„arabophile“ Ausstellung

„Arabophile“ Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“

Karl Rössel, der Mufti, und die Aporien des Antiimperialismus


Die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ könnte Vorreiter einer Geschichtsumschreibung mit allerbestem Gewissen und staatlicher Unterstützung werden. So ist die umstrittene Stiftung Erinnerung, Verantwortung, und Zukunft ein wichtiger Sponsor der Ausstellung. Der schließlichen Zensur der Schau wegen Tafeln zur Kollaboration von Arabern und namentlich des Mufti Amin al-Husseini, durch die Leiterin der Neuköllner Werkstatt der Kulturen, Philippa Ebéné, ging eine monatelange Kooperation mit Ausstellungsmacher Karl Rössel voraus. Dieser zeigte sich in seiner Eröffnungsrede bei der Vernissage im Ausweichquartier „Uferhallen“ in Berlin-Wedding auch sichtlich erstaunt, warum gegen Ende diese Zensur stattfand. Und dieses Erstaunen Rössels kann man ernst nehmen.

Denn die anti-„eurozentrische“ Motivation sich mit der „Dritten Welt“ zu befassen ist bei Ebéné so grundlegend wie bei Rössel. Dieser schreibt in einer biographischen Notiz auf seinem Onlineauftritt, dass er einfach gerne reise und seit Jahrzehnten ein Faible für die Welt jenseits Europas und der westlichen Zivilisation habe. Sei es die Abneigung gegen universelles Recht, (europäische) Aufklärung oder der Kampf für das rechtsextreme, völkische Konzept des Ethnopluralismus – welches auch der bekannteste Protagonist der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, Kum’a Ndumbe III. zu vertreten scheint, wenn er vor kurzem ganz ernsthaft meinte, es sei ein „Genozid“, wenn afrikanische Forscher und Studierende in Afrika in englischer Sprache unterrichtet würden -, „jenseits Europa“ soll es sein, um ein Filmfestival Rössels zu zitieren. „Genozid“ nennt Ndumbe III. die Verwendung der internationalen Sprache Englisch. Er hingegen möchte „afrikanische Universitäten“, was immer das sein mag. Dies ist exakt das Konzept des Ethnopluralismus: Englisch für Amerika oder England, Deutsch für Deutschland, Spanisch für Spanien, und die jeweilige afrikanische Sprache in den unterschiedlichen afrikanischen Ländern. Schön homogen getrennt. Der Protagonist der Neuen Rechten in der BRD, Henning Eichberg, nennt das „Ethnopluralismus“ (Deutschland den Deutschen (oder gar den deutschen Deutschen), Türkei den Türken, Afrika den Afrikanern (oder Kenia den Kenianern etc. etc.).

Das steht in direkter Beziehung zu einem Artikel einer Autorin, welcher in derselben anti-„eurozentrischen“ Zeitschrift von AfricAvenir, einem der Hauptunterstützer der Rösselschen Ausstellung, erschienen ist, wo auch Ndumbe III. (in einem anderen Artikel als jener über den sprachpuristischen Ethnopluralismus) über Hitlers Afrikapläne schreibt. Jene Kollegin agitiert in bekanntem antiamerikanischem Tonfall gegen Kolonialismus, Imperialismus, die bürgerliche Gesellschaft und erfindet den Begriff „Konzentrationsuniversum Amerikas“ seit 1492. Damit wird Amerika geziehen und aggressiv beschuldigt, seit damals einen Genozid (gezielt, geplant und gewollt) an den UreinwohnerInnen vollführt zu haben. Die Intention ist eine der soft-core Leugnung des Holocaust, da auch viele Rechtsextreme und Linke zumal die USA anklagen nonstop Völkermord zu betreiben, um die unvergleichlichen Verbrechen der Deutschen im Holocaust zu verharmlosen, ja die Schuld zu projizieren. De facto haben es Deutsche und ihre Freunde (auch Schwarze, „people of colour“ etc.)  nie verwunden, dass gerade auch die Vereinigten Staaten von Amerika die Welt vom nationalsozialistischen Deutschland befreit haben.

Linke Ideologen haben seit langem mit anti-westlichen, antiamerikanischen und antisemitischen Ressentiments die bürgerliche Gesellschaft angeklagt, an allem Übel auf der Welt schuld zu sein. Die Verbrechen der Deutschen sind dabei nur ein Puzzleteil im Weltbild dieser anti-Westlichen.

Nun ist es wichtig, dass in dieser Ausstellung von Rössel auch der Mufti von Jerusalem Amin al-Husseini kritisiert wird. Das ist, obwohl längst bekannt, in vielen linken, multikulturellen Kreisen weiterhin ein Tabu. Viele wollen auch in Zukunft nichts hören von der Kollaboration der Araber mit den Deutschen im Nationalsozialismus. Dass auch eine bundesweit etwas bekannte NGO-Frau wie Anetta Kahane das Zensurspiel ihrer Neuköllner Kollegin mitmacht, überrascht zwar nicht wirklich, ist aber beachtlich. Denn immerhin bekommt die Amadeu-Antonio-Stiftung auch finanzielle Unterstützung vom Staat und der Gesellschaft insgesamt, und wirbt damit, sich kritisch mit Antisemitismus zu befassen. Da Kahane als Vorsitzende dieser Stiftung die Zensur der Tafeln über den Mufti mitgemacht hat, stellt sich die Legitimationsfrage: hat die Amadeu-Antonio-Stiftung Gelder verdient, wenn sie sich offensiv dagegen ausspricht Antisemitismus – die Kollaboration des Mufti mit den Deutschen – in einer Ausstellung in Berlin/Deutschland im Jahr 2009 (endlich!) zu thematisieren?

Man sollte es sich schon nochmal vergegenwärtigen: im Land der Täter, Deutschland, zensieren „people of colour“ wie Ebéné und ihre UnterstützerInnen eine Ausstellung, welche die Kollaboration anderer „people of colour“, Arabern und Muslimen in diesem Fall, mit dem SS-Staat dokumentiert.

Die andere un-erhörte Geschichte ist nun Folgende: Was ist die Motivation von Ausstellungsmacher Rössel? Ein Blick in seinen Eröffnungsvortrag am 1. September 2009 in den Weddinger Uferhallen ist aufschlussreich.

Ganz unverhohlen gibt Rössel zu, dass es überhaupt nicht das Menschheitsverbrechen des Holocaust war, welches ihn bewegt hat. Nein. Seine Liebe zu den ‚Unterdrückten‘ (wie immer das gemeint sein mag) in der Dritten Welt, das Waffen- und Geldsammeln für Nicaragua oder El Salvador ist entscheidend. Weitere Recherchen zeigten ihm, dass die Dritte Welt auch in den Zweiten Weltkrieg involviert war. Immanent meint er damit, dass der Kampf gegen den Nationalsozialismus irgendwie fortgeführt wurde im Kampf gegen die USA, oder wie ist das sonst zu verstehen?

Völlig schwelgend und ohne den Hauch von Kritik geht Rössel auf die pro-Sandinisten oder pro-El Salvador Kampagnen ein, an welchen er offenbar in den 1980er selbst aktiv involviert war.

Wenn nun suggeriert wird, Rössel ging es vor allem und in erster Linie um die Kollaboration, z. B. des Mufti von Jerusalem, der Dritten Welt und dem Nationalsozialismus, irrt gewaltig. Was nämlich sagte Rössel auf der Eröffnung am 1. September 2009?

„Ein in der Öffentlichkeit kolportierter Vorwurf gegenüber dieser Ausstellung stimmt hingegen tatsächlich, wenn auch nicht in dem von den Kritikern intendierten Sinne: der Anteil arabischer Soldaten an der Befreiung Europas vom Faschismus wird tatsächlich nicht angemessen präsentiert. Er ist vielmehr deutlich überrepräsentiert, wie mir allerdings erst im Laufe der eigentümlichen Debatten um diese Ausstellung hier in Berlin auffiel. Schon in der ersten Video-Installation mit dem Titel „Unsere Befreier“ sind Portraits von mehr als 50 Kolonialsoldaten aus dem Maghreb zu sehen, womit ihr Anteil  im Vergleich zu chinesischen Soldaten oder philippinischen Partisanen, die in weitaus größerer Zahl auf Seiten der Alliierten gekämpft habe, deutlich übergewichtig ist. An der zweiten Video-Station ist ein Film von Rachid Bouchareb aus Algerien zu sehen, also eines arabischen Regisseurs. Eine der Hörstationen ist mit Alice Cherki einer Zeitzeugin aus dem Maghreb gewidmet, die auf unseren Vorschlag hin am 11. September auch hier in den Uferhallen auftreten wird, um über die Bedeutung des Zweiten Weltkriegs für die antirassistischen Theorien Frantz Fanons zu referieren. Insgesamt ist das Begleitprogramm geradezu arabophil. Nicht nur die beiden Auftaktfilme heute Abend stammen von arabischen Regisseuren – die Dokumentation des Tunesiers Fitouri Belhiba haben wir übrigens eigens für diese Ausstellung übersetzt. Wir haben auch dafür gesorgt, dass der Spielfilm „Indigènes“ in Berlin und anderswo erstmals mit deutschen Untertiteln gezeigt werden kann. Er erzählt die Geschichte von vier arabischen Soldaten, die ihr Leben einsetzen, um Frankreich und Deutschland vom Nazi-Terror zu befreien. Drei weitere Dokumentationen in dem von uns vorgeschlagenen Berliner Begleitprogramm erzählen von den Hunderttausenden arabischen Soldaten aus Nordafrika im Zweiten Weltkrieg und auch das Hiphop-Tanztheater, für dessen Deutschland-Premiere in Berlin am 20. September wir eine deutsche Fassung mit Obertiteln auf Videoscreen erstellt haben, erinnert nicht nur an Kriegsteilnehmer aus arabischen Ländern, sondern auch die Hälfte der Darsteller sind arabische Herkunft.

Neben alledem sind die umstrittenen Tafeln über arabische Nazi-Kollaborateure deutlich untergewichtet. Darauf ganz zu verzichten, wäre jedoch historisch unakzeptabel. Uns geht es nicht um platte Heldenverehrung, auch wenn in dieser Ausstellung viele vergessene Helden in Wort und Bild vorgestellt werden und eine Gruppe von Afro-Deutschen in der dritten Videopräsentation ein Projekt vorstellt, zu dem Plakate gehören, auf denen afrikanische Kolonialsoldaten als „Helden“ präsentiert werden.“

Der Anteil der Araber am Kampf gegen die Deutschen wird also (offenbar irgendwie sogar unbewusst) „überrespräsentiert“, sprich: völlig kontrafaktisch werden die Ausstellungsbesucher hinters Licht geführt und haben laut Rössel den Eindruck (den er gerne unterstützt!), dass die Araber super Widerstandskämpfer waren und nur am Rande mit den Nazis kollaborierten.

Zwei weitere Sätze stechen in ihrer Ungeheuerlichkeit heraus: „Neben alledem sind die umstrittenen Tafeln über arabische Nazi-Kollaborateure deutlich untergewichtet. Darauf ganz zu verzichten, wäre jedoch historisch unakzeptabel.“ Rössel befasst sich also mit dem Mufti nur am Rande, deshalb betont er auch, dass die „Nazi-Kollaborateure deutlich untergewichtet“ sind, also sogar weniger stark betont werden, als eigentlich „nötig“…Entgegen mancher Meinung, Rössel sei ein Held, weil er doch den Mufti zum Thema mache, gibt er selbst offenherzig zu, der Bedeutung der arabischen Kollaboration mit den Nazis zu wenig Gewicht zu verleihen (um nämlich dem Gesamteindruck der Dritten Welt als Opfer des Rassismus nicht zu viele Dellen rein zu hauen). Dagegen sei die Ausstellung und auch das Rahmenprogramm „arabophil“, um Rössel zu zitieren. Was eine solche völkische Verallgemeinerung soll, bleibt unkonkret. Warum möchte er gegenüber der ganzen arabischen Welt freundlich sein, einer Welt, welche nicht nur heute von Diktaturen geprägt ist, vielmehr nonstop Antisemitismus und djhadistische Ideologie verbreitet und Terror finanziert? Wieso dieses Betonen von Rössel, die Ausstellung sei „arabophil“? Es mag sein völliges Unverständnis ausdrücken, warum jemand wie Frau Ebéné dieses „arabophilen“ Zug nicht erkennen will. Rössel hätte also so gern mit Ebéné gekuschelt, „arabophil“, aber sie will nicht. Und zwar weil ihr jeder Hinweis auf eine Verstrickung der ach-so-guten-‚Wilden‘ aus Afrika oder dem Nahen Osten (und aller anderer Gegenden der Dritten Welt) in die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg, in den Holocaust gar, zuwider ist.

Auch der nächste Punkt ist interessant, denke ich: Rössel betont in seiner Eröffnungsrede die Opfer der Dritten Welt, welche bislang hinter ‚den anderen‘ Opfern wenig oder gar nicht (wen wundert‘s, eben rassistisches Europa…) vorgekommen seien. Wer jedoch ist in den Augen von Rössel Opfer im Zweiten Weltkrieg geworden (aus Sicht der Europäer)?

„Auch die Opfer aus der Dritten Welt kamen in den Statistiken über den Zweiten Weltkriegs schlichtweg nicht vor. In diesen waren stets die etwa 20 Millionen Opfer in der Sowjetunion und die ca. 5,5 Millionen in Deutschland aufgelistet, gefolgt von Opferzahlen aus Frankreich, Großbritannien, Italien, den USA und Japan, manchmal bis hin zu den 1.600 Toten in Dänemark. Aber über Kriegsopfer in der Dritten Welt fand sich nichts.“

Der Holocaust wird nicht erwähnt. Die sechs Millionen ermordeten Juden tauchen bei Karl Rössel als Opfer einfach nicht auf, aber 5,5 Millionen Deutsche oder 1.600 Tote in Dänemark. Der Holocaust ist das zentrale und fürchterlichste Resultat des Zweiten Weltkriegs. In seinem ganzen Eröffnungsvortrag geht Rössel darauf überhaupt nicht ein. Natürlich leugnet Rössel den Holocaust nicht, er weiß, dass er stattgefunden hat. Aber er erwähnt ihn einfach nicht in einer wichtigen Rede zum Zweiten Weltkrieg. Und damit ist er nur ehrlich: seine Motivation ist „arabophil“ oder Dritte-Welt-ophil, antiimperialistisch durch und durch, weshalb der linksextreme Verlag, welcher das die Ausstellung begleitende Buch herausgebracht hat und nun in zweiter Auflage dafür wirbt, Assoziation A, auch eine alte ‚autonome‘ Schriftenreihe, die „antiimperialistischen Texte“ fortführt. Das ist die Heimat von Karl Rössel: gegen Imperialismus, für die Dritte Welt. Um nun das Ansehen und die Integrität dieses Objekt der Begierde linker Deutscher noch besser anzupreisen verweist Rössel auf den Mufti und leugnet dessen Kollaboration mit den Deutschen im NS nicht, wie Ebéné oder herkömmliche anti-„eurozentristische“ Linke (Multikultitanten- und onkel). Rössel ist geschickter und erwähnt das, was nicht geleugnet werden kann, nämlich die Komplizenschaft des Mufti.

Es ist aber eine dreiste Unterstellung und eine hinters-Licht-Führung der Öffentlichkeit, wenn nun auf Veranstaltungen oder Ankündigungen zu Veranstaltungen so getan wird, als sei der Aspekt mit dem Mufti der zentrale der Rössel‘schen Schau. Das ist er nicht und Rössel selbst hat in seinem von ihm selbst so verfassten und zu verantwortenden Redebeitrag zur Eröffnung, wie oben zitiert, gesagt, dass das mit dem Mufti halt nicht geleugnet werden könne. Der Kern der Ausstellung sei aber „arabophil“, und natürlich antiimperialistisch.

Die kleinen theoretischen Brocken, welche dem Leser hingeworfen werden, sind auch noch unverdaulich und nicht auf der Höhe der Zeit, ja der Antisemitismus im Nationalsozialismus wird altlinks verharmlost und in völlig falsche Zusammenhänge gestellt:

„Die Apartheidsregelungen waren nicht neu. Schon während des wilhelminischen Imperialismus hatten sich Deutsche in den Kolonien getrennt von Schwarzen angesiedelt und diese zwangsweise für sich arbeiten lassen, Dienstbücher eingeführt und Mischehen verboten. Die deutschen Kolonien waren ein Experimentierfeld für eine nach „Rassekriterien“ organisierte Gesellschaft. Darum betrachtete Hannah Arendt den Kolonialismus als eine Vorform des Faschismus und eine von vielen Wurzeln des ‚Dritten Reiches‘. Aber erst die Nazis regelten mit Verfügungen wie dem Kolonialblutschutzgesetz bereits vorab eine zukünftige Apartheid, die sich nahtlos und systematisch an die Nürnberger ‚Rassegesetze‘ anschloss. (S. 39-40) (…) Die Wehrmacht vertagte den Vormarsch in Afrika auf die Zeit nach der Niederlage der Sowjetunion. Angesichts des weiteren Kriegsverlaufs beschloss Hitler Mitte Januar 1943, das KPA stillzulegen. (S. 40). (Ausgabe des Bandes von 2005)

So einfach ist das Weltbild Rössels, der die linke Ideologie nur besonders einfach ausspricht: Auschwitz war kein Zivilisationsbruch, wenn alles in einer Kontinuität von „Rassismus“ oder Apartheid aufgeht, oder Kolonialismus (der als „eine Vorform des Faschismus“ vorgestellt wird) über allem stehe. Antisemitismus taucht in all dem nicht auf. Die Spezifik des genozidalen Judenhasses gibt es für Rössel nicht. Ob das ein Grund ist, ihn gleich einen weiteren Vortrag, auch noch in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, halten zu lassen, ist ungewiss.

Nochmal etwas komprimierter die Kritik an Karl Rössel und der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“:

1) Er sagt: Faschismus ist Faschismus ist Faschismus (wie ein Schüler Karl-Heinz Roths)
2) Nationalsozialismus sei nur ein „deutscher Faschismus“, nix besonderes also
3) Kolonialismus (Italien) wird als Beginn des Zweiten Weltkriegs (1935) herbei fantasiert
4) Antisemitismus taucht überhaupt nicht auf als Kategorie, NUR der Mufti und seine pro-Nazi-Aktivitäten sind Thema (nochmal: wenigstens). P.S.: Skandalös genug, dass dies Kahane und Ebéné schon zuviel ist. Auch hier stellt sich die Frage: wieso wird sonst so häufig und gern mit Kahane kooperiert?
5) Kum’a Ndumbe III. ist der wichtigste Protagonist der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“. Er spricht von „Genozid“ bezüglich der Tatsache, dass viele Unis in Afrika sich an westlichen Werten und der englischen Sprache (!) orientieren. GENOZID!
6) Kum’a Ndumbe III schrieb 2007 in einer Zeitschrift der „Antikolonialisten“ über Hitlers Afrika-Pläne; in der gleichen Nummer wird Amerika Genozid vorgeworfen und das Wort KZ umgewandelt in „Konzentrationsuniversum Amerikas“ seit 1492. Das ist Antiamerikanismus und eine soft-core Leugnung des Holocaust, der gezielt eingebettet wird in das „Universum“ von Verbrechen der „bürgerlichen Gesellschaft“. Nix besonders schlimmes also, Auschwitz. Rössel unterstützt diese Sicht indem er Ndumbe III. hofiert (er ist adlig) und selbst Rassismus, Kolonialismus und Europa („der eurozentristische Blick“) mit Antisemitismus verwechselt
7) besonders lustig ist die Tatsache, dass Rössel schafft, was die Nazis und Neonazis in Deutschland seit 1945 krampfhaft versuchen: Deutschland von der Alleinschuld am Beginn des Zweiten Weltkrieg zu befreien

Wer vom Mufti nur reden will, um die ansonsten einfach gestrickte linke, antiimperialistische Ideologie, welche die Dialektik der bürgerlichen Gesellschaft wie sie z. B. von Adorno und Horkheimer analysiert wurde, nicht versteht und auch keine Anstrengung unternimmt, irgend etwas davon zu verstehen, zu retten, sollte vom Zweiten Weltkrieg und den Menschheitsverbrechen der Deutschen in der Shoah in Zukunft lieber schweigen.

Der Holocaust war kein Verbrechen unter anderen, im herbei fabulierten ‚Universum von Vernichtung‘ durch die „Kolonisatoren“ (vor allem Amerika, Frankreich, England).

Der Holocaust steht auch nicht in der Kontinuität des Kolonialismus deutscher Provenienz. Der Holocaust war vielmehr ein nicht antizipierbarer Zivilisationsbruch und der deutsche, eliminatorische Antisemitismus war die entscheidende Kraft.

Wer in einer selbständig erarbeiteten Eröffnungsrede zu dieser Ausstellung den Holocaust einfach vergisst, wie Karl Rössel, misst ihm offenbar keine sonderlich große Bedeutung bei der Analyse des Zweiten Weltkriegs zu.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.