Blühende Landschaften in Gefahr

Blühende Landschaften in Gefahr

Stolzdeutscher Arbeitsfetischismus oder Islamkritik?

Dieser Text wurde zuerst hier publiziert.

Bislang hat man den Eindruck, dass weder die Sarrazin-Hasser noch die SarrazinVerteidiger kapieren, was hier gespielt wird.

Die aktuelle Debatte über Thilo Sarrazin ist Zeichen für richtig gutes Marketing, vor allem jedoch durch einen völlig falschen Blickwinkel getrübt. Deutschland würde aufs „Spiel gesetzt“ werden, ja sei in Gefahr. Doch wer oder was ist damit in Gefahr?

Ende August wird Sarrazins neues Buch Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen in der Deutschen Verlags Anstalt publiziert.

Doch die ganze Sache hakt an einem entscheidenden Punkt:

Für was steht eigentlich „Deutschland“?

Wie ‚gebildet‘ ist dieses Deutschland bzw. seine Bevölkerung? Schützt der Besuch eines Gymnasiums in diesem Land vor Antisemitismus, Jihadismus und Antiamerikanismus oder eher nicht? Gab und gibt es nicht eine ganze Reihe ‚intelligenter‘ Nazis mit Abitur? Waren die Jihadisten des 11. September 2001 nicht auch ‚gebildet‘, ausgebildet unter anderem an Hochschulen in Hamburg?

Wenn Sarrazin wehleidig und populistisch die ‚Abschaffung Deutschlands‘ am Horizont sieht – WAS ist am heutigen Deutschland so schön und wegweisend?

–         die anti-israelische Resolution des Deutschen Bundestags, verfasst und angenommen von Menschen (meist, wenn nicht immer) mit Abitur und gar Studium?

–         Wissenschaftlerinnen, welche Muslime wie Khalou Abu al Fadl als Vertreter eines „emanzipativen Islam“ herbei reden, wo dieser Professor aus Kalifornien doch in USA als Islamist seit Jahren bekannt ist und zum Beispiel Kritik am politischen Islam mit der antisemitischen Hetze gegen Juden vor dem Holocaust gleich setzt?

–         Leiter von Forschungszentren welche heutige Islamkritik mit Antisemitismus von Ende des 19. Jh. gleichsetzen?

–         FDP-Politiker, die heute in den Iran fahren und das islamfaschistische Regime von Ahmadinejad und den Mullahs damit unterstützten?

–         Deutsche Fernsehmoderatorinnen, die beim Torjubel deutscher Fußballer bei der Fußball-WM in Südafrika an „innere Reichsparteitage“ denken?

–         Deutsche Grüne und Linke, welche den Stuttgarter Hauptbahnhof und seinen Architekten Paul Bonatz in Schutz nehmen vor der Moderne, ohne zu erwähnen, dass Bonatz ein glücklicher Architekt im Nationalsozialismus war, dem „Führer“ lange Zeit treu ergeben und die international renommierte Weißenhofsiedlung seit 1927 aggressiv bekämpfte?

–         Deutsche TV-Moderatoren, die amerikanische Präsidenten wie George W. Bush mit Bin Laden vergleichen?

–         Die Liste ließe sich unbegrenzt verlängern…

Doch Sarrazin ist kein Intellektueller, er ist Politiker. Und folgende Stelle, ein Vorabdruck aus seinem Buch aus dem Berliner Tagesspiegel, hat deutliche Züge von Präfaschismus:

„Jeder Arbeitsfähige, der Unterstützung erhält, muss sich an gesetzlichen Arbeitstagen zur festgesetzten Uhrzeit dort einfinden, wo er eingeteilt ist. An die Stelle gemeinnütziger Arbeit treten bei jenen Migranten, die der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind, Sprachkurse.“

So zu tun, als ob ‚Bildungsferne‘ oder Arbeitslosigkeit von Muslimen mit die größten Gefahren für dieses Land seien, ignoriert die Tatsache, dass gerade diejenigen mit Abitur und guter Ausbildung Antisemitismus klein reden wenn nicht fördern und zumal deutsche Forscher den Islamismus unterstützen und nicht analysieren und bekämpfen. Das Gerede um „Islamophobie“ wird ja gerade auch von nicht-muslimischen Forschern und Publizisten in die Öffentlichkeit getragen.

Die Frage ist, warum sich Sarrazin nicht diese nicht-muslimischen Deutschen ebenso vorknöpft?

Es geht Sarrazin um Deutschland, nicht um Islamismus. Ginge es ihm um letzteren, dann würde er die herrschende Elite an Unis, Think Tanks, in der Politik, den Medien etc. angreifen müssen. Es geht dem Sozialdemokraten ums Funktionieren im System. Nur wer arbeitet, soll auch essen, ein Spruch, den wir aus der deutschen Geschichte allzu gut kennen. Was letztlich in den Fabriken, den Call-Centern, den Bürovielzweckgebäuden und easy-listening-Großraumbüros so produziert wird, die Ware, ist völlig egal.

Es geht um Wert schaffen, abstrakte Arbeit, pur und simpel. Das Was interessiert nicht. Ob eine Ware ‚sinnvoll‘ ist oder  Blödsinn, gefährlich oder eher harmlos, ob Gummibärchen oder Trägerraketenzündköpfe für iranische Nuklearbomben produziert werden ist tertiär aus dieser Perspektive. Arbeit hat gerade in Deutschland einen Wert an und für sich, dem Warenfetischismus stellt sich eine Fetischisierung von abstrakter Arbeit zur Seite. Die Tische stehen auf dem Kopf und tanzen uns die Melodie vor, Subjekt und Objekt sind seit langem vertauscht. Das ist zu keiner Millisekunde ein Plädoyer für alte Zeiten. Es ist eine Erkenntnis, dass Geschichte, selbst gemachte, erst noch beginnen muss.

Nach Auschwitz ist das nicht mehr möglich.

Die Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno würde heute wohl so weiter geschrieben werden: Es geht realpolitisch im 21. Jahrhundert darum noch unendlich Schlimmeres als das Bestehende zu verhindern. Und das ist die iranische Bombe, das ist der weltweite antisemitische Antizionismus.

Kritik ist notwendig, nicht Lob fürs deutsche Gymnasium, dem diejenigen die für die nationale wie Welt-lage mit verantwortlich sind, jene die mit Iran Geschäfte machen, den Jihad gewähren lassen und Antisemitismus auf unterschiedlichster Stufe und in vielfältigster Form produzieren oder verharmlosen, entspringen.

Auch das ist kein Lob fürs dumpfe TV schauen, wobei auch die Kulturindustrie von den ex-Gymnasiasten oft gemacht wird, welche nur vom Gang zu Aldi unterbrochen wird.

Den apathischen Konsumenten stehen die quietschfidelen Alphatierchen der Gesellschaft in der Affirmation des Bestehenden in nichts nach.

Die Israelhasser und Jihad-Fans (offene wie klammheimliche) mit sicherem monatlichem Einkommen und Rentenanspruch dürfen sich jedoch besser fühlen als die Hartz4-Antisemiten, immerhin.

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