Clemens Heni

Wissenschaft und Publizistik als Kritik

Monat: April 2010

Taz missbraucht Gastfreundschaft der Jüdischen Gemeinde zu Berlin für antizionistische Propaganda

Antidemokratischer, antisemitischer Mob der taz

Zum Auftritt der taz-Chefredakteurin Ines Pohl bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am 27. April 2010

von Dr. phil. Clemens Heni, New Haven, CT, USA

Es ist wieder soweit: Nicht-jüdische Deutsche (und ihre antizionistischen jüdischen Kameraden) wollen Juden vorschreiben, wie sie sich verhalten und mit wem sie in einer Synagoge diskutieren sollen und worüber. Wadinet hat den Skandal dokumentiert und achgut titelt treffend: „Sieg Heil, Frau Pohl!

Iris Hefets hat am 9. März einen antiisraelischen Artikel in der taz schreiben dürfen, worin sie Auschwitz als „Pilgerfahrt“ und die Shoah als „Religion“ für Israeli bezeichnet. Besonders ihr vulgärer, obszön-widerlicher Stil (wie die Verbindung von Sex und Auschwitz-Besuch als jugendliche ‚Pflicht‘ für heutige Israeli) erinnerte viele Intellektuelle und Kritiker des Antisemitismus an Texte von Rechtsextremen, Nazis und anderen Antisemiten.

Aufhänger ihres auch in rechtsextremen Kreisen gelobten Hetzartikels war die Ausladung des Politologen Norman Finkelstein u.a. von mehreren deutschen Stiftungen. Finkelstein hat jüngst die israelische Armee mit der SS gleichgesetzt. Diese Art antisemitischer Volksverhetzung ist in USA zumeist straffrei, in Deutschland sieht das aus historischen Gründen etwas anders aus.

Am 27. April 2010 sollte also in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zu viert diskutiert werden: es war die Podiumsdiskussion „Pilgerfahrt nach Auschwitz“. Zum Umgang deutscher Medien mit Erinnerungskultur, Israelkritik und Antisemitismus angekündigt, mit Ines Pohl, Chefredakteurin der Tageszeitung taz, Thomas Schmid, Herausgeber der Welt und Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur des Tagesspiegel unter der Moderation von Thierry Chervel, Mitbegründer und Chefredakteur des Onlinemagazins Perlentaucher. Levi Salomon Beauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin für die Bekämpfung des Antisemitismus Vorsitzender des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Nach dem freundlichen, aber politisch scharfen Grußwort von Süsskind im überfüllten Saal im Centrum Judaicum sollte die Podiumsdiskussion beginnen. Doch dann erhob sich ein Stoßtrupp antizionistischer Aktivisten, welche Parolen wie „Wir sind alle Iris Hefets“ hochhielten, in Deutsch und Hebräisch.

Das ist bereits ein beachtlicher Indikator der politischen Kultur in diesem Land, 2010: viele Leute sind stolz Antisemiten zu sein, ob jüdische oder ‚arische‘. Die nicht-jüdische Chefredakteurin der taz, eine Frau Pohl, hat sodann unverschämterweise das Mikrofon ergriffen und mit bebender Stimme gefordert, dass Iris Hefets, die ihre gegen Juden in Israel gerichtete Hetze ja bereits in der taz verbreiten durfte, auf dem Podium mitreden dürfen solle. Dabei war die Zusammensetzung des Podiums mit allen eingeladenen Gästen, also auch mit Frau Pohl, abgesprochen.

Pohl war Sprachrohr des antidemokratischen und antizionistischen, extremistischen Volksmundes. Eine Diskussionsteilnehmerin nannte später den Mob Ausdruck des „Linksfaschismus“, wie in den 1970er Jahren, treffender wäre wohl schlicht „stalinistisch“.

Besonders krass war geradezu die Geilheit der Pöbler (das sah man an deren Gesichtsausdrücken), unbedingt Bilder von der Staatsgewalt zu bekommen, wie Zuschauer gewaltsam aus dem Saal gebracht werden. Dazu kam es nicht, denn fast alle Aufgeforderten gingen umgehend. Einige der Störer wollten offenbar einen Polizeieinsatz provozieren, um danach schreien zu können „Polizeistaat“ etc. Das ist eine bekannte Methode von K-Gruppen, Stalinisten, Maoisten, Trotzkisten und  Faschisten und Nazis.

Es ist nach 1945 unüblich geworden, dass ordinary Germans Juden vorschreiben, mit wem sie was diskutieren, zumal in einer Synagoge. Doch Pohl, schamlos wie die Linke, der sie entstammt, maßregelte die jüdischen Organisatoren. Nachdem sich u.a. die Vorsitzende Süsskind vehement für die Durchführung der Veranstaltung im geplanten Rahmen aussprach verließ die taz-Chefin die Veranstaltung. Die Veranstalter betonten nachdrücklich ihr Hausrecht und einige der besonders widerlichen Störer verließen den Saal. Zu viele weitere Hetzer blieben jedoch im Raum, mussten sich aber weitgehend ruhig verhalten, wobei eine Frau mit ihren Zwischenrufen, welche die Hamas mit Israel gleich setzten, besonders übel auffiel.

Die Diskussion war geprägt vom Improvisieren des Moderators, der seine kritischen Fragen an die taz nun ja nicht stellen konnte. Besonders Thomas Schmid zeigte sich geschockt ob des Verhaltens seiner journalistischen Kollegin von der taz. Den linken Antisemitismus hat jedoch nur Chervel attackiert, während Casdorff dieser Frage auswich (wie auch Schmid), der Tagesspiegel-Chefredakteur aber wenigstens sachte und viel zu freundlich darauf hinwies, dass es auch einen islamischen Antisemitismus gibt.

In Herrenmenschenmanier wollte Ines Pohl den Juden zeigen, wo’s langgeht. Sie, ein Gast der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, wollte bestimmen, dass auch eine Antisemitin wie die taz – Autorin des inkriminierten Textes auf das Podium darf. Dabei war im Vorfeld und noch am Abend vor Beginn der Veranstaltung demokratisch, kollegial und professionell besprochen worden, wie die Podiumsdiskussion ablaufen wird.

Doch Demokratie und Respekt sind natürlich nicht die Hauptstärken von Leuten, welche den sekundären Antisemitismus, die Erinnerungsabwehr an Auschwitz, stärken, indem sie Texte über eine „Pilgerfahrt nach Auschwitz“ drucken. Der pöbelhafte und antisemitische Auftritt der Chefredakteurin einer großen, bundesweiten Tageszeitung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 65 nach dem Ende des Nationalsozialismus ist ein unfassbarer Skandal.

Früher wurden Synagogen angezündet, verwüstet und entweiht. Heute (wie am 27.04.2010 in Berlin) wird in ehemaligen Synagogen in Deutschland von eingeladenen Gästen und ihren antizionistisch-jüdischen, muslimischen und sonstigen Kameraden gegen Israel gehetzt, Israel wahlweise mit dem Apartheidregime Südafrikas oder der Hamas gleich gesetzt und eine nicht-jüdische deutsche Journalistin heizt den Mob gegen die Jüdische Gemeinde zu Berlin auch noch an und missbraucht die Gastfreundschaft von Juden.

Propagating feel-good anti-Semitism in the tageszeitung (TAZ)

This article was published in the Norwegian journal rights.no of HumanRightsService on April 22, 2010

Introduction by Bruce Bawer :

In this essay, the German political scientist Clemens Heni provides us with a glimpse of the rising hostility toward Jews in today’s German media.  His particular focus is on Die Tageszeitung, a leading German newspaper which in March broke a longstanding taboo by publishing (in Heni’s words) “one of the most anti-Semitic articles to appear in Germany since National Socialism came to an end.”  Currently based in Berlin, Heni received his Ph.D. at the University of Innsbruck, did postdoctoral work at Yale on the subject of anti-Semitism, and was a Felix Posen Fellow at the Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism at Hebrew University in 2003 and 2004. He has published two books on Germany and anti-Semitism.
By Clemens Heni, for HRS
The Federal Agency for Civic Education recently linked to an article in the TAZ [Die Tageszeitung] by Iris Hefets, a board member of an association called European Jews for a Just Peace (EJJP), or, as I would put it, “The Gentlest Voices for Applied Israel-Hate.”  Plainly, the agency considered the article praiseworthy.
That article appeared on March 9, 2010, and was one of the most anti-Semitic articles to appear in Germany since National Socialism came to an end on May 8, 1945. The article did not deny the Holocaust, and the newspaper deliberately chose a Jewish woman writer, Iris Hefets, for the job. Herein lies the potential for one of the trendiest, hippest, most monstrous forms of anti-Semitism – a species of Jew-hatred that is far more promising than any Jew-baiting carried out by former SS men in the 1950s and 60s.

The TAZ, a green-left mainstream newspaper published in Berlin, is known for its resentment of Israel and America. Until March 9, a pornographic, obscene ridicule of Auschwitz could be found only in neo-Nazi, far-right or right-wing media. No more.  On March 9, the TAZ permitted a self-hating ex-Israeli writer author to write the following:
The incorporation of the Hebrew word Shoah into German also incorporates into German society the Israeli interpretation of the event. In Israel, this is a kind of national narrative and a pillar of the state, with which every Jewish child must identify, even if his parents originally came from Yemen or India. School trips to Auschwitz, which once were conducted only by elite Israeli schools, have now become an integral part of every Israeli’s post-pubertal biography. Before a young Israeli joins the army, he must have experienced on at least one occasion booze, sex, and an Auschwitz tour. If these conditions are fulfilled, he can carry out his military service, and later flip out in India.
The author, with her pathological vengefulness toward Israel, knows very well how much anti-Jewish tirades matter to Jews and gentiles. They make Zionist Jews open targets and set anti-Semitism loose.

The TAZ and its Jewish author Iris Hefets call “Auschwitz” a destination for a “pilgrimage,” and the “Holocaust” “sacred.”
One can only imagine how much the TAZ text would have warmed the heart of Yusuf al-Qaradawi, the friend of the Muslim Brotherhood and grandfather of the online Islamist Jihad, who lives in Qatar and who in January 2009 called for the mass murder of Jews and Israelis – indeed, for the extermination of every last Jew (!). German Middle East scholars such as Gudrun Krämer or Bettina Gräf pat al-Qaradawi on the head and call him a “global mufti.” The propaganda of anti-Zionists in the West should, in fact, be viewed against the background of the calls for Jew-killing such as the one served up by al-Qaradawi on January 9, 2009.
The TAZ author is saying that Israeli Jews from Yemen or India have no interest in remembering the Holocaust, supposedly because they were not targets of the Nazi Jew-hunters. Obviously the TAZ has no idea (or is quite simply lying about the fact) that the German Nazis wanted to kill all the Jews, including Jews from Yemen or India, that they could find. The madness of anti-Semitism, which distinguishes it from all other instances of persecution and murder in human history, is that it embraced the murder of an entire people. It was not limited mass murder, as in Rwanda, or as in the killings of the Armenians and the killings in Darfur in Sudan, as inconceivably awful as the murders in those places were and are. It is the genocidal nature of anti-Semitism that sets it apart.

The TAZ article is almost an expression of hatred for Auschwitz, because Auschwitz was a crime against humanity and the perpetrators were Germans and the victims were Jews. A defensive rejection of memory and a hatred of Israel go hand in hand.
The social scientist Sabine Schiffer, like Iris Hefets, admires Hajo G. Meyer’s book Das Ende des Judentums (The End of Judaism) and is especially enthusiastic about Meyer’s likening of National Socialism to Israel, which explains her March 21, 2010, reunion in Erlangen with Prof. Wolfgang Benz, director of the Center for Research on Antisemitism (ZfA) at the Technical University of Berlin. Benz invited Schiffer to his December 2008 conference at the ZfA, where the center likened anti-Semitism of the sort that could be found in the late 19th century with today’s “Islamophobia.”

Since January 2010 Benz has been in trouble, because I revealed that he had written his PhD in 1968 under the auspices of former Nazi Karl Bosl, a member since 1933 of the NSDAP and SA as well as of several other Nazi organizations. In 1983 and 1988, Benz even offered birthday wishes to his supervisor Karl Bosl (1908-1993), who from 1938-1942 was in the pay of the SS, and to this day the Nazi Bosl has not been publicly condemned. In Erlangen in March 2010, Benz was asked publicly whether he would now at least dissociate himself from Bosl.  According to the website juedische.at, Benz reacted indignantly and aggressively, insisting that Bosl was not a Nazi, but rather a “highly respected liberal scholar.” Benz’s denial that Bosl was an active Nazi runs contrary to evidence that is already on the table and flies in the face of the criticism and skepticism in regard to Bosl’s history that have been expressed for more than a decade by such colleagues as Prof. Adelheid of Saldern and Prof. Bernd A. Rusinek.  Scholarly research on National Socialism seems to ignore Prof. Benz. Most recently, German-Jewish Professor at the University of Frankfurt and former head of the Fritz-Bauer Institute, Micha Brumlik, wrote a column in the TAZ urging Benz to condemn his Nazi PhD supervisor. Benz did not. His position as the supposedly forthright leader of the Centre for Research on Antisemitism is hence no longer sustainable.

As Benz’s colleague Sabine Schiffer plays with the “End of the Jews,” so Hefets, the TAZ, and the far-right Junge Freiheit play at Auschwitz-hatred. This hatred comes across very clearly in a January 2007 article in Junge Freiheit, which takes on the historian Prof. Dan Diner and the fear that the memory of Auschwitz, that “rupture of civilization,” will disappear.  The title and subtitle of this piece of modern-day German propaganda speak for themselves: “High Priest of the Religion of the Holocaust: Jerusalem Historian Dan Diner and his Attempts to Render Impossible the Humanization of the Murder of the Jews, and to Spread Belief in and a Willingness to Sacrifice for the Civil Religion of the Holocaust.”  A contributor to the Catholic Internet portal kreuz.net wrote in a similar vein in 2006: “For a Christian it is of course not possible to believe in the civil religion of the Holocaust, or even to sacrifice for it.” The TAZ says, “Pilgrimage to Auschwitz. Holocaust remembrance has become a kind of religion.”

The TAZ text is nevertheless breaking a taboo of making fun of Auschwitz in mainstream media. It pretends to be hyper-critical of Nazis, Jew-haters, and Christian anti-Semites, since it was written by a Jew, and it insinuates that it is enlightening, in that it flogs religious criticism for representing the Shoah not as a crime but as a myth or a shrine. The mainstream author Martin Walser will contemplate with envy this final elegant twist on the part of the TAZ.

It should be mentioned that the Switzerland-based Israeli journalist Shraga Elam, born in 1947, explained in a 2002 anti-Zionist and anti-Semitic comparison of Israel with the Nazis that there is a “Holocaust religion” that prevents the criticism of Israel.

The TAZ, then, has not invented such anti-Semitic fantasies – but as of March 9, 2010, it has made them a more prominent feature of the mainstream media. The TAZ shows quite explicitly what lies at the core of the so-called “criticism of Israel” today: pure anti-Semitism, as primitive as anything you could find in Junge Freiheit.

A few years ago, Professor Alvin Rosenfeld of Indiana University wrote a pamphlet about “progressive Jews” and the “new anti-Semitism”. In it, he noted:

[Jacqueline] Rose typifies one of the most distressing features of the new anti-

Semitism—namely, the participation of Jews alongside it, especially in its anti-Zionist expression. Her book is a disturbingly revealing example of this tendency. More an indictment than an examination of its subject, The Question of Zion, dedicated “to the memory of Edward Said,” is fashioned as a companion piece to Said’s The Question of Palestine….

Prof. [Michael] Neumann not only believes, but also advises, “we should never take anti-Semitism seriously, so maybe we should have our fun with it.” Like many other Jews, one might ask, are with him, strive for such a joke? In fact, there are a lot of like-minded as anyone who looks in the Internet “Jews against Israel” will be seen. Hundreds of entries appear here that sound like Neumann, and many represent one of the most aggressive anti-Semitism shape.”

Countless examples of the contribution of Jews to the new anti-Semitism that Rosenfeld criticizes can be found in Germany. The TAZ has now provided the latest example of this phenomenon.  But only a sick mind, possessed by a resentment of the truth, could call Auschwitz “holy.” This is so absurd, deceitful, stupid, and wrong that not even the opposite of it promises a breath of knowledge.

This is the new anti-Semitism.

The TAZ has published probably the worst legal anti-Semitic articles since National Socialism in Germany came to an end. Yesterday Holocaust denial was the business of the former mass murderers of the SS, the SD [‘Sicherheitsdienst’, secret service of the SS], the police battalions, the Army and their post-1945 allies. Today, Auschwitz is not directly denied, but the victims of the Holocaust and those who do not deny or forget the truth are told by people who foam at the mouth and scream directly into their faces that they view Auschwitz as a religion. The Kreuzberg-Greens, known as subscribers of the TAZ, feel completely contented if they isolate Israel and feed the anti-Semitic hatred of the Arab world’s jihadists, and especially of Iran, with the extermination of the Jews. The TAZ agitates against the only democracy in the Middle East and has no concept of the feelings of journalists in Saudi Arabia, say, whose hands have been chopped off because they have joked about Muhammed.

In short: the TAZ is propagating feel-good anti-Semitism, mocking Auschwitz, slapping Holocaust victims in the face – and seeking the destruction of the Jewish state of Israel.

Translated from the German by Bruce Bawer

“Lebensfrische” auf der Alm – deutsche Ideologie und Geschichtswissenschaft seit 1933

In einer Kolumne in der taz vom 6. April 2010 wird Wolfgang Benz von Micha Brumlik scharf attackiert. Wenngleich Brumlik weiterhin in der Diskussion über „Islamophobie“ treu an der Seite von Benz steht (wie nicht nur der letzte Satz der Kolumne zeigt), kommen ihm doch ganz offensichtlich erhebliche Zweifel an der wissenschaftlichen und politischen Integrität seines Kollegen Benz.

Wolfgang Benz hat bislang die fachwissenschaftliche Literatur zu seinem Nazi-Doktorvater Karl Bosl wie die Forschungen von Prof. Bernd-A. Rusinek, Dr. Anne Christine Nagel oder auch Prof. Dr. Frank-Rutger Hausmann ignoriert und auch die skeptischen Nachfragen von Prof. Michael Wolffsohn im Jahr 2010 oder von Prof. Adelheid von Saldern aus dem Jahr 1999 haben ihn gerade als Schüler von Bosl und langjährigem Leiter eines Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) überhaupt nicht interessiert; v. Saldern sagte 1999 in einem Interview im bekannten online-Medium deutschsprachiger Geschichtswissenschaft, dem Portal H-Soz-u-Kult:

„Bosls Forschungsansätze waren vor allem sozialgeschichtlich orientiert, doch ich weiß bis heute nicht, was er im Dritten Reich gemacht hat. Ich habe bei meinen Recherchen aber etwas festgestellt, was ich problematisch finde, daß nämlich Bosl als Schriftleiter einer 1964 herausgegebenen Festschrift zum 80. Geburtstag für Karl Alexander von Müller fungierte und ein Vorwort geschrieben hat, in dem nichts weiter drinsteht als hagiographischen Bemerkungen.“

Brumlik ist nun der Erste, der sich ausführlich in einer Tageszeitung zum Schweigen von Benz bezüglich Bosl äußert:

„Freilich haben seine Gegner Benz nun in einem Punkt getroffen, der auf den ersten Blick mit der erwähnten Debatte in keinem Zusammenhang steht. Benz wurde 1968 in München von dem Mediävisten Karl Bosl promoviert und steuerte zu dessen Festschrift 1983 [das war 1988, 1983 war Benz ‚nur‘ Teil der Tabula Gratulatoria, vereint mit Armin Mohler oder Theodor Schieder, C.H.] einen wohlwollenden Beitrag bei.

Durch die Recherchen von Clemens Heni ist jetzt bekannt geworden, dass der 1908 geborene Bosl nicht nur ab Mai 1933 Mitglied der NSDAP und des NS-Lehrerbundes, später wohl auch der SA war, sondern sich 1938 für eine Mitarbeit im Forschungsprojekt des SS-Instituts ‚Ahnenerbe‘ zum Thema ‚Wald und Baum in der arisch-germanischen Geistes- und Kulturgeschichte‘ bewarb und aufgenommen wurde. Bosl referierte noch im Januar 1945 auf der letzten NS-Historikertagung in Hitlers Geburtshaus in Braunau am Inn zum Thema ‚Landesausbau im baierischen Raum‘. 1964, Bosl war weit über fünfzig Jahre alt, nahm er eine Einladung der rechtsextremen Vertriebenenorganisation ‚Witikobund‘ an und beschuldigte bei einem ‚Sudetendeutschen Tag‘ die Tschechoslowakei ‚einer radikalen Endlösung des deutschen ‚Problems‘ nach hitlerschem Modell‘.

Soweit ersichtlich, hat sich Benz (…) zu diesen Vorhaltungen nie ausführlich geäußert. Bekannt sind allenfalls beiläufige Äußerungen, Bosl sei kein ‚Nazi‘ gewesen. So scheint eine erneute Debatte unerlässlich.

Dass ein ehemaliger Doktorand einem ihm freundlich gesonnenen Doktorvater die Loyalität hält, ist verständlich. Doch der Umstand, dass sich die bundesdeutsche Geschichtswissenschaft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer Leitfiguren, etwa Theodor Schieder, der den Generalplan Ost mitentworfen hatte, oder Werner Conzes, dessen Karriere als Sozialhistoriker mit völkischen Studien zur Siedlungsgeschichte begann, auseinandersetzten, hat ihr nicht geschadet.

Wolfgang Benz‘ Schweigen, das seine anderweiten Verdienste nicht schmälern kann, stellt in dieser Hinsicht einen Rückschritt dar.“

Als Ergänzung und Weiterführung der Kritik von Brumlik an Benz seien im Folgenden noch einige Hinweise gegeben.

Ein Bericht einer ehemaligen Schülerin von Bosl aus dem Jahr 1998 ist interessant und mag anzeigen, warum Benz sich bis heute so treu zu seinem Doktorvater verhält:

„Karl Bosl wollte seine Getreuen möglichst immer bei sich haben, im Doktoranden-Kolloquium selbstverständlich – das hätten wir auch nicht versäumt, denn es war spannend -, aber auch in der Vorlesung, und nur zu oft bei jenen, in Bosls eigenen späten Jahren dann bereits sagenhaften Sitzungen, die mit einem Glas Bier begannen und mit Nikolaschka-Runden [dazu die Fußnote 82: „Weinbrand mit einer Zitronenscheibe, Zucker und Kaffeepulver“, C.H.] dauern konnten bis Sonnenaufgang. Wer da bei allem mithielt, wer sich begeistern ließ, wenn ihn, der viel und schnell las, eine neue These bewegte, wer ihn nach seinen Vorträgen mit kräftigem Applaus und einem Quentchen Kritik erfreute, ohne reservatio mentalis, die er sofort spürte und die ihn reizte, wer dann noch tüchtige Aufsätze für die ZBLG schrieb und im Dienst, wenn nicht vorauseilenden, so doch nacheilenden Gehorsam bewies, der konnte auf Karl Bosl zählen, wie nur je ein Vasall oder Ministeriale auf seinen Herrn.“[i]

Dazu passt die Kritik an Bosl von Anne Christine Nagel, die Bosls herrisches Sein einbettet in seine Forschung zum Mittelalter:

„In seiner Habilitationsschrift zur Reichsministerialität im Hochmittelalter freilich bewegte sich Bosl noch ganz in den von Otto Brunner und Walter Schlesinger vorgezeichneten Bahnen. Mit ihnen definierte er Land als Rechts- und Friedensgemeinschaft, als ‚konkrete Ordnung des agrarischen Landes aus germanischen Wurzeln‘ (…).“[ii]

Bosls Herrschaftsapologetik ist eine deutsch-nationale Phrasendrescherei, die unschwer an die Herkunft der 1950 publizierten Habilschrift von Bosl aus dem SS-Staat erinnert. Für Benz alles Anzeichen für einen „hochverehrten liberalen Gelehrten“…:

„Ein reichlich idealisiertes Verständnis von Treue und Gefolgschaft als Motor des politischen Lebens im Mittelalter wurde ebenso weiter gepflegt wie an der beziehungsreichen Kategorie Volk festgehalten wurde. Noch im Schlußabsatz der Studie erinnert manche Formulierung an die hochgestimmten Phrasen gerade vergangener Zeiten, wenn Bosl die Reichsministerialität zu ‚renaissancehafte[n] Kraftmenschen‘ und ‚Bannerträger[n] deutscher Sendung im Abendland‘ stilisiert.“

Und dann hat dieser abgrundtief feige Mensch Karl Bosl nach dem 8. Mai 1945 gelogen und so getan, als sei er kein Nazi gewesen und Benz und viele andere beten das bis heute nach. 1990, drei Jahre vor seinem Tod, sagte Bosl in einem langen, biographischen Interview:

„Diese Wanderjahre habe ich eigentlich in aller Stille verbracht, ich hab mich überall zurückgezogen, denn von zu Haus aus hat die antihitleristische Haltung meines Elternhauses bei mir schon sehr stark gewirkt. Und ich hab meine Doktorarbeit gemacht. Ich war nirgends dabei damals, ich hab meine Doktorarbeit gemacht, und ich habe im Jahre 1938 dann in München promoviert und hab mich dann sofort entschlossen, nachdem das sehr gut gelang, Karl Alexander von Müller zu bitten, mich als Habilitanden anzunehmen.“[iii]

Bosl sagte wenig später in diesem Gespräch, er sei 1944 aus „politischen Gründen“ nicht zum Privatdozenten ernannt worden.“[iv] Dazu legt er jedoch keine Belege vor. Wozu es jedoch Belege gibt sind seine Aktivitäten als Nazi, dazu nochmals Nagel:

„Daß für diese Verspätung [‚erst‘ 1948 wurde er Privatdozent, und nicht schon 1944, C.H.] seine politische Mißliebigkeit im Dritten Reich der Anlaß gewesen sei, gehört freilich in das Reich der Legende.“

Bosl war ja seit Mai 1933 mit der Mitgliedsnummer 1884319 bei der NSDAP registriert, gleichzeitig war er auch in die SA eingetreten. Desweiteren:

„Wissenschaftlich bewarb er sich zudem erfolgreich um die Mitarbeit am ‚Forschungswerk Wald und Baum in der arisch-germanischen Geistes- und Kulturgeschichte‘ des Ahnenerbes der SS. Er erhielt für dieses Projekt eine monatliche Unterstützung von RM 120.- und erforschte von 1938 bis 1942 speziell die ‚Lehn- und Holzrechte im Berchtesgardener Land‘ – begleitet von ausgedehnten Waldwanderungen und Almbegehungen jeweils in den Sommerferien jener Jahre. Auf diese Weise, so beschrieb es Bosl 1939 in einem Arbeitsbericht, entstehe ein ‚farbiges, lebensfrohes Bild der Lehens- und Holzrechte‘, die wiederum versprachen, seiner ‚Arbeit Lebensfrische‘ zu geben.“[v]

Man muss sich das klar vor Augen halten: Karl Bosl schreibt ganz entzückt an seinen Arbeitgeber, die SS, am 10.08.1939 einen Brief und spricht von „Lebensfrische“ auf der Alm in Bayern. Wolfgang Benz will davon bis heute nichts wissen oder es macht ihm überhaupt nichts aus. Was sagen dazu Juden, welche mit Benz die letzten Jahrzehnte Zeitzeugengespräche führten ohne zu wissen, bei wem Benz promovierte und wie er sich bis heute dazu verhält?

Sarkastisch vermerkt hingegen Nagel zu Karl Bosls ‚Lebensfrische‘:

„Der bayrische Mediävist bewahrte sich vor allem die eigene Lebensfrische und das über den 8. Mai 1945 hinaus. Indem er es – mit welchen Mitteln auch immer – verstand, die amerikanischen Bildungskommissare auf sich aufmerksam zu machen und sie von seinen Fähigkeiten zu überzeugen, gelangte er nach dem Zusammenbruch rasch wieder nach oben.“[vi]

1964 hielt Bosl einen antisemitischen Vortrag in Nürnberg auf dem „Sudetendeutschen Tag“ und sprach von einer „radikalen Endlösung des deutschen ‚Problems‘ nach hitlerschem Modell“.[vii] Hat Benz denn nicht wenigstens damals die Frankfurter Rundschau zur Kenntnis genommen? Die hatte exakt zu der Zeit als Benz bei Bosl Doktorand war (1965-1968) am 8. Januar 1966 berichtet:

„‘Schwere Vorwürfe der nazistischen Unterwanderung haben ehemalige Mitglieder und Funktionäre der deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei gegen die Sudetendeutsche Landsmannschaft erhoben. In einer am Freitag in München veröffentlichten Erklärung heißt es, 17 ehemalige SS- und SA-Führer bekleideten gegenwärtig in der Sudetendeutschen Landsmannschaft wichtige Funktionen. (…) Unter anderem sind die Namen des über die CSU-Liste in den Bundestag gewählten Abgeordneten Dr. Walter Becher, ehemaliger Redakteur der Zeitschrift Zeit in Reichenberg, genannt sowie des ehemaligen Gauwartes und Kraft-durch-Freude-Hauptstellenleiters Dr. Victor [Viktor, C.H.] Aschenbrenner, des Vorsitzenden des Bundesvorstands der Sudetendeutschen Landsmannschaft und früheren hauptamtlichen NSDAP-Gaurichters, Dr. Franz Böhm, des Münchner Regierungsdirektors Dr. Walter Hergl, der NSDAP-Hauptstellenleiter und Verfasser einer Denkschrift an Hitler gewesen sei, in der die blutige Vernichtung des tschechischen Volkes vorgeschlagen wurde.‘“[viii]

Karl Bosl war nach dem 8. Mai 1945 weiter in rechtsextremen, antisemitischen und revanchistischen Kreisen aktiv und pflegte ohnehin seine völkischen Seilschaften zu vielen ‚treuen‘ Kollegen, namentlich zu  Karl Alexander von Müller und Theodor Mayer, letzterer war einer der Gutachter von Bosls Habilitationsschrift 1944, von Müller wie gesagt der Betreuer der Habil-Arbeit[ix]. Bosl war Mitglied in der „Aktion Ritterbusch“ und wurde zudem vom „Ahnenerbe der SS“ von 1938 bis 1942 bezahlt. Darüber hinaus war Bosl seit 1933 Mitglied in der NSDAP und der SA, seit 1934 im NS-Lehrerbund, von „1935 bis 1938 war er Mitarbeiter der Landesleitung Süd des Bundes deutscher Osten, sowie ab 1939 Kreisverbandsleiter des Reichskolonialbundes in Ansbach.“[x] Der Bund deutscher Osten war eine völkische, nationalsozialistische Organisation, der Reichskolonialbund stand unter der Führung des Kolonialisten, Rassisten, Antisemiten, Militaristen, blutiger Kämpfer gegen die Münchner Räterepublik 1919 und Nazis (Mitglied in der NSDAP ab 1928) Franz Ritter von Epp.

Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass Karl Bosl auch 1981 den Nationalsozialismus lobt und wörtlich schreibt:

„Die Revolution von 1918 hat die Gesellschaft nicht verändert, aber einen grundlegenden egalitären, demokratischen Gesellschaftsprozeß auf der Grundlage der Volkssouveränität eingeleitet, sie hat politisch-verfassungsrechtlich in Bayern und Deutschland überhaupt erst die parlamentarische Demokratie mit Repräsentation des ganzen Volkes begründet. Freilich muß man auch feststellen, daß das ‚Dritte Reich‘ diese egalitäre Gesellschaftspolitik fortgesetzt und vor allem endgültig die alten Elitenschichten und ihre Traditionen beseitigt hat.“

Das antisemitische, völkische Lob auf die „egalitäre Gesellschaftspolitik“ des SS-Staates von Karl Bosl ist Teil deutscher Ideologie vor und nach 1945. Für den Leiter des ZfA hingegen ist Bosl ein „hochangesehener liberaler Gelehrter“ gewesen…


[i] Wilhelm Volker/Walter Ziegler (Hg.) (1998): Im Dienst der Bayerischen Geschichte. 70 Jahre Kommission für bayerische Landesgeschichte, München: C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, S. 481f. Die zitierte Passage ist aus dem Text „‘Gründerjahre‘ – Ein Rückblick“ von Getrud Diepolder.

[ii] Anne Christine Nagel (2005): Im Schatten des Dritten Reiches. Mittelalterforschung in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1970, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 141. Das nachfolgende Zitat “Ein reichlich idealisiertes…” ebd.: 142. Bosl hat im Nationalsozialismus promoviert und habilitiert, sprich: seine Karriere in der Bundesrepublik baut auf seinem aktiven Mittun im SS-Staat auf. „Promoviert bei Karl Alexander von Müller mit einer vorwiegend an Wirtschaftsfragen orientierten Arbeit über das ‚Nordgaukloster Kastl‘, griff seine Habilitationsschrift zur ‚Reichsministerialität der Salier und Staufer‘ weit in das Gebiet der Reichsgeschichte aus. Mit dieser Studie habilitierte sich der katholische Mediävist 1944 an der Münchner Universität, doch kam das damals zweizügige Verfahren – Habilitation  plus mehrstündige Lehrprobe mit anschließender meist verzögerter Verleihung der Venia legendi durch den Reichserziehungsminister – nicht mehr ganz bis zum Abschluß. So erhielt Bosl erst 1948 den Status eines Privatdozenten an der Ludwigs-Maximilians-Universität“ (ebd.: 137).

[iii] Karl Bosl (1990)/1996: Karl Bosl als Zeitzeuge zur bayerischen Geschichte, in: Karl Bosl. Eine Bibliographie. Materialien zur Bayerischen Geschichte und Kultur 3/96, Augsburg: Haus der Bayerischen Geschichte, S. 14-30, hier S. 19. „Die Interview-Aufnahme in zwei Teilen entstand am 11. Juli 1990 im Institut für Unterrichtsmitschau, München, im Rahmen des Projekts ‚Zeitzeugen zur bayerischen Geschichte‘ des Hauses der Bayerischen Geschichte. Die Gesamtlänge des Gesprächs beträgt 101 Minuten. Interviewer war Dr. Karl N. Renner, München. Die Textkürzung und –redaktion für den vorliegenden Abdruck stammt von Dr. Lorenz Maier, Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg. Die Bearbeitung erfolgte unter weitgehender Wahrung des Gesprächscharakters. Bereinigt wurden mit geringen Ausnahmen (…) lediglich gesprächsbedingte inhaltliche Wiederholungen und sprachliche Brüche aus dem Zusammenhang des gesprochenen Wortes heraus“ (ebd.: 14).

[iv] Ebd.: 22.

[v] Nagel 2005: 137f.

[vi] Ebd.: 138. Zum eingebildeten Widerstand von Bosl auch noch diese Stelle: in dem zitierten Interview aus dem Jahr 1990 wird Bosls „NS-Engagement“ „nicht erwähnt, statt dessen stellt sich Bosl in die Reihe des Widerstands. Auf die Frage Renners, wie denn sein ‚aktiver Widerstand‘ ausgesehen habe, antwortete Bosl: ‚Ja, das sah so aus, daß man jahrelang – wie soll ich sagen – Propaganda gegen das Dritte Reich gemacht hat, und zwar durch Flugblätter.‘ Bosl wollte diese Flugblätter handschriftlich angefertigt haben; Beweisstücke existierten aber nicht mehr“ (ebd.: 137, Anm. 139.).

[vii] Karl Bosl (1964): Nürnberg – Böhmen – Prag. Vortrag vor dem Witikobund, gehalten am 12. Mai 1964 in Nürnberg im Rahmen des Sudetendeutschen Tages, in: ders., Nünberg Böhmen Prag, München: Eigenverlag des Witikobundes e.V., S. 5-18, hier S.  6. Der zweite Text dieser kleinen Broschüre ist von einem anderen alten Nazi, Dr. Viktor Aschenbrenner (1964): Blütezeiten der Kultur in Böhmen, Mähren und Schlesien, ebd., S. 19-34, zu Aschenbrenner: Kurt Nelhiebel (1962): Die Henleins gestern und heute, Frankfurt am Main: Röderberg Verlag. „Dr. Viktor Aschenbrenner, früher: Leiter der Sudetendeutschen Kulturgesellschaft in Berlin und Leiter des sudetendeutschen Referates im VDA in Berlin bis zum Jahr 1938, Gauvolksbildungswart der NS-Gemeinschaft ‚Kraft durch Freude‘, Gauhauptstellenleiter der NSDAP; heute: Mitglied des SL-Bundesvorstandes, Kultur- und Volkstumsbeauftragter im Bundesvorstand des SL, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des ostmitteleuropäischen Schrifttums. Mitglied des kulturpolitischen Ausschusses des BHE, Herausgeber der Zeitschrift ‚Sudetenland‘, Regierungsrat im hessischen Kultusministerium (wird von der Schulabteilung für ostkundliche Arbeiten herangezogen)“, Nelhiebel 1962, S. 72.

[viii] Frankfurter Rundschau, 8. Januar 1966, zitiert nach Kurt Hirsch (1967): Kommen die Nazis wieder? Gefahren für die Bundesrepublik, München: Verlag Kurt Desch, S. 135f.

[ix] Vgl. Volkert/Ziegler (Hg.) (1998), S. 393.

[x] Volkert/Ziegler (Hg.) (1998), S. 392.

1944 and 2010 – a Nazi historian and his student…

UPDATE: zu deutschsprachigen Texten zur Causa Karl Bosl und Wolfgang Benz siehe den ersten Text vom 15.01.2010:

http://clemensheni.wordpress.com/2010/01/15/455/

Vom 27.03.2010:

http://clemensheni.wordpress.com/2010/03/27/erlangen-19442010-%E2%80%93-die-%E2%80%9Eaktion-ritterbusch%E2%80%9C-bosl-und-benz/

sowie den jüngsten Artikel vom 09.04.2010:

http://clemensheni.wordpress.com/2010/04/09/lebensfrische-auf-der-alm-deutsche-ideologie-und-geschichtswissenschaft-seit-1933/

und weitere Texte auf dieser Homepage…

By Christopher Hale and Clemens Heni

Recently we have been in Riga, protesting against the march of former Waffen-SS men and their Neo-Nazi friends who annually commemorate their comrades who fought in the ‘Latvian Legion’ recruited by Heinrich Himmler. What is the German reaction to such a political demonstration in favor of the fight of Latvians side by side with Hitler’s Wehrmacht and SS against the Red Army? Maybe Germany today is too busy with looking for shredded Stasi files, as the London Times reported recently…

This kind of obsession with Stasi files is interesting if we look at a genuine scandal in German academia. A Ph.D. supervisor is perhaps the most influential person in one’s academic career. You must choose carefully and confidence and integrity is essential in such a relationship. Dr. Wolfgang Benz

Prof. Wolfgang Benz

is the head of the Institute for Research on Antisemitism (ZfA), based at Berlin’s Technical University in the heart of West Berlin. This institute and its director are supposed to deal critically with the Nazi past. However, Benz wrote his Ph.D. in 1968 under the auspices of Prof. Karl Bosl in Munich. Benz contributed to a volume to honor Bosl on his 80th birthday in 1988. Two years later Benz became head of the one and only Center for Research on Antisemitism (ZfA) in Germany. In 1990 Bosl gave a long biographical interview to a journalist, claiming that he played no part promoting Nazi ideology in the Hitler period.

The truth is very different:

Prof. Karl Bosl

Karl Bosl (1908-1993) was himself a member of the Nazi party (NSDAP) and the Stormtroopers (SA) from 1933, the Nazi Teachers’ Association from 1934. In 1938, he was paid by the infamous “Ahnenerbe der SS” (“German Ancestral Heritage Society”), to work on a big “scholarly project”. The Ahnenerbe supported lethal experiments on humans in concentration camps (KZ), including Dachau and Natzweiler.

Bosl also took part in the so called “Aktion Ritterbusch”, a major project of “the humanities” in Nazi Germany (including history, art history, archeology, law, and other fields), named after Paul Ritterbusch, a Nazi party member from 1932, who declared that “Jews” do not belong to the “new German nation”. The Aktion Ritterbusch (“German Humanities at War”) included up to 700 leading academics, including famous Carl Schmitt, Theodor Schieder, and Hans-Georg Gadamer. Their aim was to prove German ‘racial’ superiority. The “Aktion Ritterbusch” contributed to the “Generalplan Ost”, which envisioned murdering some 25 million people to make agriculture more “German” (read: productive in a Nazi sense), to settle Germans or pro-German people on various territories.

Even after the unconditional surrender of Nazi Germany, Bosl continued to participate in pro-Nazi activities. For example, he edited volumes to honor Theodor Mayer in 1963. Mayer, a member of the NSDAP since 1937, was a very influential academic in the Nazi period and took part in the ‘Aktion Ritterbusch’. Bosl also honored Karl Alexander von Müller in 1964: von Müller was the Ph.D. supervisor of Bosl in 1938 and a very close friend of Hitler and a committed Nazi from the early 1920’s, and a member of the Nazi party in 1933. Von Müller gave an address on November 19, 1936, for the opening of the “Forschungsabteilung Judenfrage des Reichsinstituts für die Geschichte des neuen Deutschlands” (“Research Department ‘Jewish Question’ at the Reich’s Institute for the History of the New Germany”) at Munich University. This means that von Müller contributed to the Holocaust – which began with the legal exclusion of German Jews from the rest of German society – which provided the justification for any anti-Jewish action.

Bosl participated in a conference in Erlangen, on April 18 and 19, 1944 of the above mentioned “Aktion Ritterbusch”, which was co-headed by Theodor Mayer. Mayer was also awarded a honorary doctorate from the same university of Erlangen in 1942…Finally Bosl was part of the supposedly last conference of German historians (and the “Aktion Rittersbusch” as well), which took place on January 16 and 17, 1945. This conference honored the “Führer” at his birthplace in Braunau am Inn (Austria). The conference took place in the restaurant “Gann” at the “Adolf-Hitler-Platz”.

Today's "Hotel Gann" was in 1945 "Gasthaus Gann" at the "Adolf-Hitler-Platz" - a "Hotel with tradition" as they say literally...

The local chapter of the Nazi party served game and fish.

In the same city of Erlangen on March 21, 2010, Wolfgang Benz was confronted with these facts about his supervisor. Was he ashamed? He aggressively answered,  “no”  and said that “Bosl was widely regarded a highly respected liberal scholar”.

What about Bosl’s post-war activities? Was he as Benz claims a great liberal, remorseful for his past and ashamed of his contribution to the Nazi regime? Not at all. He lied in a long biographical interview in 1990 about his past, and, well, he spoke in 1964 at a conference of the so called “Witikobund”, an organization of German displaced persons (“Vertriebene”), many of whom had been in the Nazi party until 1945. He accused Czechoslovakia of having committed a “final solution” of the German problem in a “Hitlerian” way… Read: the Holocaust was not at all unique, the German displaced persons had or have become victims of a similar crime as the Jews in Auschwitz, Treblinka, Sobibor or the woods near Riga or Vilnius.

In a book on “Bavaria” Bosl wrote in 1981 that the “Third Reich” “kept on working for egalitarian policies for the entire society”. This is an anti-Semitic erasure of the anti-Jewish politics of Nazi Germany! In 1983 Benz was part of a huge “Tabula Gratulatoria” (list of congratulators) for Bosl’s 75th birthday. In an announcement for a public lecture of Benz in the city of Aalen on November 26, 2009 was proudly mentioned that Bosl was the Ph.D. supervisor of Benz in 1968.

Benz said that Bosl was regarded as a liberal in the 1960s. Well, as it happens, the mainstream Frankfurter Rundschau daily reported in January 1966 about several former Nazis who now played a key role in the “Sudetendeutsche Landsmannschaft”, the umbrella organization of those expelled Germans (from Czechoslovakia) where the “Witikobund” was included. For Germans at that time this “Landsmanschaft” was quiet well known for its anti-Semitic and right-wing extremist character. Bosl spoke at the yearly conference of that group in 1964 and the Witikobund itself, who published Bosl’s lecture, was found in 1950 in the city of Stuttgart exclusively (!) by former NSDAP- or SS-members!

To sum up: Karl Bosl was a committed Nazi, a member of several Nazi organizations, and even paid by the SS for his ‘research’. After 1945 Bosl was still a close friend to former Nazis like von Müller, Theodor Mayer or anti-Semitic and revisionist organizations like the Witikobund. Bosl was also member of the British Academy of Science in London. We are sure they did not know about his Nazi career! The British Academy of Science has to revoke Bosls membership.

How should we deal with the fact that Prof. Benz passes over in silence, without the slightest sign of regret, the manifold Nazi activities of his mentor Bosl? Perhaps Benz is nowadays too busy working overtime to equalize anti-Semitism with “Islamophobia”, which he did several times publicly over the last few months.

Downplaying the uniqueness of the Holocaust while continuing to remain silent about his own Ph.D. supervisor’s Nazi career: Benz has to resign from his position as director of the Institute for Research on Antisemitism (ZfA). Ignoring the Nazi legacy of his beloved Ph.D. supervisor and colleague Karl Bosl cannot be tolerated from an academic in such an important and influential position.

Bosl honored a Nazi like Karl Alexander von Müller, who gave an address to an anti-Semitic institute in 1936 to prepare the Holocaust, until 1964. This is unacceptable and a researcher on anti-Semitism like Prof. Benz who is still proud of Bosl, cannot stay director of a research institute on anti-Semitism!

Christopher Hale is a British writer and documentary producer. He is the author of Himmler’s Crusade : the true story of the 1938 Nazi expedition into Tibet, London : Bantam, 2003. xiv, 422 p; Hale is now researching and writing Hitler’s Foreign Executioners…

Dr. Clemens Heni is a political scientist, he published two books on German antisemitism and was published by scholarly journals in the US, Israel, New Zealand and Germany. Until August 2009 he was a post-doctoral researcher at the Yale Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism

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