Antirassismus konkret oder Trevor Noah: Afrika ist Weltmeister – gemeinsam mit Frankreich

Der neue Fußball-Weltmeister der Männer heißt Afrika, genauer gesagt: Frankreich. In einem teils spielerisch begeisternden Stil haben Mbappé, Pogba oder Kanté gemeinsam mit Griezmann, Giroud und Lloris völlig verdient, mit viel Schwung und fußballerischer Klasse, technisch wie taktisch, die Weltmeisterschaft gewonnen. Es war ohnehin eine insofern wunderbare WM, als die deutsche Mannschaft endlich das klar machte, was viele seit Jahrzehnten erhoffen: das Vorrundenaus.

Dass gerade die Kroaten mit ihrer Vorliebe für faschistische Lieder und Sänger und unglaublichem Dusel (3mal mussten sie in die Verlängerung, dabei zweimal ins Elfmeterschießen) ins Finale gekommen waren – ärgerlich, aber nicht wirklich bemerkenswert.

Die politisch katastrophale Situation in Russland war kaum Thema und das wird in vier Jahren bei der geplanten WM in Qatar, die im Winter stattfinden soll, auch nicht anders sein. Die FIFA hat noch mit jedem korrupten oder möglicherweise korrupten Land kooperiert (erinnern wir uns an die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland und an unzählige weitere Beispiele…).

Es gibt nun einen aktuellen Beitrag zum WM-Sieg Frankreichs des südafrikanischen Kabarettisten Trevor Noah, Sohn einer südafrikanischen Mutter und eines deutschschweitzerischen Vaters. Noah wuchs zu Zeiten der Apartheid in Südafrika auf, die Beziehung seiner Eltern war „illegal“. 2011 zog er in die USA.

Nun bekam Trevor Noah einen Brief des französischen Botschaftes in den USA. Warum? Er hatte in seiner Sendung „Daily Show“, die er seit 2015 moderiert, gesagt, dass er es toll finde, dass Afrika Weltmeister geworden sei. Es war ein „joke“.

Das hat den französischen Botschafter in den USA und viele Franzosen auf die Palme gebracht – der Botschafter schrieb einen Brief an Noah und betont, dass alle Spieler Franzosen seien (nur zwei seien außerhalb Frankreichs geboren) und also nicht Afrika, sondern Frankreich gewonnen habe.

Nun ist Trevor Noah ein weltgereister Mann, der viel Rassismus in Südafrika erfahren hat, als kleiner Junge, und betont, warum es nicht möglich sein soll, sowohl Puerto Ricaner oder Ire und Amerikaner zu sein. So wie man Afrikaner und Franzose sein könne.

Das Video ist eine Lehrstunde in Demokratietheorie – gerade gegen die „Nazis in Frankreich“, die Trevor sehr wohl erwähnt und attackiert, die den WM-Titel ablehnen, weil ja das Team afrikanisch und nicht französisch sei.

Doch genau das möchte Noah bekämpfen, inder er sagt, Frankreich und Afrika hätten die WM gewonnen. Die Betonung des Botschafters, Frankreich habe eine „vielfältige Geschichte“ wäre eventuell noch präziser, so Noah, wenn er gesagt hätte, eine „Kolonialgeschichte“.

Trevor Noah bringt ein Beispiel, das für die Politikwissenschaft, die Demokratietheorie, die politische Kultur wie die Analyse des rassistischen Diskurses von enormer Bedeutung ist: viele erinnern sich noch an jenen malischen Flüchtling, der ohne Papiere in Frankreich lebte und einem Kind, das hilflos am Geländer eines Balkons hing, das Leben rettete, der „Spidermann“ von Paris. Wenig später erhielt er vom französischen Präsidenten Macron die Staatsbürgerschaft verliehen. Ein Held. Aber was für ein Held?

Trevor Noah macht das deutlich: als der Mann aus Mali unten stand an dem Haus, war er ein Afrikaner, als er nach 36 Sekunden oben ankam und das Kind rettete, war er plötzlich ein Franzose. Doch hätte er das Kind aus Pech tragischerweise wieder fallengelassen, wäre er weiter ein Afrikaner. So schnell kann das mit der Staatsbürgerschaft gehen.

Von daher Trevor Noah anschauen, dieser Beitrag ist Pulitzer-Preis verdächtig.

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