostforschung in USA herausgefordert. Damals war Kramer Herausgeber der Zeitschrift Middle East Quarterly (MEQ), dem Flaggschiff des Middle East Forums des Islamwissenschaftlers Daniel Pipes aus Philadelphia.

Für den deutschen Nahostforscher Wild hingegen ist es ein „kampflustiges Buch“ und würde den Nahoststudien in USA vorwerfen, den Islamismus und Terrorismus des Islamic Jihad nicht vorher gesehen zu haben.

Süffisant und mit despektierlichem Gestus (der Ton macht hier die Musik) erzählt Wild die Geschichte des Buches von Kramer:

„Die Tragödie beginnt mit einem Schurkenstreich: mit Edward Said’s 1978 veröffentlichtem akademischem Bestseller Orientalism, einem Generalangriff auf die herkömmliche Orientalistik und nach Kramer ‚eine Mischung aus palästinensischer Leidenschaft und akademischer Virtuosität‘ (S. 28). Saids diskursanalytische Entlegitimierung alter akademischer Autoritäten fiel laut Kramer historisch zusammen mit dem Aufkommen einer neuen Generation arabischer oder muslimischer oder beide Eigenschaften verbindender Nachwuchswissenschaftler an den Universitäten der USA. Das akademische Establishment, verkörpert in der Middle East Studies Association (MESA), übernahm mehrheitlich die Thesen Edward Saids. Die Trias westlicher Rassismus, US-amerikanischer Imperialismus und israelischer Zionismus wurde zum Charakterzug einer orientalistischen Mentalität erklärt, die es zu bekämpfen und abzulegen galt. Fachliche Kompetenz, so folgert Kramer, wurde weniger wichtig als ethnische Herkunft. Die auf solchen Fundamenten aufbauende Pseudo-Expertise profitierte von einem Gründungsrausch neuer ‚Zentren‘ und der massenhaften Errichtung neuer nahostbezogener area studies. Die neuen Mandarine an der Spitze dieser Zentren übersahen laut Kramer geflissentlich das weltweite Erstarken einer bedrohlichen islamischen Bewegung und reduzierten diese, wo sie nicht mehr weg zu interpretieren war, als Reaktion auf westliches Vorurteil nach dem Muster der sich selbst erfüllenden Prophezeihung.“[19]

Ganz im Sinne des Kulturrelativismus wird abschließend von Wild in den Raum geworfen, dass Kramer wohl „bestenfalls ein Vorurteil durch ein anderes ersetzen“ wolle, wenn er auf die „im wesentlichen wohltätige“ Rolle der USA verweise. So haben der nämlich nur kurz zuvor im Text von Wild erwähnte Osama bin Laden mit seinem fanatischen Antiamerikanismus und Antisemitismus die gleiche Vorurteilsstruktur, nur anders gepolt, wie der pro-amerikanische westliche Nahostforscher Kramer, so Wild. Diese Art absurder Gleichsetzung des Westens mit den Islamisten bzw. die Fantasie von den Islamisten als Opfern ist von vielen Reaktionen nach dem 11. September bekannt, man denke nur an den ARD-Tagesschau-Mann Ulrich Wickert, der Bush mit Bin Laden verglich oder an den Kabarettisten Hagen Rether, der von den beiden als „Giftmischern“ daher redete, in der ARD.[20]

Ein Band, mit-herausgegeben von einem der jüngeren Islam- und Nahostwissenschaftler in Deutschland, Abbas Poya aus Freiburg, passt ebenso ins Bild heutiger Islamwissenschaft. Dort wird die Islamwissenschaft gleichsam als Opfer gesehen vom 11. September wohingegen man Worte der Trauer über dieses unfassbare Verbrechen von Jihadisten vergebens sucht, stattdessen findet man anti-israelische Invektiven des vom Fernsehen und anderen Medien seit Jahrzehnten bekannten Nahostwissenschaftlers Udo Steinbach.[21]

Auch die Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Iman Attia macht die Täter zu Opfern, wenn sie meint, der politische Islam sei schon vor 9/11 zu einem „politische[n] Schreckgespenst“ gemacht worden.[22] Die Opfer des Massenmordes vom World Trade Center sind ihr kein Wort und die antisemitische und antiwestliche/antiamerikanische Motivation der Jihadisten (lange vor dem Anschlag) ist ihr keine Analyse wert.

Es sind demnach auch nicht die hetzerischen Predigten von Imamen im Nahen Osten wie  in Europa oder dem Western, welche eine Kritik am Jihadismus zumindest in einigen Kreisen evoziert haben, sondern ein ‚Vorurteil‘ gegenüber ‚dem‘ Islam seit dem Mittelalter. Das ist natürlich absurd und hat mit einer wissenschaftlichen und kritischen Analyse der Geschichte des Islam sehr wenig zu tun.

Aus den oben zitierten antisemitischen Hetzeinträgen oder den von Jihadisten begangenen Morden und Massakern in London, Madrid, Bali etc.etc. werden „Vorstellungen“ von „Gewaltbereitschaft“; Statistiken über den schlechten Bildungsgrad unter muslimischen oder/und arabischen Migranten[23] (verglichen z.B. mit Migranten aus Vietnam[24]) derealisieren sie zu bloßen „Vorstellungen“ und Kritik im Internet wird diffamiert („hasserfüllten Tiraden in der Blogger-Szene“ (Benz)). Ohne ein einziges Zitat einschlägiger muslimischer Islamkritiker_innen wie Necla Kelek oder Seyran Ates – geschweige denn einer Reflexion auf die Kritik von Henryk M. Broder oder sonstigen in der Öffentlichkeit stehenden, wenigen Islamkritikern – fantasiert Benz, es würde „den“ Muslimen etwas angedichtet.

De facto geht es immer um konkrete Fälle wie die oben zitierten. Und es geht um das beredte Schweigen der ach-so-Jihad-fernen muslimischen Bevölkerungen in der westlichen Welt.

Benz spricht davon, dass es seit dem Mittelalter eine Kontinuität der Feindschaft gegen den Islam gegeben habe. Da Benz von Beruf Historiker ist, stellt man sich unwillkürlich die Frage, ob er nicht weiß, dass z.B. Kaiser Wilhelm II. den Jihad zusammen mit seinen muslimischen Freunden im Ersten Weltkrieg hat ausrufen lassen[25] und Islamisten bis heute eine sehr hohe Meinung von Wilhelm II. haben.[26] Warum schließlich hat Hitler und haben die Deutschen mit den Arabern kooperiert im Vernichtungskrieg gegen die Juden? Es ist völlig grotesk, aber man muss offenbar fragen: Ging es im Holocaust um Araberhass/Orienthass oder um Judenhass?[27]

Benz fährt fort und führt Achim Rohdes Beitrag in jenem Heft der ZfG folgendermaßen ein:

„Die Strategie des islamfeindlichen Diskurses zielt dahin, ‚Islam‘ als Einheit erscheinen zu lassen, für die islamistischer Terror typisch ist. Dazu lassen sich die Traditionen der Wahrnehmung des Islam gut instrumentalisieren. Achim Rohde betrachtet Parallelen und Überschneidungen in der Geschichte der Orientalistik im 19. Jahrhundert einerseits und der Judaistik andererseits. Die paradigmatische Funktion der beiden Wissenschaftsdisziplinen wurde im Diskurs um die Emanzipation der Juden und um das Bild des Orients politisch. Die ‚Wissenschaft des Judentums‘ trat als neue Disziplin, gefolgt von der Islamwissenschaft, auf den Plan, auch wenn sie erst im 20. Jahrhundert akademischen Status erhielten. Im Orientalismus und Antisemitismus des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Feindbilder, die als vermeintlich dualer Gegensatz von Semiten und Ariern historisch wirkungsmächtig wurden. Dem rassistischen Nationalismus der deutschen Identitätsdebatte, die im Berliner Antisemitismusstreit 1879 gipfelte, folgte der wahnhafte Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten gegen die europäische Judenheit – argumentativ begleitet von axiomatischen Ressentiments als ideologischer Begründung. Achim Rohde macht zugleich auf die Parallelen aufmerksam, die in der Bezugnahme auf einen konstruierten Orient in der Emanzipationsdebatte des 19. Jahrhunderts gegenüber Juden (als Fremden oder Anderen) und in der Gegenwart gegenüber Muslimen bestehen.“[28]

„Orientalismus“ und „Antisemitismus“ seien Verwandte, ja irgendwie Zwillinge. Er sagt, dass im 19. Jahrhundert gegen Juden als Teil eines „konstruierten Orient[s]“ genauso vorgegangen worden sei wie heute gegenüber „Muslimen“. Ohne Luft zu holen schreibt Benz dazwischen, dass jener „rassistische[] Nationalismus“ später in den „Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten“ mündete. Damit wird ein direkter Zusammenhang von Antisemitismus, Nationalismus, Holocaust und der Situation von heutigen Muslimen in Deutschland hergestellt. Letztere befänden sich demnach, konsequent und logisch gedacht, wie die Juden im späten 19. Jh. wenige Jahrzehnte vor einem Holocaust.

Gehört die Verharmlosung des Antisemitismus und der Shoah, denn dies lässt sich nicht anders nennen, wirklich zum Aufgabenbereich eines Zentrums für Antisemitismusforschung?

Doch wie argumentiert der wissenschaftlicher Beiträger und Kronzeuge für diese Thesen in der ZfG, der Islamwissenschaftler Achim Rohde? Er schreibt zu Beginn seines für die post-kolonialistischen und postorientalistischen Studien paradigmatischen Artikels Unter Südländern. Zur Geschichte der Orientalistik und Judaistik in Deutschland Folgendes:

„Forschungen zur Geschichte der westlichen Orientwissenschaften haben sich seit der Veröffentlichung von Edward Saids ‚Orientalism‘ unweigerlich mit dessen These auseinanderzusetzen, dass der Orient erst durch den westlichen Blick als der defizitäre Andere konstruiert worden sei; damit geriet die akademische Orientalistik pauschal unter den Verdacht, an der Genese eines hegemonialen westlichen Diskurses im Dienste der kolonialen Interessen europäischer Mächte mitgewirkt zu haben bzw. diese auch weiterhin zu bedienen. Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 konstatierte Said ein erneutes Erstarken des orientalistischen Paradigmas, dessen regionale Fokussierung auf den ‚Orient‘ nun in einen analogen Fokus auf die Religion des Islam umgeschlagen sei.“[29]

Natürlich werden die 3000 Opfer des islamistisch motivierten Massenmordes vom 11. September in den vier entführten Flugzeugen, im World Trade Center sowie im Pentagon (Arlington, Virginia) und in Pennsylvania[30] nicht betrauert. Vielmehr wird im gleichen Satz der 11. September erwähnt aber unter Bezugnahme auf Edward Said lamentiert, dass „ein erneutes Erstarken des orientalistischen Paradigmas“, nun gegen „die Religion des Islam“ aufgekommen sei. Die Muslime also als Opfer dieses präzedenzlosen Massenmordes. Das ist eine bekannte Reaktion – Wolfgang Benz sprach wenige Tage nach dem 11. September über „Stolz und Reichtum und Arroganz“ solcher Gebäude wie dem World Trade Center[31]. Rohde wiederum suggeriert, dass Muslime bzw. der Islam heute zum Feindbild der neuen Orientalisten bzw. des Westens gemacht würden, wobei er heraushebt, dass schon Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts, ja im Mittelalter (!) Juden genauso wie Araber/Muslime/Der Orient zum Feindbild gemacht worden seien. Rohde schreibt:

„Ein dezidiertes Feindbild Orient, innerhalb dessen Muslime die externen politischen und Juden die internen theologischen Feinde darstellten, hat sich nach Gil Anidjar im christlichen Europa erst mit den Kreuzzügen verfestigt.“[32]

Diese Analogisierung des Antisemitismus mit dem „Feindbild Orient“ ist so haarsträubend wie wissenschaftlich falsch. Jede Spezifik des Antisemitismus wird geleugnet und Muslime werden als Opfer der Europäer dargestellt.

Es mutet merkwürdig an, wenn Rohe Muslime und Juden gleichermaßen als Opfer der Christen darstellt. Er insinuiert, beide Gruppen seien als „südliche Rasse“[33] diskriminiert worden, es hätte eine „Dichotomie zwischen arisch-germanischen und semitischen Völkern/Rassen“[34] gegeben. Der Plural ist hier fehl am Platze. De facto ging es um die rassistische und antisemitische Gegenüberstellung von deutsch versus jüdisch. Es ist ein durchscheinender Trick, wenn Rohde wie andere Islamforscher_innen nun suggerieren, Muslime/Araber etc. seien genauso Opfer der christlich-deutschen Mehrheitsgesellschaft gewesen.

Der ‚Trick‘ funktioniert über die alte Absurdität der Stilisierung von Arabern zu „Semiten“ wie die Juden und geht im post-Orientalismus-Diskurs auf Edward Said zurück. In seinem auch von dem Historiker Ulrich Sieg, der es auf die shortlist des ZfA für die Nachfolge Benz schaffte[35], als „Meisterwerk“[36] gepriesenen Buch heißt es:

„Yet after the 1973 war the Arab appeared everywhere as something more menacing. Cartoons depicting an Arab sheik standing behind a gasoline pump turned up consistently. There Arabs, however, were clearly ‘Semitic’: their sharply hooked noses, the evil mustachioed leer on their faces, were obvious reminders (to a largely non-Semitic population) that ‘Semites’ were at the bottom of all ‘our’ troubles, which in this case was principally a gasoline shortage. The transference of a popular anti-Semitic animus from a Jewish to an Arab target was made smoothly, since the figure was essentially the same.”[37]

Edward Said setzt den Antisemitismus mit ‚anti-arabischen Ressentiments‘ (die, wenn es sie gab, den ‚kleinen‘ Unterschied hatten, dass die Ölkrise von 1973 Realität war und arabische Länder ihre Macht des Ölhahns spielen ließen) gleich. Wenige Jahrzehnte nach dem Holocaust, ja bevor auch nur irgendwo auf der Welt eine größere oder substantielle Erinnerung an die Shoah einsetzte, verharmloste Said die Ermordung von sechs Millionen Juden. Es ist eine Art Holocaustleugnung, welche Said hier betreibt, ganz subkutan, klammheimlich. Konflikte zwischen den Erdöl-produzierenden Staaten und den zumeist westlichen Abnehmern haben kategorial eine komplett andere Dimension wie der Hass auf Juden, nur weil sie Juden sind.

Diese Derealisierung der Spezifik des Antisemitismus ist basal für die gesamte Forschung, welche sich affirmativ auf Said bezieht.

Nach dem 11. September hat diese antisemitische Umkehrung von Täter und Opfer ungeahnte Dimensionen erreicht. Fast die komplette Islam- und Nahostforschung in Deutschland ist seitdem verschärft damit befasst, Araber und Muslime als Opfer zu stilisieren, wahlweise Europas, Israels oder natürlich Amerikas.

Ein weiteres kleines Beispiel sei angemerkt: Die Antrittsvorlesung der Historikerin Ute Schneider an der Technischen Universität Darmstadt vom 19. Dezember 2002, mittlerweile ist sie Professorin an der Universität Duisburg/Essen. Ihr Vortrag wurde in einer überarbeiteten Fassung ebenso in der ZfG publiziert. Schneider konstruiert darin eine Analogie von Antisemitismus und Türkenfeindschaft über die Jahrhunderte hinweg.[38]

Die Dissertation von Achim Rohde

Unter Bezug auf den marokkanisch-französischen Soziologen Abdelkebir Khatibi plädiert Achim Rohde in seiner Dissertation für einen ‚selbstbewussten‘ („self-confident“) Ansatz im Nahen Osten bzw. der arabischen Welt („Arab world“). Die Dissertation wurde von Prof. Gudrun Krämer am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin im Jahr 2006 angenommen. Rohde geht es um Geschlechterverhältnisse und das politische System im Irak unter der Herrschaft der Baathisten und Saddam Hussein. Er kritisiert darin arabischen Nationalismus nur insofern, als dieser versagt habe und da die soziale Situation bzw. die Geschichte von nicht in einen homogenen arabischen Nationalismus passenden Strömungen negiert werde. Entscheidend jedoch ist Rohdes abschließender Bezug auf Edward Said und der letzte Absatz der Arbeit Rohdes, wo er sich hoffnungsfroh einem Pan-Arabismus anschließt, der die Verfehlungen des irakischen Baathismus überwindet:

„Echoing Sa’id’s call, the Beirut-based independently funded journal Zawaya provides a platform for writers from all Arab countries. It is dedicated to a pan-Arabism among whose guiding principles are ‘opposing to dogma and the hegemony of globalisation’. Hopefully, proponents of such a reconstructed pan-Arabism will succeed where Ba’thism so disastrously failed, namely in formulating a vision for physically and mentally decolonizing the Arab world, one what is aware of the pitfalls of the politics of identity and their oppressive potential, a vision that comes to terms with Arab nationalism’s own history.”[39]

Die Agitation gegen die böse „Hegemonie der Globalisierung”[40] geht ‚by the way‘ Hand in Hand mit einem pan-arabischen antisemitischen Kampf gegen Israel.

Rohde bezieht sich nicht nur auf den trendigen Said, sondern auch andere Antizionisten wie Daniel Boyarin oder Jacqueline Rose[41] sind für ihn von großer Bedeutung.[42] Beide ‚Kronzeugen‘ analysierte Alvin Rosenfeld als typische Beispiele für „progressive Juden” die jüdischen Antisemitismus vertreten. Pikant: In der gekürzten und veränderten Buch-Version von 2010 der Dissertation Rohdes (von 2006) welche sonst ideologisch den gleichen pro-Panarabismus vertritt, werden an dieser Stelle, Boyarin und Rose, Said (und andere) nicht mehr angeführt.[43] Das Zitieren von Rose oder Boyarin[44] am Ende einer umfangreichen Dissertation (die als Manuskript am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin im Regal steht) jedoch ist bezeichnender Ausdruck und indiziert, wie wichtig antizionistische Agitation für Rohde ist, gerade in einer Dissertation, welche sich mit Geschlechterverhältnissen, Politik und Gesellschaft im Irak befasst.

Alvin Rosenfeld hat den Israelhass bei Jacqueline Rose analysiert:

„Die Diskussion dreht sich nicht um Landesgrenzen, sondern um Israels Ursprung und sein Existenzrecht. Ein Merkmal des Neuen Antisemitismus ist zutiefst beunruhigend: Israel wird ausgesondert. Allein der jüdische Staat als politische Entität hat kein Recht auf Sicherheit und souveräne Existenz. Wie Jacqueline Rose, die Autorin von The Question of Zion (Princeton University Press 2005), es ausdrückt: ‚Die Seele dieser Nation war vom Tag der Staatsgründung an verloren.‘“

Weiter heißt es:

„Rose symbolisiert ein erschütterndes Charakteristikum des Neuen Antisemitismus, und zwar die Beteiligung von Juden an diesem, insbesondere in seiner sich als Antizionismus gebärdenden Ausdrucksform. Ihr Buch ist ein erschreckend offenes Beispiel für diese Tendenz. The Question of Zion, mehr eine Anklage denn eine Untersuchung des Themas, gewidmet »der Erinnerung an Edward Said«, ist als Spiegelbild von Saids The Question of Palestine zu verstehen.“

Rose agitiert gegen den jüdischen Staat und fungiert als jüdische Kronzeugin für den neuen Antisemitismus, wie Rosenfeld resümiert:

„Zusammengefasst sei Israel in seiner heutigen Verfasstheit ‚schlecht für die Juden‘ (S. 154) und überhaupt für jeden anderen Menschen auf der Welt.“[45]

Typisch für einen obsessiven Komparatismus ist nicht nur die Gleichsetzung von Antisemitismus und Rassismus, Kolonialismus oder Imperialismus[46] (oder ‚Orientalismus‘), auch Rohdes Zugang zur Kritik an Maskulinität passt in dieses Schema. Da werden dann Männlichkeitskonstruktionen und patriarchale Prägungen von Deutschen und Nazis wie selbstverständlich mit „sexual politics“ im 20. Jahrhundert in USA oder Israel (!) kurzgeschlossen[47].

Doch Rohde ist kein Holocaustleugner.  Stattdessen möchte er die arabischen oder muslimischen Antizionisten ermuntern, doch den Holocaust anzuerkennen, um dann Israel besser attackieren zu können mit antizionistischen Invektiven. Dazu verweist er z.B. auf Literatur aus dem arabischen Raum, welche diese Strategie schon vor Jahren vorschlug:

“Regarding the perception of the legacy of 20th century European fascism, particularly German National Socialism, Edward Said was among the first Arab intellectuals to publicly criticize the tendency to ignore or deny the historical reality of the Holocaust, which is discernible in contemporary Middle Eastern societies. See his article ‘Usus lil Ta’ayush,’ Al-Hayat, 5 November 1997, reprinted in Le Monde Diplomatique, 14 August 1998. In a similar vein, see also Hazim Saghiyeh and Saleh Bashi, ‘Universalising the Holocaust.’ Palestine-Israel Journal 5, 3-4 (1998), originally published in Al-Hayat, 18 December 1997. Both articles perceive the Holocaust as an unprecedented rupture in human civilization and an event of universal relevance.”[48]

In dem von Rohde angeführten Artikel von Said wendet dieser sich gegen direkte Holocaustleugnung à la Roger Garaudy, doch der Antisemitismus von Said ist ebenso deutlich, wenn er schreibt: „Und wir müssen deutlich machen, daß dem Zionismus die Apartheid zugrunde liegt.“[49] Für Rohde ist Said ein Vorbild.

Der Artikel Universalising the Holocaust von Hazim Saghiyeh and Saleh Bashi aus dem Jahr 1998 auf Englisch[50] bzw. im Original von 1997 auf Arabisch würde laut Rohde also den Holocaust als „präzedenzlosen Bruch menschlicher Zivilisation” erkennen. Doch was steht in dem Artikel wirklich? Da ist zuerst der Untertitel, interessanterweise von Rohde weggelassen:

„How Arabs and Palestinians relate to the Holocaust and how the Jews relate to the Palestinian victim.”[51]

Wer sich den Text von Saghiye und Bashi anschaut bemerkt, dass sie rein instrumentell den Holocaust benutzen, um auf palästinensische Geschichte aufmerksam zu machen. Sie wollen die Konsequenz der Weigerung der Araber, die Zweistaatenlösung der UN von 1947 zu akzeptieren, das Verlassen des Landes („Nakba“, Katastrophe) mit dem Holocaust gleichsetzen – das ist antisemitisch und verharmlost den Holocaust:

„If the event of the early forties in Europe becomes a Palestinian preoccupation, and the Jews allow that, and if the event of the end of the forties in the Middle East becomes a Jewish preoccupation, and the Arabs allow that, then the renewed universal awareness of the Holocaust will herald the disengagement between the occurrence and its Jewishness. Do we join our voices with the rest of the world? And will Israel permit us to do that, given that this entails internalizating the Palestinian moment into Israel’s consciousness?“[52]

Weiter lamentieren die beiden arabischen Autoren, dass Juden den Sinn und Zweck von Auschwitz, Theresienstadt, Babi Yar, Riga oder Sobibor überhaupt nicht kapiert hätten:

„The dissociation between the acknowledgment of the Holocaust and what Israel is doing should be the starting point for the development of a discourse which says that the Holocaust does not free the Jewish state or the Jews of accountability. On the contrary, the Nazi crime compounds their moral responsibility and exposes them to greater answerability. They are the ones who have escaped the ugliest crime in history, and now they are perpetrating reprehensible deeds against another people.“[53]

Auschwitz war keine Art ‘Besserungsanstalt’, auch wenn das Edward Said so sehen wollte.[54] Antizionismus wird von Saghiye und Bashi mit einer anderen Form des Antisemitismus noch verstärkt, indem sie Antisemitismus mit Rassismus, Kolonialismus, Sklaverei etc. kurzschließen, auch das ist eine bekannte Masche im antiimperialistischen Lager:

„Modern Jewish consciousness can no longer look at the world from the exclusive perspective of the Holocaust, in spite of the magnitude of the event and its enormity. Within these parameters, it becomes pressing to (re)present the event as a trial for human suffering more than a purely and exclusively Jewish one, especially since the Jews in recent decades have started losing their long-standing ‘monopoly’ over the tragic. The Turk in Germany, the Algerian in France, and always the black in every place, head the columns of victims of racism in the world and in them, albeit in different proportions and degrees, is the continuation of the suffering of the Jews of which the Holocaust was the culmination.“[55]

Munter vergleichen die Autoren die Situation von Türken in der BRD Ende der 1990er Jahre mit dem Holocaust, oder die Situation der Algerier unter französischer Kolonialherrschaft (und danach in Frankreich). Schließlich verrühren sie die gesamte Geschichte der Unterdrückung der Schwarzen und des Rassismus mit jener des Antisemitismus. Damit leugnen sie gerade den präzedenzlosen Charakter der Shoah und der Vorgeschichte des Holocaust! Rassismus, Ausbeutung, Imperialismus und selbstredend die von Marx analysierte „ursprüngliche Akkumulation“ verweisen immer auf das cui bono von Herrschaft. Nicht so der irrationale Antisemitismus.

Ein weiterer Zeuge für Rohde ist der Columbia Professor Gil Anidjar, welcher irgendwie etwas Positives sagen möchte über Juden nach dem Holocaust und dabei kommt Folgendes heraus:

„Even taking into consideration the persecution of Jews in Europe and the Holocaust, I still think it is good – because it is difficult, and politically enriching – that there are Jews, and numerous other minorities, in Europe. Why should there not be? There is absolutely no reason to agree with the claim that Europe makes for itself, more or less vocally, that it should purify itself of any so-called ‘foreign’ element.“[56]

Neben vielen Ungeheuerlichkeiten in diesem Satz übernimmt der poststrukturalistische Theoretiker damit die deutsche (und Nazi-) Ideologie von der Fremdheit der Juden; Juden sind für Anidjar ein “fremdes Element“ in Europa. Er findet das gar nicht schlimm, aber ideologisch übernimmt er wie selbstverständlich die völkische These, Juden könnten nicht Deutsche sein oder Franzosen, Italiener, Engländer. Weiter sagt Anidjar in diesem Interview 2003:

„I believe I am, as one says in French, weighing my words, je pèse mes mots. The argument I want to make is that it is absolutely essential to continue to insist on the colonial dimension of Zionism, and colonial in the strict sense, absolutely. The claim that there was no colonial basis for Israel is ludicrous. People were citizens of countries and were acting on behalf of Western powers, and Western powers understood this very well. As did Herzl, of course, and others.

So Israel is absolutely a colonial enterprise, a colonial settler state, to be precise.”[57]

Die jahrtausendealte Geschichte der Juden in Israel sowie die völkerrechtliche Legitimation Israels durch den UN-Beschluss von 1947 stören eine obsessive antisemitische Denkstruktur wie die von Anidjar natürlich nicht. Er agitiert gegen Juden, Israel und den Westen. Das ist der Grund warum die Islam- und Nahostforschung hierzulande  sich gerne auf Autoren wie Anidjar beziehen, möchte er doch zeigen, dass Israel nur der jüngste Beweis für den bösen „Orientalismus“ der westlichen Welt sei.

Das Perfide an Achim Rohdes Arbeit ist Folgendes: er kombiniert, ganz zeitgeistig, eine Kritik am Männlichkeitswahn, an patriarchalen Normen auch in der arabischen (hier: irakischen) Welt und Geschichte mit einer nicht auf den ersten Blick erkennbaren Form von Antisemitismus. Er befasst sich gar mit Antisemitismus, allerdings rein instrumentell um darunter Juden und Araber (wie Ende des 19. Jh.) als Opfer des christlichen Europa zu subsumieren. Er suggeriert also Aufgeklärtsein und eine weltoffene, z.B. Gleichberechtigung für Frauen und zumal eine patriarchale Herrschaft hinterfragende Position zu vertreten.[58] Das jedoch geht einher mit einem Antizionismus, der den jüdischen Staat Israel zerstört wissen möchte. Wer über Jacqueline Roses Texte informiert ist, sieht das bestätigt. Nicht zufällig bezieht sich Rohde nach jahrelanger Forschung an seiner Dissertation, die u.a. vom evangelischen Studienwerk Villigst unterstützt wurde, auf antizionistische Antisemiten, auch Agamben ist ein Referenzpunkt.[59]

Es ist immer wieder bemerkenswert mit welcher heuchlerischen Unverfrorenheit sich Forschende auf israelische Archive und Institute stützen aber gleichzeitig politisch für einen Kampf gegen Israel aktiv sind; Rohde beispielsweise bezieht sich auf Boyarin, Anidjar oder Rose und zugleich betont er die Wichtigkeit israelischer Archive für seine Forschung.[60]

In seinem Aufsatz in der islamwissenschaftlichen Zeitschrift Die Welt des Islams von 2005, ein Vorläuferartikel[61] der ZfG-2010-Version, bedankt sich der Verfasser bei „Moshe Zuckermann, Omar Kamil, Ursula Wockock und Klaus Holz“[62], und schreibt:

„Sollten sich bei dieser Darstellung Ähnlichkeiten zu heutigen Debatten um die Integration/Assimilation von muslimischen MigrantInnen in die zeitgenössische deutsche Gesellschaft ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“[63]

„Antisemitische wie orientalistische Diskurse“ zeichneten sich durch eine „auffällige Sexualisierung“ aus. Die Spezifik des Antisemitismus mit seinen ungezählten Bildern und Codes wird hier nochmals entwirklicht und geleugnet.

Doch was beinhaltet diese Spezifik des Antisemitismus? Juden wird im Universum der Antisemiten vorgeworfen, böse Händler zu sein, weswegen sie von Jesus aus dem Tempel geworfen wurden; sodann wird Juden unterstellt, Jesus auf seinem Weg mit dem Kreuz auf dem Rücken keine Rast gestattet zu haben und deshalb seien sie auf ewige Wanderschaft geschickt worden (Ahasver). Sodann seien sie ‚natürlich‘ für den Tod Christi verantwortlich, später für Brunnenvergiftung, Hostienschändung, Ablehnung von Christus als ‚Heiland‘, Juden wird vorgeworfen nicht-jüdische Kinder zu rituellen Zwecken zu schlachten (Blood Libel, Blutbeschuldigung). Etwas später sind die Juden sowohl für Kapitalismus (Mammon) als auch Kommunismus verantwortlich. Alles Ungeheure der Moderne wird auf Juden projiziert, was zumal im völkischen und antimodernen deutschen Antisemitismus eine große Rolle spielt. Und natürlich gibt es seit Anfang des 20. Jh. die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“, welche eine jüdische Weltverschwörung behaupten. Alle diese tödlichen Ressentiments kommen sogar ohne den zusätzlichen rassistischen Antisemitismus aus, der sich im 19. Jh. heraus bildete.

Keines der erwähnten tödlichen Ressentiments gegen Juden gibt es gegenüber Türken/Arabern/Orientalen/Muslimen. Keine andere Gruppe von Menschen hat jemals so viele Ressentiments und tödliche Fantasien auf sich projiziert bekommen wie Juden. Keine andere Gruppe von Menschen wird seit tausenden von Jahren von allen Seiten, von Heiden, Christen, Muslimen und anderen attackiert, diffamiert, bedroht und bei Gelegenheit ermordet. Sowenig wie es eine gerade Linie nach Auschwitz gab, sowenig sind die Vernichtungslager und die Aktionen der Polizeibataillonsdeutschen bloßer Zufall oder das Werk Einzelner. Der Antisemitismus im Kaiserreich, die Hetze gegen Juden in allen gesellschaftlichen Klassen und gerade auch an Universitäten, natürlich im Militär, der Politik, aber auch in der Musik, der Literatur und vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen, ist mit der Situation von Muslimen heutzutage nicht annähernd in Beziehung zu setzen. Wer das tut, leugnet die Vorgeschichte des Holocaust. Juden wurden aus Hass diffamiert, ausgesondert und schließlich dem ‚sozialen Tod‘ ausgeliefert (Goldhagen), bevor sie im Holocaust vernichtet wurden, von Deutschen und ihren Helfern, darunter Araber und Muslime.

Juden wurden von den Deutschen als DAS Gegenbild, als „die Gegenrasse“ vorgestellt und zur Vernichtung bestimmt. Die deutsche Nation konstituierte sich gegen die Juden, darin liegt eine deutsche Spezifik des Antisemitismus.

Rohde merkt zwar irgendwie, dass der Holocaust doch nicht unmittelbar den Muslimen bevorsteht und er klammert in seiner Analogisierung von Juden und Muslimen/Arabern die Nazi-Zeit aus, mit der Begründung, ein solcher Vergleich sei auch „politisch nicht handhabbar“[64], sprich: das sei ein böses Tabu. Rohde betont und erwähnt den Holocaust, damit er umso unverblümter – aber mit gutem Gewissen – gegen die lebenden Juden in Israel aktiv werden kann. Die anti-imperialistische Ideologie des Postkolonialismus und post-Orientalismus hat ihr Herzstück im obsessiven Hass auf den Zionismus:

„Die hier skizzierte spiegelverkehrte Übernahme einer eurozentrischen Weltsicht und zentraler Versatzstücke des modernen Antisemitismus im Zionismus, eine Art ‚Identifikation mit dem Aggressor‘, war dabei eine der möglichen jüdischen Reaktionen auf den Antisemitismus.“[65]

Die Erinnerung an den Holocaust wiederum gereicht dem Islamwissenschaftler rein strategisch dazu,  um ‚modernere‘ und aktualisierte Propaganda gegen den jüdischen Staat zu ermöglichen – sozusagen die Weiterentwicklung von Finkelstein‘s Einschätzungen:

„Leider wurden der europäische Antisemitismus und insbesondere der Holocaust allzu lange von vielen arabischen/muslimischen Intellektuellen als reine Propagandawaffe der Israelis im Kontext des Nahostkonflikts abgetan und entweder ignoriert oder verleugnet. Erst vor wenigen Jahren hat Said als einer der ersten namhaften arabischen Intellektuellen eine ernsthafthafte Auseinandersetzung in der arabischen Welt mit diesem singulären Menschheitsverbrechen, seinen Voraussetzungen und Folgen angemahnt, ohne die eine Kritik staatlich sanktionierter Erinnerungskultur an die Shoah in Israel im Zusammenhang des israelisch-palästinensischen Konfliktes unglaubwürdig bleibt.“[66]

Verharmlosung des Antisemitismus – Lob des Antizionismus –

„Islamophobieforschung“

Achim Rohde solidarisiert sich schließlich 2008 mit dem Antizionisten Ludwig Watzal, wie auf einer Unterschriftenliste im Internet deutlich wird, welche auch viele andere einschlägig bekannte Israelhasser versammelt, darunter Norman Finkelstein.[67]

Der Antisemitismusforscher Lars Rensmann schreibt 2006 über Watzal:

„Derzeit überprüft der Arbeitgeber Watzals, die Bundeszentrale, laut der ‚Welt‘, ob Watzal ‚manifest antisemitisch‘ ist. Watzal, der eine ‚Israelisierung der Welt‘ befürchtet, hat 2005 in der Wochenzeitung ‚Freitag‘ das antisemitische Buch eines Neo-Nazis mit dem Pseudonym Israel Shamir, der sich ‚für die Einstaatenlösung‘ in Palästina einsetze und dessen vorgebliche religiöse Konvertierung ihm laut Watzal ‚seitens des Judentums niemals verziehen‘ würde, gepriesen und den Autor als Experten für Antisemitismus-Konferenzen empfohlen: ‚Die Organisatoren der OSZE-Konferenz 2004 in Berlin hätten auch Shamir einladen sollen.‘“[68]

Der Islamwissenschaftler Achim Rohde unterstützt also Antizionisten wie Ludwig Watzal, er bezieht sich auf den amerikanischen Nahostforscher Gil Anidjar, der 2009 auf der „Israel Apartheid Week“ aufgetreten ist[69] und seinen Israelhass laut hinaus posaunte, und Rohde rekurriert am Ende seiner Dissertation auf die jüdischen Antizionisten Jacqueline Rose und David Boyarin.

Der Leiter des ZfA, Wolfgang Benz publiziert Rohde im Sommer 2010, offenbar um die Verharmlosung und Neujustierung des Antisemitismus auf neue Spitzen zu treiben. Juden seien wie Araber bzw. Muslime Opfer des christlichen Europa mit seinen Ressentiments seit dem Mittelalter.

  • Dass es Muslime waren, welche im 9. Jahrhundert eine Kennzeichnungspflicht für Juden (und Christen) einführten ist keiner Bemerkung wert.[70]
  • Dass Kaiser Wilhelm II. den heiligen Krieg, den Jihad, im Ersten Weltkrieg propagieren ließ und seine Liebe zum Islam demonstrierte, bleibt unerwähnt.
  • Dass die Araber, repräsentiert von ihrem bis heute über alles geliebten Mufti von Jerusalem, al-Husseini, Freunde der Deutschen im Nationalsozialismus waren, ist keiner Rede wert.
  • Dass sich Antisemitismus von Rassismus kategorial unterscheidet – was schert das den Leiter des „Zentrums für Antisemitismusforschung“ an der TU Berlin, der mittlerweile viel lieber als Teil des „Team“s für ein „Jahrbuch für Islamophobieforschung[71] fungiert?

Wer etwas über den Zustand der Antisemitismusforschung wie auch der Islamwissenschaft und Nahostforschung in der Bundesrepublik im Jahr 2010 erfahren möchte, lese Benz und Rohde. Diese beiden Superhelden der Forschung stehen exemplarisch für jene Forschungsrichtungen. Der eine geht in Rente, der andere ist am Beginn seiner Laufbahn. Deutschland hatte schon immer ein Faible für seine Vergangenheit.


[1] Aus dem Album der Toten Hosen „Damenwahl“ von 1986, Text auch auf http://www.dietotenhosen.de/veroeffentlichungen_songtexte.php?text=alben/bzbe/wort_zum_sonntag.php (22.07.2010). Der Text ist als Kritik an den Musikzeitschriften gemeint, trifft aber auch auf andere Mainstream-Medien und mithin akademische ‚Diskurse‘, sprich universitäre Ideologie z.B. in der Antisemitismusforschung, den Nahoststudiengängen bzw. der Islamwissenschaft zu.

[2] „Today, anti-Zionism is the new anti-Semitism. In 2002, when I first wrote this, my editor was alarmed. “Are you sure you want to say this? Can’t we criticize Israel without being called anti-Semites?” I assured him that what I had written was accurate. Clearly, when you criticize only Israel for crimes other countries commit, for crimes that Israel does not even commit; when you criticize and condemn only Israel in every world forum—you are looking at the “new” anti-Semitism, which is the title of my 2003 book. Zionism does not equal racism–but anti-Zionism does“ (Phyllis Chesler (2010): What Only The Jews Can Do About Anti-Semitism, in: http://pajamasmedia.com/phyllischesler/2010/08/12/what-only-the-jews-can-do-about-anti-semitism/ (13.08.2010) ).

[3] Die fürchterliche Geschichte der jungen, 18jährigen (von der Presse so genannten) Aisha aus Afghanistan, der von den Taliban die Ohren und die Nase abgeschnitten wurden wegen ihrer Unangepasstheit an den schrecklichen, aber normalen islami(sti)schen Alltag, hat für einen kurzen Augenblick die Medien und die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Aisha hat überlebt, http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2007238,00.html (13.08.2010).

[4] „Jürgen Trittin fordert mehr Macht für die Taliban. Jürgen Trittin möchte die Taliban an der Macht in Afghanistan beteiligen. Ein Kandidat: Taliban-Führer Mullah Omar“,  http://www.welt.de/politik/deutschland/article8897936/Juergen-Trittin-fordert-mehr-Macht-fuer-die-Taliban.html (13.08.2010).

[5] Achim Rohde (2010): Unter Südländern. Zur Geschichte der Orientalistik und Judaistik in Deutschland, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 58. Jg., H. 7/8, 639-652, 652.

[6] Clemens Heni (2007): Salonfähigkeit der Neuen Rechten. ‚Nationale Identität‘, Antisemitismus und Antiamerikanismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1970 -2005: Henning Eichberg als Exempel, Marburg: Tectum Verlag, 309f.

[7] „Heute hat der organisierte Rechtsextremismus und Neonazismus mit Islamisten im Hass auf Israel und die USA ein gemeinsames Terrain gefunden – Odin und Allah sollen Abhilfe schaffen“ (Heni 2007, 340); das folgende Zitat ist aus dem Verfassungsschutzbericht Brandenburg aus dem Jahr 2001: „Mahler sieht gar eine gemeinsame Front von Deutschen und Palästinensern. Denn die Zerstörungswut der amerikanischen ‚Ostküste‘ und Israels, so erklärte er bereits in einer Fernsehsendung vom 6. Dezember 2000, richte sich ebenso gegen das deutsche wie gegen das palästinensische Volk. Die Demonstration der JN [Junge Nationaldemokraten, Jugendorganisation der NPD, d.V.] am 14. April 2001 in Jena stand unter dem Motto: ‚Für eine Welt freier Völker – Solidarität mit Irak und Palästinensern!‘ Auf dem ‚7. Europäischen Kongress der Jugend‘, den die JN am 28. Oktober 2000 im pfälzischen Dreisen veranstalteten, trat der schon erwähnte [Ahmed, d.V.] Huber als Gastredner auf. Er beschloss seine Rede mit den Worten ‚Allah sei mit euch!‘ Der JN-Vorsitzende Sascha Roßmüller nahm diesen Gruß auf und steigerte die neue Islambegeisterung der Nationalrevolutionäre gar ins Sakrale, als er versicherte, man könne stolz darauf sein, Allah und Odin hinter sich zu wissen“ (zitiert nach Heni 2007, 340).

[8] Ralph Ghadban (2006): Tariq Ramadan und die Islamisierung Europas, Berlin: Verlag Hans Schiler. „Die Entwicklung in den neunziger Jahren nahm eine andere Wendung. Die in Europa gebürtigen Muslime wurden von den erstarkten islamistischen Organisationen ‚islamisiert‘, was an der Steigerung der religiösen Praxis – Moscheebesuche, Fasten, Beten, Kopftuch usw. – feststellbar ist. Selbst die infolge der intensiven Missionsarbeit dieser Organisationen zum Islam konvertierten Europäer, hauptsächlich Frauen, trugen zur Modernisierung des Islam wenig bei. Im Gegenteil, durch ihre Annahme eines überwiegend traditionellen bis fundamentalistischen Islam bestätigen sie die Islamisten in der Auffassung, dass die Religion des Islam in ihrer Entstehungsform allgemein gültig sei und keiner Aufklärung bedürfe. Der Islam stelle eben eine Alternative zum von der Aufklärung zerschlagenen Christentum und zur materialistischen, gottlosen und daher dekadenten Kultur des Westens dar“ (ebd., 8).

[9] Vgl. z.B. den Artikel des Herausgebers, Thorsten Gerald Schneiders (2009): Die Schattenseite der Islamkritik. Darstellung und Analyse der Argumentationsstrategien von Henryk M. Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek, Alice Schwarzer und anderen, in: ders. (Hg.) (2009a), Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen verschwimmen, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 403-432. Die Tagung des Zentrums für Antisemitismusforschung von Dezember 2008 „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ wird explizit verteidigt und als wegweisend betrachtet, vgl. Thorsten Gerald Schneiders (2009b): Einleitung, in: ders. (2009a), 9-15, 9f. Desweitern fällt in der Einleitung zu diesem Band auf, dass der Massenmord vom 11. September benutzt wird, um ‚die‘ Muslime und ‚den‘ Islam als Opfer darzustellen, eine typische Täter/Opfer Umkehrung: „Diese Abneigung gegenüber dem Islam ist keine Neuerscheinung, die mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder mit dem Mord an Theo van Gogh am 2. November 2004 neu entstanden ist. Islamfeindlichkeit ist ein historischer Makel, der sich seit Jahrhunderten tief in die europäische Seele eingebrannt und bis in unsere Tage sein hässliches Gesicht nie wirklich verloren hat“ (ebd., 12).

[10] Zu den bekannteren Autoren zu zählen wären Micha Brumlik, Navid Kermani, Birgit Rommelspacher, Y. Michal Bodemann, zudem schreiben z.B. Siegfried Jäger, Jochen Hippler, Sabine Schiffer, Kai Hafez, Dieter Oberndörfer, Heiner Bielefeldt in dem Band, selbst der ansonsten Jihad-kritische und Islamkritiker Martin Riexinger ist unter den Autoren; jeder Artikel wäre eine Replik wert, was ein Desiderat der Forschung bleiben dürfte.

[11] „Der Initiator der beiden Anti-Islamisierungskongresse in Köln ist Markus Beisicht, der Mitbegründer und Vorsitzende von Pro Köln und Pro NRW. Er bestätigt in einem Interview mit der Jungen Freiheit zum Anti-Islamisierungskongreß, daß Islamkritik für Pro-Köln und Pro-NRW Teil eines rechten Parteiprojektes ist: Das Thema Islamisierung drückt die Menschen und es liegt uns politisch nahe, also haben wir es uns ausgesucht. Wir haben nach Inhalten Ausschau gehalten und waren anfangs selbst überrascht, welche außerordentliche Resonanz wir mit dem Thema gefunden haben. Gerade in Großstädten kann man damit punkten! Wir haben die Marktlücke besetzt, und es ist uns der Einbruch in Schichten gelungen, die wir sonst nicht erreicht hätten. (7)

Beim Ausschauen nach geeigneten Themen für ein Parteiprojekt ist die Bürgerbewegung Pro-Köln auf die Islamisierung gestoßen, es hätte demnach auch ein anderes Thema sein können, wenn es den Zweck erfüllt hätte, ihrer Bewegung Zulauf zu verschaffen“ (http://www.eussner.net/artikel_2009-04-03_02-02-33.html (14.08.2010) ). Im Junge Freiheit Interview heißt es: „Pro Köln ist also keine Anti-Moscheebau-Bürgerinitiative, sondern ein rechtes Parteiprojekt, das nur in diesem Gewand daherkommt? Beisicht: So könnte man sagen. Das Thema Islamisierung drückt die Menschen und es liegt uns politisch nahe, also haben wir es uns ausgesucht“ (http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.268+M5d47de79e46.0.html?&tx_ttnews[sViewPointer]=2 (14.08.2010) ).

[12] Sabine Schiffer (2009): Grenzenloser Hass im Internet. Wie „islamkritische“ Aktivisten in Weblogs argumentieren, in: Schneiders (Hg.) (2009a), 341-362, 341-343, die zitierten Blogs werden unter dem Titel „Die Liste der deutschsprachigen antiislamischen Websites ist lang. Sie umfasst in etwa folgende Links:“ angeführt (ebd., 341; die Liste der Blogs ebd., 341-343).

[13] Clemens Heni (2002): Deutsche mögen nur tote Juden, Islamisten gar keine, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 53. Jg., Heft 9, 555-556.

[14] Robert Wistrich (2010): A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad, New York: Random House, 4.

[15] „Antisemitismus ist zunächst etwas Anderes als Antizionismus. Diese Plakate sind unfreundlich gegenüber Israel, deshalb müssen sie nicht antisemitisch sein, aber es ist so praktisch, alles als antisemitisch zu denunzieren, was einem nicht gefällt. Das ist das ärgste politische Schlagwort“ (http://clemensheni.wordpress.com/2010/05/29/%E2%80%9Ewinkeladvokaten%E2%80%9C-%E2%80%9Etrotzkisten-aus-new-york-city%E2%80%9C-antizionismus-und-der-%E2%80%9Eewige-jude%E2%80%9C/ (14.07.2010)).

[16] Wolfgang Benz (2010): Zur Genese und Tradition des Feindbildes Islam. Einleitende Bemerkungen zum Themenheft Islambilder vom Mittelalter bis zum Ersten Weltkrieg. Traditionen der Abwehr, Romantisierung, Exotisierung, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 58. Jg., H. 7/8, 585-590, 585.

[17] Martin Kramer (2001): Ivory Towers on Sand. The Failure of Middle Eastern Studies in America, Washington: The Washington Institute for Near East Policy; mittlerweile ist das Buch auch kostenfrei online zum download verfügbar: http://www.washingtoninstitute.org/pubPDFs/IvoryTowers.pdf (04.08.2010).

[18] http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Wild (10.08.2010).

[19] Stefan Wild (2003): Rezension von Martin Kramer, Ivory Towers (2001), in: Die Welt des Islams, Jg. 43, H. 2, 290-292, 290f.

[20] Clemens Heni (2008): „Giftmischer von Bush bis Bin Laden“. Die Muslime sind die Juden von heute, sagt der Scheibenwischer Hagen Rether in der ARD, http://www.wadinet.de/blog/?p=685 (13.08.2010).

[21] Siehe Abbas Poya (2008): Ist das Tor des ‚Igtihad‘ in der Islamwissenschaft geschlossen?, in: ders./Maurus Reinkowski (Hg.), Das Unbehagen in der Islamwissenschaft. Ein klassisches Fach im Scheinwerferlicht der Politik und  der Medien, Bielefeld: transcript, 243-262, 258f. Bezeichnend ist der Antizionismus von Udo Steinbach. Im Rahmen einer Abwehr der Analysen und Thesen von Mallmann/Cüppers schreibt er: „Mit dieser ‚universalistischen‘ Position ziehen sich die beiden Autoren jedoch auf einen Punkt zurück, der der zionistischen Bewegung eine nicht mehr zu hinterfragende Rechtfertigung verleiht und ignoriert, dass durch sie die Lebensrechte palästinensischer Araber einseitig in Frage gestellt wurden“ (Udo Steinbach (2008): Die Täter zu Opfern, die Opfer zu Tätern machen – Räume und Grenzen islamwissenschaftlicher Politikdeutung, in: Poya/Reinkowski (Hg.), 223-239, 228).

[22] Iman Attia (2007): Kulturrassismus und Gesellschaftskritik, in: dies. (Hg.) (2007a): Orient- und IslamBilder. Interdiszipliniäre Beiträge zu Orientalismus und antimuslimischem Rassismus, Münster: Unrast Verlag, 5-28, 9.

[23] Vgl. z.B. die Studie von Manuel Siegert (2008): Schulische Bildung von Migranten in Deutschland, veröffentlicht vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, http://www.bamf.de/nn_442016/SharedDocs/Anlagen/DE/Migration/Publikationen/Forschung/WorkingPapers/wp13-schulische-bildung,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/wp13-schulische-bildung.pdf (15.08.2010).

[24] Martin Spiewak (2009): Das vietnamesische Wunder. Die Kinder von Einwanderern aus Vietnam fallen durch glänzende Schulnoten auf. Ihr Erfolg straft Klischees der Integrationsdebatte Lügen, in: Die Zeit, 22.01.2009, http://www.zeit.de/2009/05/B-Vietnamesen?page=all (15.08.2010).

[25] Wolfgang G. Schwanitz (2004): Paschas, Politiker und Paradigmen: Deutsche Politik im Nahen und Mittleren Orient 1871-1945, in: ders. (Hg.), Deutschland und der Mittlere Osten, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, zugleich Comparativ, Jg. 14, H.1, 22-45; Sean McMeekin (2010): The Berlin-Baghdad express. The Ottoman Empire and Germany’s bid for World Power 1989-1918, London: Allen Lane (für August 2010 angekündigt); Brendan Simms (2010): Besprechung von McMeekin 2010, The Berlin-Baghdad express, in: independent, 25. Juni 2010, http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/books/reviews/the-berlinbaghdad-express-by-sean-mcmeekin-2009614.html (23.07.2010).

[26] Heutige Islamisten wissen sehr wohl, was sie an Wihelm II. zu schätzen haben, wenn die islamische Zeitung bezüglich der Orient-Reise des Kaisers im Jahr 1898 schreibt: „In Jerusalem weihte der Kaiser eine protestantische, sowie eine katholische Kirche ein, die jeweils auf einem Stück Land standen, das dem Kaiser zu diesem Zweck vom Kalifen des Osmanischen Reiches geschenkt worden war. Wenig später reiste das Kaiserpaar nach Damaskus weiter. Dort sagte Kaiser Wilhelm am Grab des aus der Zeit der Kreuzzüge legendären Sultan Salahuddin (Saladin) am 8.11.1898: ‚Möge der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die, auf der Erde zerstreut lebend, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird.‘ Dieser Satz wurde vom Deutschen Reich in hoher Auflage als zweisprachige deutsch-osmanische Postkarte verbreitet, um die Freundschaft der Deutschen mit der Ummah der Muslime zu unterstreichen. Das in Damaskus anwesende Haupt der Ulema der damaligen islamischen Welt, Schaikh Abdullah Effendi, sprach ein begeistertes Dua (Bittgebet), in dem er ‚namens der Welt des Islam den Segen Allahs auf den Kaiser, das Deutsche Reich und alle Deutschen herabrief. …‘“ (Ahmad Gross (o.J.): Kaiser Wilhelm II. – Deutschland und der Islam, in: Islamische Zeitung, zitiert nach http://www.enfal.de/grund44.htm (21.07.2010) ). Ahmad Gross ist ein Islamist, siehe: „Die Keimzelle der deutschen Murabitun liegt allerdings in Süddeutschland. In Freiburg begannen Vadillo und Dallas, die Personen um sich zu scharen, die dann Mitte der neunziger Jahre in Richtung Osten zogen. Zum Freiburger Kreis gehören der Vorsitzende des Weimar Instituts und Herausgeber der Islamischen Zeitung Andreas Abu Bakr Rieger, der Geschäftsführer Fritz Ahmad Gross sowie Tilo Mujahid Hirsch, auf dessen Internetfirma das gesamte Online-Netzwerk der Gemeinschaft angemeldet ist“ (http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2001/04/holocaustleugner.htm (21.07.2010).

[27] Klaus-Michael Mallmann/Martin Cüppers (2006): Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Matthias Küntzel (2002): Jihad und Judenhass. Über den neuen antisemitischen Krieg, Freiburg: ça ira; Jeffrey Herf (2010): Nazi Propaganda for the Arab world, New Haven: Yale University Press; Munir Hamida (2007): Amin al-Husayni in der deutschen Kriegspropaganda des Zweiten Weltkrieges – eine Studie zur arabischsprachigen Zeitschrift Bari das-Sarq, unveröffentlichte Magisterarbeit, Institut für Islamwissenschaft, FU Berlin.

[28] Benz 2010, 586.

[29] Rohde 2010, 639.

[30] Häufig wird Washington D.C. als Anschlagsort genannt, obwohl das Pentagon in Virginia steht, http://en.wikipedia.org/wiki/September_11_attacks (23.07.2010).

[31] „Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001—es stand noch kein einziger amerikanischer Soldat in Kabul, und auch im Irak war unter Saddam Hussein die Welt noch völlig in Ordnung—sagte Wolfgang Benz, der Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, bei einer Podiumsdiskussion folgendes:
(Die Zwillingstürme von Manhattan) ‚… sind Symbole von Stolz und Reichtum und Arroganz. Solche Gebäude aufzurichten, das ist die äußerste Arroganz, und die Verletzlichkeit ist damit mit eingebaut. Und die Attacke gegen diese Gebäude, mit dieser Attacke kann man eigene Ohnmachtsgefühle und eigene Demütigungen auslöschen und in die Ohnmacht und Demütigung des Gegners verwandeln… Und das provoziert die drastischen und dramatischen Reaktionen und die martialischen Reaktionen, und das macht es so gefährlich und so verheerend, gerade diese Symbole anzugreifen und zu zerstören‘ (Quelle: Henryk Broders Buch ‚Kein Krieg, nirgends‘, S. 39—ja, ich habe meine Bibliothek wieder!) Jemand, der nach dem Massaker von Manhattan auf diese Weise als Architekturkritiker aufgefallen ist, ist natürlich genau der Richtige, um heute die Muslime in aller Welt gegen die Islamophobie in Schutz zu nehmen“ (Hannes Stein (2008): „Symbole von Stolz und Reichtum und Arroganz“, in: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/symbole_von_stolz_und_reichtum_und_arroganz/ , 24.11.2008 (21.07.2010)).

[32] Rohde 2010: 645.

[33] Rohde 2010: 647.

[34] Rohde 2010: 649.

[35] Clemens Heni (2010): „Bio-Politik“, Antizionismus oder doch Antisemitismusforschung? Die Nachfolge am ZfA gestaltet sich schwierig, http://clemensheni.wordpress.com/2010/05/09/%E2%80%9Ebio-politik%E2%80%9C-antizionismus-oder-doch-antisemitismusforschung-die-nachfolge-am-zfa-gestaltet-sich-schwierig/ (04.08.2010).

[36] Ulrich Sieg (2006): Rezension von Ian Buruma, Avishai Margali, Okzidentalismus. Der Westen in den Augen seiner Feinde, in: WerkstattGeschichte 43. 15. Jg., Dezember 2006, 137-139, 137: „Seit Edward Saids Meisterwerk aus dem Jahre 1978 ist eine breite Literatur entstanden, die sich mit den ästhetischen, kolonialistischen, rassistischen und religiösen Motiven des Orientalismus auseinandersetzt, der im Europa des ausgehenden 19. Jahrhundert eine weltanschauliche Großmacht wurde.“

[37] Edward Said (1978)/1979: Orientalism, New York: Vintage Books, 285f.

[38] Ute Schneider (2002)/2004: Von Juden und Türken. Zum gegenwärtigen Diskurs über Religion, kollektive Identität und Modernisierung, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 52. Jg., H. 5, 426-440.

[39] Achim Rohde (2006): Facing Dictatorship. State-Society Relations in Ba’Thist Iraq. Zur Erlangung des Doktorgrades eingereicht am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin im April 2006, Manuskript, FU Berlin, Institut für Islamwissenschaft, 425.

[40] Rohde 2006, 425.

[41] Siehe Fußnote 12 zu den „Conclusions“, Rohde 2006, 428: „Edward Said, Freud and the Non-European (London: Verso, 2003), 49, 53/54. See also Stephen Sheehi, ‘Failure, Modernity, and the Works of Hisham Sharabi: Towards a Post-Colonial Critique of Arab Subjectivity,’ Critique 10 (1997): 39-54; Daniel Boyarin, ‘The Colonial Drag: Zionism, Gender, and Mimikry,’ in the Pre-Occupation of Post-Colonial Studies, eds. Fawzia Afzal-Khan and Kalpana Seshadri-Crooks (Durham/London: Duke Univ. Press, 2000), 234-265; Jacqueline Rose, The Question of Zion (Princeton: Princeton Univ. Press, 2005)”.

[42] Alvin H. Rosenfeld (2006)/2007: »Fortschrittliches« jüdisches Denken und der Neue Antisemitismus

mit einem Vorwort von Leon de Winter, http://henryk-broder.de/r2/content/startseite/images/rosenfeld.pdf (04.08.2010). Das Original erschien als Broschüre des American Jewish Committee.

[43] Achim Rohde (2010a): State-Society Relations in Ba’Thist Iraq Facing Dictatorship, London/New York: Routledge, 161.

[44] Der Text auf den sich Rohde bezieht, zeigt schon in der Widmung an, wohin die judenfeindliche Reise geht: „To Michel Warschawsky and Tikva Parnas, tireless fighters against the Zionist occupation in all Palestine“, (Boyarin 2000, 234). „I wish to express gratitude to Homi K. Bhabha, who read a much earlier and a very recent version of this essay and whose influence is felt on every page, even where I have not been able to assimilate it completely” (ebd., 259, Vorbemerkung zu den Anmerkungen). Bhabha ist einer der wichtigsten Theoretiker des sogenannten Postkolonialismus.

[45] Alle Zitate aus Rosenfeld 2007.

[46] Vgl. die Kurzschlüsse bei Achim Rohde (2005): Der Innere Orient. Orientalismus, Antisemitismus und Geschlecht im Deutschland des 18. bis 20. Jahrhunderts, in: Die Welt des Islams, 45. Jg, H. 2, 370-411, 389, Anm. 40, der Bezug zu Zimmerer.

[47] Rohde 2010a, 209, Anm. 84. „Constructions of masculinity in societies which place great emphasis on gender difference and segregation between the sexes usually revolve around notions of autonomous male subjects carrying a heroic component, which lies in their ability to stand up to countless challenges, to face enemies in a disciplined and self-confident way and to protect ‚their‘ womenfolk. Iraq has been no exception to this rule. The semantic shift from nationalist to romantic love and the sexualized imagery which comes along with it in the Iraqi war literature, have been noted also in other war related contexts” (ebd., 143). Er bezieht sich u.a. auf Klaus Theweleit und Ulrike Brunotte.

[48] Rohde 2010a, 213, Anm. 4.

[49] Edward Said (1998): Der dritte Weg führt weiter. An die arabischen Unterstützer von Roger Garaudy, in: Le Monde Diplomatique, deutsche Version online: http://www.monde-diplomatique.de/pm/1998/08/14/a0226.text.name,askOg6bPY.n,36 (04.08.2010).

[50] Hazem Saghiyeh and Saleh Bashir (1997)/1998: Universalizing the Holocaust. How Arabs and Palestinians relate to the Holocaust and how the Jews relate to the Palestinian victim, in: Palestine-Israel Journal, Vol.5, Nos. 3 & 4 1998, online: http://www.pij.org/details.php?id=382 (04.08.1020).

[51] Saghiyeh/Bashir 1998.

[52] Saghiyeh/Bashir 1998.

[53] Saghiyeh/Bashir 1998.

[54] In einem Interview aus dem Jahre 1987, wieder publiziert 2010, heißt es: „[Frage] Given the history of the Jews and the creation of the Israeli state, because of their historical experience with persecution and suffering and holocaust [kleines ‘h’ im Original!, d.V.] and death camps, should one feel that Israelis and Jews in general should be more sensitive, should be more compassionate? Is that racist? [Said] No, I don’t think it’s racist. As a Palestinian I keep telling myself that if I were in a position one day to gain political restitution for all the suffering of my people, I would, I think, be extraordinarily sensitive to the possibility that I might in the process be injuring another people” (Edward Said (1987)/2010: The Pen and the Sword. Conversations with Edward Said. David Barsamian, introductions by Eqbal Ahmad and Nubar Hovsepian, Chicago: Haymarket Books, 42).

[55] Saghiyeh/Bashir 1998.

[56] Gil Anidjar (2003), Interview, Januar 2003, in: http://asiasociety.org/policy-politics/international-relations/us-asia/the-jew-arab-an-interview-gil-anidjar (30.07.2010). Der Interviewer war Nermeen Shaikh von der Asia Society.

[57] Anidjar 2003.

[58] Siehe auch seine Magisterarbeit: „Rohde, Achim, Gender and Nationalism. Discourses on Women and Femininity in the Iraqi Press 1969-98 (Unpublished MA-dissertation, Hamburg University, 1999)”, Rohde 2006, 453.

[59] Agamben wird mit dessen „Ausnahmezustand“-Konzept, welches der italienische Autor von Carl Schmitt übernimmt, rezipiert, vgl. Rohde 2006, 427, Anm. 7, ebenso rezipiert Rohde Agambens „Homo Sacer“, ebd., 41, Anm. 80.

[60] In einer Zusammenfassung seiner englischsprachigen Dissertation steht: „Im Zweiten Teil werden Teilbereiche des öffentlichen Diskurses in Irak über die gesamte Zeit der Ba’th-Herrschaft untersucht, mit Blick auf die irakische Frauenbewegung unter dem Regime, soziale wie politische Normen und die Künste. Dieser Teil basiert weitgehend auf Recherchen im Pressearchiv des Moshe Dayan Centers an der Universität Tel Aviv sowie am Deutschen Orient Institut in Beirut. Darüber hinaus stammt das hier verwendete Material aus den Bibliotheken der Universitäten Haifa und Hamburg sowie der Londoner SOAS“ (Rohde 2006, 464f.). Rohde reichte die Arbeit wie zitiert in Berlin an der FU ein, Erstgutachterin war Prof. Dr. Gudrun Krämer, 2. Gutachter war Prof. Dr. Amatzia Baram, Haifa University, Rohde 2006, III. Sein Dank liest sich so: „Thank you! I would like to thank Rema Hammami who introduced me to Middle East Gender Studies, Amatzia Baram who taught me how to read Iraq, Gudrun Krämer for comments and criticism, Anat Frumkin for being there through the years, her ideas and graphic talents have helped to shape this thesis. I thank Noga Efrati, Martina Kamp, and Ronit Lentin for advice and criticism on various parts of the study. My research further benefited from the insight offered by the Colloquium at the Free University’s Institut für Islamwissenschaft in June 2004 and by a forum of scholars on Iraq at the Harry S. Truman Research Institute for the Advancement of Peace at the Hebrew University of Jerusalem in March 2005. Last not least, I thank Georg Felix Harsch for correcting my English, and the Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst for funding and inspiration” (ebd., V).

[61] Rohde 2005. Eine gekürzte englische Version ist Achim Rohde (2009): The Orient Within. Orientalism, Anti-Semitism and Gender in 18th to early 20th Century Germany, in: Benjamin Jokisch/Ulrich Rebstock/Lawrence I. Conrad (Hg.), Fremde, Feinde und Kurioses. Innen- und Außenansichten unseres muslimischen Nachbarn, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 147-165.

[62] Rohde 2005, 370, Anm. 1.

[63] Rohde 2005, 409.

[64] Rohde 2005, 409.

[65] Rohde 2005, 410.

[66] Rohde 2005, 411.

[67] Einen kritischen Bericht über diese Solidaritätsaktion hat der Weblog LizasWelt Ende 2008 publiziert http://lizaswelt.net/2008/11/08/aufstand-in-der-reha-klinik/ (04.08.2010). Rohde taucht als Unterstützer des Solidaritätsbriefes hier auf: http://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Honestly_Concerned/watzal_ludwig_aktion.htm : „307 Dr. Achim Rohde D Hamburg wissenschaftlicher Mitarbeiter, Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung“ (10.08.2010).

[68] Lars Rensmann (2006): Parameter einer selbstreflexiven Antisemitismusforschung, in: Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau – Heft 1/2006 (Nr. 52), 63-79, 75, http://brandenburg.de/media_fast/5791/SLR_Rensmann.pdf (04.08.2010).

[69] Die AntiDefamationLeague berichtet in einem Update vom 10. März 2010 über die IsraelApartheidWeek (IAW) 2010 wie auch über jene von 2009, zu letzterer heißt es: „At Columbia University (CU), a recently formed group called the Columbia Palestine Forum (CPF) hosted a teach-in on March 4 that featured CU professors and students that are members of CPF, a group advocating for the university to divest from Israel. Speakers compared the Israeli-Palestinian conflict to apartheid in South Africa and one professor, Gil Anidjar, an Assistant Professor in the Middle East and Asian Languages and Cultures (MEALAC) department, advocated for a boycott as an ‘exercise of freedom‘“ (http://www.adl.org/NR/exeres/2F101AAE-F472-450F-8C13-53825A79D075,DB7611A2-02CD-43AF-8147-649E26813571,frameless.htm (04.08.2010) ).

[70] Vgl. dazu die Studie des Islamwissenschaftlers Jens J. Scheiner (2004): Vom Gelben Flicken zum Judenstern? Genese und Applikation von Judenabzeichen im Islam und christlichen Europa (849-1941), Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang. „Die islamischen Erlasse sprachen – falls eine Begründung genannt wurde – durchweg von der Notwendigkeit, Juden am Äußeren erkennen zu müssen. Da dies letztlich keine tiefgründige Aussage ist, muss unterstellt werden, dass Muslime zum einen die nach der islamischen Lehre untergeordnete Stellung der Ahl ad-Dimma ‚veranschaulichen‘ wollten und zum anderen ein mögliches Fehlverhalten im Kontakt mit Juden ihrerseits vermeiden wollten“ (ebd., 141).

[71] „Team, Herausgeber: Dr. Farid Hafez, Politikwissenschafter, Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Wolfgang Benz (Deutschland), Prof. Fritz Hausjell (Österreich), Prof. Damir Skenderovic (Schweiz)“ (http://jahrbuch-islamophobie.de/team/ (04.08.2010) ). „Seit vielen Jahren ist die Islamophobie keine Randerscheinung mehr, sondern hat vielmehr Eingang in etablierte Institutionen wie Medien und Politik gefunden. Der Islamophobie bedienen sich verschiedene AkteurInnen für das politische Geschäft ebenso wie für Schlagzeilen. Deswegen erschien die Publikation eines Jahrbuchs für Islamophobieforschung – JfI –, das sich nicht politisch, sondern wissenschaftlich mit diesem wachsenden Phänomen auseinandersetzt, von Bedeutung“ (http://jahrbuch-islamophobie.de/ (04.08.2010) ).

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