Antizionismus – Lechts und Rinks. Dieser Text wird Sie und euch überraschen

Die vermutlich über 1500 oder 1800 Toten in Gaza sind schrecklich. Keine Armee der Welt versucht so intensiv Zivilisten zu schützen, wie die israelische Armee IDF. Es ist unverzeihlich noch bis in weit entfernte Zeit, dass die Hamas Israel zwang, wiederum zwang, zu töten, es gab keinen Ausweg. Netanyahu wollte diesen Krieg nicht, wie auch seine linken Kritiker diesmal völlig übereinstimmend konzedierten, aber er wurde unausweichlich.

Nur durch eine sensationelle technische Leistung (Iron Dome) und Glück sind ‚nur‘ drei israelische Zivilisten von den Tausenden Raketen der Hamas ermordet worden. Es wurden 64 IDF Soldaten im Krieg in Gaza von der Hamas und anderen Terroristen ermordet.

Die anti-muslimische und anti-arabische Terrorgruppe Hamas benutzt Muslime und Araber als menschliche Schutzschilde. Die Tausenden Toten in Syrien und dem Irak und Kurdistan, die unter dem unfassbaren Terror der Nihilisten und antisemitischen wie antiwestlichen, aber eben auch ganz extrem anti-islamischen, anti-muslimischen und anti-arabischen Mörderbande des Islamischen Staates (IS) leiden und massenhaft auf grausamste Weise ermordet werden, sind unfassbar. Doch sie lassen ‚uns‘ kalt. Sie werden und wurden nicht von Juden ermordet, also reicht es kaum in die Hauptnachrichten von CNN, ARD, ZDF, BBC oder France2 etc. Und wenn sie in den Hauptnachrichten erwähnt werden, berührt es ‚uns‘ kaum.

Was ist nun Antizionismus im Jahr 2014? Israel sieht sich zwei Gefahren ausgesetzt. Es gibt es jene Antisemiten wie die Hamas, die Israel zerstören und Juden ermorden wollen. Juden, das wohl älteste Volk im ganzen Nahen Osten, hätten dort kein Lebensrecht. Auch der staatsoffizielle Iran sieht das so. An den vermutlich antisemitischsten Hetzparaden in Europa seit 1945 – in der Sprache von ARD, ZDF, der ZEIT und allen anderen Mainstreammedien: „israelkritischen Demonstrationen“ – haben sich Tausende Islamisten, in Deutschland oder Frankreich, Belgien und Holland geborene Muslime und Araber wie auch antiisraelische Linke und Neonazis beteiligt. Bis auf marginalste Teile der politischen Klasse schweigt Europa zu diesen antisemitischen Aktivitäten. Da grüne Nazis keine „biodeutschen“ Nazis sind, gibt es keinerlei Protest der Spontandemoprofis und anderer eingebildeter Antifaschisten. Wer nicht gleich selbst mitläuft wie weite Teile der Partei DieLinke in NRW, feixt mehr oder weniger klammheimlich vor dem heimischen Facebook-Bildschirm, ob nicht doch die eine oder andere Synagoge Feuer fängt oder wenigstens ein paar „Zionisten“ richtig schön eingeschüchtert oder halb tot geschlagen werden. Für einen guten Zweck natürlich. Frieden.

Der DGB-Region Oldenburg-Ostfriesland lädt deshalb die CDU-Politikerin Gitta Connemann als Hauptrednerin auf der jährlichen Antikriegskundgebung aus Anlass des 1. September 1939 wieder aus. „Wir als DGB sind aber gegen jegliche Kriegshandlungen. Wir möchten ein Zeichen für den Frieden auf allen Seiten setzen – und keine einseitige Parteinahme. An diesem Punkt sehen wir zurzeit keine gemeinsame Basis mit Frau Connemann“, sagte die Vorsitzende der DGB-Region Ostfriesland-Oldenburg, Dorothee Jürgensen und scheint sich für solchen Bullshit nicht zu schämen. Mit welchen unblutigen Friedensgebeten haben nochmal die Rote Armee, die Amerikaner, Kanadier, Engländer und Franzosen im Zweiten Weltkrieg agiert und die Welt vom Nationalsozialismus und den ganz normalen Deutschen befreit?

Connemann hatte sich zuletzt gegen die islamfaschistische Terrororganisation Hamas gewandt und das selbstverständliche Recht Israels auf Verteidigung seiner Bürger vor Tausenden Raketenangriffen und dutzenden professionellen Terror-Tunneln, die als Vorbereitung auf ein antisemitisches Massaker im Herbst 2014 die letzten Jahre mit EU- und sonstigen Geldern gebaut worden waren, verteidigt. Die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann zählt somit wie auch ihre Kollegin Michaela Engelmeier von der SPD zu jenen wenigen, die sich öffentlich und lautstark für Israel einsetzen. Das führt zu Morddrohungen, Ausladungen und zur Kenntlichkeit entstellten Fratzen auf manchen Empfängen.

Wer jetzt denkt: klar, linke Antisemiten, Gewerkschafter, sog. Gutmenschen, die nur Böses wollen, sog. Kulturschaffende gar, die sich, wie zuletzt Hunderte kaum bis gar nicht bekannte Filmschaffende, gegen Israel in Stellung bringen, kennen wir ja – der oder die sollte aufmerksam weiter lesen. Denn es kommt noch dramatischer. Israel wird auch von innen bedroht. Antizionismus von rechts. Was soll das sein?

Das ist die zweite, gleichwohl ganz anders gelagerte und unblutige, aber existente Gefahr, der sich Israel gegenübersieht: die Einstaatenlösung. Während des jetzigen Gaza-Krieges ist ein Video mit IDF-Soldaten (oder Schauspielern) in Umlauf gekommen, das „from the Jordan to the sea“ singt. Wer das nur so im Vorübergehen hört (und nicht das Bild sieht), stellt sofort den Ton ab und denkt sich: das sind die üblichen „Israel Apartheid Week“-Linken, jenen „One State Solution“ Fanatiker, die Israel als jüdischen Staat zerstören wollen und einen binationalen Staat von Juden und Arabern errichten wollen. Antizionisten von links.

Doch der Song ist gar nicht von Linken. Er ist geschrieben von Caroline Glick, einer israelischen Journalistin, Kolumnistin der Jerusalem Post und Heroine der rechten Pro-Israel-Szene. Sie will die Einstaatenlösung von rechts. Sie möchte tatsächlich das Westjordanland annektieren, vom Gazastreifen einmal zu schweigen. Derzeit leben über 300.000–500.000 jüdische Siedler im Westjordanland oder Samaria und Judäa, Gebiete, die offensichtlich eine schon etymologische Beziehung zu Juden haben. Viele Siedler erkennen die jüdische Souveränität jedoch nicht an. Für sie hat eine israelische Regierung, egal ob sie konservativ-rechts ist unter Netanyahu, oder ob sie eine Mitte-Links-Koalition wäre wie z.B. unter Tzipi Livni, keinerlei Legitimität. Jene Siedler fühlen sich einem Auftrag verpflichtet, dieses Land zu besiedeln, religiös und nationalistisch inspiriert, mit unterschiedlicher Akzentuierung.

Dabei hatte die Israelische Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948 sich explizit auf den UN-Teilungsplan vom 2. November 1947 bezogen, der einen jüdischen und einen arabischen Staat vorsah. Die Zionisten nahmen den Plan an, die Araber lehnten ihn ab, wie schon den Plan der britischen Peel-Commission von 1937.

Jene, die heute ein Israel vom Jordan bis zum Meer wollen, handeln also antizionistisch. Darauf weisen auch immer wieder zionistische Wissenschaftler in Israel hin. Ein Beispiel ist Alexander Yakobson, Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er ist für den Krieg gegen die Hamas. In einem Text vom 4. August 2014 analysiert Yakobson, was die Rechte will: keine Zweistaatenlösung, sondern Annexion des Westjordanlandes. Doch das wäre das Ende Israels, das Ende des jüdischen Staates, auch wenn Caroline Glick das ganz anders sieht und den Zionismus neu erfinden möchte, dabei scheint sie ihn eher zu negieren. Yakobson ist sich der Gefahr der Zweistaatenlösung bewusst. Wer jemals nördlich von Tel Aviv wohnte, weiß, was es heißt in einem wenige Kilometer breiten Streifen zu wohnen. Auf der einen Seite Mörderbanden, auf der anderen Seite das Meer. Doch es gibt moderate Araber und Muslime, die sich heute eher vor dem IS und dem Jihad fürchten als vor Israel. Jordanien sucht die Kooperation mit Israel, ebenso Ägypten und Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Der Islamische Staat (IS) drohte damit, die Kaaba in Mekka zu zerstören. Anti-muslimischer und anti-islamischer kann es gar nicht mehr kommen, das wissen nicht nur die Scheichs und Saudis und säkularen Ägypter.

Wie der Islamforscher Daniel Pipes immer sagt: der Westen muss den moderaten Islam unterstützen, um den Islamismus zu bekämpfen. DEN Islam zu diffamieren, also den Islam an und für sich, aus der Geschichte enthoben, ist völlig selbstmörderisch. Israel kann nicht überleben, wenn es nicht anerkennt, dass es Muslime und Araber gibt, die im Nahen Osten leben, auch die Palästinenser, völlig egal, seit wann sich die Palästinenser Palästinenser nennen. Es gibt viele gläubige Muslime, die für Israel sind, von Kanada, den USA über Großbritannien hin zu Deutschland und Europa und der muslimischen und arabischen Welt. Man muss nicht religiös sein, um das zu erkennen. Häufig sind es jedoch deutsch-nationale Fanatiker, die keine Muslime in Deutschland wollen, rassistisch agitieren, ohne zu sehen, dass es, rein logisch und philosophisch betrachtet, gar nicht sein kann, dass DER Islam böse ist. Das ist Schwachsinn, da eine Religion gar nicht an sich böse oder gut sein kann, es kommt auf die Auslegung und die Anhänger an, was sie daraus machen. Das ist beim Nazismus ganz anders, der a priori antisemitisch und böse war und ist. Wer diese Differenz nicht sehen will, sollte nochmal ganz von vorne beginnen.

Wie Netanyahu sagte auch Pipes Anfang 2014: warum um Himmels willen geht jeder davon aus, dass ein palästinensischer Staat ‚judenrein‘ sein müsse? Warum gehen alle automatisch davon aus, dass in „Palästina“ keine Juden leben dürfen oder werden? So wie in Israel 20-25% Muslime und Araber leben, könnten auch jene ca. 20-25% der Bevölkerung im zukünftigen Palästina Juden sein. Warum nicht?

Yakobson weiß gleichwohl ob der Gefahr der Zweistaatenlösung, Israel ist territorial enorm gefährdet. Aber was wäre, in Jahren oder Generationen, wenn die Araber und Muslime im Nahen Osten Israel grundsätzlich als den jüdischen Staat anerkennen würden? Das ist womöglich nicht einmal unwahrscheinlicher als Unterstützung für den jüdischen Staat Israel von normaldeutschen Oberstudienräten und der kulturellen und politischen Elite. Schon heute gibt es im Nahen Osten ein Bewusstsein für die extreme Gefahr, die der Jihad und islamistische Extremismus bedeuten, während in Europa und Deutschland noch jede exotisch anmutende islamistische, antiamerikanische, kulturrelativistische und antisemitische Terror- , Theater- oder Kulturgruppe getätschelt wird.

In Anlehnung an Alexander Yakobson und den Zionismus gilt es, klipp und klar zu konstatieren: die Einstaatenlösung oder binationale Lösung der „Israel Apartheid Week“ und der antizionistischen Internationale von der radikalen Linken, der extremen Rechten, säkularen Israelhassern sowie Judith Butler und ihren deutschen Verehrern hin zu der israelischen extremen Rechten, den Siedlern und Caroline Glick würde das Projekt des Zionismus, das Projekt eines dezidiert jüdischen Staates, beerdigen. Das wäre natürlich unblutiger als ein Massenmord, wie er der Hamas vorschwebt. Aber es wäre nur ein anderes Ende des jüdischen Staates Israel und jüdischer Souveränität.

 

 

 

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