Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Monat: September 2010

Antisemitismus, Antizionismus, Bonatz, Reclam und Stuttgart

Antisemitismus, Antizionismus, Bonatz,


Reclam und Stuttgart

Während es in Stuttgart so große und viele Demonstrationen wie selten zuvor gibt, werden die wirklichen Probleme unserer Zeit selbstverständlich ignoriert. Ahmadinejad verbreitet den gefährlichsten Antisemitismus seit 1945, er möchte Israel zerstören und eine „World without Zionism“ blutig erkämpfen. Ein großer Stuttgarter Verlag publiziert ein Buch zu Antisemitismus von einem anti-israelischen Autoren, der Ahmadinejads wahnsinnigen, irrationalen Judenhass verharmlost bzw. gar negiert.[i]

Um was also sollte es heute in Stuttgart gehen?

Am 15. Januar 1941 schrieb der Architekt „Professor Paul Bonatz“ einen Brief an „den Herrn Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ und bat ihn nachdrücklich, einige Kollegen vom Dienst in der Wehrmacht zu befreien, für „die grossen Berliner Aufgaben“ des Architekten, unterzeichnet „Heil Hitler! Paul Bonatz“.

Das „Amt Wissenschaft“ hatte bereits am 7. März 1939 bestätigt, dass Bonatz geeignet sei im Rahmen des „Deutschen Volksbildungswerkes Vorträge über baukünstlerische Themen“ zu halten, zudem sei er „als Mitschöpfer des monumentalen neuen Bahnhofs in Stuttgart rühmlich bekannt“.

Schließlich schreibt die „Partei-Kanzlei“ aus München am 10.10.1941 einen Brief an die „Gauleitung Wuerttemberg-Hohenzollern der NSDAP Stuttgart“ sowie an den „Beauftragten des Fuehrers fuer die Ueberwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP z.Hd. Pg. Haertle Berlin“ und bittet um Auskunft, ob es Einspruch gebe gegen die Verleihung der „Goethe-Medaille fuer Kunst und Wissenschaft“ an den „ordentlichen Professor Architekten Dr. Paul Bonatz“. Begründung: „zu seinen bekanntesten Arbeiten zaehlen der Stuttgarter Hauptbahnhof und die Stadthalle in Hannover. Beim Bau der Reichsautobahnbruecken ist Bonatz weitgehendst herangezogen worden.“[ii]

Dem Antrag wird mit Brief vom 22.10.1941 vom „Hauptamt Wissenschaft“ an die „Partei-Kanzlei“ im „Führerbau“, „München 33“ zugestimmt.

Während also die Demonstranten von K21 kopflos in und vor den Hallen des von den Nazis hoch verehrten Paul Bonatz heulen, gäbe es Grund hier und heute in Stuttgart zu protestieren. Der Reclam-Verlag hat eine lange Verlagstradition, im Zweiten Weltkrieg hatten deutsche Mörder der Wehrmacht den ein oder anderen Reclam-Band im Marschgepäck. Kein einziger Schüler in der alten BRD, jedenfalls in Baden-Württemberg, ist ohne die gelben oder orangenen Reclam-Bücher ausgekommen.

Heute vertritt der Reclam-Verlag folgende Position:

„Insofern ist die Antwort auf den Antisemitismus letztlich nicht ein jüdischer Staat, sondern die Schaffung eines wahrhaft globalen Systems des liberalen Pluralismus.“

Das ist der letzte Satz des Heftes 18643 der „Universal-Bibliothek“ (UB) des Reclam Verlages, Autor ist Steven Beller. Es handelt sich um die Übersetzung des Büchleins „Antisemitism. A very short introduction“, erschienen 2007 in einer modischen Buchreihe von Oxford University Press aus England. Diese wird in vielen Buchläden auch in USA oft neben der Kasse angepriesen, da die Bücher handlich, bunt und günstig sind, thematisch pop-postmodern vielfältig und beliebig mit Titeln wie „Animal rights“ über „Feminism“ hin zu „Antisemitism“.

Beller erläutert in den Absätzen zuvor, warum er gegen Israel als jüdischen Staat ist:

„Antisemitismus in Gestalt einer politischen Bewegung, die darauf zielt, Juden zu verfolgen, zu diskriminieren, zu entfernen oder sogar zu vernichten, stellt in unserer globalisierten Welt keine bedeutende Bedrohung mehr dar.“

Angesichts iranischer Vernichtungsdrohungen oder dem Aufruf zum Judenmord von sunnitischen Agitatoren wie Scheich Yusuf al-Qaradawi im Januar 2009, angesichts von 10.000 Kassem-Raketen, welche aus dem Gaza-Streifen seit Jahren in Richtung Israel abgefeuert wurden, angesichts der Entführung von Gilad Shalit und der Ermordung von anderen israelischen Soldaten durch islamistische Terroristen der Hamas, der Hezbullah und anderer, und angesichts von hunderten ermordeter Israeli durch suicide bomber und andere Sprengsätze im Laufe der Zweiten Intifada seit September 2000 ist das eine völlig realitätsferne Behauptung.

Im nächsten Satz verharmlost Beller den Antisemitismus und spricht, ebenso modisch, von einer immer gleichen Vorurteilsstruktur, welche jede x-beliebige Gruppe treffen könne:

„Antisemitismus in Gestalt des Grolls über jüdischen Erfolg und jüdische Macht, ob eingebildet oder tatsächlich, sowie in Gestalt gesellschaftlicher und kultureller Abneigung oder Vorurteile, wird es so lange geben, wie es Juden gibt, wie im Falle jeder anderen identifizierbaren ethnischen oder religiösen Gruppe.“

Der Antizionismus jedoch ist hübsch verpackt, Beller plädiert für „die Schaffung eines wahrhaft globalen Systems des liberalen Pluralismus“. Hört sich herzlich und zärtlich an, die „Schaffung eines wahrhaft globalen Systems des liberalen Pluralismus“, oder nicht?

Wer angesichts von Israel sagt, dass ein „jüdischer Staat“ Israel „nicht“ „die Antwort auf den Antisemitismus“ sei, möchte diesen Staat allerdings nicht haben.

Das zeigt sich auch in einem Artikel von Beller für das Institute for Jewish Policy Research in London, in dem er sich gegen “Alarmismus” in der heutigen Debatte um Antisemitismus wendet und zumal die jüdische Tradition des Zusammenlebens in Europa mit den Nicht-Juden preist und als Modell für alle Juden sieht (offenbar nach dem Motto: ‚hat ja bis 1945 auch prima geklappt mit der europäisch-jüdischen Symbiose, von ein paar negativen Erfahrungen mal abgesehen, nicht‘?), wenn denn Israel endlich als jüdischer Staat aufgelöst wäre:

„But for the present and in the future it is the diasporic Jewish tradition, whose experience has resulted in a full appreciation of the merits of liberal pluralism, that should be the basis of the Jewish role in this world. It is the path of inclusion and connection, the pluralist path that modern-day Europe is following, that is the best way forward, not a relapse into exclusive ethnocentricity and the nationalist temptation.“

Andernorts attackiert Beller die Forscher Andrei S. Markovits, Jeffrey Herf oder Robert Wistrich, die den heutigen, neuen Antisemitismus analysieren und kritisieren:

„Andy Markovits similarly loses perspective when discussing the anti-Semitism and anti-Americanism of his erstwhile friends in the European left. He states, for example, that the BBC, Guardian and Independent share a ‘hostility towards Israel, Jews, and the USA’ (222). Israel and the USA perhaps, but Jews? As an online reader of the Guardian and BBC, I do not think their criticism of the United States and of Israel is based on a distorting ‘hostility’ so much as an astute objectivity and a refreshing outsider’s perspective, although I can see why many Americans I know are, like Markovits, antagonized by it. But why would Markovits claim that the BBC, Guardian and Independent are hostile to ‘Jews’, that they are effectively antisemitic? That is a grievous misrepresentation of these institutions, ignoring their decades of combatting prejudice and championing the rights of individuals and minorities, Jews very much included.”[iii]

Mit dem Brustton der Überzeugung derealisiert Beller, dass Aufstachelung zum Antizionismus eine Form des Antisemitismus ist und dass das Abfeuern von Raketen auf Aschkelon oder Sderot ein antisemitischer/antijüdischer Angriff ist. Beller möchte Antizionismus reinigen und als harmlos darstellen. Er ignoriert die Geschichte des Antizionismus seit 1948 ganz bewusst, denn er wird natürlich ob der antizionistischen Ideologie der Sowjetunion, der arabischen Staaten und der Neuen Linken sowie der Neonazis und des Mainstream wissen. Doch Beller selbst plädiert ja gegen einen jüdischen Nationalstaat Israel, weshalb ihm Attacken gegen Israel von Jihadisten oder säkularen Linken gerade Auftrieb geben.

Bemerkenswert ist lediglich, dass seine Agitation in der Zeitschrift Patterns of Prejudice erschienen ist, Nr. 2, 2007. Beller sagt, dass der arabische Antisemitismus gar kein wirklicher sei, lediglich Resultat der Gründung Israels, habe also einen rationalen Grund.[iv]

Ahmadinejad ist der gefährlichste Antisemit derzeit auf der Welt. Er drohte am 26. Oktober 2005 Israel mit der Vernichtung, leugnet den Holocaust und droht mit einem zweiten. Er leugnet die islamistischen Hintergründe für die Massenmorde des 11. September (und redet von einem “Inside job”), obwohl doch al-Quaida stolz ist auf diese Morde. Der Wahnsinn des iranischen Führers ist offenkundig, wenn man bedenkt, dass er auch ernsthaft auf die Ankunft des zwölften Iman, des Mahdi, wartet.

Nun gibt es mit Beller und vielen anderen Autoren und Forscher Leute welche leugnen, dass Israel existentiell bedroht ist. Der Reclam-Verlag Stuttgart (Ditzingen) publiziert die anti-israelische wie auch die heutige Gefahr des Antisemitismus negierende Position von Steven Beller. Universitäten wie die Viadrina in Frankfurt an der Oder[v] preisen Bellers Buch für die Studierenden an, nicht zuletzt da es ja mit 5 Euro super billig ist.

Das Leo Baeck Institute New York machte eine Buchvorstellung mit Beller.

Es verwundert nicht mehr, dass sich Beller in dem Buch ganz grundsätzlich gegen weite Teile der internationalen Antisemitismsusforschung wendet (namentlich wieder gegen Wistrich, S. 13), da diese Antisemitismus als „irrational“ analysiere und so tue, als ob Juden keinen Anteil spielten beim Entstehen und Kreieren von Antisemitismus.

Beller hingegen favorisiert eine solche von der Forschung in der Tat großteils abgelehnte Korrespondenztheorie. Er schreibt:

„Man kann nicht behaupten, wie man es so häufig mit Blick auf den Rassenantisemitismus in Europa getan hat, der arabische ‚Antisemitismus‘ habe keine rationale Ursache“ (S. 163).

Oder natürlich, als Klassiker der Antizionistischen Internationale:

„Antizionismus ist nicht notwendigerweise mit Antisemitismus gleichzusetzen“ (S. 164).

Beller geht noch weiter: er sagt, dass Europa gelernt hätte, nach 1945, dass der Nationalstaat keine Lösung, sondern das Problem und verantwortlich für die „Ursachen des Antisemitismus“ sei. Lediglich die Juden hätten diese Lektion nicht gelernt und schickten sich an, einen eigenen, bösen, ausgrenzenden Nationalstaat, den jüdischen Staat Israel zu gründen. (vgl. S. 166-170)

Das Problem, mit welchem sich die Verlags- und Autostadt Stuttgart konfrontiert sieht, ist nicht das Ende eines überkommenen Kopfbahnhofes in einer prä-nationalsozialistischen Halle, nein: Antizionismus und Antisemitismus, die Delegitimierung des jüdischen Staates und eine Verharmlosung des heutigen Antisemitismus sind das Problem, beispielhaft gezeigt an der Publikationspraxis eines Stuttgarter Verlages.

Nicht nur in Berlin werden Juden auch heute, im 21. Jahrhundert verfolgt, geschlagen und bedroht, weil sie Juden sind.[vi] Das derealisiert Beller.


[i] Steven Beller ist der Autor, siehe unten. Hier seine an Absurdität nicht zu überbietende Einschätzung zu Ahmadinejad: „OUP: President Mahmoud Ahmadinejad of Iran famously made a statement about wiping Israel off the map. With such outward proclamations of antisemitism, should the international community be worried about anti-Jew violence on the scale of the Holocaust?

BELLER: We should always be vigilant about genocidal threats to any people or nation, especially Jews, given the Holocaust. And I cannot see into the Iranian president’s head to know whether he really meant what he has said, on various occasions. Frankly, however, I am deeply sceptical whether he has any real intention to murder six million Israelis, and I also do not think he will ever have the power to do so. I would put such statements on a par with Khruschchev’s assertion “We will bury you”. That statement sounded deeply threatening but was apparently simply claiming that Soviet communism would outlast Western capitalism—whatever its supposedly threatening nature, we now see that it proved false. That was because the West not only proved to have the willpower to stand up to the Soviet Union, but also the confidence and wisdom not to over-react to such threats, but rather to practice a policy of containment and later détente. Similarly as regards the remaining threat of anti-Jewish violence in the world, especially in the Middle East, it is most important that cool heads prevail on both sides, not only on the “anti-Zionist” side but also in Israel and among Israel’s supporters. I realise that in the last few years, given developments in Israel and increased Muslim migration to Europe, “antisemitic” incidents have been on the rise in many European states and the tenor of the European media has often pushed up against the line where reasonable, even justifiable criticism of Israeli government policy and actions shades off into anti-Zionism, and worse still, into antisemitism. Yet the extent to which criticism and hostility toward Israel has transformed into a “new antisemitism” where Israel as “the big Jew” has replaced “the Jew” as the target of antisemitic ire, is, I think, highly exaggerated.“ http://blog.oup.com/2008/09/vsi_beller/ 28.09.2010. OUP heißt Oxford University Press und stellt die Fragen des Verlages in diesem Gespräch mit Beller.

[ii] Im Original der Brief in Kleinschreibung.

[iii] Steven Beller (2007a): In Zion’s hall of mirrors: a comment on Neuer Antisemitismus?, in: Patterns of Prejudice, Vol. 41, No. 2, 2007.

[iv] Vgl. folgende Passage aus Beller 2007a: „Matthias Ku¨ ntzel and Wistrich both show how the Nazi propaganda machine influenced the Arab leadership in the 1930s, especially the Grand Mufti of Jerusalem. Yet the mere presence of an ideology explains little. Nazi-inspired antisemitism would have got nowhere had there not been a use for it in opposing and explaining the Jewish colony in Palestine; the intensity of Arab anti-Zionism and antisemitism would never have reached current levels without the founding of Israel and its occupation of Gaza and the West Bank. The question is whether Muslim antisemitism has now taken on a life of its own or whether it is, as Gerd Koenen suggests (187), more likely a means, in all its conspiratorial trappings, by which Arabs have attempted to rationalize their defeats and humiliation at the hands of Israel. I believe that Koenen has it about right when he suggests that, as a rationalization and not a delusion, Arab antisemitism is still provisional, still capable of being discarded, should circumstances change. If so, then delineating a delusional and vile ideological perversion, replete with a television serialization of the Protocols of the Elders of Zion, should not be our main task. Rather, we should be trying to understand what has given rise to this desperate intellectual tactic.“?

[v] So die Ankündigung für das Sommersemester 2010 an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät: „Christian Hörnlein ‚Antisemitismus in Deutschland und Italien zwischen Nationsbildung und Faschismus‘ Seminar: BA, Vertiefung Kulturwissenschaften, Vertiefung Kulturgeschichte, 8 ECTS Mittwoch: 11:15 Uhr – 12:45 Uhr, Beginn 14.04.2010 GD 04“. Literatur: Zur Anschaffung, vor allem aber zur Lektüre empfohlen: Steven Beller, Antisemitismus, Stuttgart 2009 (Reclamband für 5 €)“ http://www.kuwi.euv-frankfurt-o.de/de/lehrstuhl/kg/kulturneu/Sommersemester_2010/index.html (28.09.2010).

[vi] „Ein jüdischer Junge an einer Schule in Berlin. Die Mitschüler sprechen nicht mit ihm, rufen ihm Schimpfworte hinterher, nennen ihn »Scheißjude«. Lauern ihm an der Straßenecke auf, um ihn zu verprügeln. Wann spielt die Geschichte? Das kann nur in der Hitler-Zeit sein, in den dreißiger, vierziger Jahren. Und die anderen Kinder sind Deutsche, die Kinder von Nazis. Aber Arye Shalicars Geschichte spielt in der Gegenwart. Im Berlin unserer Tage. Und die Kinder, die den jüdischen Jungen verhöhnen und verprügeln, sind »Deutsche mit Migrationshintergrund«, junge Türken, Libanesen, Araber. Als Arye Shalicar dieses Buch in Israel schrieb, konnte er nichts von den Thesen Sarrazins und der ganz Deutschland elektrisierenden Debatte über »Integration« wissen. Er wollte sich die bedrückenden Erinnerungen von der Seele schrei­ben: an seine Kindheit und Jugend in Berlin. Arye, geboren 1977 in Göttingen, ist der Sohn nach Deutschland eingewanderter Perser. Von den anderen Einwanderern aus islamischen Ländern unterscheidet sie nur dies: Sie sind Juden“ (Chaim Noll (2010): Ein Berlin des Hasses. Arye Shalicar schildert in seiner Autobiografie, warum er von Deutschland nach Israel geflüchtet ist, in: Jungle World Nr. 38, 23. September 2010).

“Global Mufti” Qaradawi and German Middle Eastern Studies

The original of this article was published in Norway, with an entry in Norwegian, here.

By Clemens Heni, Ph.D.

The failure of German Middle Eastern Studies becomes crystal clear when we look at an event at the 2010 international literature festival in Berlin. On September 16 there will be a presentation focusing on scholarly works about Yusuf al-Qaradawi, probably the most influential and best known Islamist worldwide, particularly in the Sunni world. The Qatar-based ideologist is called the “Global Mufti”. This is, as it happens, the title of one of the books being presented at the event. 

Global Mufti, which appeared last year, is edited by the German scholar Dr. Bettina Gräf and the Danish scholar Prof. Dr. Jakob Skovgaard-Petersen. Gräf works at the Center for the Modern Orient in Berlin; Skovgaard-Petersen is a professor at the University of Copenhagen. They are thrilled that Qaradawi is a media star in the Muslim world, thanks in part to his online fatwas, which were the topic of Gräf’s Ph.D. dissertation. (That dissertation will also be presented at the event.)

They know everything about Qaradawi, for example about his relationship to Al-Azhar University in Egypt, his close ties to the Muslim Brotherhood, and his efforts to Islamize Europe.  But they have no problem with Qaradawi.  They like him. Gräf even met with Qaradawi in person in Qatar. Gräf, who examines Qaradawi’s concept of being “centristic” (“wasatiyya”), considers Qaradawi a “moderate.”

Gräf and Skovgaard-Petersen say that their “book is not intended to be a defense of, or an attack on, Yusuf al-Qaradawi.”  Yet those who have learned the lessons of the Holocaust know that it is necessary to criticize anti-Semites.  When it comes to anti-Semitism, you can’t take a neutral position. Anti-Semitism and Islamism are tremendously important issues in our world today and silence is the wrong way to deal with them. Worse, silence most often is a way of conveying support.

For example, Barbara Freyer Stowasser, Professor of Arabic and Islamic Studies at Georgetown University, endorses Qaradawi in Global Mufti because he allows women to kill Jews without asking their parents’ or husband’s permission. Women are even allowed to commit such crimes unveiled!  Stowasser portrays these crimes as acts of “defensive jihad” against Israel. For Stowasser, Qaradawi’s fatwa on women and suicide bombing is a sign of “true gender equality.”

Gudrun Krämer, head of the Institute for Islamic Studies at the Free University of Berlin, will also take part in the event at the literature festival. She wrote a foreword to Global Mufti, and as early as 2006 described Qaradawi in an article as a “representative of moderate Islam.” She portrays him as someone who “does not invite or condone violence against others, be they Muslim or non-Muslim (the exceptions are foreign occupation, colonialism, Zionism and Israel)”.

Although Qaradawi is well known for calling for suicide bombing against Jews and Israeli, as well as for his condemnation of fatwas that criticized acts of suicide bombing such as one that took place in 2001 in Israel, Krämer insists that Qaradawi, while supporting violence against “Zionists,” does not “invit[e]” violence.

Krämer is also the author of a long German monograph, published in 2002, which describes the “Palestinian” Izz ad-Din al-Qassam as a martyr. Qassam was killed by the British in 1935 after he had murdered a Jew in the British Mandate. Today Hamas names its missiles after him – the unfamous “Qassam rockets.” Krämer is not disturbed by this, although German historians Martin Cüppers and Michael Mallmann criticized her harshly for her position in 2006.

Krämer wrote her 1982 Ph.D. dissertation about the Jews as a minority in Egypt between 1914 and 1952. In this study, which was published in 1989 by the University of Washington Press, she played down the role of anti-Semitism, and in the original German version she literally attacked brochures about anti-Semitism in Egypt which were issued by the American Jewish Committee (AJC) in 1957 (“The Plight of the Jews in Egypt “) and early studies on anti-Semitism in Egypt by the Swiss writer Bat Ye’or and the British author Sir Martin Gilbert.

Describing the latter as “tendentious,” Krämer denounced the AJC as “particularly tendentious,” which is all the more astonishing because the AJC brochure is an early attempt to analyze Egyptian anti-Semitism of the time and the role of former Nazis in spreading anti-Semitism alongside Arabs and Muslims in the Middle East.

In 2006 Krämer served as special editor of an issue of the German-based International Journal for the Study of Modern Islam (Die Welt des Islams) which was devoted to anti-Semitism. Here, too, she downplayed Islamic anti-Semitism and attacked scholars like Matthias Küntzel.  (Interesingly, Küntzel has quoted Krämer positively in several of his books and articles, a fact that displeases Krämer.)

Krämer was especially rough on Robert Wistrich, head of the Vidal Sassoon  International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) at the Hebrew University in Jerusalem. She accuses these scholars of being “openly polemical.” She also criticizes Wistrich for his “more aggressive approach.” Krämer takes exception, for instance, to the term “Islamofascism.” Her own analysis is based on the work of scholars like the anti-Zionist Edward Said, Saleh Bashir, and Hazim Saghiyeh.

The latter two argued some years ago in an article, “Universalizing the Holocaust,” that the Arab and Muslim world should not deny the Holocaust, but should rather accept and “universalize” it – their point being that the Shoah was not an unprecedented crime against the Jewish people, but a crime comparable to the historical treatment of Palestinians. Like Said, Bashir and Saghiyeh even accuse Jews of not having learned the “lesson” of the Holocaust.

Krämer praises Bashir’s and Saghiyeh’s criticism of “political Islam” and agrees with their argument that there is an effort to “silence criticism of Israeli politics” and that it amounts to a “Jewish and Israeli exploitation of the Holocaust.” If we look at the central sentence in the above-mentioned article by Bashir and Saghiyed, we can easily decode the anti-Semitic attempt to trivialize the Shoah by equalizing it with totally different issues:

The Turk in Germany, the Algerian in France, and always the black in every place, head the columns of victims of racism in the world and in them, albeit in different proportions and degrees, is the continuation of the suffering of the Jews of which the Holocaust was the culmination.

The Holocaust was not just a kind of “suffering”; racism in Germany or France in our time is not at all the “continuation of the suffering of the Jews”; and the black “in every place” had a quite different history (blacks were, for example, victims of Islamic slavery and later of Western slavery).  The intention here is clear: Bashir and Saghiyed accept the reality of the Holocaust only so that they may then proceed to de-emphasize its specifically anti-Semitic nature and, most important, attack Israel.  Today Muslims and scholars alike are operating in much the same manner when they wield the term “Islamophobia.”

So now Krämer and Gräf are going to be embracing the Islamist Qaradawi at the international literature festival in Berlin, where they will describe him as a “moderate.” This is the ultimate proof of the failure of German Middle Eastern Studies: one of its leading scholars, Gudrun Krämer, who has been awarded honorary doctorates and won prizes, has been busy since the early 1980s defaming critiques of anti-Zionist anti-Semitism and Islamic anti-Semitism while supporting one of the leading Islamists of our time, Qaradawi, a man who argues for a kind of gender mainstreaming when it comes to justifying suicide bombing in Israel.

This is the Islamist way to modernity and equality among the sexes.

„Schadenfreude“ – der 11. September 2001 aus Sicht eines syrischen Philosophen

„Schadenfreude“ – der 11. September 2001

Superhelden der Forschung, Teil 5:

Der Philosoph Sadik J. Al-Azm

Von Dr. Clemens Heni

Der international bekannte syrische Professor Sadik J. Al-Azm (Jg. 1934) ist in Deutschland und dem Westen ein gern gesehener Nahostforscher, ja Philosoph und wird als Dissident vorgestellt. Das staatlich finanzierte online Portal Qantara.de nennt ihn einen „streitbaren Aufklärer“[1], die Tagesschau stellt ihn im Interview als Kritiker der islamischen Attacken gegen westliche Botschaften im Zuge der Mohammed-Karikaturen vor, wenngleich er die Karikaturen als „Dänische[n] Fauxpas“ bezeichnet[2], und die Universität Tübingen verleiht Al-Azm 2004 den Leopold-Lucas Preis, benannt nach einem im Holocaust ermordeten Juden.[3] Lucas kann sich nicht mehr wehren, wem ein Preis in seinem Namen verliehen wird (auch bei manch anderen Preisträgern wird man sehr skeptisch[4]).

Al Azm hat eine distanzierte Haltung zum Islamismus, da er philosophisch eine grundsätzlich religionskritische Position, verbunden mit einer Version von Marxismus vertritt. Er kritisiert auch mitunter Antisemitismus alten Stils sowie Antimodernismus, Antiamerikanismus und Wissenschaftsfeindlichkeit, betont aber vehement die christliche Herkunft des Antisemitismus im Islam und möchte den fundamentalistischen Islam nicht als solchen, vielmehr als Spiegelbild des katholischen untersucht wissen.[5]

Viele nahöstliche Despoten stehen Al-Azm feindselig gegenüber und sein Image ist deshalb in Deutschland das eines Kritikers der Zustände in der arabischen und muslimischen Welt. Das zeigt sich u.a. daran, dass die Friedrich-Ebert-Stiftung ihn als Mitglied in einem „Berliner Forum für Fortschrittliche Muslime“ führt.[6]

Al-Azm hat die einzige Stellungnahme bzw. den einzigen Artikel in der islamwissenschaftlichen Fachzeitschrift Die Welt des Islams zum 11. September verfasst.

Sein Text erschien allerdings erst im Jahr 2004, was bereits indiziert, wie wenig der 11. September die deutsche Nahostforschung zum Nachdenken brachte. Es ist auch bezeichnend, dass ein nicht in Deutschland lebender oder forschender Philosoph eine solche Stellungnahme, einen „Viewpoint“, publizierte.

Was schreibt Al-Azm?

Sein Text versteht sich als „persönliche“, „politische“ und „kulturelle“ Antwort auf jenen Tag und die Folgen.[7] Am 11. September war er gerade „visiting professor“ an der „Tohoku Universität“ in Japan.[8] Er schaute gerade Fernsehen und musste sich vergewissern, dass er weder einen „science fiction channel“ oder einen „panic movie“ aus Hollywood sehe. In der Gewissheit, reale Bilder zu sehen von den brennenden Türmen in New York City, überfiel ihn dann eine „strong emotion of Schadenfreude“![9]

Noch abstoßender wird das ganze, wenn er betont, dass Schadenfreude („shamata“[10] auf Arabisch) im Falle eines Todes, selbst wenn es sich um die schlimmsten Feinde handelt, in der arabisch-islamischen Kultur angeblich verboten sei. Die ach so hohe arabische Kultur, da ist sie wieder, mit Stolz präsentiert von einem Philosophen, der sich das Lachen kaum verkneifen kann während Menschen im World Trade Center ersticken, zerquetscht werden, verbrennen oder sich in den Tod stürzen aus dem 97. Stockwerk.

Diese spontane Reaktion Al-Azms am 11. September 2001 sagt alles über diesen Mann.

Al-Azm versuchte seine Schadenfreude zu verbergen und sich zu beherrschen, aber sie war da.

Er erklärt seine Schadenfreude: die News aus „Palästina“ seien die letzten Tage vor dem 11. September schlecht gewesen; die „Arroganz der Macht“ der Amerikaner attackiert zu sehen, sei darum naheliegend.

Seinen verdutzten japanischen Kollegen, denen es rätselhaft war, warum sie Bilder sahen von jubelnden Palästinensern, die Süßigkeiten verteilt bekamen wegen des Massenmords im World Trade Center, erklärte er, dass es wohl kaum Menschen im Nahen Osten geben würde, wie „nüchtern, kultiviert oder gebildet“ sie auch immer seien, die nicht auch „Schadenfreude“[11] verspürten. Offenbar eine ganz natürliche Reaktion für Araber und Muslime, will Al-Azm, der dissidente syrische Philosoph sagen.

Der Islam sei viel zu schwach für einen „Kampf der Kulturen“, wie ihn Samuel Huntington vorhersagte. Zugleich wird Huntington des „Essentialismus“ geziehen, dieser „klassische orientalistische Essentialismus“ sei von Edward Said „so schön“ „zerstört“ worden.[12] Kein Wort zum basalen Antizionismus bei Said, vielmehr argumentiert auch Al-Azm vehement gegen Israel und die „aggressive Agenda“[13] von Ariel Scharon im Jahr 2002, ohne auch nur mit einem Wort die Selbstmordanschläge gegen Juden und Israeli in diesem fürchterlichen Jahr 2002 zu erwähnen.

Schließlich findet Al-Azm es völlig übertrieben aus dem 11. September ein historisches Datum zu machen, das sei „pseudo apokalyptische Rhetorik“.[14]

Sadik Al-Azm hatte also spontan Schadenfreude ob des Massenmordes im World Trade Center, er teilt die antisemitischen und antiamerikanischen Motive der Jihadisten, ohne selbst ein Islamist zu sein, da er ja eher säkular orientiert ist. Der Text von Al-Azm zeigt zudem, was die deutschen Herausgeber von Die Welt des Islams für eine Position haben: der einzige Text bis 2010, welcher in dieser wegweisenden islamwissenschaftlichen bzw. nahostwissenschaftlichen Zeitschrift zum 11. September publiziert wurde, äußert Schadenfreude und rechtfertigt den Massenmord auf elaborierte Weise, indem schließlich auch lamentiert wird, dass die arroganten Europäer bei der Entwicklung der Moderne die Araber und Muslime gar nicht konsultiert hätten.[15] Was für ein Verbrechen!

Der 11. September als eine Art Rache auch in dieser Hinsicht.

Doch am meisten schockierend ist die Tatsache, dass ein arabischer Philosoph, ein sogenannter Dissident, Mitte sechzig wie Al-Azm, am 11. September 2001[16] spontan Schadenfreude empfand und er bis heute im Westen geehrt wird und wiederum als ‚moderat‘ oder gar kultiviert gilt. Was für eine Kultur hat ein Akademiker, der spontan (!) Schadenfreude empfand am 11. September 2001?

Die Reaktionsweise Al-Azms drückt die Wahrheit aus über die politische Kultur, die psycho-soziale Realität und die antiamerikanische und antizionistische Ideologie in der arabischen Welt (von den „Bin-Laden-Cocktail“-Schlürfern aus Deutschland am 11. September einmal zu schweigen).

Die Tatsache, dass noch Jahre später eine deutsche Zeitschrift einen solchen Viewpoint Al-Azms als einzige Reaktion auf diesen historischen Tag publiziert, spricht mehr als Bände.[17]


[1] Kersten Knipp (2009): Porträt Sadik Al-Azm. Ein streitbarer arabischer Aufklärer, in: http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-1126/i.html (03.09.2010).

[2] http://www.tagesschau.de/ausland/meldung134530.html (03.09.2010).

[3] http://www.uni-tuebingen.de/en/news/archive/leopold-lucas-preis.html (03.09.2010).

[4] Z.B. bei Annemarie Schimmel oder Moshe Zimmermann wird man nachdenklich, http://de.wikipedia.org/wiki/Dr.-Leopold-Lucas-Preis (11.09.2010).

[5] Vgl. Sadik J. Al-Azm (1993): Unbehagen in der Moderne. Aufklärung im Islam, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 77-137.

[6] http://www.fes.de/BerlinerAkademiegespraeche/interkultureller-dialog/islam-gesellschaft/Berlin-Forum/ (03.09.2010).

[7] Sadik J. Al-Azm (2004): Islam, Terrorism and The West Today, in: Die Welt des Islams, Jg. 44, H. 1, 114-128.

[8] Al-Azm 2004, 114.

[9] “I was in Sendai, Japan as a visiting professor at Tohoku University when the September 11, 2001 airborne assaults on the World Trade Center in New York and the Pentagon fortress in Washington DC occurred I happened to be watching television when the stunning image of the smoking first tower flashed on the screen. As soon as I assured myself that this was neither the science fiction channel nor some mega Hollywood urban fear and panic movie on display and that what I saw was for real this time, I could not help experiencing a strong emotion of Schadenfreude that I tried to contain, control and hide” (Al-Azm 2004, 114).

[10] Al-Azm 2004, 114.

[11] Al-Azm 2004, 115.

[12] Al-Azm 2004, 126.

[13] Al-Azm 2004, 116.

[14] Al-Azm 2004, 116.

[15] “Modernity is basically a European invention. Europe made the modern world without consulting Arabs, Muslims or anyone else for that matter and made it at the expense of everyone else to boot. There is no running away from the fact that the Arabs were dragged kicking and screaming into modernity, on the one hand, and that modernity was forced on them by superior might, efficiency and performance, on the other” (Al-Azm 2004, 125).

[16] Ganz anders die Reaktion des Holocaust Überlebenden Ralph Giordano, der in seinen Memoiren berichtet: “11. September 2001. Als ich an diesem Tag die brennenden twin towers von New York sehe, diese qualmende Kriegserklärung an die gesittete Welt, an alles, was das Leben lebenswert mach, denke ich: ‚Da zeigt ein neuer Todfeind seine Visitenkarte, da wird gerade ein anderes Zeitalter eingegongt – ade, du heimliche Hoffnung auf ein geruhsameres Alter.‘ Die Feuersbrunst auf kleinstem Raum, tausend Grad und mehr; das Grauen in den steckengebliebenen Fahrstühlen; die Menschen oberhalb der Flammen abgeschnitten, die darunter auf meist aussichtsloser Flucht; durch die Luft von hoch herabwirbelnde Gestalten, wie vereiste Vögel, wenn da nicht die rudernden Arme wären; schließlich die in hunderttausend Einzelfetzen zerstiebenden Wolkenkratzer – Bilder, die sich für immer in das Bewußtsein eingerammt haben. Wer tut so etwas? Wer?“ (Ralph Giordano (2007): Erinnerungen eines Davongekommenen. Die Autobiographie, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 516).

[17] Es gibt eine deutsch-sprachige Version dieses Artikels, der in einer österreichischen Zeitschrift erschien, Sadik J. Al-Azm (2005): Die Zeit aus den Fugen. Westliche Vorherrschaft, islamistischer Terror und die arabische Vorstellung, in: Wespennest, Nr. 138, online einsehbar auf http://www.eurozine.com/articles/2005-05-09-alazm-de.html (03.09.2010). Bezeichnend ist, dass der Text gekürzt ist und die anti-israelische Stoßrichtung nicht vorkommt, was gleichsam eine Verleugnung einer der Intentionen des Textes ist. In der gleichen Ausgabe von Wespennest mit dem Schwerpunkt Islam schreiben u.a. auch Katajun Amirpur, Navid Kermani, Stefan Weidner.

Der „Global Mufti“ in Berlin – Gender Mainstreaming und suicide bombing

Der „Global Mufti“ in Berlin –

Gender Mainstreaming und suicide bombing

Superhelden der Forschung, Teil 4:

Islamwissenschaft – Gudrun Krämer und Bettina Gräf

Von Dr. Clemens Heni

Der Text als PDF: Helden der Forschung Krämer Gräf Qaradawi

Die Organisatoren des zehnten internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb) haben den Gen- und Intelligenz-Forscher, elitären Biologisten und Deutsch-Nationalen SPDler Thilo Sarrazin wieder ausgeladen[1] – mit einer Lobeshymne auf einen der gefährlichsten und beliebtesten Islamisten, der öffentlich zum Mord an Juden aufruft, haben sie dagegen keine Probleme.[2]

Das Festival ist ein großer Event, gesponsert nicht nur von der Heinrich Böll Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, le Monde diplomatique, der taz, radio eins, sondern auch der Deutschen Bundesregierung via Auswärtiges Amt. Veranstalter sind die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V. und die Berliner Festspiele in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt.

Am 16. September 2010 soll der „Global Mufti“[3] von seinen ihm ergebenen deutschen Forscherinnen und anderen geehrt werden.[4]

Um was geht es? Yusuf al-Qaradawi!

Qaradawi ist der derzeit wohl bekannteste und einflussreichste Islamist weltweit, seine Predigten werden wöchentlich von dutzenden Millionen Muslimen gehört bzw. im TV angesehen, seine an die einhundert Bücher und nicht zuletzt seine Fatwas („islamische Rechtsgutachten“) im Internet haben eine große Verbreitung. Dieser alte Islamist ist ein Superstar für Fans des anti-israelischen Jihad.

Qaradawi dankte zuletzt im Januar 2009 Hitler für den Holocaust und rief dazu auf, gegen Israel aktiv zu werden; Qaradawi wünscht sich selbst noch im Rollstuhl, wenn es denn soweit kommen sollte, Juden in Israel zu ermorden und dann von den IDF (Israel Defense Forces) getötet zu werden, um als „Märtyrer“ zu sterben. Man kann das in einem Video auf youtube sehen und hören (vgl. unten).

Der Mann wurde 1926 geboren und wird von seinen Anhängern als „moderat“ bezeichnet. Im Folgenden wird gezeigt, was unter „moderat“ zu verstehen ist.

Zwei seiner deutschen wissenschaftlichen Fans, Prof. Dr. Gudrun Krämer, Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin[5] und Dr. Bettina Gräf vom Zentrum Moderner Orient (ZMO) in Berlin[6], wollen auf dem Festival mehrere ihrer Bücher zu Qaradawi vorstellen.

Ein kurzer Blick in die diesbezüglichen wissenschaftlichen Arbeiten von Krämer und Gräf mag Aufschluss geben.

Seit Oktober 2001 bis heute wurden mehrere tausend sogenannte Kassam Raketen vom Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert. 28 Israeli wurden dabei ermordet, mehr als 600 verletzt (Stand August 2010).[7] Diese Kassam-Raketen sind nach Scheich Izz ad-Din al-Qassam (1882 – 1935) benannt, einem militanten, palästinensischen Jihadisten und verehrtem „Martyrer“. 1935 ermordete er einen Juden und wurde wenig später von britischen Einheiten gestellt und kam im Kampf um.

Was sagt die Wissenschaft dazu? Gudrun Krämer schreibt:

„Wie bei Hasan al-Banna und den ägyptischen Muslimbrüdern gingen bei Qassam und seinen Anhängern ein reformierter Islam und ein kämpferischer Nationalismus Hand in Hand. Zentral war für Banna wie für Qassam die individuelle Erneuerung verbunden mit der Reform der praktizierten Religion, so daß individuelle Umkehr und gemeinschaftliches Handeln ineinandergriffen und sich gegenseitig verstärkten.“[8]

Wie sah das „gemeinschaftliche Handeln“ aus? Kartenspielen, Fußball spielen, tanzen, singen?

„Den Jihad begriff Qassam wie andere muslimische Aktivisten vor und nach ihm als intensives Bemühen um ein gottgefälliges Leben (al-jihad fi sabil allah), reduzierte ihn also keineswegs auf die politische oder gar die militärische Dimension. Das hielt ihn nicht davon ab, Gewalt zu predigen – und sie zu praktizieren: Angesichts der bedrohlichen Lage in Palästina erklärte er den bewaffneten Kampf zur individuellen Pflicht jedes Muslims (fard al-‘ain) und verkündete das Ideal des Märtyrers, der sich für die Sache des Islam opfert.“[9]

Krämer schreibt, wie Qassam im Oktober 1935 im Kampf fiel – dass er zuvor einen jüdischen Polizisten ermordet hat, verschweigt sie, kommt dafür zu dem Schluss:

„In seinem Aktivismus, der im Märtyrerakt gipfelte, lag das Neue, Faszinierende, auch Überraschende, das weit über die religiösen Kreise hinaus Bewunderung und Nachahmung weckte.“[10]

Man hört geradezu die Begeisterung der Berliner Islamwissenschaftlerin heraus, wenn sie so über den Namensgeber der tödlichen Kassam-Raketen schreibt.

Die Historiker Michael Mallmann und Martin Cüppers kommentierten dies so:

„Daß ein Terrorist dieses Schlages auch nach dem 11. September 2001 in der wissenschaftlichen Literatur noch als ‚Märtyrer‘ bezeichnet wird (…) kann nur mit einer Mischung aus Blindheit und unkritischer Verliebtheit jener Autoren in ihren Gegenstand erklärt werden.“[11]

Andernorts schreibt Krämer über den Islamisten Yusuf al-Qaradawi. Interessant ist, warum sie ihn als „moderat“ einstuft:

„While castigating the ills and evils of modern times, he does not invite or condone violence against others, be they Muslims or non-Muslims (the exceptions are foreign occupation, colonialism, Zionism and Israel). In this sense he can be considered a representative of moderate Islam, or, as he would say, of Islamic centrism (al-wasatiyya al-islamiyya).”[12]

Für Krämer kann also Qaradawi als „Vertreter eines moderaten Islam“ bezeichnet werden.

Qaradwi würde „nicht” zu „Gewalt gegen andere” aufrufen, die „Ausnahmen” seien „fremde Besatzung, Kolonialismus, Zionismus und Israel”. Sind Juden, Zionisten und (jüdische) Israeli keine Menschen oder keine „anderen“? Wie kommt es, dass diese renommierte Islamwissenschaftlerin aus einem Aufruf zur Gewalt gegen Juden/Israeli und ‚Kolonialisten‘ ein Plädoyer gegen Gewalt bzw. keines für Gewalt herbei fantasiert? Ist jemand, der nur zum Völkermord an Juden aufruft aber nicht sofort die ganze Welt in Schutt und Asche legen möchte ein zärtlicher Friedensfreund?

Die Islamwissenschaftlerin Bettina Gräf, eine Schülerin von Krämer, befasst sich seit vielen Jahren mit Qaradawi[13]. 2005 schreibt sie im online-Portal qantara.de, welches u.a. von der Bundesregierung finanziert wird:

„Al-Qaradawi unterstützt entschieden den Unabhängigkeitskampf der Palästinenser, insbesondere seit der zweiten Intifada im Jahr 2000. Er initiiert Solidaritätsaktionen, sammelt Geld, bezieht Stellung im Fernsehen, im Internet, in Freitagspredigten, auf Konferenzen gegen die Besetzung Palästinas. Er rechtfertigt in islamischen Rechtsgutachten Selbstmordattentate der Palästinenser und Palästinenserinnen als Mittel der Verteidigung gegen die Politik Israels.

Für Yusuf al-Qaradawi sind die Attentäter Märtyrer und keine Selbstmörder. Selbstmord gilt im Islam als Sünde, der Märtyrertod nicht. In Palästina werde islamischer Boden und die heilige Stadt Jerusalem verteidigt. So äußerte er sich auf al-Jazeera in der Sendung ‚Das islamische Recht und das Leben‘: ‚Nicht ich allein sage, dass diese Attentate legitim sind, sondern auch Hunderte anderer muslimischer Rechtsgelehrter sehen das so. (…) Ein Mensch, der sich für eine große Sache opfert, ist kein Selbstmörder‘.

Diese Sicht erlaubt die Rechtfertigung der palästinensischen Selbstmordattentate als Märtyrerakt, der Terroranschlag auf das WTC sowie die Anschläge auf Zivilisten in Indonesien und in Saudi Arabien werden hingegen klar verurteilt.“[14]

Damit übernimmt Gräf die Apologie des suicide bombing, das als „Märtyrerakt“ bezeichnet wird. Qaradawi hätte den „Terroranschlag“ auf das World Trade Center „klar verurteilt“ – dass er andere antisemitisch motivierte Anschläge wie in Israel explizit verteidigt und einfordert, wird unkommentiert bzw. ohne Distanz auszudrücken hingenommen. Mit dem Ausdruck „klar verurteilt“ möchte Gräf womöglich anzeigen, dass Qaradawi ein ganz friedvoller und nicht aggressiver Muslim sei. Wenn es gegen Juden geht wird das hinter einer betont ‚unblutigen Sprache‘ des „Selbstmordattentat[s]“ und „Verteidigung gegen die Politik Israels“ versteckt.

Gegen Ende ihres Textes stellt Gräf heraus, wie „gespannt“ sie ist, ob der inner-islamischen Debatten um Recht und Autorität in der von Qaradawi mit gegründeten „Internationalen Vereinigung Muslimischer Rechtsgelehrter“” (The International Association of Muslim Scholars, IAMS). Den Antisemitismus Qaradawis und seine Befürwortung und Einforderung von Selbstmordanschlägen auf Juden kritisiert die Forscherin mit keiner Silbe, von der Gefahr der Islamisierung Europas, welche Qaradawi gezielt mit seinem Wirken voran bringen möchte, und vom gemeingefährlichen Aspekt der Scharia weltweit schweigt sie ebenso.

In einem weiteren Text zu Qaradawi[15] erwähnt Gräf wiederum seine Befürwortung von Selbstmordattentaten gegenüber Israel und Juden, dass er aber Anschläge wie auf das World Trade Center oder in London ablehne. Daraus fantasiert sie herbei, Qaradawi wäre ganzen Herzens bei einer „Antigewaltkampagne“ des ihm sehr nahe stehenden Internetportals www.islamonline.net aktiv. Gegen Gewalt ist er jedoch (wenn überhaupt) nur dann, wenn es nicht gegen Juden und Israel geht oder gegen Amerikaner/Briten/“Kolonialisten“ in „fremdem“ Gebiet, von der Gewalt gegen Musliminnen und Muslime, die nicht ‚islamisch‘ genug sind oder anti-islamisch, ganz zu schweigen.

Logisch gedacht heißt das, dass der Aufruf zur Ermordung von Juden nicht unter „Gewalt“ fällt. Gräf schreibt:

„Im Widerstand gegen koloniale und imperiale Übergriffe und ungerechte Herrschaft zeigt sich Yusuf al-Qaradawi kämpferisch – vor allem gegenüber den USA und Israel. Umso fragwürdiger erscheint seine Unterstützung des sudanesischen Regimes. Hier tappt er in die Falle des Freund-Feind-Denkens (‚Der Islam gegen den Westen‘) und wird seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht.“[16]

An dem Punkt Sudan ‚kritisiert‘ die Islamforscherin also ihren Liebling, doch wenn es gegen „koloniale und imperiale Übergriffe“ von Amerika und Israel geht, rechtfertigt sie damit Qaradawi.

Qaradawi hat mehrfach die Ermordung von Juden/Israeli befürwortet, so auch in einem exklusiven Interview für die englische BBC newsnight im Jahr 2004.[17] Wie das Tel Aviver Stephen Roth Institute for the Contemporary Study of Racism and Antisemitism berichtete gab es in England im Sommer 2004 Widerstand gegen einen öffentlichen Auftritt Qaradawis: Eine Koalition jüdischer, Sikh, Hindu und lesbian/gay Communities protestierte vehement gegen seine Einladung von Seiten muslimischer Verbände und vom Londoner Bürgermeister Ken Livingstone.[18] Der Antizionist Livingstone („der rote Ken“) und dessen positiven Beziehungen zu Qaradawi werden vom Antisemitismusforscher Robert Wistrich als typisches Beispiel für die „rot-grüne Achse“ (sozialistisch-islamistisch) analysiert.[19] Gräf hat Qaradawi persönlich gesprochen, am 23. Dezember 2005, wovon sie 2010 berichtet, ohne sich auch nur in Ansätzen von ihm zu distanzieren.[20]

2007 schreibt Gräf einen Artikel über Qaradawi für Die Welt des Islams, einer führenden, internationalen, islamwissenschaftlichen Fachzeitschrift.[21] Sie betont die Präsenz des Islamisten im Internet und beschreibt en detail seine online-Aktivitäten. Cyber-Islamismus wird aufgrund seiner ‚modernen‘ Form gelobt. Gräf betont mit Nachdruck, dass Qaradawi die Anschläge vom 11. September verurteilt hätte, direkt in Anschluss jedoch erwähnt sie eine Fatwa des in Doha, Qatar, residierenden Hasspredigers, welche den Boykott von amerikanischen und israelischen Waren beinhaltet. Sie stellt diese Fatwa wiederum positiv dar, als „Unterstützung für die zweite Intifada“ und schmiegt sich der Position Qaradawis an.[22] So kann man in jedem antisemitischen und antiamerikanischen Ressentiment und jeder Attacke gegen USA und Israel etwas Positives sehen: Solidarität für die Sache der Palästinenser etc., wenn man die Sicht der Islamisten und anderer Antizionisten teilt.

Am 30. Januar 2009 sagte Yusuf al-Qaradawi im arabischen Fernsehsender al-Jazeera:

„Durch die Geschichte hindurch hat Allah Leute eingesetzt um die Juden für ihre Korrumpiertheit zu bestrafen. Die letzte Strafe wurde von Hitler durchgeführt.“

Zwei Tage zuvor sagte er an selber Stelle, dass er am liebsten am Ende seines Lebens in das Land des Jihad reisen würde um auf „die Feinde Allahs, die Juden“ „zu schießen“. Selbst in einem „Rollstuhl“ würde er dorthin gehen und sodann als „Märtyrer“ sterben.[23]

Im gleichen Jahr 2009 kam das Buch „Global Mufti“ heraus, Ko-Herausgeberin ist Bettina Gräf[24], die Qaradawi ebenso wie Krämer als Vertreter einer „Vision von einem moderaten Islam“[25] bezeichnet; das Vorwort zum Global Mufti schreibt Gudrun Krämer.[26]

In diesem Buch wird Qaradawi nicht nur obsessiv als Superstar der islamischen Welt präsentiert, auch seine Rechtfertigung von Selbstmordanschlägen auf Juden in Israel durch muslimische Frauen wird explizit gewürdigt, da es sich dabei ja um einen „defensiven Jihad“ und keinen „aggressiven Jihad“ handeln würde. Die Autorin Barbara Freyer Stowasser[27] von der Georgetown University in den USA findet hierbei Qaradawis Fatwa sehr bemerkenswert, dass Frauen alleine, ohne männliche Begleitung und Erlaubnis-Fragen, den Weg zum Judenmord gehen dürfen[28], zum „defensive Jihad“. Judenmord gilt in diesen Kreisen als „defensiv“. Das hört sich zynisch oder sarkastisch an, ist aber todernst gemeint, die Autorin lässt sich eine ganze Seite darüber aus[29] und resümiert:

„It is in this situation that Qaradawi’s definition of women’s rights and obligations signifies not gender equivalence but true gender equality.“[30]

Wistrich analysiert den Judenhass von Qaradawi und dessen Legitimierung von suicide bombing von unverschleierten Frauen und betont auch, dass Qaradawi der „spirituelle Führer der Muslimbrüder und Hamas“ ist.[31]

Orient. Deutsche Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur des Orients wird herausgegeben vom Deutschen Orient-Institut in Berlin, gegründet wurde sie vom Nah- und Mittelost-Verein (NUMOV, der seine Anfänge im Nationalsozialismus hatte) im Jahr 1960. Die Autorin Bettina Gräf – wer sonst? – vom Zentrum Moderner Orient (ZMO) in Berlin schreibt in einem Artikel über Yusuf al-Qaradawi zu dessen Fatwas und seiner Stellung als islamische Autorität. Sie beschreibt Formen der online Präsenz von Muslimen, ohne mit einem Wort die ideologischen Positionen von al-Qaradawi auch nur minimal zu kritisieren. Eine geradezu obsessive Hingabe zur Website von Qaradawi.net rundet dieses affirmative Bild ab.[32] Es geht um die Form, nicht um Inhalt.

Der Aufruf zum Judenmord von Qaradawi von Januar 2009 wird von Gräf auch 2010 in Orient weder erwähnt noch attackiert, vielmehr goutiert.

Qaradawi hat sich am 4. Dezember 2001 gegen Fatwas gewandt, die einen Selbstmordanschlag auf Israeli, bei dem 26 Menschen ermordet wurden, verurteilten.[33]

Aus all diesen Gründen wird Bettina Gräf auf dem Internationalen Literaturfestival in Berlin 2010 zusammen mit Gudrun Krämer und Jakob Skovgaard-Petersen ihre Dissertation zu al-Qaradawi wie auch die Lobhudelei in „Global Mufti“ präsentieren. Es ist offenbar normal einen Antisemiten und Islamisten wie Yusuf al-Qaradawi hoch leben zu lassen und die Lüge zu verbreiten, er sei „moderat[34].

Qaradawi ist gegen Homosexualität, gegen Abtreibung und gegen selbstbestimmte Sexualität und steht zudem für einen

„Euro-Islamismus, der mit einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat und mit unveräußerlichen Menschenrechten unvereinbar ist.“[35]

Der neueste Trend von Antisemiten ist das Feiern des Holocaust, „celebrating the Holocaust“. So geschehen im deutschen Facebook in hunderten von Hasseinträgen zumeist von Deutsch-Türken unmittelbar nach der Mavi Marmara Aktion (Gaza Flotille) am 31. Mai 2010. Zuvor hatte bereits das ägyptische Fernsehen am 26. Januar 2009 in einem Hetzbeitrag des ägyptischen Predigers Amin Al-Ansari die Ermordung der europäischen Juden durch die Deutschen gefeiert. Der Theologe Richard L. Rubenstein, 2009 Autor von „Jihad and Genocide“, schreibt 2010 zu al-Ansari:

„Unlike Iranian president Mahmoud Ahmadinejad, Al-Ansari makes no attempt to deny the Holocaust. On the contrary, he glorifies it as Allah’s ‘way of wreaking vengeance’ on the Jews and offers graphic film images of the most inhuman Nazi cruelty as the behavior Allah expects from pious Muslims. In Al-Ansari’s narrative, the Germans are the innocent victims and the Jews the evil oppressors.”[36]

Rubenstein analysiert, dass Qaradawi nicht in einem unkontrollierten Hassausbruch, vielmehr aus gezielter, islamistischer Perspektive heraus zum „Genozid“ an Juden aufruft, das sei gleichsam muslimische „Pflicht“.[37]

Würde ein deutscher Neonazi wie Horst Mahler ein Buch schreiben, indem er den Holocaust lobt – es würde mit 100prozentiger Sicherheit keine Buchvorstellung zu diesem Buch auf dem internationalen Literaturfestival Berlin geben. Wenn ein ägyptischer Muslim, in Qatar lebend, wie Yusuf al-Qaradawi sich öffentlich genauso äußert und Hitler für den Holocaust dankt – dann ist das kein Grund eine Lesung zu Ehren dieses Hasspredigers abzusagen. Es wird mit zweierlei Maß gemessen:

Nazis: unerwünscht, Islamisten: super! Dabei sind Nazis und Islamisten die engsten Freunde seit jeher.

Man kann sich nicht neutral oder äquidistant zu Antisemitismus verhalten. Jedes Gewähren lassen ist eine Einverständniserklärung. Gräf und Skovgaard-Petersen nehmen jedoch genau so eine vorgeblich ‚neutrale‘ Haltung ein, sie geben vor, Qaradawi weder „zu verteidigen“, noch „ihn zu attackieren“.[38] Antisemiten müssen aber attackiert werden, bevor sie noch Schlimmeres anrichten. Das ist die Lehre aus dem Holocaust. Doch viele Akademiker haben aus der Geschichte nichts gelernt.

Das internationale Literaturfestival Berlin bietet wieder einmal Antisemitismus bzw. der äquidistanten bis apologetischen Haltung mehrerer Akademikerinnen und Akademiker zu einem der wirkungsmächtigsten Antisemiten unserer Zeit, Yusuf al-Qaradawi, ein Podium. Antizionismus, Israelhass und die Liebe zum Jihad, zu Islam und Islamismus sind en vogue. Da sind mir Gemüse- und Obsthändler mit migrantischem, muslimischem Hintergrund und ohne Abitur lieber – sie sind im Zweifelsfall harmloser und freundlicher als gewisse promovierte deutsche Islamwissenschaftler_innen des Mainstream, was wiederum Sarrazin und seinem großen, deutschen Fanclub zu denken geben sollte (so deren ‚Gene‘ das Denken erlauben).


[1] http://www.berlinerliteraturkritik.de/detailseite/artikel/sarrazin-bei-literaturfestival-ausgeladen-1.html (09.09.2010).

[2] http://www.literaturfestival.com/programm/veranstaltungen-nach-kategorien/reflections/global-mufti-2013-medialer-islam-von-yusuf-al-qaradawi (09.09.2010).

[3] Der Begriff wurde z.B. von J. Skovgaard-Petersen als Titel eines Vortrags im Jahr 1999 auf einer Konferenz an der Harvard University, USA, verwendet, siehe Gräf 2000 (vgl. Anm. 13), 12, Anm. 22.

[4] „Global Mufti – medialer Islam von Yusuf al-Qaradawi. Buchpräsentation mit Bettina Gräf, Gudrun Krämer und Jakob Skovgaard-Petersen Die Podiumsdiskussion zum Sammelband »The Global Mufti. The Phenomenon of Yusuf al-Qaradawi« (2009) und zur Monographie »Medien-Fatwas@Yusuf al-Qaradawi. Die Popularisierung des islamischen Rechts« (2010) stellt den ebenso bekannten wie umstrittenen Medien-Mufti Yusuf al-Qaradawi vor. Neben einem Ausschnitt aus der Fernsehsendung auf Al-Jazeera »Die Scharia und das Leben« (mit Übersetzung und Kommentar) werden kontroverse Themen des 1926 in Ägypten geborenen und 1961 nach Katar emigrierten al-Qaradawi diskutiert. Eine Veranstaltung des Zentrums Moderner Orient in Kooperation mit dem ilb“ (http://www.literaturfestival.com/programm/veranstaltungen-nach-kategorien/reflections/global-mufti-2013-medialer-islam-von-yusuf-al-qaradawi (09.09.2010) ).

[5] http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/islamwiss/mitarbeiterinnen/professorinnen/kraemer/index.html (09.09.2010).

[6] http://www.zmo.de/Mitarbeiter/Graef/Lebenslauf.htm (09.09.2010).

[7] http://sderotmedia.org.il/bin/content.cgi?ID=388&q=1&s=4 (06.09.2010).

[8] Gudrun Krämer (2002): Geschichte Palästinas, München: Verlag C.H. Beck, 304f.

[9] Krämer 2002, 305.

[10] Krämer 2002, 307.

[11] Klaus-Michael Mallmann/Martin Cüppers (2006): Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 24. Die Autoren meinen mit ihrer Kritik Gudrun Krämer.

[12] Gudrun Krämer (2006): Drawing Boundaries. Yusuf al-Qaradawi on Apostay, in:  dies./Sabine Schmidtke (Hg.), Speaking for Islam. Religious Authorities in Muslim Societies, Leiden/Boston: Brill, 181-217, 214.

[13] In ihrer Magisterarbeit im Jahr 2000 (1) untersucht Bettina Gräf die Fatwa „Der politische Islam“ von Qaradawi, welche in zwei Teilen 1979 bzw. 1993 entstanden ist (2), sie zitiert nach der Fassung aus dem Jahr 1994 (3) und resümiert: „Al-Qaradawis Projekt lenkt den Blick auf die religiöse Autorität der Religions- und Rechtsgelehrten und ihre Bedeutung für die islamischen Gesellschaften bzw. die islamische Gemeinschaft. Nicht mehr länger sollen sie als rückständig und reaktionär bezeichnet werden. Als politische Akteure mit ungeahnten medialen Möglichkeiten soll von ihnen die Chance genutzt werden, auf nicht-radikalen Wegen und unabhängig von Regierungspolitik in die politische Debatte über die Veränderung der Gesellschaft einzugreifen.“ (4)

In dieser Fatwa schreibt Qaradawi, dass Islam und Staat untrennbar seien: „Denn der Islam ist kein theologischer Glaube oder stellt lediglich Anbetungsriten dar. Das heißt, er ist nicht bloß eine Beziehung zwischen dem Einzelnen und seinem Herrn, ohne Verbindung zur Organisation des Lebens und Lenkung der Gesellschaft sowie des Staates. Es heißt im Gegenteil, daß er Glaube und religiöse Pflicht, Moral und umfassendes islamisches Recht (saria) ist.“ (5) Weiterhin sagt der Islamgelehrte: „Der Islam erlegt jedem Muslim eine politische Verantwortung auf: Er muß in einem Land leben, das von einem muslimischen Führer gemäß dem Buch Gottes geführt wird. Die Menschen müssen ihn im Amt anerkennen. Ohne dies ist er mit den Unwissenden. In ‘As- sahih heißt es: ‚Wer ohne die Anerkennung eines Imam stirbt, stirbt den Tod eines Ungläubigen.‘“ (6) Auch den Zusammenhang von Antizionismus und Islamismus kann man unschwer erkennen, Gräf schreibt, Qaradawi zustimmend: „Besonders bemerkenswert sind hier die Beispiele zur Praxis der Erstellung von Rechtsgutachten im ‚politischen Interesse der Herrschenden‘, welche al-Qaradawi wiederum in die Vorstellung einbettet, daß im Islam Welt und Religion nicht getrennt gedacht werden können. Diejenigen, die zur Trennung von Staat und Religion aufriefen, seien auch die, die z. B. Rechtsgutachten zur Legitimation ihrer Politik anfertigen ließen. Zum einen erwähnt er die Rechtsgutachten, die das für al-Qaradawi verräterische Friedensabkommen mit Israel im Jahr 1978 legitimierten. Zum anderen erinnert er an die Fatwa des Großmuftis Sayyid Tantawi im Jahr 1989, die das Erheben von Bankzinsen und die Verwendung von Schuldverschreibungen rechtfertigte.“ (7) Mit keiner Silbe kritisiert die junge Islamwissenschaftlerin den Antisemitismus und Israelhass dieser Fatwas (8) und der Position Qaradawis. Vielmehr lobt sie ihn ganz grundsätzlich: „Das Ziel von Yusuf al-Qaradawi ist nicht eine Reform des Islam und die Anpassung des Islam an veränderte gesellschaftliche Bedingungen, wie es die islamischen Reformer Ende des 19. Jahrhunderts zum Ziel hatten. Er strebt umgekehrt eine Reform der Gesellschaft an, die von den Grundlagen und Zielen des Islam getragen werden soll, was ihn zu einem Islamisten macht. Obwohl Yusuf al-Qaradawi für die Veränderung der derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse in Ägypten und der islamischen Welt eintritt, vertritt er keine radikalen islamistischen Ansichten. Vielmehr schließt er beispielsweise die Möglichkeit einer parlamentarischen Demokratie als Staatsform für Muslime nicht aus, womit er eine liberale islamistische Position einnimmt, die auch Erfahrungen von nicht-islamischen Gesellschaften akzeptiert, solange diese der Sache der islamischen Gemeinschaft dienen. Mit den islamischen Reformern teilt der Islamist al-Qaradawi jedoch deren Internationalismus. Er setzt sich für das Projekt einer globalen islamischen Gemeinschaft ein.“ (9); Fußnoten: (1) Bettina Gräf (2000): Die Fatwa als politisches Instrument am Beispiel der Fatwa „Der politische Islam“ (al-islam as-siyasi) von Yusuf Abdallah al-Qaradawi, Berlin, Magister Artium am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin. Gutachterin war Prof. Dr. Gudrun Krämer. (2) Vgl. Gräf 2000, 43. (3) Gräf 2000, 44. Gräf übersetzt die Fatwa, welche im Anhang der Arbeit auf Arabisch dokumentiert wird. (4) Gräf 2000, 82. (5) Qaradawi, der politische Islam, zitiert nach der Übersetzung in Gräf 2000, 47. (6) Ebd., 57. (7) Gräf 2000, 66. Qaradawi schreibt in seiner Fatwa: „Außerdem erinner ich mich – und erinnern sich die Leute – wie von den Rechtsgelehrten (ahl al-fatawa) gefordert wurde, Rechtsgutachten zur Legitimität des Friedens mit Israel zu erstellen. Um ihre verlorene Politik zu verewigen, nachdem bereits fatawa erstellt worden waren, die den Frieden mit Israel für unerlaubt erklärt hatten. Dies wurde als Verrat an Gott, seinem Gesandten und den Gläubigen betrachtet!“ (zitiert nach Gräf 2000, 60). (8) Vgl. auch Gräf 2000, 23. (9) Gräf 2000, 80.

[14] Bettina Gräf (2005): Yusuf al-Qaradawi und die Bildung einer ‘globalen islamischen Autorität’. Internationale Vereinigung muslimischer Gelehrter, in: http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-323/i.html (07.09.2010). Gräf wird wie folgt angepriesen: „Eine kürzere Version des Artikels erschien erstmals in der Zeitschrift ISIM-REVIEW, herausgegeben vom ‘International Institute for the Study of Islam in the Modern World’. Der Artikel basiert auf acht Texten, die auf al-Qaradawis Homepage vom 13.7. bis 3.9. 2004 in verschiedenen Rubriken zur IAMS veröffentlicht wurden sowie auf der Sendung “Das islamische Recht und das Leben” des Satellitenfernsehsenders al-Jazeera vom 27.7.2004, die transkribiert unter www.aljazeera.net zu finden ist. Bettina Gräf ist Direktionsassistentin am Zentrum Moderner Orient in Berlin. In ihrer Doktorarbeit beschäftigt sie sich mit der ‘Produktion und Rezeption von islamischen Rechtsgutachten im Zeitalter der elektronischen Medien am Beispiel von Yusuf al-Qaradawi’“ (ebd.).

[15] Bettina Gräf (2006): Yusuf al-Qaradawi: Das Erlaubte und das Verbotene im Islam, in: Katajun Amirpur/Ludwig Ammann (Hg.): Der Islam am Wendepunkt. Liberale und konservative Reformer einer Weltreligion, Freiburg/Basel/Wien: Herder, 109-117.

[16] Gräf 2006, 115.

[17] http://www.bbc.co.uk/pressoffice/pressreleases/stories/2004/07_july/07/newsnight.shtml (07.09.2010).

[18] http://www.tau.ac.il/Anti-Semitism/asw2004/uk.htm (07.09.2007). Ebenso kritisch gegenüber Qaradawi Jeff Barak (2005): Anti-Semitism or a war with the ‘Mail’? It would be simpler if Ken just said sorry. Livingstone’s stance has shocked gays and lesbians, in: The Independent, 11. Dezember 2005, http://www.independent.co.uk/opinion/commentators/jeff-barak-antisemitism-or-a-war-with-the-mail-it-would-be-simpler-if-ken-just-said-sorry-518932.html (07.09.2005).

[19] Robert Wistrich (2010): A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to the Global Jihad, New York: Random House, 400-402.

[20] Bettina Gräf (2010): Media Fatwas, Yusuf al-Qaradawi and Media-Mediated Authority in Islam, in: Orient, 51. Jahrgang, H. 1, 6-15, 9, Anm. 18.

[21] Bettina Gräf (2007): Sheikh Yusuf Al-Qaradawi in Cyberspace, in: Die Welt des Islams, 47. Jg., Heft 3-4, 403-421.

[22] Gräf 2007, 413.

[23] http://www.memri.org/report/en/0/0/0/0/0/0/3062.htm (07.09.2010), ein Video mit den Botschaften ist hier zu sehen: „Yusuf al-Qaradawi Praises Hitler and the Holocaust“, http://www.youtube.com/watch?v=VcB_DZ4YQYQ (07.09.2010).

[24] Bettina Gräf/Jakob Skovgaard-Petersen (Hg.) (2009): Global Mufti. The Phenomenon of Yusuf al-Qaradawi, London: Hurst & Company. Eine Rezension des Buches von Götz Nordbruch auf dem Mainstream geschichtswissenschaftlichen Internet-Portal H-Soz-Kult lobt den Band und erwähnt das Bejahen von suicide bombing gegen Israel durch Qaradawi en passant, so als könne man im Folgenden einfach so über diesen Antisemiten referieren, siehe Götz Nordbruch: Rezension zu: Gräf, Bettina; Skovgaard-Petersen, Jakob (Hrsg.): The Global Mufti. The Phenomenon of Yusuf Al-Qaradawi. London 2008, in: H-Soz-u-Kult, 03.03.2010, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-1-164 (09.09.2010). Perfide wird es, wenn man sich anschaut, dass Nordbruch vor Jahren auch von einem Forschungszentrum zu Antisemitismus, SICSA in Jerusalem, publiziert wurde mit einem (nicht bemerkenswerten, vielmehr zumal Klaus Holz oder vor allem Gudrun Krämer völlig unkritisch zitierenden) Text über Holocaustleugnung und Roger Garaudys Rezeption im arabischen Nahen Osten, http://sicsa.huji.ac.il/17nordbruch.html (09.09.2010). Sich irgendwie kritisch zu Holocaustleugnung zu stellen, so zu tun, als sei man auch gegen Antisemitismus, aber gleichzeitig eine Lobhudelei auf einen der weltweit einflussreichsten Antisemiten wie Yusuf al-Qaradawi positiv zu rezensieren, das ist entweder vollkommen inkonsistent und absurd oder eben perfide.

[25] Bettina Gräf (2009a): The Concept of Wasatiyya in the Work of Yusuf al-Qaradawi, in: Gräf/Skovgaard-Petersen (Hg.), 213-238, 228.

[26] Gudrun Krämer (2009): Preface, in: Gräf/Skovgaard-Petersen (Hg.), ix-xi. Sie setzt so ein: “How do we explain the fact that Yusuf al-Qaradawi is easily the best-known if not the most popular Muslim preacher-scholar-activist of the early 21st century?” (ebd., ix). In einem anderen Text in diesem Band wird erwähnt, dass Qaradawi Einreiseverbot in die USA hat wegen seiner Verteidigung des “Märtyrertums”, das ist jedoch für den Autor kein Grund Kritik an Qaradawi zu üben: Husam Tammam (2009): Yusuf al-Qaradawi and the Muslim Brothers. The Nature of a Special Relationship, in: Gräf/Skovgaard-Petersen (Hg.), 55-83, 62f.

[27] Barbara Freyer Stowasser (2009): Yusuf al-Qaradawi on Women, in: Gräf/Skovgaard-Petersen (Hg.), 181-211.

[28] Eine Dokumentation der Fatwas ist hier zu finden, vor dem Hintergrund der Einladung an Qaradawi nach England im Jahr 2004: http://www.americancongressfortruth.com/downloads/All_Files_by_Type/www-meforum-org_article_646_sf3kysu3.pdf (10.09.2010).

[29] „At the centre of Qaradawi’s argument that this practice [“participation as suicide bombers”, d.V.] is lawful are the following points: that the Palestinians struggle against Israel is a defensive jihad which renders participation an individual, not a collective, duty (fard ‘ayn); that the woman may therefore participate without permission of her husband and the young without permission of the father; that a woman’s participation in suicide bombings in Palestine [damit meint die Autorin Israel!!, d.V.] is a pious deed and her death is martyrdom, for which ‘God willing’ she earns the reward of fighters for the Cause. Women are the full sisters of men. In the Qur’an legislates in 9:71 that ‘the believing men and the believing women are guardians one of the other, commanding what is right and forbidding what is wrong’, and God says in 3:195 ‘I will never let the work of any of you be lost, male or female, you are members one of the other’, and then the verse goes on to specify some of the works for which God will reward both sexes: emigration, and endurance of injury and suffering, fighting, and death for the cause of God. This differs from the aggressive jihad (now usually called ‘preventive war’) when Muslims attach non-Muslims areas; in these wars, women can only participate with the husband’s permission if married, and the father’s if not. Since a woman’s participation in the defensive jihad is a religious duty, she may even take off her kerchief (head-covering, khimar) during the last moment before the action, to deceive the enemy and avoid calling his/their attention to herself, which falls under the law of necessity as revealed in Sura 2:172: ‘But if he who is forced by necessity without willful desire or transgression of the limits, then he is guiltless.’ Qaradawi emphasizes that all of the arguments that he is presenting in this fatwa are validated by the consenus of the fuqaha. It is in this situation that Qaradawi’s definition of women’s rights and obligations signifies not gender equivalence but true gender equality” (Freyer Stowasser 2009, 208).  Damit beendet Freyer Stowasser ihren Artikel – man könnte meinen, das sei sehr krasse Satire, aber sie meint es ernst, und Qaradawi ebenso. Frauen dürfen also ihren Schleier lüften und ablegen, kurz bevor sie ihre jüdischen Opfer zerfetzen. Junge muslimische Mädchen dürfen das ‚sogar‘ ohne die Eltern gefragt zu haben.

[30] Freyer Stowasser 2009, 208.

[31] Wistrich 2010, 754.

[32] Gräf 2010. Bezeichnend ist, wer auf dem “Board of the German Orient-Foundation“ sitzt, welche diese Zeitschrift herausgibt, ebd., 81: Prof. Dr. Christina von Braun, Humboldt-Universität, Bernd Romanski vom Board der NUMOV sowie Direktor des Managements von Hochtief, Prof. Dr. Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Auf dem Board of Trustees sitzen u.a. Dr. Peter Frey, Chef des ZDF-Hauptstadtstudios, Berlin, Dr. Max Stadler, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär, sowie Thomas Ellerbeck, ebenfalls Mitglied des Board von NUMOV, sowie Vertreter von Vodafone D2 GmbH, oder auch Jürgen Chrobog, Mitglied des Board von NUMOV sowie Vorsitzender des Board der BMW Stiftung Herbert Quandt. Neben anderen ist zudem der Präsident der Qatar Universität, Sheikha Abdullah Al Misnda, Ph.D., Teil des Board of Trustees. Die Förderung der deutsch-arabischen/deutsch-muslimischen Wirtschaftsbeziehungen wie auch der politischen Beziehungen ist ein offenkundiges Ziel dieser Zeitschrift; gekaufte Wissenschaft mithin.

[33] http://www.adl.org/NR/exeres/788C5421-70E3-4E4D-BFF4-9BE14E4A2E58,DB7611A2-02CD-43AF-8147-649E26813571,frameless.htm (10.09.2010).

[34] Bettina Gräf/Jakob Skovgaard-Petersen (2009b): Introduction, in: dies. (Hg.), 1-15. Nachdem die beiden Autoren deskriptiv dargestellt haben, dass Qaradawi „suicide attacks“ befürworte – wobei sie in antizionistischer Manier sagen, er befürworte diese Mordanschläge in „Palestine“, was natürlich eine Lüge ist, erstens gibt es diesen Staat nicht gibt, zweitens finden die Anschläge fast immer in Israel statt und drittens befürwortet al Qaradawi ja wohl keine Massaker unter Palästinensern – schreiben sie, wie selbstverständlich, ohne Antisemitismus auch nur anzusprechen: „However, many Arab Muslims regard Yusuf al-Qaradawi as a moderate, and this is certainly how he sees himself“ (ebd., 8). Schließlich erwähnen sie, dass es „Muslime groups and shaykhs with a radical agenda“ gebe, welche Qaradawi „attackieren“ würden, vgl. ebd. So wird aus einem Aufruf zum suicide bombing in Israel ein moderater Muslim, da es noch aggressivere Islamisten gibt. An anderer Stelle bezeichnet Gräf Qaradawi als Vertreter einer „Vision eines moderaten Islam“, Gräf 2009a, 228.

[35] Carsten Polanz (2010): Yusuf al-Qaradawi und sein Konzept der Mitte, in: Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen, 73. Jg., H. 5, 170-179, 178.

[36] Richard Rubenstein (2010): Defeat, Rage, and Jew Hatred, in: Journal for the Study of Antisemitism, 1. Jg., H. 2, 95-138, 122; http://www.jsantisemitism.org/pdf/jsa_1-2.pdf (10.09.2010).

[37] Rubenstein 2010, 124.

[38] „Our book is not intended to be a defence of, or an attack on, Yusuf al-Qaradawi.“ (Gräf/Skovgaard-Petersen 2009b, 11)

ADL Downgrades the Swastika

ADL Downgrades the Swastika

by Dr. Clemens Heni

The Anti Defamation League (ADL) is a vitally important NGO in the United States, known for the fight against anti-Semitism since 1913.

On July 27, 2010, the ADL announced the downgrading of the most important symbol of Nazism, the swastika.

“‘We know that the swastika has, for some, lost its meaning as the primary symbol of Nazism and instead become a more generalized symbol of hate,’ said Abraham Foxman, the ADL’s national director, in a statement. ‘So we are being more careful to include graffiti incidents that specifically target Jews or Jewish institutions as we continue the process of re-evaluating and redefining how we measure anti-Jewish incidents.’”

Even one of the best organizations on the planet can make an honest mistake. We are all but human.

This was an unfortunate, dangerous and frankly a truly relevant decision with serious implications for the US, Europe, the Middle East and the entire world.

“The painting of a swastika—the dark, ubiquitous signature of hateful vandals everywhere—will no longer be automatically considered an act of anti-Semitism under new guidelines for recording attacks against Jews announced by the Anti-Defamation League.”

Prominent support comes from Los Angeles, California:

Michael Berenbaum, former project director of the U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington and now a consultant, said he agrees with ADL’s decision.

“The presence of swastikas in certain contexts is not sufficient to prove anti-Semitism,” he said.”

However fine the motives (showing universalist feelings of inclusiveness to all targeted minorities), this is, in the final analysis, a distortion of history and an obfuscation of the most anti-Semitic symbol Germany (and the world) ever had. But it is not only a matter of history.

Here are some personal encounters from recent years.

On a sunny late summer day in 2008 I travelled to the mountains near Bennington, Vermont, just before starting a Post-Doctoral appointment at Yale University at the Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism (YIISA). The Green Mountain is part of a lovely countryside, just disturbingly overshadowed by the fact that we saw a well set in a stone swastika at a river. Wow, are we back in Austria or Germany, where swastikas can be found aplenty in public?

The swastika is the best known and most important anti-Semitic symbol, even before the Holocaust. Everyone who knows German and has a little background in history knows the Hakenkreuz-Verlag (‘Swastika Publishing House’), a German publishing house, established in 1919 by Bruno Tanzmann, a “volkish” author. Hitler himself declared in his “Mein Kampf”, which you can even find easily at the book-store at Grand Central Station in New York City (in Germany printing and distributing of the book is prohibited, for good reasons):

“In 1920, Adolf Hitler decided that the Nazi Party needed its own insignia and flag. For Hitler, the new flag had to be “a symbol of our own struggle” as well as “highly effective as a poster.” (Mein Kampf, pg. 495)

“On August 7, 1920, at the Salzburg Congress, this flag became the official emblem of the Nazi Party. In Mein Kampf, Hitler described the Nazis’ new flag: “In red we see the social idea of the movement, in white the nationalistic idea, in the swastika the mission of the struggle for the victory of the Aryan man, and, by the same token, the victory of the idea of creative work, which as such always has been and always will be anti-Semitic.” (pp. 496-497)

After the Holocaust the swastika became the most important symbol for all Nazis and Neo-nazis to show their support of National Socialism and particularly the destruction of European Jewry. The swastika is by far not just a symbol of some generalized form of “hatred” as the ADL claims.

Showing a swastika on a wall, a sidewalk, a traffic sign, on pillars, roofs etc. etc. indicates that someone is 1) well aware of Nazi Germany and the Holocaust and 2) wants to show very quickly and unmistakably his or her support for this.

Is there ANY symbol more anti-Jewish than such a swastika?

In Germany swastikas are forbidden in public, though this does not prevent them for being everywhere.

Applying the psychoanalytical concept of derealization of Sigmund Freud we can analyze the ADL decision as a means to say: “the swastika was not the symbol of the Holocaust and of anti-Semitism, it is just a symbol of hatred of what- and whoever”. This is a distortion of history.

Or have a look at some streets in Beirut, Lebanon, during the last soccer world cup: they displayed German flags, including swastikas, because these Arabs are so proud of Germany and Hitler. Even a swastika in India at a Restaurant, or in Latvia on a sidewalk is not at all a symbol of cultural heritage, today. After 1920, when the swastika became the definitive symbol of the Nazi Party in Germany, a swastika was already indicating that someone is in support of the German anti-Jewish Nazi movement.

After the gas chambers of Auschwitz, after Treblinka, Sobibor, the killing of Jews in the woods in Lithuania or at Babi Yar in Ukraine and all other places of the Shoah the swastika, part of every iron helmet of German soldiers, their uniforms etc. etc., every swastika is a symbol of the Shoah. Period.

A painted swastika in the woods of Vermont indicates that there are people who have no problem with the Holocaust, who intimidate Jews and other victims of Nazis. In any case such a painted swastika makes fun of the killed Jews, and endorses the Holocaust, as Neo-nazis or Muslim Jihadists do. Even youngsters are acting anti-Semitic when painting a swastika, because every single Holocaust survivor, her and his relatives, grand grandchildren, and all people who remember (personally or collectively or by knowledge of history) the unprecedented crimes of the Germans (and their friends) during National Socialism remember a swastika as the very core of what happened in the Holocaust and Nazi Germany.

Now, of  course Nazis, right-wing extremists or supremacists who wear T-shirts showing the swastika, as some did in Tennessee recently, aim at African Americans, immigrants, Hispanics, and others. Racism comes as an addition to anti-Semitism in this case.

But firstly and foremostly, a swastika intimidates Jews.  It is the symbol that nowadays says what it means:

“Have a look, Jews, we remember Hitler and his Germans, thanks ever so much for what happened in the Holocaust”.

As ever, a benign slackening of standards in the West is contemporaneous with a malicious change undertaken for the worst possible motives in the East. It was only several months ago that Yiddish scholar Dovid Katz reported in the Yiddish edition of the Algemeiner Journal on a Lithuanian court’s ruling in May 2010 that the swastika is just an ancient national symbol and is therefore legalized entirely (more on his website: www.HolocaustInTheBaltics.com). This is the moment to be sending the most unambiguous possible message to the Lithuanian authorities.

The ADL should reconsider its decision to downgrade the swastika. Showing, painting or endorsing this symbol first of all means support for the Holocaust. The swastika is the best known anti-Semitic, anti-Jewish symbol worldwide, regardless of where it is painted.

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Dr. Clemens Heni is a political scientist and author. He received a Ph.D. in political science in 2006 (Innsbruck, Austria, “summa cum laude”).

He published two books on German anti-Semitism and has published articles in the US, Israel, New Zealand, Australia, Germany, Norway, Czech Republic in English and German about anti-Semitism, the Holocaust, German ideology and political culture, anti-Americanism, cultural relativism, Islamism, and Israel.

He was a post-Doctoral researcher at Yale University until 2009. In 2010 his new book Antisemitism as a Specific Phenomenon will appear.

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