Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Monat: März 2019

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Kinderfrei statt Kinderlos – der staats- und kapitalismuskritische Feminismus hat ein neues Manifest (Rezension des Buches „Kinderfrei statt Kinderlos“ von Verena Brunschweiger, März 2019)

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Von Dr. Clemens Heni, 18. März 2019

Das Buch „Kinderfrei statt Kinderlos. Ein Manifest“ der 1980 geborenen Mediävistin Verena Brunschweiger ist eines der wichtigsten aktuellen gesellschaftskritischen Bücher. Es ist ein Genuss, es zu lesen. Es bringt den radikalen Feminismus wieder auf ein Niveau der 1970er Jahre und zeigt, wer eigentlich das größte Interesse an einer „pronatalistischen Bevölkerungspolitik“ hat: der Staat und der Kapitalismus.

Dr. Verena Brunschweiger (copyright: büchner-verlag.de)

Das locker geschriebene Manifest, das sich häufig auf Beispiele aus den USA, Kanada oder auch Großbritannien und Frankreich bezieht, zeigt die Weltgewandtheit der Autorin sowie ihre radikal feministische, Frauen stärkende und das Patriarchat kritisierende Haltung.

Brunschweiger setzt mit alltäglichen Phänomenen ein wie dem Geburtstag einer 40jährigen Frau. Es ging bei diesem Feschtle offenbar gar nicht um jene ersten 40 Jahre einer Frau, um ihr Leben, ihre Erkenntnisse, Träume, Enttäuschungen, Hoffnungen, politischen oder sonstigen Kämpfe, nein, es ging ausschließlich um Kinder, um „Kinderturnen“, „Kinderschuhe“ oder „Kinderschwimmen“.

Es geht in dem Buch gerade nicht um Frauen, die kinderlos sind, sondern um selbstbestimmte Frauen, die aus freien Stücken keine Kinder haben, also kinderfrei sind. Die Autorin lehnt sich an die britische Autorin Tracy Kind an und schreibt:

Sie findet, dass der neuere Ausdruck die volle Sprengkraft transportiert, die in diesem Modell enthalten ist: Kinderfrei leben heißt, gegen soziale Erwartungen zu rebellieren und die Normen der Gesellschaft herauszufordern. (11)

Es geht um die Kritik am „neokonservative[n] Kult ums Kind“, der „für kinderfreie Frauen nur nachteilig sein könne“, wie sie sich an die Zeit-Autorin Tanja Dückers anlehnt. Die heutigen Frauen würden die lockeren 70er und 80er Jahre, als es noch Feministinnen gab, die selbstverständlich ohne Kinder lebten, gegen die miefigen 50er Jahre eintauschen. (17)

Ein „Großteil des Feminismus“ würde die „kinderfreien Frauen“ verraten (22), was Brunschweiger sehr eloquent und mit vielen internationalen Beispielen von Kritikerinnen des Kinderkriegen-Fetischismus unterstreicht. Für schwarze Frauen sei es besonders schwer, sich vom Kinderkriegen loszusagen, wie sie am Beispiel der Ivorerin Nina Steele zeigt, deren Mutter ihr immer wieder „magische Tränke“ schicke, damit die „Fruchtbarkeit“ von Nina und ihrem Mann steige. (25)

Dann kommt die Autorin zu einem Kernaspekt ihrer Kritik:

Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn, Kinderfreie und Eltern bei den Sozialbeiträgen unterschiedlich stark zu belasten. Allein auf die Idee zu kommen, eine Minderheit zu zwingen, einen erheblichen Teil der Kosten für ein Projekt aufzubringen, das nicht ihres ist bzw. sogar völlig gegen deren innerste Überzeugungen geht, ist ausgesprochen bedenklich. (34)

Und dann attackiert Verena Brunschweiger die zentrale Ideologie und Großlüge aller Kinderanbeter*innen:

Angeblich bräuchten die sozialen Sicherungssysteme Kinder. Nein. Der Kapitalismus und das momentane Wirtschaftssystem brauchen Kinder. (34)

Sie bezieht das auf die ökologische Dimension, was völlig richtig ist, aber natürlich noch viel weiter geht. Denn ihr Satz ist noch viel wahrer, als sie vielleicht ahnt. Ohne die Pro-Kinder-Ideologie würde jede Bausparkasse, jede Fernsehwerbung mit Kindern zur besten Sendezeit und jede Haushaltsplanung für die nächsten Jahrzehnte den Staat in seinen Grundfesten erschüttern. Alleine ein Moratorium des Kinderkriegens von 5 oder 10 Jahren würde das System des Staates und des Kapitalismus, wie wir es kennen, womöglich an den Rand des Zusammenbruchs bringen können.

Sehr interessant sind auch die eher kulturphilosophischen oder anthropologischen Aspekte des Manifests. Was unterscheidet den Mensch von Tier? Dass Menschen frei entscheiden können. (35) Doch in puncto Fortpflanzung verhalten sich doch fast alle Menschen wie Tiere und das wird auch noch beglückwünscht, wenn eine Frau mit dem typischen Schwangeren-Grinsen, das sonst nur Alexander Dobrindt oder evangelikale Christen drauf haben, verkündet: „Ich bin schwanger“. Da würde jede Kuh sagen: „Was für eine Leistung, das kann ich auch.“ Entscheidet sich eine Frau aber aus freien Stücken gegen ein Kind, dann ist auch eine Kuh oder eine Amsel sprachlos, das kennen sie nicht (und die schwulen, nachwuchslosen Pinguine in der Antarktis sind wirklich eine Ausnahme und bestätigen die Regel).

Was Brunschweiger gar nicht erwähnt, passt gleichwohl zu ihrem Ansatz, der sich einen „Gebärstreik“ (134) wünscht: Schon Ende des 19. Jahrhunderts und dann 1913 und während des Ersten Weltkriegs gab es Debatten in der sozialistischen Bewegung über einen Gebärstreik. Damit sollte die Zahl der ausbeutbaren Arbeiter*innen gesenkt werden (die Löhne erhöht) bzw. keine potentiellen Soldaten gezeugt werden. Bekanntlich war die Mehrheit auch der sozialistischen wie kommunistischen Bewegung gegen einen Gebärstreik, da sie wie an einem Fetisch an der Masse der Arbeiterklasse festhielt. Es ging bei der Debatte um Gebärstreik auch um Abtreibung und Geburtenregelung, sprich: Verhütungsmethoden. Das war nicht nur dem Kaiserreich, sondern auch den meisten Führer*innen der Arbeiterklasse suspekt.

Heutige, emanzipatorische feministische freche Sprüche wie „Save the earth, don’t give birth“ führen zu spontanen Wutausbrüchen von Normalo-Frauen/Eltern. (36) Verena Brunschweiger geht auf diesen sehr alten patriarchalen Topos ein: Mutter oder Hure. Das gilt in Zeiten der internalisierten Imperative der Pornoindustrie wie der Gebärmaschinen nicht weniger. Frau kann gar nicht mehr wählen zwischen „Beinhaarentfernung“ (39) ja oder nein, so wenig wie Kind – ja oder nein. Die Rasur wie die Fortpflanzung sind so aggressiv im Mainstream durchgesetzt in den letzten Jahren und Jahrzehnten, dass einem schwindlig wird. Im Zeitalter der Hipster könnte man hinzufügen: je bärtiger die Männer, je mädchenhafter, vollrasierter werden die Frauen …

Aber nicht alle Frauen stehen auf den neuen Mann:

Dieselbe Suche nach Applaus glänzt in den Augen der daddiots, wenn sie in den Bioladen rollen und nonchalant die anwesenden jüngeren Frauen mustern, vor allem natürlich die ohne Kinder. Sie scheinen zu glauben, sie kämen bei allen supergut an, bloß weil sie einen Kinderwagen schieben. Hilfe… Aber hier sind Neuigkeiten. Es gibt Frauen, die nicht hingerissen sind beim Anblick eines Vaters und seines Babys. Und es gibt Frauen, die Solidarität mit den gerade abwesenden Müttern empfinden, wenn der daddiot seine Flirtversuche startet. (89)

Da zeigt sich der feministische Drive von Brunschweiger, die im Zweifelsfall solche daddiots noch deutlich übler findet als die mombies, die ja das Kind bekommen haben.

Ellen Peck hat viele dieser Mythen offenbar schon 1971 analysiert, wie Brunschweiger zeigt und auf hohem Niveau sozialpsychologisch wie kulturtheoretisch das Private politisch werden lässt:

Peck war es auch, die bereits in den 1970er Jahren feststellte, dass ein weiterer kritikwürdiger, aber oftmals geleugneter Fortpflanzungsgrund das narzisstische Bedürfnis ist, eine kleine Version von sich selbst herzustellen. Mini-Me-Alarm also. Oder besonders rührend: ‚Die schönen Augen von Andreas/Stefan/etc., stell dir mal vor, wenn das Kind die dann auch hat!‘ Dennoch: die Freude am Original scheint letztlich nicht auszureichen, weswegen die Vervielfältigung des präferierten Körperteils ins Werk gesetzt werden muss. (40)

Das in drei Teile plus dem Manifest gegliederte 150 Seiten dünne Buch hat enorme Sprengkraft und zeugt von einer gehörigen Portion Mut, zumal als Gymnasiallehrerin, die permanent mit Müttern, Vätern und Eltern – und Kindern zu tun hat. Hass auf Kinder scheidet also als Motivlage schon mal aus, sonst hätte Brunschweiger kaum diesen Beruf gewählt. Der Lärm einer Schule tut sein Übriges – kann aber auch ein Grund sein, warum sie völlig zu Recht und mit Vehemenz Wohnmodelle aus Kanada oder USA anführt, die Mietkomplexe nur für Erwachsene bauen.

Damit sind gerade keine Altensiedlungen gemeint, sondern alle Erwachsenen ab 18 oder 21. Es gibt ja auch „Adults-only-Hotels“ (98) und die sind begehrt. Der von vielen als süß oder herzig verniedlichte Lärm von Babies, Kleinkindern und Kindern bis zum Teenageralter in Mietshäusern ist in der Tat eine enorme Plage. Solchen Familien wenn, dann nur Erdgeschosswohnungen zu geben, wäre das eine. Etwas anderes eben solche Wohnhäuser, wo gar keine Kinder und Familien wohnen dürfen. Die Autorin erwähnt auch, dass Lärmklagen bei der Polizei in diesen Fällen fast immer zwecklos sind, Kinderlärm wird kategorial anders gewertet als der Lärm von Erwachsenen. Dabei ist letzterer ja in der Tat auch ein massives Problem, wer je in Berlin gelebt hat in einem ganz typischen Mietshaus mit den ganz typischen Mitte 20jährigen Egomanen, wo anstelle des Großhirns ein Matsch aus Alkohol, noch härteren Drogen und Techno-Stampf sich befindet, kennt das Phänomen, und zwar 24/7 – wobei die Kids, selbst die krassen und lärmenden, doch zumindest 8–12 Stunden am Tag ruhig sind.

Es gibt wirklich Leute, Akademiker*innen oder Publizist*innen mithin, die einem im Zweifelsfall, angenommen es geht um einen besonders üblen Job, den sie oder er doch angenommen hat, ernsthaft sagen „Du, ich hab ja jetzt eine kleine Familien, da muss ich das Geld ranschaffen“. Das war wohlgemerkt die Begründung dafür, einen Job oder ein Fellowship anzunehmen bei einer Einrichtung, was die Person früher nicht getan hätte und auch gar nicht ersichtlich ist, ob das für das Überleben (!) not-wendig ist. Selbst mit Hartz 4 stirbt man ja nicht, by the way, ohne dieses unerträgliche kapitalistische Folterinstrument mit einer Silbe gutzuheißen. Aber diese Betonung, einen Job wegen den Kindern machen zu müssen, der hält sowohl den Staat wie den Kapitalismus am Laufen, das ist gewünscht. Da können die gleichen Leute in ihrer Freizeit so dissident schreiben wie sie wollen, im Kern stabilisieren sie das System.

Sehr gut sind auch die Ausführungen von Verena Brunschweiger bezüglich des Alltags von Freiflächen oder Brunnen, die von Müttern (seltener: Vätern) als Eigentum der Kinder betrachtet werden. Kinder dürfen überall lärmen, im Bus schreien und die Autorin bringt Beispiele, die alles andere als herbeigezogen klingen, dass es Mütter gibt, die absichtlich in volle Busse mit ihrem überdimensionierten Kinderwagen gehen, zur Rush-Hour, damit die 99 anderen Fahrgäste auch mal was von einem 7 Minuten tobsuchtsartig schreienden Baby haben, das durchaus Panik kriegen kann bei einem völlig überfüllten Rush-Hour Bus.

Es ist traurig, so Brunschweiger, wie „aus der einst coolen Studentenstadt“ Regensburg, „Mamitown“ (66) geworden ist. Es gibt in Italien Hinweisschilder, dass „ein Zierbrunnen kein Schwimmbad“ ist (67).

Dieser Wandel hat den Charakter öffentlicher Plätze stark verändert – ein Phänomen, das Elisabeth Badinter auch für Paris festgestellt hat. Familien mit Kindern besetzen immer mehr Orte, vor allem in räumlicher, aber auch in akustischer und olfaktorischer Hinsicht – wenn der Nachwuchs beispielsweise direkt auf dem Nachbartisch im Café gewindelt wird. Man mag das als nörgelnde Klage einer Kinderfreien verstehen, die diesen geteilten öffentlichen Raum gelegentlich einfach mal dafür nutzen möchte, in Ruhe ein Buch zu lesen. Aber die Veränderung durch den zunehmenden Fokus auf die Befindlichkeiten von Familien und ihren Nachwuchs ist real. Die Umnutzung des historischen Brunnens in ein Massenplanschbecken mag für viel Freude bei den Planschenden sorgen, aber sie steht auch dafür, dass in der Verwandlung der Öffentlichkeit in einen einzigen Kinderspielplatz etwas auf der Strecke bleibt. (66 f.)

Man könnte hinzufügen: „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Habermas) mal ganz anders betrachtet.

Eine besonders provokante, aber massiv unterfütterte These von Verena Brunschweiger ist folgende:

Es ist eine Zumutung, von kinderfreien Frauen ständig Erklärungen für ihre Entscheidung zu fordern. Es bedarf einer neuen sozialen Norm, die umgekehrt von Eltern eine Erklärung dafür erwartet, warum sie glauben, gerade sie hätten das Recht, unser aller Leben auf diesem Planeten noch weiter zu gefährden. (50)

Ein Kind verbraucht ca. 60 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) – pro Jahr. (122) Das ist ungefähr das 30-fache, was ein Kind aus Afrika südlich der Sahara braucht bzw. verbrauchen wird und kann (112). Ebenso logisch und durchdacht ist Brunschweigers Hinweis darauf, dass es doch fast allen Frauen nicht um das Kind an sich geht, sonst könnten sie in Waisenhäuser gehen oder Kinder adoptieren – es gibt unendlich viele Kinder, die keine Eltern haben oder völlig perspektivlos sind, weil sie zu viele Geschwister haben. (123)

Aber es geht um das EIGENE Kind, das eigene Blut, die eigenen Gene. Es geht um den Narzissmus, das eigene Blut muss es sein – was ja sehr viele (man denke nur an die Schreibtische von Angestellten in ihren besser als Vorhölle zu bezeichnenden Büros) durch das obsessive Zeigen von Bildern der Kinder oder der Familie dokumentieren. Viele haben im eigenen Haus oder der Wohnung primär Bilder von sich selbst hängen oder von den Kindern und Enkelkindern sowie natürlich – in Deutschland besonders elendig – von Vater, Großvater und Mutter und Großmutter, gerade auch aus der Nazi-Zeit.

In diese Kontinuität stellen sich alle nur zu gerne. Manche, wie der Milliardär und Mäzen des Fußball-Vereins TSG Hoffenheim aus Baden-Württemberg (dem „Kraichgau“), Dietmar Hopp, finden es wiederum aufgrund der Kinder völlig nachvollziehbar, dass sein Nazivater 1938 die örtliche Synagoge zerstört hat, hätte er es nicht getan, wäre die Zukunft der Familie auf dem Spiel gestanden, wie Michael Wuliger in der Jüdischen Allgemeinen schreibt:

Dietmar Hopp kennt natürlich diesen Teil der väterlichen Biografie. Und selbstverständlich distanziert er sich davon. ‚Was er getan hat, ist zu verurteilen‘, erklärte der Unternehmer der FAS. Hätte er es nur bei diesem einen Satz belassen. Stattdessen schob er sofort eine Art Relativierung nach: ‚Auch wenn niemand dabei gestorben ist.‘ War also nicht so schlimm. Ein Fall von minder schwerer Schuld, sozusagen.

Und weil Dietmar Hopp gerade schon dabei war, folgten gleich noch die mildernden Umstände. ‚Mein Vater war Lehrer. Als er 1938 den Auftrag bekam, die Synagoge in Hoffenheim zu zerstören, hatte er schon drei Kinder, meine älteren Geschwister. Hätte er es nicht gemacht, wäre er entlassen worden, und seine Familie wäre einer hoffnungslosen Zeit entgegengegangen.‘

In einer solchen Nazi-Kontinuität steht so gut wie jede ganz normale deutsche Familie. Den Antisemitismus seiner Aussage wird Hopp weit von sich weisen und doch ist er unverkennbar und so widerlich wie der von allen anderen ganz normalen Deutschen, die sich den Holocaust und ihre eigene Familiengeschichte schön reden. Wegen der Kinder tun Deutsche wirklich alles – auch Synagogen zerstören, ist ja für einen guten Zweck! Das ist nicht 1951, das ist 2019.

Eine soziologische Kategorie bei Brunschweiger ist die der Freundschaft. Auch hier sind die Bemerkungen der Autorin treffend und kritisch: Die Ideologie der sich um die Eltern kümmernden Kinder zerstiebt, sobald es um Gespräche auf Augenhöhe von Gleichaltrigen auch im Alter geht. Da haben womöglich kinderfreie Frauen und Männer, die ihr Leben lang Freundschaften nicht aus Pragmatismus und Mittel-Zweck-Berechnung pflegten, sondern aufgrund ähnlicher kultureller, philosophischer oder politischer Interessen, mehr sozialen Kontakt.

Ein paar Wermutstropfen: die Autorin geht en passant immer wieder sehr unkritisch auf die vegetarische und vegane Bewegung ein, verpasst mitunter den kategorialen Unterschied von Mensch und Tier und nimmt gar den menschenverachtenden Utilitaristen Peter Singer in ihr Literaturverzeichnis auf. Das geht gar nicht. In einer Ankündigung für eine Veranstaltung mit dem linken Publizisten Peter Bierl in Bremen am 22. März 2019 heißt es treffenderweise:

Wenn Peter Singer auftritt, protestieren Behinderten-Initiativen und Antifaschist_innen, denn für den Philosophen sind Behinderte, Demente und Neugeborene Menschen zweiter Klasse. Er verharmlost Euthanasie als Erlösung und empfiehlt sie als Methode, um Geld zu sparen. Diese Haltung durchzieht sein Gesamtwerk und ist exemplarisch für eine rohe Bürgerlichkeit, die sich breit macht. Sie zeigt sich am Erfolg von Thilo Sarrazin. Dessen Buch Deutschland schafft sich ab war 2010 der Bestseller in der Kategorie Sachbücher. Muslimische Einwanderer_innen sowie Empfänger_innen von Hartz IV denunziert er als minderwertigen Erbguts. Der Staat sollte besser bio-deutschen Frauen aus der akademischen Mittelschicht mehr Geld geben, damit sie neben Studium und Karriere Kinder kriegen. Die AfD hat die Vorschläge übernommen. Dabei stehen weder Singer noch Sarrazin politisch rechts. Der Sozialdemokrat Sarrazin trieb als Finanzsenator in Berlin in einer Koalition aus SPD und PDS den Sozialabbau voran, Singer war für die australischen Grünen aktiv, ist prominenter Vordenker von Tierrechtsbewegung und Veganismus und plädierte für eine neue darwinistische Linke. Beide sind Wiedergänger einer Rassenhygiene, die in der Linken schon einmal Anklang fand.

Einige Bezugspunkte von Verena Brunschweiger sind also schon bedenklich. David Benatar scheint so ein Fall zu sein, der offenbar die Idee hatte, Verhütungsmittel über das Trinkwasser zu verbreiten (!). Das schmeckt doch sehr nach Ökofaschismus. (128 f.) Völlig grotesk, ja regelrecht skandalös und das ganze Unterfangen völlig unnötig in eine Schieflage bringend, ist auch Brunschweigers Bezug auf eine Gruppe wie „Church of Euthanasia“, die ernsthaft so heißt, 1992 in den USA gegründet wurde, und auch in Deutschland aktiv ist.

Diese Gruppe ist gegen Samenbanken (was noch verständlich ist), aber auch grundsätzlich gegen Fortpflanzung und für Suizid. Warum sie sich dann nicht gleich alle umgebracht haben und uns nicht mit diesem Pro-Nazi-Gruppennamen – wer sich für Euthanasie ausspricht, ist ein Nazi oder Pro-Nazi – belästigen würden, ist eine offene Frage. Da hätte das Lektorat des Büchner-Verlags aus Marburg doch genauer hinschauen sollen. Brunschweiger schreibt, diese „Church of Euthanasia“ würde „coole Performances“ machen (119) wie das „symbolische Vergießen von Sperma“. Mit diesem Gruppennamen hat sich jede Aktion ins Abseits manövriert. Euthanasie bedeutete das Ermorden von Zehntausenden Menschen im Nationalsozialismus, die nicht der „Norm“ entsprachen. Damit kann man keine Spielchen treiben und sich diesen Namen geben, wie ironisch oder sarkastisch das immer angeblich gemeint sein mag – es kann auch wörtlich gemeint sein.

Auch die mehrfache Verwendung des Adjektivs „abartig“, das in Deutschland sehr weit verbreitet ist, kann nicht unkommentiert bleiben, da dies ins „Wörterbuch der Menschenfeinde“ gehört und ein Nazi-Unwort ist, das eine „Art“ meint (die völkische, deutsche), und Abweichungen davon als „Abart“ oder „abartig“. Der Historiker und Aktivist gegen Rechtsextremismus Jan Buschbom schrieb schon 2012 zu diesem und anderen problematischen Wörtern:

Kaum eine Familienfeier im humanistischen Milieu, kein Abend unter liberal gesinnten Zeitgenossen, keine bildungsbürgerliche Veranstaltung, auf der nicht irgendjemand – unwissend, ignorant oder testweise – Begriffe verwendet oder Thesen in die Welt setzt, die zu einer anderen Zeit in Deutschland verwendet und geprägt worden sind, um einer zutiefst unmenschlichen Ideologie den Boden zu bereiten. Einer Ideologie, die ganz ohne Witz und ohne dass jemand noch etwas sagen durfte, auf die Vernichtung von Menschen ausgerichtet war, die den Maßstäben der selbsternannten „Herrenrasse“ nicht entsprachen. Im „Wörterbuch der Menschenfeinde“ weisen wir den Ursprung dieser Begriffe nach, aber auch den menschenverachtenden Zweck und das tödliche System, dem sie dienten. Damit niemand mehr behaupten kann, ‘davon habe ich nichts gewusst.’

Buschbom führt dann im Detail aus, warum das Adjektiv „abartig“ ein Nazi-Wort ist. Also: Weg mit diesem widerlichen Adjektiv „abartig“!

Das Manifest von Verena Brunschweiger ist in unserer heutigen Zeit, wo Kinder sowohl von Rechtsextremen und Neuen Rechten wie von Muslimen und Islamisten gleichermaßen als absolut zentrales reaktionäres Element der Gesellschaft herbeigevögelt werden, von enormer Bedeutung.

Love, Sex und Rock’n’Roll haben die Frauen befreit. Frauen sind namentlich seit 1968 nicht mehr als Gebärmaschinen degradierbar, ohne auf Widerstand zu stoßen. Dieser Widerstand war jedoch jahrzehntelang eingeschlafen. Die Autorin erweckt ihn und haucht im neuen Mut ein.

Für Jens Spahn, Frauke Petry, die evangelische wie katholische Kirche, muslimische Verbände wie jihadistische Kämpfer gibt es nichts Wichtigeres als Frauen nur dann als Frauen und als (natürlich dennoch niemals „vollwertige“) Mitglieder ihrer Gesellschaften zu akzeptieren, solange sie sich und somit die bestehenden Strukturen reproduzieren.

In Zeiten, wo Professor*innen völlig ungeniert mit ihren Kindern in Editorials für Fachzeitschriften werben, wo Kolleg*innen in ihren Lebensläufen (CV) ernsthaft aufführen, wieviele Kinder sie haben, wie sie heißen und wann sie geboren sind (und welche Früh- oder Fehlgeburt wann starb, kein Sarkasmus hier, nur Deskription) – als ob das irgendwas mit der wissenschaftlichen Qualifikation zu tun hätte –, oder in Zeiten, wo sich gebildete Leute per Katalog Partner*innen aussuchen, die genauso den Reproduktionswunsch haben und dazu die richtige Größe, Haarfarbe und Statur oder Haut- und Augenfarbe, ist die Kritik von Brunschweiger von ganz großer Bedeutung.

Denn diese Leute wissen ganz genau, dass der Staat und der Kapitalismus das honorieren, von den nicht weniger frauenverachtenden Fragen von CEOs und Abteilungsleiter*innen nicht zu schweigen, die eine 37jährige Frau mit der einen oder anderen Frage aushorchen, ob sie noch vor hat, in Elternzeit zu gehen. Andere wiederum sind so dreist, dass sie befristete Jobs (sagen wir auf 2 Jahre) annehmen, um nach 5 Monaten plötzlich Elternzeit zu beantragen und das mit dem Gehalt dieses super ausgestatteten Jobs, der politisch einige Relevanz hat, um dieses Beispiel zu nehmen. Also Menschen mit Kindern werden allerorten bevorzugt und vor allem denken die Eltern, Mütter vorneweg, etwas Sinnvolles für die Gesellschaft geleistet zu haben mit der Geburt. Und das ist die große Frage, die Verena Brunschweiger völlig zu Recht und mit einer teils „lustvollen Rotzigkeit“ (135) in den Raum wirft.

Warum gibt es einen „Welt-Toiletten-Tag“ oder einen „Jogginghosen-Tag“ – aber in der hiesigen Presse keinen Hinweis darauf, dass der 1. August der „International Childfree Day“ ist? (100) Warum infantilisieren sich so viele Frauen, sobald sie Kinder haben und setzen sich für ihre Profilbilder bei WhatsApp oder Facebook läppische, eben infantile Clownsnasen auf, warum antworten solche Frauen auf die Frage „Wie geht’s“ stets mit „Sophie hat Durchfall und David war letzte Woche krank“? Sie rechnen gar nicht damit, dass gemeint sein könnte, wie es ihr als Frau oder Mensch geht – und nicht als Mutter. Das ganze Leben dreht sich nur um die Kinder – und wir reden hier nicht von Leuten, die ohnehin kein Interesse an nichts haben und wirklich dumm wie Stroh sind (und vom Fernsehen, Dieter Bohlen, Florian Silbereisen, „Bares für Rares“, Helene Fischer und den Zeitungen etc., gezielt kulturindustriell so gehalten werden), nein: Wir reden hier über die gehobene Mittel- und die Oberschicht, die Gebildeten, die Studierten und früher häufig sogar politisch aktiven Leute.

Die Kulturindustrie ist obsessiv auf Kinder-Trip:

Betritt man eine beliebige Buchhandlung, so sieht man sich erst mal einer Unmenge an Stofftieren, Spielsachen, buntem Krimskrams aller Art gegenüber,

was sich in öffentlichen Bibliotheken fortsetzt:

„Wenn man keine Ohrstöpsel oder Kopfhörer hat, ist dieser öffentliche Raum für die eigene Nutzung tendenziell verloren (96 f.).

Es gibt auch Lesben, die sich vom gleichen, nach klaren Kriterien wie aus dem Katalog (oder dem Kiez) ausgesuchten schwulen, gleichsam Zuchtbullen schwängern lassen, damit alle Kinder den gleichen Vater, aber zwei verschiedene Mütter haben. Was haben diese sich offen und links dünkenden Frauen gegen das islamistische Prinzip der Vielehe? Oder nehmen wir jenes schwule Paar (dieses Beispiel, das durch die Presse ging, ist aus Israel, wo Kinderkriegen in der Tat eine extreme Obsession ist, wer beruflich wie privat regelmäßig mit Israelis zu tun hat, weiß das), das 100.000 Dollar bezahlte für eine Leihmutter in den USA und kurz nach der Geburt das Baby „heimholte“ und nicht den Hauch von Gewissensbissen hat, eine Frau so brutal als Warenbehälter zu benutzen und das Kind noch dazu um die Mama betrügt. Welche Frau würde einen so schmerzhaften Vorgang wie eine Schwangerschaft und vor allem die Geburt (Brunschweiger erwähnt viele Beispiele, dass noch heute einige Dutzend Frauen pro Jahr hierzulande an der Geburt sterben) auf sich nehmen und dann das Kind abgeben, ja verkaufen? Wie aussichtslos muss die Perspektive einer solchen Frau zuvor gewesen sein? Wie stark wird sie das den Rest ihres Lebens bereuen? Das führt uns im umgekehrten Fall zum „regretting motherhood“, jener israelischen Studie von Frauen, die es wirklich bereuen, Kinder bekommen zu haben und das auch zugeben.

Um auf den gewöhnlichen Alltag zurückzukommen: Nehmen wir das wirklich zunehmende Problem in Restaurants und Cafés. Kindern wird zunehmend von den Eltern alles erlaubt, und mitunter kann frau oder mann das Gefühl nicht loswerden, dass es eine gezielte a-soziale Tat ist, wie Brunschweiger an Hand einer Story eines Bloggers und cleveren, witzigen wie super genervten Obers zeigt:

Als das pausenlose Gerenne und Gekreische eines anderen Kindes die Gäste und ihn massiv störte, schüttete er, der Kellner, eiskalt ein wenig Wodka in den Saft. Als das Kind dann ein wenig ruhiger wurde, gingen die Eltern. Damit bestätigt der Kellner, was schon oft beobachtet worden ist: Die Eltern waren in dem Moment zufrieden, als das Kind die Nerven aller anderen Leute ruiniert hatte und konnten zufrieden, nach ‚getaner Arbeit‘ quasi, heimgehen. (93)

Um es überspitzt auf den Punkt zu bringen: Kinderkriegen ist auch heute noch und gerade heute die absolut zentrale Ideologie der Neo-Nazis und der Neuen Rechten, das sollten alle Nicht-Nazis wissen.

Die Quintessenz der Totalverweigerung muss sein, dass wir unsere Körper nicht hergeben für einen Geburtenkrieg, den moderne Nazis im Schafspelz der Vaterfigur gegen muslimische Einwanderer führen wollen. Lasst Frauke Petry und Konsorten ihren perversen Kampf alleine oder mit ihresgleichen austragen. Denn jedes phallische Gesetz, selbst wenn es sich als legitimes gebärdet, stellt ‚eine obszöne Beschneidung weiblicher Subjektivität [dar]. Denn es reduziert die Frau erbarmungslos auf ein Pfand im Spiel der Männerbündnisse.‘ Und genau das tut die Mutterrolle. (136)

Das muss natürlich genauso und explizit für muslimische und islamistische, aber auch anderen Communities gelten. Wenn z.B. ein Paar in Berlin heiratet (ein Paar, beide hier geboren, das eigentlich deutsch ist oder wäre, wenn es das wollte), passiert es nicht selten, dass es das aggressiv als geradezu nationalen Erfolg feiert und zwar im Autokorso mit Türkeifahne. Was hat eine solche Fahne mit einem privaten Ereignis wie einer Hochzeit zu tun? Dazu passt, dass einer der bekanntesten Deutschen sich jetzt abermals als Riesenfan des brutalen türkischen Präsidenten Erdogan zeigt: Mesut Özil, der offenbar den führenden türkischen Islamisten als Trauzeugen einladen möchte! Özil ist für Hunderttausende Deutsch-Türken, die offenbar keine Deutschen sein wollen, ein Idol. Özil spielte für Deutschland Fußball und zeigt sich doch seit Jahren, schon bevor er das DFB-Team verließ, als Islamist, auf und neben dem Platz, besonders abstoßend war sein Einsatz für Erdogan im Wahlkampf, wie wir alle wissen. Und da Erdogan berüchtigt ist für seine Aggressivität und patriarchal-islamische Gewalt wie der Aussage von 2017:

Macht fünf Kinder, nicht drei, denn ihr seid Europas Zukunft‘, sagte Erdoğan bei einem Wahlkampfauftritt im westtürkischen Eskişehir. Dies sei die ‚beste Antwort‘ auf die ‚Unhöflichkeit‘ und ‚Feindschaft‘, die ihnen entgegengebracht werde,

muss das ins Visier des Feminismus und der Patriarchatskritik geraten. Das unerträgliche „Feiern“ einer Hochzeit mit der Nationalfahne ist hierzulande stark von Türken oder auch Kroaten bestimmt, die Katholiken stehen in puncto Nationalismus den Islamisten hier in nichts nach, auch wenn natürlich Kroatien ein Mini-Land ist verglichen mit der imperialistischen Türkei und dem dortigen Islamismus. Beide indizieren den engen Zusammenhang von Kinderkriegen, staatlicher Macht und patriarchaler Herrschaft.

Der Massenmörder von Christchurch in Neuseeland ergeht sich ausführlich in der Darstellung der ach-so-niedrigen Geburtenraten in westlichen Ländern. Er ist neidisch auf die höheren Raten der Muslime, die er gar nicht schlimm findet – solange die Muslime nicht im Westen leben, sondern „in deren Ländern“. Natalistischer Ethnopluralismus.

Das Buch „Kinderfrei statt Kinderlos“ beinhaltet wundervollen Sprengstoff und kann staatliche wie kapitalistische (und christliche wie islamische) Strukturen ganz grundsätzlich herausfordern.

Wenn in weiteren Auflagen des Buches die genannten Schwachstellen korrigiert werden sollten – Verena Brunschweiger ist eine so brillante, scharfe, lustige, lebensfrohe Autorin, sie hat diese wirklich widerlichen, politisch wie ethisch oder moralphilosophisch sehr problematischen erwähnten Bezüge gar nicht nötig –, wäre dieses Manifest noch geeigneter, diesen Sprengstoff sehr weit zu verbreiten.

Wie gesagt, viele Frauen werden als Mama plötzlich zum „mombie“ und Männer zu „daddiots“ (93 ff.) – also Zombies und Idioten (man soll keine Witze erklären!). Es ist jedoch weniger relevant, ob Schwangeren tatsächlich das Gehirn schrumpft (!) (85), ob Kinderfreie schönere, weniger ausgesaugte und nicht breitgeknetete Brüste haben und „weniger schnell altern und weniger Falten bekommen“ (141) – das sind arg bürgerliche Schönheits- und Nützlichkeitskategorien, die für eine linke Gesellschaftskritikern und Feministin eher ungewöhnlich klingen.

Was jedoch sehr relevant und der Kern des neuen Feminismus wie dieses Buches ist, das ist der letzte Satz des Buches, ein Zitat von Gloria Steinem:

When the pill came along, we were able to give birth – to ourselves. (142)

Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau – und sie wird es nicht als Teil der „Spermatokratie“ und als „‘Ware zum Zweck der Züchtung‘“. (62)

Zum fröhlichen Schluss:

Grandiose Liebespaare haben für gewöhnlich keine Kinder (75).

Verena Brunschweiger: Kinderfrei statt Kinderlos. Ein Manifest, Marburg: Büchner-Verlag, März 2019, ISBN 978-3-96317-148-2, 150 Seiten, 12,5 x 19,3 cm, Klappenbroschur, 16€

©ClemensHeni

Ethnopluralismus und „Balkanisierung für Jedermann“ oder: Ein neu-rechtes Massaker an Muslimen in Neuseeland – Wieviel Henning Eichberg, Renaud Camus und Götz Kubitschek steckt in dem Neo-Nazi-Massenmörder in einer Moschee von Christchurch vom 15. März 2019?

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Von Dr. Clemens Heni, 16. März 2019

Erste Gedanken anlässlich einer möglichen Epochenschwelle.

Für Georg Diez

Eine rechtsextreme Terrorgruppe hat am Freitag, den 15. März 2019, in Neuseeland 49 Muslime in zwei Moscheen massakriert und Dutzende weitere verletzt. Der 28jährige Haupttäter, der 41 Menschen in der Al-Nur-Moschee ermordete, hat offenbar ein Manifest verfasst, das im Internet zu finden war (bzw. ist) und das auf schockierende Weise zeigt, wie jahrzehntelange neu-rechte Ideologie zum Massenmord motivieren kann.

Der Titel der Selbstbezichtigung sagt alles: „The Great Replacement“ – „Der große Austausch“.

Darunter sieht man eine Art kreisförmiges Piktogramm mit Beschriftung, das im oberen Teil von links nach rechts die Themen „Arbeiterrechte“, „Anti-Imperialismus“, „Umwelt“, „Verantwortliche Märkte“ und im unteren Teil, der durch ein verfremdetes Keltenrad, einem Neo-Nazi Symbol, verbunden ist, die Topoi „Schutz der Herkunft und der Kultur“, „Ethnische Autonomie“, „Recht und Gesetz“ sowie „Suchtfreie Gesellschaft“, aufführt.

Der britische Faschist Oswald Mosley ist ein Vorbild des Täters, der sich stolz einen „Ökofaschisten“ nennt.

Es geht dem Mörder um die angebliche Gefahr eines „white Genocide“, dem Aussterben der „weißen Rasse“, der Europäer. Für ihn ist der Ausdruck „white Race“ Zeichen dafür, dass alle Weißen Europäer seien, damit meint er Nordamerika, Australien, Neuseeland – und Europa selbst.

Dieser Mörder ist ein rationaler Stratege, kein spontaner Schläger oder Totschläger, es geht nicht um Affekt oder Emotion – es geht um rationales Handeln, um eiskaltes Töten, gepaart – das ist absolut zentral – mit einem neu-rechten Manifest, das die Wahrheit über die Neue Rechte ausspricht. Das macht diese Tat so gefährlich.

Der Täter hat sich 2 Jahre auf seine Tat vorbereitet, wie er schreibt, und hat Frankreich, Spanien, Portugal, Europa bereist und nicht Menschen gesehen, sondern “Eroberer”, damit meint er Muslime.

Absichtlich hat er ein Land ausgewählt für seinen perfiden Mordplan, das in den letzten Jahrzehnten noch nie in den Schlagzeilen war wegen einem Massaker: Neuseeland. Das beschreibt er in dem Pamphlet. Er möchte den Nicht-Weißen zeigen, dass noch der allerhinterste Ort der westlichen Welt nicht mehr sicher ist.

Er unterscheidet sich vom typischen affektgeladenen Schreibtischtäter im Online-Pöbel-und-Hetz-Zeitalter dadurch, dass er zum Massenmörder wurde. Er rechnet damit, 27 Jahre ins Gefängnis zu kommen wie Nelson Mandela. Er gibt sich den Anstrich des Befreiungskämpfers und benutzt Mandela auf widerwärtige Weise, ja diffamiert ihn und degradiert ihn zum Massenmörder. Interessant ist gleichwohl, dass diese Neuen Rechten kein Problem mit Schwarzen haben – solange diese separiert von Weißen leben. Das gilt auch für Muslime.

Der Titel der 74seitigen Anklageschrift – de facto ist es eine Anklageschrift gegen sich selbst, obwohl er sich natürlich für „unschuldig plädieren” wird in dem Gerichtsprozess und sein Massaker als „Partisanenaktion“ schön redet und rationalisiert – ist also „The Great Replacement“ – „Der große Austausch“. Das ist auch der Titel eines in Deutschland erhältlichen Buches von Renaud Camus – „Revolte gegen den großen Austausch“, erschienen im rechtsextremen Verlag Antaios von Götz Kubitschek. Das französische Original war 2011 erschienen.

Der vorbestrafte Renaud Camus fantasiert von einer Eroberung Frankreichs durch Einwanderer*innen und namentlich durch die Muslime.

Das ist exakt die Tonlage und Ideologie des Massenmörders von Neuseeland, wie man in seinem Manifest nachlesen kann. Es geht ihm um die niedrige Geburtenrate im Westen, das erinnert an Thilo Sarrazins Angst vor „Deutschland schafft sich ab“ und seiner Anti-Islam Agitation.

Davon unbenommen ist die Gefahr des Islamismus, nur sind das zwei Seiten der gleichen Medaille: Islamisten wollen in der Tat mit Geburten ihre gemeingefährliche Ideologie und Religion verbreiten, so wie Nazi-Faschisten (braune entgegen den grünen Faschisten, grün hier gedacht als Farbe des Islam, nicht ökologisch) auch ihre Macht ausbauen wollen und ein ganz ähnliches Herrschaftsgebäude aufbauen wollen. Beiden stehen für autoritäre, ich-schwache Persönlichkeitsstrukturen. Der IS-Jihadist schaut mit Respekt auf den Massenmörder von Christchurch und vice versa.

Der Massenmörder hat kein Problem mit Muslimen an sich, nur dann, wenn sie im Westen leben, also in Europa und seinen Ablegern aus seiner Sicht.

So wie Pegida, die AfD und die Neue Rechte in allen westlichen Ländern, von Le Pen in Frankreich (die er lächerlich harmlos findet) über Wilders in Holland, Trump in USA (den er insofern euphorisch begrüßt, als er Symbol einer „erneuerten weißen Identität“ sei, aber dessen Realpolitik lächerlich findet) oder Orbán in Ungarn, möchte der australische Neue Rechte oder Neo-Nazi, das ist in diesem Fall deckungsgleich, homogene Einheiten.

Was er am meisten hasst ist Vielfalt und den amerikanischen „melting pot“. Daher auch sein völkischer Antikapitalismus, der in seiner Reinheits-Diktion an Lanz von Liebenfels oder die Guido-von-List Gesellschaft von Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert, beides waren Inspirationsquellen Hitlers aus dessen Wiener Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, wobei deren Antisemitismus bei diesem Täter hier in Neuseeland fehlt oder schwächer ausgeprägt ist.

Mit Juden hat er kein Problem, solange sie in Israel leben und „seinem Volk“ (damit meint er die „weiße Rasse“) nichts antun. Der Antisemitismus hierbei liegt darin, Juden als fremd zu sehen, demnach sind jüdische Amerikaner oder jüdische Australier und jüdische Deutsche keine „Weißen“ oder „Europäer“. Da haben wir dann wieder den rassischen Antisemitismus. Israel ist demnach auch kein westliches Land.

Der Kern des Pamphlets, das ein Massaker an 49 Muslimen rechtfertigt, ist der Begriff „Balkanisierung“ oder „Balkanization“. Der Täter möchte die USA von innen heraus zerstört wissen, in dem er über den Konflikt über Waffengesetze erreichen will, dass sich das Land entlang ethnischer Kategorien gleichsam rassisch aufteilt. Er wünscht sich einen Bürgerkrieg in USA, das nur stellvertretend steht für den ganzen Westen (Europa, Australien, Neuseeland, Nordamerika).

Das ist der Kern des ganzen neue-rechten Pamphlets:

 

„Finally, to create conflict between the two ideologies within the United States on the ownership of firearms in order to further the social, cultural, political and racial divide within the United states. This conflict over the 2nd amendment and the attempted removal of firearms rights will ultimately result in a civil war that will eventually balkanize the US along political, cultural and, most importantly, racial lines. This balkanization of the US will not only result in the racial separation of the people within the United States ensuring the future of the White race on the North American continent, but also ensuring the death of the ‘melting pot’ pipe dream.”

Ob der Massenmörder Henning Eichberg gelesen hat, ist unklar. Eichberg (1942–2017) war der einflussreichste deutsche Vertreter und Mitbegründer der Neuen Rechten Anfang der 1970er Jahre. Von Eichberg stammt der Begriff „Balkanisierung.“ Ich habe in meiner Dissertation an der Uni Innsbruck 2006 dieses Konzept analysiert.

1979 hielt Eichberg in Bregenz (Österreich) auf den Bregenzerwälder Kulturtagen den Vortrag „Balkanisierung für jedermann“. Dies ist einer von Eichbergs bekanntesten politisch-propagandistischen Texten, der danach im Österreichischen Rundfunk auszugsweise gesendet, mehrfach nachgedruckt und nicht nur in nationalen Kreisen breit diskutiert wurde. Das deckt sich exakt mit der Ideologie des Massenmörders von Neuseeland im März 2019.

Hier haben wir einen Kern der Neuen Rechten vor uns, was viele Publizist*innen heute nicht erkennen, da sie denken, nur Carl Schmitt und ein starker Staat oder der Drang zur Weltmacht („….und morgen die ganze Welt“) seien typisch für die Neue Rechte. Gerade nicht. Die originale Neue Rechte à la Eichberg stand und steht auch nach ihm für mehr Regionalismus, mehr selbst produzierten Spinat, für mehr Fahrrad statt Auto – Hauptsache Identität und Authentizität werden gewahrt, wieder erlangt und militant verteidigt.

Staat und Nation werden als das Böse schlechthin beschrieben, allerdings nur, wenn es sich um große Staaten und vor allem heterogene Nationalstaaten handelt. Deren Existenz hat für einen Nationalrevolutionär keine Berechtigung, während nationalistische Bewegungen für völkisch-homogene Einheiten bejaht werden. So fordert Eichberg „Elsaß den Elsässern“, und meint, dass „die Entstehung von neuen Staaten wie Cymru (Wales), Alba (Schottland), Euzkadi (Baskenland), Bretagne und Flandern nicht ausgeschlossen“ sei. Diese aufgeführten nationalistischen Strömungen sind, wie so oft, nur ein Umweg, um zum Eigentlichen zu kommen, der „deutschen Identität“ – das hat er 1979 geschrieben:

„Nicht mehr der ‚BRD-Bürger‘ sein mit amerikanisierter Sprache und mit ITT-Bewußtsein – sondern deutsche Identität, das ist ein Schritt zur ‚Balkanisierung für jedermann‘.“

Dieser Antiamerikanismus ist noch heute enorm virulent, das massenmörderische Pamphlet des Australiers betont, dass die Leute ihre lokalen Wirtschaftsbosse ermorden sollten, solange sie Steuern zahlen würden und somit den Status Quo, der „anti-weiß“ sei, unterstützten. Die Bewegung der Reichsbürger lacht sich schief, endlich setzt mal einer ihre Thesen in die richtig blutige Tat um.

Folgende Passage von Eichberg 1979 ist quasi eine Mischung aus diesem Pamphlet des australischen Neonazis von März 2019, Jürgen Elsässers „Compact-Magazin“, wie es auf der ersten großen AfD-Demo, die mitten durch Berlin laufen konnte am 7. November 2015, zu sehen war („Ami go home“ stand da auf einem Plakat, ganz Deutschland war in den Farben der USA getaucht), und weiten Teilen neu-rechter Agitation online wie auf der Straße:

„Der Hauptwiderspruch tut sich also auf zwischen regionaler Eigenart einerseits und der multinationalen Einheitskultur andererseits. Diese steht uns gegenüber in Gestalt einer amerikanischen Sprache, multinationaler Konzerne (nicht nur, aber besonders mit amerikanischen Headquarters) und – nicht zu vergessen – amerikanischer Besatzungstruppen im eigenen Land.“

Ja, mehr noch: Vielmehr wollte der neu-rechte Protagonist Eichberg 1979 offenbar folgende Nazi-Direktive revitalisieren:

„In einzelnen Zeitungen wird vielfach vom jugoslawischen Volk gesprochen. Demgegenüber ist festzustellen, daß es kein jugoslawisches Volk, wohl aber einen jugoslawischen Staat gibt“,

wie es in einer Presseanweisung 1941 hieß. Eichbergs Rede kreist um ein weiteres zentrales Nomen, die ‚Volksgruppe‘, die in folgender Aufzählung immer mitgedacht werden muss, wie Eichberg in seinem zentralen Buch „Nationale Identität“ 1978 schreibt, dem ersten deutschsprachigen Buch mit einem solchen Titel, der so eine enorme Karriere machen sollte:

„Bretonen und Iren, Schotten und Waliser, Basken und Katalanen, Korsen und Okzitanier, Jurasser und Frankokanadier, Ukrainer und Georgier, Armenier, Letten und Sowjetjuden – Völker in Unruhe. (…) Multinationale Großreiche wie die USA und die Sowjetunion sehen sich bedroht.“

Die Beziehung Eichbergs zu einer weiteren Sprach-Direktive des NS von 1941 ist dabei eklatant:

„es ist nicht mehr von dem Volk in der Sowjetunion, sondern höchstens von der Bevölkerung, von Volksgruppen oder Volksstämmen zu sprechen.“

Am Beispiel USA agitiert der neu-rechte Theoretiker für die ‚Volksgruppe‘, gegen Akkulturation und die Gleichheit der Menschen:

Denn es ging den Indianern nicht um eine rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, sondern – eher in Übereinstimmung mit den Separationstendenzen der Black Muslim und anderer Black-Power-Gruppen – um Selbstbestimmung und Identität als eigene Gruppe, um Widerstand gegen die Politik des ‚Schmelztiegels‘.

Diese Hetze gegen den „melting pot“, gegen die Gleichheit der Menschen in ihrer Vielfalt, kehrt nun in diesem Pamphlet des australischen Massenmörders wieder.

Das Massaker in zwei Moscheen in Neuseeland ist ein neu-rechter Mordfall. Die Ideologie passt vollkommen zu derjenigen des bis heute einflussreichsten Vordenkers der Neuen Rechten in der Bundesrepublik, Henning Eichberg. Renaud Camus oder Götz Kubitschek sind die neuen Eichbergs (im Falle Camus‘ ist es eher Alain de Benoist, das französische Pendant zu Eichberg in vielfacher Hinsicht) und mittlerweile ist die nationalistische und neu-rechte Ideologie so Mainstream, dass auch auf Geburtstagen von „Lügenpresse“-Schreihälsen die versammelte neu-rechte Wutpresse sich sammelt und gar Ständchen gesungen bekommt von ARD-Journalisten.

Die Ablehnung der Gleichheit der Menschen war und ist der Kernpunkt der Neuen Rechten. All jene neu-rechten Internetseiten, die wie dieses Pamphlet die Homogenität von Gesellschaften oder eine höhere Geburtenrate „weißer“ Frauen – als ob eine Frau „weiß“ sein und die Menschheit nach Farben getrennt werden könnte – einfordern und fanatisch herbeischreien, seit vielen Jahren, haben ihren Anteil an diesem Massaker.

Drei zentrale Topoi der Neuen Rechten werden in dem Manifest „The Great Replacement“ bedient:

1) Ablehnung der Gleichheit der Menschen

2) Ethnopluralismus und Ablehnung des amerikanischen Traums des „melting pot“

3) Die “Balkanisierung” oder die gezielte Zerstörung von Nationalstaaten (wie damals Yugoslawien) und das Einfordern eines Bürgerkriegs zur Erkämpfung von homogenen Einheiten zur Abwehr des „weißen Genozids“.

Wie alle Nazis hat auch dieser australische Hetzer außer vor seinem leeren Inneren, seiner Gefühlskälte und Brutalität nur vor einer Gruppe von Menschen Angst: der Antifa. Das wird in einer Passage deutlich, die mit „Antifa/Marxisten/Kommunisten“ überschrieben ist, und der Antifa drohen möchte, aber nur seine Angst, richtige Angst vor der Antifa dokumentiert.

Er weiß ob der Übermacht der Antifa in jeder Großstadt in westlichen Ländern oder er ahnt sie zumindest. Denn um die Städte geht es ihm, er sagt explizit – hier de facto im Widerspruch zu den Kubitscheks und Rittergutnazis in Doitschland –, die weißen Rassisten sollten nicht auf die Dörfer ziehen und sich ein kuschliges völkisches Nest bauen.

Es geht ihm gerade nicht um das Erkämpfen von kleinen rechten Räumen, wie wir es von den völkischen Siedlern hier und heute kennen. Er möchte die Einwanderung stoppen und Nicht-Weiße einschüchtern und da treffen, wo sie sich aufhalten, namentlich in Moscheen, ganz egal ob jene Muslime geborene Neuseeländer*innen waren oder nicht. Für ihn sind Menschen nicht gleich. Es ist reiner Zufall, wer wo geboren wird. Für Nazis, Neue Rechte und Rassisten ist es hingegen eine Fügung und ein Auftrag, „weiß“ zu sein. Wäre es nicht so blutig, könnte man darüber ewig lachen.

Er, ganz der rationale Stratege, weiß, dass die Migrant*innen auch bevorzugt in die Städte ziehen, wegen der Vielfalt, dem melting pot (der häufig gar keiner ist, denn Ethnopluralismus können auch Islamist*innen, by the way) etc. Deshalb möchte er Neo-Nazi-Schläger und Mörderbanden motivieren, in den Städten Europas (damit, wie gesagt, sind Nordamerika, Australien, Neuseeland und Europa gemeint) zu leben, dort zu bleiben und zuzuschlagen.

Der vorbestrafte Rechtsextremist und Pegida-Redner Tommy Robinson plant seit Monaten eine Tour durch – Australien. Ob und wieviel direkten oder indirekten Kontakt dieser auch vom amerikanischen Middle East Forum (MEF) und dessen Präsidenten Daniel Pipes unterstützte Robinson mit diesem Neo-Nazi hatte oder inwiefern Texte und Videos Robinsons Eindruck auf den Massenmörder von Neuseeland machten, wäre eine dringende Frage an die Strafverfolgungsbehörden – und an die Antifa.

Denn der australische Massenmörder weiß, dass die Antifa seinen Nazikameraden auch weiterhin entgegenstehen wird. Davor hat er Panik oder Angst.

Gleichwohl: solche Massaker konnte keine Antifa verhindern, wie wir auch Breivik oder Bataclan und 9/11 nicht verhindern konnten.

Ist Christchurch eine nächste Epochenschwelle? Nach 9/11 und dem unfassbaren Anstieg islamistischer Gewalt, jetzt nach Breivik, der sich ganz strategisch die Jusos und Sozialisten als Ziel ausgesucht hatte und ein Vorbild des australischen Täters ist, ein blutiger Aufruf an Neonazis auf der ganzen Welt, bürgerkriegsähnliche Zustände zu initiieren, die ja von Parteien in Parlamenten, Publizist*innen oder Geburtstagsfeiern und Kolumnisten, die immer noch nicht gefeuert sind vom Spiegel und forderten, „Nazis rein“, flankiert werden?

©ClemensHeni

 

Stavit Sinai und BDS oder hat das jüdische Studienwerk ELES ein Antisemitismusproblem?

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Von Dr. Clemens Heni, 10. März 2019

Für Theodora W.

Eine frühere Version dieser Rezension des Buches „Weil ich hier leben will. Jüdische Stimmen zur Zukunft Deutschlands und Europas“ erschien in der Zeitschrift der Kommende Dortmund, Amosinternational, Jg. 13 (2019), Heft 1, S. 53–54. Herzlichen Dank an den Theologen und Philosophen DDr. Richard Geisen für die Herausgabe dieser Zeitschrift, seine wundervolle, politisch scharfe und kritische Arbeit über die Jahrzehnte hinweg, die ich nur ganz am Ende erleben durfte, als er mich im November 2018 zu einem Vortrag in die Kommende Dortmund einlud. Vor wenigen Tagen, im Frühjahr 2019, ging Richard Geisen in Rente. Ich wünsche ihm weiterhin viel Freude an der intellektuellen Kritik an den deutschen, unsozialen, rechten, ökologisch wie gesamtgesellschaftlich problematischen Tendenzen wie auch an den erzkatholischen Zuständen!

 

Im März 2019 kam ein Phänomen ans Tageslicht, das seit langem existierte, aber jetzt mal wieder in voller Wucht offenkundig wurde: Auch Frauen und Feministinnen können Antisemitinnen sein. Warum auch nicht? Warum sollten nur Männer Antisemiten sein können? Das mit den weiblichen antisemitischen Personen ist eine wenig überraschende Aussage (man denke an den amerikanischen Women’s March, Linda Sarsour, Tamika Mallory und Carmen Perez), aber es überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit links fühlende feministische Gruppen 2018 und 2019 die amerikanische Aktivistin Selma James einluden.

Sie war bei Veranstaltungen im Rahmen des „Frauenstreik“, einem bundesweiten Zusammenschluss von feministischen Gruppen, in Göttingen wie in Berlin eingeladen. James ist Jahrgang 1930, kämpft für die Bezahlung von Hausarbeit, was ein interessanter und bekannter Ansatz ist, vor allem jedoch war sie 2008 eine Mitbegründerin des „Jewish Anti-Zionist Network“. Deren Forderung: „Oppose Zionism and the State of Israel.“ Das ist also keine Kritik, sondern aggressive Ablehnung des Judenstaates. Selma James ist eine jüdische Gegnerin jüdischer Souveränität und des jüdischen und demokratischen Staates Israel. Sie ist also eine jüdische Antisemitin, denn ihre Ablehnung Israels und des Zionismus, wie man online lesen kann, unterscheidet sich nur darin von Islamisten, Neonazis, dem Iran oder dem deutschen Stammtisch (von bayerisch bis links-alternativ, je nach Vorliebe für Weißbier oder vegane Drinks), dass sie jüdisch ist. Sie kritisiert nicht etwa völlig zu Recht die Besatzung des Westjordanlandes oder die rechtsextreme Politik der Regierung unter Benjamin Netanyahu, nein, sie diffamiert den ganzen Zionismus seit Herzl.

Sie hat gar kein Interesse an einer Verbesserung der Situation der Palästinenser. Sie möchte Israel zerstören und den Palästinensern das ganze Land geben, das in einem bis dato einzigartigen völkerrechtlichen Beschluss 1947 geteilt wurde (UN-Teilungsbeschluss für Palästina). Es sollte einen jüdischen und einen arabischen Staat geben. Aufgrund ihres schrankenlosen Judenhasses lehnten die Araber es ab, einen eigenen Staat Seite an Seite mit dem jüdischen Israel zu bekommen. Der Ansatz von Selma James, hätte BDS Erfolg und Israel müsste das absurde „Rückkehrrecht“ der Palästinenser gewähren, würde zu einem Bürgerkrieg führen (das sehen sogar arabische Israelis hier und heute so) und die gesamte arabische und muslimische Welt gegen den Judenstaat und Juden aufwiegeln, in einem noch stärkeren Maße als seit 1948 ohnehin üblich.

Von der jüdischen Antizionistin Selma James zum Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) ist es nicht weit. Im November 2018 betonte zwar der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, anlässlich der Verleihung des DAGESH Kulturpreises, dass BDS keinen Platz in jüdischen Organisationen und Gruppen haben dürfe:

Ich bin in diesem Zusammenhang sehr glücklich darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Zentralrat und dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk intensiver geworden ist. Eine bessere Investition als die in die Bildung begabter junger Menschen ist im Judentum doch kaum vorstellbar. Seit diesem Jahr wird ELES auch institutionell gefördert. Und für die Stipendiaten und Stipendiatinnen sind die gemeinsamen politischen Aktivitäten, gerade auch mit der Bildungsabteilung des Zentralrats, sicherlich eine Bereicherung. Sehr gerne beteiligt sich der Zentralrat auch an der Jüdischen Denkfabrik. Von diesem Think Tank werden wir sicherlich in Zukunft noch viele neue Ideen und Impulse bekommen, was es bedeuten kann, jüdisch zu sein. (…)

Jüdischsein bedeutet, sich dem jüdischen Staat verbunden zu fühlen und außerhalb Israels für die einzige Demokratie im Nahen Osten einzutreten – ungeachtet dessen, dass jeder Jude und jede Jüdin durchaus Kritik an der Politik der israelischen Regierung hat und natürlich haben darf. Wer aber zum Boykott Israels aufruft oder als Jude BDS unterstützt, hat nach nicht begriffen, dass Jüdischsein nicht bedeuten kann, sich mit den Feinden des jüdischen Volks gemein zu machen. Das gilt natürlich genauso für die Juden in der AfD.

Jüdischsein bedeutet leider auch heute, Angst zu haben – wie vor zehn Tagen, als wir fassungslos waren über das Massaker in der Synagoge von Pittsburgh. Ein weißer Antisemit und Rechtsextremist hat elf unschuldige Menschen ermordet, nur weil sie Juden waren. Diese Tat hat uns alle erschüttert. Denn es gibt keine schrecklichere Vorstellung als die, wehrlos einem Attentäter ausgesetzt zu sein. Ein Überfall auf unsere Synagoge ist für jeden und jede von uns ein Albtraum, der niemals wahr werden darf.

Ist die Hinwendung des Zentralrats zu ELES eine vergebliche Liebesmüh? Oder gar das Füttern der eigenen Feinde, jener, die an der Abschaffung des Zentralrats und seiner Vorstellungen von Erinnerung an die Shoah, Kampf gegen jeden Antisemitismus und Unterstützung für den jüdischen und demokratischen Staat Israel mit aller Vehemenz arbeiten?

Naive Leser*innen des Buchtitels „Weil ich hier leben will. Jüdische Stimmen zur Zukunft Deutschlands und Europas“, das 2018 von Walter Homolka, Jonas Fegert und Jo Frank im Freiburger Herder Verlag herausgeben wurde, könnten denken, es sei doch schön, ein Buch von Juden zu lesen, über Juden hier und heute in diesem Land.

So ist z.B. Greta Zelener mit ihren Eltern aus Odessa am Schwarzen Meer nach Deutschland eingewandert. In ihrem Beitrag setzt sie sich für jüdische Erwachsenenbildung ein. Viele der Autor*innen des Bandes hätten eine solche in der Tat mehr als nötig. Sandra Anusiewicz-Baer beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der Geschichte jüdischer Schulen vor allem seit 1993, da sich mit dem Zuzug von zehntausenden Juden aus der ehemaligen Sowjetunion deren Anzahl in der Bundesrepublik in ganz kurzer Zeit nahezu verzehnfachte (auf ca. 200.000, auch wenn offiziell nur ca. die Hälfte als Juden anerkannt und Mitglied Jüdischer Gemeinden sind, da viele nur väterlicherseits, also nicht halachisch jüdisch sind). Problematisch wird es, wenn Anusiewicz-Baer schreibt, es komme auf das jeweilige „Familiennarrativ“ an, wie die Geschichte des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und der Shoah erzählt werde.

Dadurch fällt der universell zu erinnernde Zivilisationsbruch Auschwitz in den Raum der Beliebigkeit. Das passt zum Mit-Autor Max Czollek und dessen Bestseller „Desintegriert euch“; darin behauptet er ernsthaft, viele neudeutschen (ex-sowjetischen) Juden würden sich als Sieger der Geschichte sehen und grade nicht als Nachfahren von Opfern. Das mag aus der Innenperspektive einiger weniger Überlebenden stimmen, ist aber analytisch falsch, da die Juden Opfer der Shoah wurden und nicht die Sieger des Zweiten Weltkriegs sind.

Der Kern des vorliegenden Buches besteht darin, dass sich hier junge, zumeist zwischen Anfang der 1970er und den 1990er Jahren geborene Juden (sowie Nicht-Juden oder Konvertiten wie Homolka, Jg. 1964) gegen den gesamtgesellschaftlich marginalen jüdischen Mainstream stellen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist ein Feindbild für viele Artikel. Warum? Weil der Zentralrat der Juden genau dafür steht, wofür die jungjüdischen Autor*innen nicht stehen: für die Erinnerung an die Shoah, für die Kritik am Antisemitismus in all seinen Formen und für die Unterstützung Israels.

Der Band kommt zum zehnjährigen Jubiläum des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) heraus. Ca. 600 Studierende und Promovierende sind bislang vom ELES gefördert worden. Die 15 Beiträge in dem 224 Seiten dünnen Buch, inklusive dem Vorwort der Herausgeber und einer „Hinführung“ via einem Gespräch von Homolka mit einem Berliner Senator, Klaus Lederer (Die Linke), stehen laut Umschlagstext für „das jüdische Leben in Deutschland in einer ungeahnten Vielfalt. Junge Jüdinnen und Juden ergreifen das Wort“.

So schreibt Meytal Rozental: „Als Kind war es mein Traum, Botschafterin zu werden. Damals dachte ich, das sei der einzige Weg, um die Ferne zu erleben. Erst später habe ich verstanden, dass man als Botschafterin den Staat Israel repräsentieren muss. und [sic!] das kam für mich nicht infrage.“ Hier geht es nicht um die nachvollziehbare und in der Tat sehr wichtige Kritik an der gegenwärtigen Regierung unter Benjamin Netanyahu, die so rechts ist wie keine frühere Regierung Israels. Nein, hier geht es um das Repräsentieren des jüdischen und demokratischen Staates Israel an und für sich. Das abzulehnen ist antizionistischer Antisemitismus und delegitimiert Israel. Rozental zeigt sich als Fanatikerin gegen den jüdischen Nationalstaat. Sie schreibt offenbar ohne Kenntnis der Literatur zum Zionismus vor 1933 oder vor 1939: „Eine Sache, die mir sehr wichtig ist, ist die Wahrnehmung von Juden vor dem Zweiten Weltkrieg – als Universalisten, als Menschen, die mit keinem Nationalstaat verbunden sind, nicht sein können oder dürfen!“ Juden „dürfen“ demnach keinen eigenen jüdischen Staat haben. Das ist die Ideologie von Post- und Antizionisten wie Judith Butler; auch Micha Brumlik, der im Beirat von ELES sitzt, geht in diese Richtung.

Max Czollek[i] findet es unerträglich, dass die 2006 eröffnete Synagoge in München gleich im Eingangsbereich an die Shoah erinnert. Er tut so, als ob es Mainstream wäre, den Holocaust zu erinnern und sieht gar nicht die wachsende Holocausttrivialisierung – zu beobachten etwa bei Altbundespräsident Gauck, der Rot und Braun analogisiert und in antisemitischen Büchern (z.B. mit dem Titel „der rote Holocaust“) publizierte, oder bei postkolonialen (schwarzen) Autor*innen, die die Sklaverei als größeres Verbrechen imaginieren als die Shoah.

Dafür kokettiert Hannah Peaceman, die sich an Jürgen Habermas anzuschließen scheint und ihn mit der jüdischen Tradition des „Machloket L’shem Shemayim“ in Beziehung setzt, mit problematischen Ideologemen. Doch zuerst sei mit Machloket eine jüdische Tradition des Nicht-Rechthabenwollens und der Wahrheitssuche verbunden. Das hört sich interessant, aber auch hochtrabend an und das ganze Buch wie auch ihr Beitrag stehen für das exakte Gegenteil: sie wollen alle Recht haben und nach der Wahrheit sucht kaum ein Beitrag.

Die Autorin setzt gerade sich selbst und die anderen (jüdischen) Autorinnen und Autoren des Bandes wie viele andere jüdische Aktivist*innen mit dieser angeblich so bedeutsamen Tradition des Machloket in Beziehung und bezichtigt den Zentralrat wegen der Nazi-Zeit innerjüdische Widersprüche nicht zu thematisieren:

„In der Diversität der jüdischen Gemeinschaft steckt ein großes Potential für Machloket. Viele Widersprüche in einer zahlenmäßig kleinen Gemeinschaft können eine große Herausforderung darstellen. Insbesondere vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Vergangenheit ist die Haltung der größeren jüdischen Institutionen bis heute die, Dissens innerhalb der jüdischen Gemeinschaft möglichst nicht an die Öffentlichkeit zu tragen.“

In ihrem Beitrag kokettiert Peaceman mit der so falschen wie anstößigen Bezeichnung „Zentralrat der rassistischen Juden“ und setzt diese Diffamierung – die auf einer Attacke u.a. von Armin Langer beruht, der dem Zentralrat unterstellt, für eine „Obergrenze“ für Flüchtlinge zu sein (was falsch ist, wie der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, vor Monaten unterstrich) – in Beziehung zu Machloket, jener „Streitbarkeit um des Himmels Willen“.

Entgegen Langers Diffamierung ist der Zentralrat der Juden sehr kritisch gegenüber Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus: Auf einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome vom 9. November lud die Jüdische Gemeinde alle Parteien ein und Zentralratspräsident Schuster begründete die Nicht-Einladung der antisemitischen AfD.

Auch höchst problematische Publizist*innen, die wahlweise den Antisemitismus oder Islamismus kleinreden, wie Yasemin Shooman, die z.B. Pro-BDS Veranstaltungen mit Aktivisten wie Sa’ed Atshan für das Jüdische Museum Berlin organisierte, gehören zu ihren trüben Quellen. Peaceman ist Mitbegründerin und zusammen mit Micha Brumlik, Marina Chernivsky, Max Czollek, Anna Schapiro und Lea Wohl von Hasselberg Mitherausgeberin der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart (so von Heft 3, 2018), die im hippen Neofelis Verlag erscheint, in der Shooman 2018 mit einer Attacke auf die Jüdische Gemeinde zu Berlin und deren Kritik am islamistischen Antisemitismus gedruckt wurde. Peaceman hat zusammen mit Micha Brumlik Jalta auf einer Veranstaltung in Frankfurt am Main vorgestellt.

Es gehe also den Peacemans nicht ums Rechthaben, sondern um „den Himmel“, wenn sie mit islamistischen oder antisemitischen Positionen kokettieren oder sie aktiv befördern. Die CSU wie die AfD würden beim Thema Zuwanderung auf den Zentralrat der Juden verweisen, so Peaceman, deren ganzer Ansatz, den ZdJ zu diffamieren, sich dadurch blamiert, dass Schuster wie zitiert namentlich die AfD nicht zu den Gedenkfeierlichkeiten am 9. November einlud. Sie fabuliert:

“Zeitgleich und immer wieder positioniert sich der ZdJ öffentlich und intern-institutionell eindeutig gegen die AfD und ihre Vereinnahmung. Die Gleichzeitigkeit kann verwundern.”

Man könnte so eine innerjüdische Kritik sogar dann ernst nehmen –

(ich selbst kritisiere in meiner Studie “Der Komplex Antisemitismus” (Berlin 2018, 763 Seiten) den Zentralrat z.B. für das Zur-Verfügung-Stellen von Räumlichkeiten für eine äußerst problematische Konferenz von “Scholars for Peace in the Middle East (SPME), German Section” im Januar 2018, wobei auch Leute teilnahmen, die zuvor dadurch aufgefallen waren, dass sie (wie Alexander Grau) die rechtsextremen Randale um Götz Kubitschek und die Identitäre Bewegung auf der Frankfurter Buchmesse 2017 verharmlost, wenn nicht mit ihnen kokettiert hatten) –

, wenn denn Peaceman nach rechts offene Positionen des Zentralrats (die es geben mag) kritisiert, aber nicht zeitgleich mit den Islamismus wie Antisemitismus befördernden oder ihn trivialisierenden muslimischen Autor*innen kooperieren würde.

So jedoch ist das alles Heuchelei und Geschwätz. Das mag zu Habermas passen, der zwar gegen Antisemitismus und die AfD ist, aber kein Problem hatte mit der jüdischen Anti-Israel-Hetzerin Judith Butler auf einem Podium zu sitzen in New York City (siehe dazu mein Buch “Kritische Theorie und Israel” von 2014).

Es geht um eine „strategische Identitätspolitik“, wie Tobias Herzberg unterstreicht. Es geht um die muslimischen Referenzen in dem Band, so etwa um Kübra Gümüsay, die nicht nur für obsessives Kopftuchtragen steht, sondern meint, es gebe keine Alternative zur AKP in der Türkei. Herzberg zitiert sie mit der Aufforderung, „Liebe zu organisieren“.

In Heft 4 von Jalta ist dann Gümüsay gar Autorin von Jalta, es wächst zusammen, was zusammengehört. Angesichts der Großdemo #unteilbar im Oktober 2018 schrieb die Jungle World über die Mitaufruferin Gümüsay:

„Es gibt unter den Erstunterzeichnern noch weitere Gruppen und Personen, die Verbindungen in antidemokratische, autoritäre, frauenfeindliche und antisemitische Milieus haben. Die Autorin Kübra Gümüşay, ebenfalls Erstunterzeichnerin, trat 2016 auf einer Veranstaltung der Organisation Milli Görüş auf. Bei Milli Görüş handelt es sich um eine türkisch-islamistische Organi­sation, der bereits gerichtlich Gegnerschaft zur bürgerlich-demokratischen Ordnung und ein antisemitischer ­Charakter bescheinigt wurden. 2013 bekundete Gümüşay auf Twitter Zustimmung zur autoritären und antidemokratischen türkischen Regierungspartei AKP: ‚Ich sehe zurzeit keine Alternative zur AKP in der Türkei.‘“

Das sind also die Autorinnen und Kooperationspartnerinnen der jüdischen Zeitschrift Jalta. Dabei ist der Antizionismus vieler jüdischen Autor*innen ja schon krass genug und Kern dieser Besprechung und Kritik.

Für Benjamin Fischer ist Deutschland „das spannendste Projekt für die jüdische Gemeinschaft in Europa“, was exemplarisch steht für den ganzen Band. Der enorme Anstieg (quantitativ und qualitativ) von Antisemitismus in den letzten Jahren wird einfach entwirklicht: Dazu gehören namentlich die zweite Intifada im Herbst 2000, 9/11, die Hetze gegen die Beschneidung (Brit Mila) – angesichts einer Landgerichtsurteils aus Köln – von der FAZ über die Hauspostille Bahamas bis zur Giordano Bruno Stiftung im Jahr 2002, die Mavi Marmara Aktion 2010, der Krieg Israels gegen die Hamas 2014 sowie die jihadistischen Massaker in Frankreich 2015 und andernorts wie auch deren Nachwirkungen in Deutschland.

Auch Frederek Musalls Text, der den HipHop vorstellt und für ELES in Stellung bringt, ist von dem überall hörbaren Schweigen über einen Skandal im Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk überlagert.

In dem Band wird nämlich mit keinem Wort erwähnt, dass eine ELES-Stipendiatin, Stavit Sinai, als Störerin einer Veranstaltung mit einer Holocaustüberlebenden und einer israelischen Politikerin im Juni 2017 an der Humboldt-Universität Berlin beteiligt war. Die drei Hetzer*innen publizierten danach eine Selbstbezichtigung, die im Netz steht. Darin verwenden die Autor*innen den Begriff „crimes against humanity“ bezüglich Israel. Das ist Antisemitismus, eine Verharmlosung der Shoah und eine Diffamierung, Dämonisierung und Delegitimierung Israels (die drei D’s zur Kennzeichnung von heutigem Antisemitismus bezüglich Israel). Die Uni erstattete Anzeige und der Berliner Verfassungsschutz berichtete über die antijüdische Aktion:

„Bereits im Juni [2017] war die Veranstaltung einer Holocaust-Überlebenden an der Humboldt-Universität mit anti-israelischen Sprechchören massiv gestört worden. Für die beiden letztgenannten Vorfälle zeichnete die so genannte BDS-Kampagne verantwortlich. BDS steht für ‚Boycott, Divestment and Sanctions‘ und zielt auf eine kulturelle, wirtschaftliche und politische Isolation Israels ab. Die BDS-Kampagne, bei der es sich nicht um eine einheitliche Bewegung handelt, war bislang vor allem im englischsprachigen Raum aktiv. Mit ihren Forderungen nach einem uneingeschränkten Rückkehrrecht für Palästinenser und der Gleichsetzung Israels mit dem südafrikanischen Apartheid-Regime, stellen Teile von BDS das Existenzrecht Israels in Frage und unterstellen Israel in Gänze eine rassistische Prägung.“

Sinai ist als Unterstützerin der antisemitischen Boykottbewegung gegen Israel (Boycott Divestment Sanctions, BDS) bekannt, was man auch in einer BDS Resolution gegen die Uni Wien von November 2018 sehen kann.

2012 war Stavit Sinai offenkundig an einer brutalen Aktion gegen den Jüdischen Nationalfonds (JNF, Jewish National Fund) beteiligt, als sie mit einer ganzen Gruppe von Antisemiten gegen diese zionistische Einrichtung vorging, wie man auf einem Video wie einer Selbstbezichtigung (auf Hebräisch) sehen bzw. nachlesen kann.

Sinai war Doktorandin an der Uni Konstanz in Geschichte und Soziologie und ist jetzt Dr. des. (Doktor designatus, d.h. sie hat ihre Arbeit noch nicht publiziert, was in der BRD notwendig ist, um den Doktortitel zu tragen). Sie war ELES-Stipendiatin und „Assoziierte“ am Selma Stern Zentrum sowie Assoziiertes Mitglied am Kollegium des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Dem Direktorium des Selma Stern Zentrums – Dr. Anne-Margarete Brenker, dauerhafte Vertretung von Rabbiner Prof. Walter Homolka, PhD, PhD, DHL; Prof. Dr. Liliana Ruth Feierstein, Sprecherin (2018/19); Rabbiner Prof. Walter Homolka PhD, PhD, DHL; Prof. Dr. Rainer Kampling, Stellvertretender Sprecher (2018/19); Prof. Dr. Sina Rauschenbach; Prof. Dr. Julius H. Schoeps; Prof. Dr. Kerstin Schoor; Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum; Dr. Werner Treß, dauerhafte Vertretung für Prof. Dr. Julius H. Schoeps – haben diese antijüdischen Aktivitäten Sinais offenkundig nichts ausgemacht. Es sind keine Stellungnahmen gegen Sinai bekannt. Warum auch? Warum sollte es sich von BDS und Sinai distanzieren, wenn diese doch von ELES finanziert wurde und somit koscher sei?

Viele Juden heulen natürlich sofort und lautstark auf, wenn vom jüdischen Antisemitismus gesprochen wird, wobei mehrere in diesem Direktorium gar keine Juden sind, by the way. Aber jene jüdischen „Forscher*innen“, die mit Sinai kooperieren und kooperierten, die sind zu problematisieren, solange sie sich nicht von so einer ausgesprochen aggressiven Person distanzieren, die sich ganz offensiv mit Erklärungen hinter ihren Israelhass stellt. Es geht hier – noch einmal, für die Ignoranten und Langsamblicker*innen – nicht um die berechtigte Kritik an der Politik eines Staates (so wie wir ja alle auch Neuseelandkritiker sind, gell), sondern um den Kern Israels: den Zionismus. Der wird von BDS und Stavit Siani genauso abgelehnt wie von Selma James und ihren antisemitischen (häufig: migrantischen) Freundinnen im deutschen unkritischen Feminismus (es gibt auch radikalen Feminismus, der gegen jeden Antisemitismus ist, worauf Merle Stöver hinweist).

Schließlich ist da in dem hier in Frage stehenden Sammelband der Text des „Gesamtsprechers“ der Stipendiat*innen von ELES, Yan Wissmann, der 2013 von Brasilien nach Deutschland kam. Für Wissmann waren Juden „im Ersten Weltkrieg bis zu den hervorragenden Leistungen in der Weimarer Republik“ in der „deutsch-nationalen Geschichte bis zum Zweiten Weltkrieg immer präsent und übernahmen, soweit es ging, eine mitgestaltende Rolle“. Die drei Herausgeber, der Verlag und ELES haben das nicht weglektoriert, sondern gedruckt. Jüdischer Geschichtsrevisionismus?

Wenig später schreibt Wissmann, „die 600.000 Juden, die in Deutschland gelebt haben“ (wann, lässt er im Dunkel, meint er das Jahr 1933? Da waren es ca. 500.000), hätten „nach der Auswanderung“ viel Gutes für jüdische Gemeinden geleistet. Möchte er damit sagen, alle 1933/39 in Deutschland lebenden Juden seien ausgewandert? Selbst wenn er damit auch jene Juden meint, die vor 1933 emigrierten, ist das eine perfide Zahl, weil sie die 160.000 deutschen Juden, die in der Shoah ermordet wurden, einfach verleugnet und in der „Auswanderung“ nach 1933 etwas Gutes sieht.

Fazit: Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) promotet sich als offen, liberal und tolerant, aber schweigt zu einer aggressiven Anti-Israel und BDS-Aktivistin. ELES ist gerade Teil des Problems, wenn es um den Kampf gegen Antisemitismus, für die Erinnerung an die Shoah als präzedenzlosem Verbrechen und für die Sicherheit von Juden geht. Deutschland hat Kritik verdient und kein Rumgeschmuse von identitätsbesoffenen („Hauptsache Schnaps“, so Carmen Reichert) jungdeutschen Juden.

 

Der Rezensent ist Politikwissenschaftler, Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA), war von 2002 bis 2005 Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) und hat 2002 den antizionistischen Antisemitismus eines migrantischen HBS-Stipendiaten skandalisiert.

 

[i] Vgl. Clemens Heni (2018): Postpubertärer Realitätsverlust oder: Warum sind die neu-deutschen Juden wie Max Czollek so beliebt?, 10. Dezember, http://www.clemensheni.net/postpubertaerer-realitaetsverlust-oder-warum-sind-die-neu-deutschen-juden-wie-max-czollek-so-beliebt/.

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Ließ sich Hitler im Alter von 6 Jahren in Paris zu „Mein Kampf“ inspirieren? Warum die Gruppe „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ ein Friedenshindernis ist

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Von Dr. Clemens Heni, 5. März 2019

Die Stadt Göttingen, die Universität Göttingen und die Sparkasse Göttingen haben sich entschieden und werden der Verleihung des sog. Göttinger Friedenspreises 2019 am Samstag, den 9. März 2019 an die Gruppe „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ fernbleiben. Das ist gut so, auch wenn es eine Redakteurin des Tagesspiegel, Andrea Dernbach, anders sieht und eher ein Problem mit der Kritik am Antisemitismus zu haben scheint, denn mit der neuen Form des Antisemitismus via „Rückkehrrecht der Palästinenser“, denn das ist ein Kernpunkt der BDS-Bewegung, der die Preisträger nahe stehen.

Frieden ist ein großes Wort und wäre in Nahost gleichwohl ein Traum. Als Politikwissenschaftler und Aktivist habe ich z.B. 2007 die Nichtregierungsorganisation „Scholars for Peace in the Middle East (SPME)“ in Berlin mitgegründet. 2017 hat mich der Vorstand mit einstimmigem Beschluss ausgeschlossen, weil ich es gewagt hatte, die Unterstützung von SPME in USA für den Sexisten, Rassisten, Nationalisten und Antisemiten Donald J. Trump, den 45. Präsidenten der USA, zu kritisieren.

Die Boykottbewegung BDS gegen Israel möchte Israel nicht nur isolieren und einseitig verantwortlich machen, sondern vor allem auch das angebliche Rückkehrrecht der 1948 vertriebenen Palästinenser durchsetzen. Dabei handelt es sich um mittlerweile über 5 Millionen Menschen, die in völlig grotesker Weise als „Flüchtlinge“ rubriziert werden und gar eine eigene exklusive UN-Einrichtung für sich haben, die UNRWA.

Die deutsche Sektion der Juden für gerechten Frieden in Nahost ist Mitglied der „European Jews for a Just Peace“. Dort ist auch die französische Gruppe Mitglied („Union Juive Francaise pour la Paix“), die am 25. Februar 2019 nochmal deutlich machte, dass all die harmlosen Worte dieser ach-so-friedlichen-Juden, die angeblich Israel anerkennen und nur einen Staat Palästina Seite an Seite mit dem Israel von 1967 haben wollen, Makulatur sind oder schlicht Propaganda für die Dernbachs oder Brumliks dieser Welt: Denn die Mitglieder der französischen Sektion sagen klipp und klar, dass sie „Antizionisten“ sind und somit den Anspruch der Juden auf einen jüdischen Staat ablehnen. In der Erklärung wird einzig und allein Israel für den Nahostkonflikt verantwortlich gemacht. So wichtig es ist, die Besatzung des Westjordanlandes zu kritisieren, so falsch und verräterisch ist es, dabei den Judenhass der Araber, Islamisten und Palästinenser nicht einmal en passant zu erwähnen.

Ein Unterstützen der BDS-Bewegung sowie aktives Kooperieren durch die Gruppe “Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost” (wie es hier oder hier von ihnen selbst erklärt wird) ist antisemitisch, weil es nicht nur einseitig Schuld sucht und sie bei den Zionisten findet, aber nie bei den Jihadisten oder säkularen palästinensischen Judenfeinden, sondern auch, wie die Amsterdamer Erklärung von 2002 verdeutlich, mit dem Rückkehrrecht der Vertriebenen von 1948 kokettiert, ja es einfordert („the recognition by Israel of its part in the creation of the Palestinian refugee problem. Israel should recognise in principle the Palestinian right to return as a human right.”).

Floskeln, diese „Rückkehr“, die ja für fast alle gar keine Rückkehr wäre, da nur noch wenige Zehntausend tatsächlich 1948 vertriebenen (oder aus eigenen Stücken gegangen) Palästinenser*innen leben, dürfe „Israels Existenz“ nicht bedrohen, sind so wertvoll wie eine Debatte mit der AfD über Vielfalt, Demokratie und die Erinnerung an den Nationalsozialismus.

Viele Menschen, die sich einen Friedensvertrag aller arabischen Staaten mit Israel, ein Ende des islamistischen Terror- und Willkürregimes von Erdogan und der AKP in der Türkei sowie das Ende des Islamischen Republik Iran wünschen, hoffen zudem, dass Benjamin Netanyahu die kommende Wahl in Israel verliert und endlich ein wenigstens nicht rechtsextremes, ja liberales bis linksliberales (wenn auch ganz sicher nicht linkes) Koalitionsbündnis die Nachfolge antritt.

Nationalismus wie die Kooperation mit europäischen Rechtsextremisten und Holocaustrevisionisten durch die aktuelle israelische Regierung (mit der Ukraine, Litauen, Polen, Ungarn) werden in Israel, aber auch von vielen Juden in USA und Europa scharf kritisiert. Allerdings gibt es in Deutschland eine völlig realitätsferne und selbst ernannte Pro-Israel-Szene, die de facto Juden und Israel schadet, da sie extrem rechts agiert und nur nachplappert, was Netanyahu von sich gibt und linkszionistische Stimmen seit Jahren gezielt negiert und totschweigt. Das gilt auch für Einpunktbewegungen wie „Stop the Bomb“, die sich von Trump viel verspricht und in ihm nicht die größte innere Gefahr für die westliche Welt sieht, die er darstellt. Dass der Sexismus und anti-hispanische Rassismus von Trump sie nicht anwidert, verwundert nicht. Wer sich gegen den Verschleierungszwang im Iran wendet, aber Trump nicht wegen dessen „grab her by the pussy“-Sexismus attackiert, hat gar nichts kapiert und heuchelt auf unerträgliche Weise.

Wer jedoch auf der anderen, der vorgeblich guten Seite steht wie Micha Brumlik und nun in der taz die Kritiker*innen des Antisemitismus und der “Jüdischen Stimme für gerechten Frieden” diffamiert und dann auch noch zusammen mit einer Person wie Jacqueline Rose (und dutzenden weiteren problematischen, den Antisemitismus diminuierenden oder fördernden Personen) Erklärungen zur Unterstützung der Juden für einen gerechten Frieden in Nahost unterschreibt, hat jegliche Seriosität, jede Wissenschaftlichkeit, jede politische Reputation verloren und kann nicht mehr ernstgenommen werden.

Denn was schreibt Rose in ihrem Buch „The Question of Zion“? Zitat:

„It was only when Wagner was not playing at the Paris opera that he [Herzl, CH] had any doubts as to the truth of his ideas. (According to one story it was the same Paris performance of Wagner, when – without knowledge or foreknowledge of each other – they were both present on the same evening, that inspired Herzl to write Der Judenstaat, and Hitler Mein Kampf)“.

Das ist nicht irgendwie eine Meinung von Rose, das ist Fanatismus und Unwissenschaftlichkeit in Potenz. Hitler habe sich also im Alter von 6 Jahren zu „Mein Kampf“ inspirieren lassen. Dass so etwas gelesen, lektoriert und gedruckt wurde, hätte das Ende des Verlags Princeton University Press bedeuten müssen – dass es das nicht tat, zeigt wie desolat „Forschung“ heute funktioniert. Dass eine Person wie Jacqueline Rose, die diesen wirklichen Schwachsinn, der nichts als antisemitisch motiviert ist – nämlich Herzl und den Zionismus mit dem größten Verbrecher der Geschichte der Menschheit in direkte Verbindung zu bringen – so formuliert hat, von einem Mann wie Brumlik (oder anderen Unterzeichnern wie Moshe Zuckermann und Moshe Zimmermann) goutiert wird, ist bezeichnend. Es ist ja keine offene Liste von Zehntausenden Namen, wo man nie weiß, was für ein Schwachkopf sich darunter mischt.

Nein, es ist eine ausgewählte Liste eines Offenen Briefes von über 90 Leuten, die alle wissen, wer Jacqueline Rose ist. („In einem offenen Brief verurteilen mehr als 90 namhafte jüdische Wissenschaftler und Intellektuelle, darunter Noam Chomsky, Eva Illouz, Alfred Grosser, Moshe Zimmermann, Judith Butler und Micha Brumlik, die Anfeindungen gegen unseren Verein und rufen die deutsche Zivilgesellschaft auf, die freie Meinungsäußerung jener zu gewährleisten, die sich gegen die Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung wenden.)“

Der arabische und islamistische Antisemitismus sind eine enorme Gefahr für Juden und Israel. Die nationalistische Politik von Netanyahu hingegen ist auch problematisch und für die politische Kultur in Israel eine sehr große Belastung. Seine Kooperation mit der rassistischen Partei Otzma Yehudit, die in der Tradition der rassistischen Terrorpartei Meir Kahanes steht (die in Israel verboten wurde), ist skandalös, worauf jüngst u.a. der bekannte zionistische Publizist Yossi Klein Halevi hinwies und in scharfen Tönen Netanyahu beschuldigt, den Namen Israels durch sein Kollaborieren mit Otzma Yehudit beschmutzt zu haben.

Das Beispiel der “Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost” zeigt, dass ein wachsamer Blick und Kritik an israelischen Politikern oder Parteien berechtigt ist. Doch an solcher Kritik ist die ‚Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost‘ gar nicht interessiert. Sie streitet mit ihrer Unterstützung der BDS-Bewegung an der Seite einer Organisation, die sich den Beifall der Hamas (“We salute and support the influential BDS Movement”) bestimmt nicht durch ihren Einsatz für eine Zwei-Staaten-Lösung verdient hat.

Auch die palästinensische Terroristin und Ikone Leyla Khaled findet in ihrem noch weitergehenderen Kampf gegen den jüdischen und demokratischen Staat Israel BDS sehr hilfreich. Brumlik wird sagen, das seien alles Zufälle und nichts habe mit nichts zu tun, wer solche inhaltlichen Überschneidungen anspreche, sei ein Faschist oder McCarthy-Antikommunist.

Linke oder linksradikale Kritik an diesen „Jüdischen Stimmen“ entwirklicht nicht nur er. Honni soit qui mal y pense.

©ClemensHeni

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