Erklärung „Reflektierte Vielfalt statt nationaler Homogenität“ (09. April 2018)

Angesichts der unfassbar aggressiven, rassistischen und hetzerischen „Gemeinsamen Erklärung“ vom 15. März 2018 von Broder, Tellkamp, Sarrazin, Safranski und der Neuen Rechten haben wir die unten stehende Gegenerklärung entwickelt.

Seid Ihr und sind Sie mit dabei? Wir freuen uns über Unterstützung und Unterschriften!

Bei Interesse den Aufruf gerne teilen und verbreiten, per Telefon Leuten Bescheid sagen oder beim Bäcker, im Supermarkt, an der Uni, der Schule, der Mensa, am WG-Küchentisch oder beim Abendessen im Restaurant, in der U-Bahn, S-Bahn, im ICE, auf dem Fahrradweg und im Buchladen, in den sozialen Medien online, auf Blogs darauf verweisen oder beim Ost- und Gemüseladen um die Ecke drüber reden, in der Kirche, der Moschee oder der Synagoge diskutieren, in der Politgruppe, im Jugendzentrum, beim Spätkauf und Kiosk gegenüber, beim Ausflug mit Freund*innen, in der Disko, beim Konzert, im Fußballstadion, in Kneipen und Restaurants, in Parks, auf Veranstaltungen, Demos und Aktionen oder in der Fraktions- oder Redaktionssitzung usw.

Wer hat diese Erklärung initiiert? Clemens Heni, Politologe, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA); Chaja Boebel, Historikerin und Gewerkschaftssekretärin (IG Metall); Clarissa Haziri-Hagner, Sprachlehrerin und Thomas Weidauer, Blogger und Computerexperte

Unterzeichner*innen bitte eine E-Mail an info@reflektiertevielfalt.de schicken, merci!

https://www.reflektiertevielfalt.de/

 

Reflektierte Vielfalt
statt nationaler Homogenität

  1. April 2018

Seit einigen Jahren ist die vielfältige Demokratie in diesem Land so bedroht wie seit langer Zeit nicht mehr. Entgegen unzähligen Agitator*innen auf der Straße, in den Parlamenten oder bei der „Gemeinsamen Erklärung 2018“ sind für uns alle Menschen gleich.

Es ist purer Zufall, wo ein Mensch geboren wird.

Menschen, die fliehen, lassen alles zurück, Materielles, Erinnerungen, Familien, das Klima, Jobs, Düfte, Geräusche.

Viele sind traumatisiert und haben die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Und jetzt werden sie in nie dagewesener Form attackiert, mit Brandsätzen, Blicken, Schlägen, Worten und Erklärungen.

Entgegen den 1990er Jahren sind diesmal angesichts von brutaler, massenmedialer Stimmungsmache gegen „Nicht-Deutsche“ liberale und linke Stimmen verstummt.

Menschen in Not zu helfen ist für eines der reichsten Länder der Welt eine Selbstverständlichkeit. Viele Probleme, die zur Flucht führen, rühren von unserem Verhalten her, seien es die Weltwirtschaftsordnung, Waffenexporte oder die Klimapolitik.

Wir sind nicht naiv und wissen, dass Einwanderer keine besseren, aber auch keine schlechteren Menschen sind. Eine homogene Gesellschaft ist antidemokratisch.

Wir stehen für Vielfalt, ohne die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, zu ignorieren.

Wir sehen die Gefahr islamistischer Hassprediger, die nicht geringer ist als die von deutsch-nationalen Hasspredigern. Beide haben ähnliche autoritäre Charaktere.

Viele Menschen sind heute wie paralysiert angesichts des offenen Rassismus weiter Teile der Gesellschaft bis in den Deutschen Bundestag.

Eine Partei und ihre Anhänger*innen, die „stolz“ sind auf „deutsche Soldaten in zwei Weltkriegen“, sind offenkundig nicht in der Demokratie angekommen und noch nicht integriert.

Wir sind mit denen solidarisch, die sich aktiv für eine heterogene und offene Gesellschaft einsetzen und sich den Feinden der Vielfalt aktiv entgegenstellen.

Berlin, 9. April 2018

Erstunterzeichner*innen (weitere Unterzeichner*innen finden sich auf der Seite

 https://www.reflektiertevielfalt.de/ :

 

Clemens Heni, Politologe, Direktor, The Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA)

Chaja Boebel, Historikerin und Gewerkschaftssekretärin (IG Metall)

Clarissa Haziri-Hagner, Sprachlehrerin

Thomas Weidauer, Blogger und Computerexperte

Lale Akgün, Psychotherapeutin, Mitglied des Deutschen Bundestags (2002–2009, SPD)

Lars Rensmann, Professor für Politikwissenschaft, Uni Groningen

Jannis Goudoulakis, ehem. Vorsitzender des Integrationsrats, Leverkusen

Gert Weisskirchen, Mitglied des Deutschen Bundestags (1976–2009, SPD), Honorarprofessor, Fachhochschule Potsdam

Micha Brumlik, Pädagoge, Prof. em., Jüdische Studien Berlin-Brandenburg

Wolfgang Seibert, Vorsitzender Jüdische Gemeinde Pinneberg, Pro-Asyl Menschenrechtspreis 2017

Richard Geisen, Sozialinstitut Kommende Dortmund

Falk Richter, Regisseur (u.a. Schaubühne, Berlin)

Susanne Wein, Historikerin

Petra Merkel, Mitglied des Deutschen Bundestags (2002–2013, SPD)

Benno Herzog, Soziologe, Universität Valencia

Michael Jänecke, Politologe und Bildungsreferent

Gerhardt Haag, Künstlerischer Leiter, africologneFESTIVAL, nächste Ausgabe Juni 2019

Süleyman Ateş, Ex-Hauptvorstandsmitglied GEW

Peter Bürger, Buchautor und Mundartforscher

Anton Maegerle, Journalist und Buchautor

Nils Gerster, Politologe

Albert Markert, Künstler und Autor

Kirsten Jahn, Künstlerin

Kazem Moussavi, Green Party of Iran

Jochen Kletzin, Vorstand, Gruppe7 Organisationsberatung eG

Sebastian Rest, Theaterwissenschaftler, Künstler bei VOLL:MILCH // Monster Control District

Hans Mörtter, Pfarrer, Lutherkirche Köln

Joy Aselmann, Politologin

Heidrun Kletzin, Organisationsberaterin

Thomas Hennig, Komponist und Dirigent

 

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